Panorama zusammenbauen

Making-of: Wie das Warnemünde-Panorama entstand

Blick vom Leuchtturm (Thumbnail)

Blick vom Leuchtturm Warnemünde

In der Panoramen-Fotogalerie habe ich das 360-Grad-Panorama bereits gezeigt, für das ich auf dem Leuchtturm in Warnemünde 32 Einzelfotos aufgenommen habe. Hier nun gibt es das „Making-of“ dazu; eine Erläuterung, wie aus diesen 32 Bildern das oben zu sehende Riesenfoto geworden ist (das man – wie auch die folgenden Screenshots – anklicken kann, um es vergrößert zu sehen).

Aufnahme der Einzelbilder und grundsätzliche Vorgehensweise

Leuchtturm Warnemünde

Leuchtturm Warnemünde

Üblicherweise werden gute Panoramen vom Stativ mit genau waagerecht ausgerichteter Kamera fotografiert, wobei das optische Zentrum der Linse genau über dem Drehpunkt liegen sollte. Dies erreicht man mit einem sogenannten Nodalpunkt-Adapter. Nur so ist gewährleistet, dass sich Vordergrund und Hintergrund beim Schwenken der Kamera nicht gegeneinander verschieben.

Die besondere Herausforderung bei dem Leuchtturm-Panorama war nun, dass die Bilder nicht im Nodalpunkt gemacht werden konnten, weil sich ja der umlaufende Balkon des Leuchtturms etwa 2-3 Meter vor dem Nodalpunkt befindet. Für jedes Foto muss der Fotograf einen Schritt zur Seite gehen, so dass sich der Vordergrund gegenüber dem Hintergrund deutlich verschiebt.

Darüber hinaus ist auf dem engen und von Touristen bevölkerten Balkon ein Einsatz des Stativs nicht sehr praktikabel. Daher blieb mir nichts anderes übrig, als die Fotos freihändig zu machen. Die Ausrichtung der Kamera erfolgte anhand des Horizonts, der genau in Bildmitte jedes Hochformat-Fotos zu liegen kommen sollte. Zur Orientierung sind dabei die Autofokus-Messpunkte im Sucher ganz praktisch.

PhotoImpact-Screenshot

Aufnahme und Vorbereitung

Die Kamera wurde mit einem 28mm-Objektiv bestückt, weil eine Festbrennweite weniger verzeichnet und nicht die Gefahr besteht, dass sich der Zoom während der Aufnahmeserie versehentlich verstellt.

Ferner wurde auf manuelle Fokussierung und manuelle Belichtung geschaltet. Ein Belichtungswert, der für alle Bilder geeignet ist, wurde durch Anvisieren der hellsten Richtung herausgefunden und fest eingestellt (1/200 Sekunde bei Blende 11). Auch der Weißabgleich sollte nicht auf Automatik stehen, sondern bei allen Aufnahmen gleich sein. Wer Raw-Dateien fotografiert, kann den Weißabgleich aber auch nachträglich am PC für alle Fotos gleich einstellen (und auch die Belichtung der Serie noch optimieren), wenn er die Jpgs aus den Raw-Dateien erzeugt.

Nun wurde manuell so scharf gestellt, dass möglichst das ganze Motiv im Bereich der Schärfentiefe liegt. Am Fokusring darf während der Aufnahmeserie auch nicht gedreht werden, denn sonst passen die Bilder weniger gut aufeinander.

Die Fotoserie begann nun (auf dem unteren Balkon des Leuchturms) bei dem markanten Gebäude gegenüber von dem „Teepott“ – das ist das Gebäude neben dem Leuchtturm, das auf dem fertigen Panorama etwa in Bildmitte nur als seltsam geschwungenes Dach zu sehen ist. Anhand der Gitterteilung des Balkongeländers ging ich für jedes Foto ein Stückchen nach rechts und richtete die Kamera möglichst genau freihändig aus. Immer ein Bild in Geländermitte und ein Bild am Geländerpfosten. Auf diese Weise enstand die Serie von insgesamt 32 Fotos mit reichlich Überlappung.

