Schwarzweißfotos aus Jpg-Dateien

Schluss mit bunt: Schwarzweißfotos erstellen

In der vorigen Lektion wurde gezeigt, wie man mit simulierten Farbfiltern im Raw-Konverter Schwarzweißbilder aus Raw-Dateien „entwickeln“ kann, die bestimmte Kontraste hervorheben oder mildern. Wer also den Kontrast zwischen Wolken und Himmel auf dem Schwarzweißfoto verstärken möchte, verwendet z.B. einen Orange- oder Gelbfilter bzw. simuliert diesen digital im Raw-Bearbeitungsprogramm.

Was aber, wenn als Ausgangsmaterial keine Raw-Datei zur Verfügung steht, sondern eine Jpg-Datei oder ein Tiff? Oder wenn einem die Steuerung über wenige Filterfarben zu ungenau ist und man die Wirkung lieber exakt und stufenlos beeinflussen möchte? Dann helfen verschiedene Möglichkeiten der Schwarzweiß-Konvertierung im Bildbearbeitungsprogramm – sei dies nun Gimp, Photoshop, PhotoImpact, etc.

Im Folgenden werden verschiedene Möglichkeiten vorgestellt, aus Farbfotos kontrastreiche Schwarzweißbearbeitungen zu machen. Welches Verfahren zum Einsatz kommt, ist eine Frage des Motivs, aber auch der persönlichen Vorlieben bzw. des Aufwands, den man treiben möchte. Schaut selbst, welche Methoden Euch am besten gefallen. Wie immer lassen sich die Screenshots und Beispielfotos natürlich zum Vergrößern anklicken.

Heißluftballonstart

Rheinufer in Mondorf

Als Beispielfoto für diese Lektion habe ich ein Farbfoto aus der „Vor-Raw-Zeit“ herausgesucht. Es entstand im Sommer 2001 mit meiner damaligen Olympus C-3000 Zoom, einer 3-Megapixel-Kompaktkamera. Das Raw-Format lernte ich erst 4 Jahre später mit dem Kauf meiner EOS 20D kennen und schätzen. Die alten Bilder gibt es daher „nur“ als Jpg.

Vor der Konvertierung habe ich über die Gradationskurven im Farbfoto noch ein wenig die Kontraste optimiert. Je besser die farbige Basis für die Schwarzweiß-Umwandlung ist, desto überzeugender werden auch die Ergebnisse.

Möglichkeit 1: Farben komplett entsättigen

Screenshot 1

Farben entsättigen

Die simpelste Möglichkeit, ein Farbfoto in Schwarzweiß umzuwandeln, ist folgende: Den drei Farbkanälen (RGB = Rot, Blau, Grün) wird die Farbsättigung zu 100% entzogen. Das Bild bleibt demnach vom Dateiformat her ein Farbfoto, wenn auch mit 0% Sättigung.

Eine nette Variante dieser SW-Umwandlung ist übrigens, die Sättigung nur um 90 oder 95 Prozent zu reduzieren. Dann sieht es auf den ersten Blick aus wie ein Schwarzweißfoto, aber bei genauerem Hinsehen entdeckt man noch leichte Farbreste. Man kann dies sehr subtil machen, so dass der Betrachter sich fragt, ob z.B. die Blume im SW-Foto ihm nur ganz schwach rötlich vorkommt, ob es also eventuell eine optische Täuschung ist. Dies nur als kleine Anregung für eigene Experimente.

Hier soll es nun aber um „echtes“ SW gehen, und daher steht der Regler im Entsättigen-Dialog auf Minus 100. Jeder der drei RGB-Farbkanäle trägt also zu einem Drittel am Gesamtergebnis bei, wird also gleich gewichtet.

Wichtig ist übrigens, diese Änderungen nur an einer Kopie des Farbbildes zu machen und keinesfalls am Original. Denn wenn man die Farben einmal entfernt hat sind sie bei Tif und Jpg wirklich weg und können nicht – wie bei Raw – später wieder hergestellt werden. Man sieht an dem Screenshot, dass das Farbbild oben links zum Vergleich in der Ecke geöffnet ist, während der Sättigungs-Dialog an einem Duplikat des Fotos zu Werke geht.

Möglichkeit 2: Bild in Graustufen umwandeln

Screenshot 2

Graustufen-Umwandlung

Eine ebenso schnelle Möglichkeit ist, den Dateityp (die Farbtiefe) des Bildes vom Bildbearbeitungsprogramm ändern zu lassen. Bei PhotoImpact findet sich die Funktion im Menü „Einstellen – Datentyp umwandeln – Graustufen“. Da diese Funktion automatisch ein neues Fenster für das Graustufenbild öffnet, braucht man hier übrigens nicht vorher das Originalbild zu duplizieren.

Im Gegensatz zu Methode 1 werden bei dieser Umwandlung die Farbkanäle nicht gleich stark gewichtet, sondern der Grünkanal bekommt einen stärkeren Einfluss auf das Ergebnis – ähnlich wie es auch Schwarzweißfilm macht. Dies entspricht auch unserem natürlichen Sehen entsprechend der Bedeutung im Lebensraum unserer Vorfahren: Grün nehmen wir als eine hellere Farbe wahr als Blau – auch wenn diese Farben messbar die gleiche Intensität haben. Man kann dies sehr schön an dem Farbkeil in der Lektion Monitor-Einstellung ausprobieren.

Aus diesen Gründen wandeln die meisten Programme Farbfotos zu Graustufen mit folgenden Prozent-Anteilen der einzelnen Kanäle:

Rot 30%, Grün 59%, Blau 11%

Das Ergebnis sieht auf den ersten Blick der SW-Umwandlung nach Methode 1 ziemlich ähnlich (links: Farben entsättigen, rechts: Graustufen umwandeln):

Wenn man genauer schaut, offenbaren sich jedoch einige Unterschiede. Wie zu erwarten, erscheint die Wiese bei Methode 2 heller, denn hier wird der Grünkanal ja stärker berücksichtigt.

Deutlich wird es auch in den ehemals gelben und roten Teilen der Ballonbeschriftung: Der Firmenname Hartmann war ja ursprünglich vorne orangerot und hinten gelb geschrieben. Während sich diese Teile in der entsättigten Version nur mäßig voneinander unterscheiden, wird der Kontrast in der Graustufenkonvertierung deutlicher. Grund ist hier vor allem der abgeschwächte Blaukanal, denn die Komplementärfarbe von Blau ist bekanntlich gelb. Wenn man also den Blaukanal reduziert, hebt sich das Gelb im Foto relativ stärker hervor.

Schaltet man zwischen den beiden Bildern direkt hin und her (z.B. indem man mit rechter Maustaste die beiden großen Bilder in verschiedenen Tabs darstellen lässt und diese dann abwechselnd nach vorne klickt), dann sieht man, dass die unterschiedliche Art der Graustufen-Umwandlung auch dazu führt, dass die plastische Wirkung der Ballons sich ändert. Das Verhältnis von Licht und Schatten auf den Ballons ändert sich.

Gerade für solche Effekte wäre es daher wünschenswert, das Verhältnis der einzelnen Farbkanäle frei wählen zu können und nicht auf „33/33/33%“ bzw. „30/59/11%“ festgelegt zu sein. Damit sind wir bei der Königsdisziplin der Graustufenumwandlung:

Möglichkeit 3: Kanalmixer

Screenshot 3

Kanalmixer -18/5/113

Um die Anteile der drei Farbkanäle bei der Graustufen-Umwandlung frei bestimmen zu können, wurde der Kanalmixer erfunden. Bei manchen Programmen wie z.B. Photoshop ist der im Programm enthalten; bei anderen – wie z.B. bei PhotoImpact – fehlt er von Haus aus, aber er kann als photoshopkompatibles Plugin nachgerüstet werden. Eine kostenfreie Version des Graustufen-Kanalmixers für Windows gibt es hier: SimpelFilter GrayMixer LE. Wie solche Plugins in das Bildbearbeitungsprogramm eingebunden werden, schaut man am besten in der Anleitung der Bildbearbeitung nach.

Screenshot 4

Kanalmixer 62/80/-83

Im Kanalmixer kann man durch Schieberegler den Anteil der drei Farbkanäle in weitem Umfang frei wählen. Im Feld „Überlauf“ wird automatisch angezeigt, ob die Summe der drei Kanäle über oder unter der 100%-Marke liegt, die hier als Nulllinie angesehen wird. Mit der Option „Clipping Warnung“ wird in der Graustufen-Vorschau angezeigt, welche Pixel an den Rand des Kontrastumfangs stoßen, also komplett weiß bzw. komplett schwarz wiedergegeben werden. So kann man verhindern, dass größere Bildbereiche „ausbrennen“ bzw. „absaufen“.

Man kann durch „Lock“ einzelne Kanäle auf einem festen Wert arretieren, ansonsten werden sie automatisch angepasst, sobald ein anderer Regler verschoben wird.

Die erste Konvertierung habe ich beispielhaft mit den Werten -18, +5 und +113 vorgenommen, was in der Summe genau 100% ergibt. Mit dem Gamma-Wert wurde das Bild noch insgesamt leicht aufgehellt. So erhält man eine Konvertierung mit ziemlich hellem Himmel und sehr dunkel wiedergegebenen Rottönen. Das zweite Beispiel erzeugt hingegen fast einen „Nachthimmel“. Durch massives Absenken des Blaukanals wird der Himmel fast schwarz. Dass es nicht wirklich eine Nachtaufnahme sein kann, sieht man beispielsweise an den Kanten der Heißluftballons; deren Lichtsaum sieht für eine Nachtaufnahme unnatürlich aus und müsste noch nachkorrigiert werden. Wegen Nachtflugverbot für Ballonfahrer verzichte ich aber darauf…

Hier können die beiden Graustufenbilder größer betrachtet werden:

Wie gesagt: Dies sind nur Beispiele, keine Kunstwerke. Es sollen die extremen Möglichkeiten der Konvertierung mit dem Kanalmixer deutlich werden. Wenn es darum geht, das Bild möglichst „gut“ in Graustufen zu übertragen, würde ich natürlich nicht solche Extreme verwenden. Man erkennt gerade bei dem dunklen Bild auch ganz gut, dass Bildfehler in einzelnen Kanälen bei solch krassen Konvertierungen leichter ins Auge fallen. Aber es wird hoffentlich deutlich, dass man mit dem Kanalmixer ein sehr kreatives Werkzeug zur Hand hat, mit dem sich die Umwandlung von Farbfotos in Schwarzweiß perfekt steuern lässt. Viel Spaß bei eigenen Experimenten.

Mondorf, Ballonstart Mondorf, Ballonstart Mondorf, Ballonstart

Auf und davon: Ballonstart in Mondorf am Rhein

 

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8 Antworten zu Schwarzweißfotos aus Jpg-Dateien

  1. RoFrisch schreibt:

    Hier noch ein „ganz toller“ Kommentar zu dieser Lektion aus meinem alten Fotokurs:

    #1 Stefan schrieb am 19.10.2010 10:36

    Schwarzweiß enthält keine Graustufen!!! Hier geht es um eine Konvertierung in Graustufen :-( Leider. Bin auf der suche nach einer Lösung für Schwarzweiß.

    • RoFrisch schreibt:

      Jo jetzt echt? Ist mir ja ganz neu, dass Schwarzweiß keine Graustufen enthält. Schwarzweißfotos und Schwarzweißfilme enthalten ja auch keine Graustufen. ;-)

      Lies einfach die Lektion über Farbtiefe im Aufbaukurs, auch meine dortigen Anmerkungen zum Dithering, und schon hast Du die technischen Voraussetzungen. Dann brauchst Du Deine Bilder nur noch auf eine Farbtiefe von 1 Bit zu reduzieren, und schon kannst Du die Erfindung des Faxgerätes patentieren lassen. Oder des Atari-ST-Monitors. ;-)

      Im Ernst: Tut mir leid, dass die Lektion nicht Deinen Erwartungen entsprochen hat. Aber eine Konvertierung in reines SW ohne Graustufen ist nichts, worüber sich eine eigene Lektion zu machen lohnt.

      Lg, Roland

  2. Jörn schreibt:

    Hallo Roland,

    die wirksammste Methode zur S/W-Konvertierung hast Du aber unterschlagen.
    Nennt sich in Gimp bis 2.8 GEGL/C2G und ist ab 2.9 unter Farben/Entsättigen/In Graustufen wandeln zu finden.

    VG
    Jörn

  3. Jörn schreibt:

    @ Okay, man hat bei Gimp immerhin 3 Presets zur Wahl (Helligkeit, Leuchtkraft, Durchschnitt), aber eben kein Feintuning wie im Kanalmixer

    Das stimmt aber auch nicht…

    • Jörn schreibt:

      So, ich bin nun zu hause und habe mal Gimp gestartet. Unter einer Ubuntu-Version, das Menü kann der Paketbauer unter Suse oder Windows anders angeordnet haben.

      Was in Gimp als Kanalmixer bezeichnet wird, dient glaube ich nicht zur S/W-Konvertierung. Es gibt dort jeweils ein RGB-Regler pro Farbkanal

      Der G’MIC-Kanalmixer verdügt außer über RGB-Regler noch über Regler Smothness, Contrast, Brightness, Hue, Saturation, Grain, Gamma usw.

      Die einfache Art für quick & dirty-S/W-Konvertierung, mit einem Farbregler pro Kanal, wird bei Gimp mit Mono-Mixer bezeichnet.

      Eine rechenintensive S/W-Konvertierung, wird wie bereit oben genannt, als Grau-Einfärbung bezeichnet.

      VG Jörn

      PS. Ich habe mich hier auf Gimp 2.9.x bezogen

    • Jörn schreibt:

      Übrigens, das G’MIC-Tool, welches sich Gimp einverleibt, gibt es auch als separate Online-Version: https://gmicol.greyc.fr/ ;-)

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