Auch 16 Bilder hätten schon ausreichende Überlappung gehabt, wie der oben gezeigte Screenshot erkennen lässt, bei dem ich die Bilder 1, 3, 5, 7, 9… in die obere Reihe gelegt habe und die Zwischen-Bilder 2, 4, 6, 8, 10… in die untere Reihe. Dennoch war es sehr gut, dass ich auch die Zwischen-Bilder aufgenommen habe, denn alle 32 Bilder wurden für das fertige Panorama gebraucht.

Stitching der Fotos zu Panoramen

Das „Stitching“ (Zusammenfügen von Einzelfotos zu einem Panorama) machte ich mit dem Programm PhotoStitch, das bei meiner Canon EOS dabei war. Es gibt inzwischen aber auch leistungsfähigere kostenlose Software, beispielsweise Hugin (siehe auch die Softwaretipps in den Leserkommentaren zu dieser Seite).

Erwartungsgemäß klappte das Stitching insbesondere im Vordergrund nicht besonders gut, da ja die Kameraposition zwischen den Bildern jeweils ein Stück weit verschoben wurde. Wurden alle 32 Aufnahmen zum Stitching verwendet, wurde es sogar noch schlechter als bei Verwendung von ’nur‘ 16 Aufnahmen, denn die Anzahl der misslungenen Übergänge erhöhte sich.

Dies brachte mich auf die Idee, zwei verschiedene Stitchings durchzuführen. Einmal nur die ‚ungeraden‘ Bildnummern und dann getrennt davon in einem zweiten Durchgang die ‚geraden‘ Bildnummern. Also einmal die obere und dann die untere Bildreihe beim obenstehenden Screenshot.

PhotoImpact-Screenshot

Stitching in 2 Versionen

Das erste und letzte Bild wurde bei beiden Panoramen jeweils mit hinzugenommen, damit diese gleich groß werden würden. Im Bereich vom „Teepott“ kam das Stitching-Programm dennoch zu stark durcheinander, weshalb dort von der beschriebenen Reihenfolge abgewichen werden musste. Aber prinzipiell war die Vorgehensweise „ein Panorama aus den geraden Bildnummern und ein zweites aus den ungeraden Bildnummern“.

Das Ergebnis zeigt der zweite Screenshot: In der Gesamtansicht der Panoramen kann man kaum Unterschiede ausmachen, aber wenn man bestimmte Stellen größer zoomt, dann sieht man, dass die Nahtstellen in unterschiedlichen Bildbereichen liegen. Als Beispiel dient der vergrößert angezeigte Flachbau. Einmal gehen die Stitching-Fehler durch die Treppe am linken Bildrand, während sie bei dem anderen Panorama durch das Flachdach gehen, wobei aber die Treppe fehlerfrei abgebildet ist.

Korrektur der fehlerhaften Nahtstellen

Nun begann das große Puzzeln. Zunächst sucht man sich das bessere der beiden Roh-Panoramen als Grundlage aus, und das andere dient als „Ersatzteilspender“, um daraus „Flicken“ auszuschneiden, die an die schadhaften Stellen des ersten Panoramas eingesetzt werden können. Gute Bildbearbeitungsprogramme wie z. B. das von mir verwendete PhotoImpact haben die Möglichkeit, in Bilddateien mit Ebenen und Objekten zu arbeiten. Zwar bin ich, was diese Arbeitstechniken angeht, noch in der Probier- und Lernphase, und vielleicht gibt es noch elegantere Arbeitsweisen, aber ich beschreibe hier, wie ich dabei vorgegangen bin.

Stück für Stück kann man nun die schadhaften Stellen in Panorama 1 mit Flicken aus Panorama 2 überdecken:

  • Man schaut zunächst in Panorama 1, welche Stelle verbessert werden soll.
  • Dann markiert man mit dem Auswahl-Werkzeug einen (meist rechteckigen) Ausschnitt der entsprechenden Stelle in Panorama 2, das ja an dieser Stelle fehlerfrei ist. Der Flicken sollte mit weicher Auswahlkante (Vignette) ausgeschnitten werden, damit man die Übergänge beim Einfügen nicht sieht.
  • Mit STRG-C (oder im Menü ‚Bearbeiten – Kopieren‘ kann man den Flicken in die Zwischenablage kopieren.
  • Dann aktiviert man das andere Bild durch anklicken und fügt mit STRG-V (oder ‚Bearbeiten – Einfügen‘) den entsprechenden Flicken über der schadhaften Stelle ein.
  • Mit den Verformwerkzeugen lässt sich dieser Flicken strecken und zerren, bis er pixelgenau über die Reparaturstelle passt. Oft ist es dabei hilfreich, über den Ebenen-Manager des Programms das gerade aktive Objekt halbtransparent zu machen. Auch bewährt es sich, die gestrichelten Auswahl-Rahmen ggf. unsichtbar zu schalten (über das Menü ‚Ansicht – Rahmen zeigen‘).
  • Wenn der Flicken schließlich genau sitzt, muss man ihn natürlich wieder undurchsichtig machen (Transparenz 0). Bei dieser Gelegenheit kann man ihn im Ebenen-Manager auch gleich in seiner Position fixieren, damit man ihn nicht durch einen unbedachten Mausklick versehentlich verschiebt.

Dies ist die grundsätzliche Vorgehensweise, mit der man nun etwa 2 bis 3 Abende verbringen kann, bis Flicken für Flicken alle Stitching-Fehler im Panorama 1 gut mit entsprechenden Ausschnitten aus Panorama 2 kaschiert sind. Die folgenden Screenshots zeigen einige dieser Reparaturstellen:

PhotoImpact-Screenshot

Fehlerhafte Nahtstellen reparieren

Die Nahtstelle lag hier genau im Bereich des Knicks zwischen mittlerem und rechtem Dachbogen des „Teepotts“. Rechts im Bild Panorama 1 im Zustand vor der Reparatur. Deutlich sieht man, dass die Dachkante des mittleren Bogens nicht sauber an den rechten Bogen anschließt. Der eingefügte und entsprechend gezerrte Flicken stellt den Verlauf der Kanten und auch den schmalen Dachpappe-Streifen auf dem Dach’first‘ wieder korrekt her. Allerdings hat der Retuscheur hier gepfuscht, denn die einzelnen Dachpappe-Bahnen sind keineswegs perfekt retuschiert. Aber was soll’s? Die meisten Dachdecker pfuschen beim Verkleben ihrer Bahnen noch viel mehr…

Ebenso wurde auch die Horizont-Linie mit Flicken entsprechend aneinander angepasst. Die Stitching-Fehler am Horizont kommen meist von Ungenauigkeiten in der Kamera-Haltung, die ja leider nicht auf dem Stativ stand. Oder aber die Stitching-Software hat sich durch den arg verschobenen Vordergrund auch beim Hintergrund verrechnet.

Auch die ‚Pfütze‘ und die Uferlinie hatten erkennbare Stitching-Fehler, die mit einem größeren Flicken ausgebessert werden konnten.

PhotoImpact-Screenshot

Fehlerhafte Nahtstellen reparieren

Die „Ferienwohnung mit Sonnenterasse“ hat es beim Stitching leider auch zerlegt. Das Schild am Geländer zeigte leichte Auflösungserscheinungen bei den letzten Ziffern der Telefonnummer.

Schlimmer noch traf es das Fenster darüber. Auch dies konnte mit einem passenden Flicken korrigiert werden. Dabei wurde der Ausschnitt für das Fenster so groß gewählt, dass er Teile der intakten Fenster enthielt. So ließ er sich recht einfach perspektivisch korrekt einfügen.

Leider überdeckte er dabei teilweise den Gartenstuhl und den weißen Tisch vor den äußeren Fenstern. Da diese etwas näher zur Kamera waren, stimmte die Perspektive hier wieder nicht. Mit dem „Objekt-Radierer“ kann man jedoch in dem ausgewählten Flicken die entsprechenden Stellen ausradieren, so dass wieder der Untergrund sichtbar wird. Dies erklärt die Einbuchtungen in der Form des Flickens.

Das Flachdach wurde mit dem Lasso grob ausgeschnitten und dann entsprechend verzerrt, bis es sich nahtlos in Panorama 1 einfügte. Die Verwendung des Lassos war hier praktischer als ein rechteckiger Ausschnitt.

Das Hafenbecken hinter dem Haus enthielt in Panorama 1 etwas zu viele halbe Boote. Doch schon wenige Minuten später waren die halben Boote gesunken. Ganze Boote sind auch einfach seetüchtiger als halbe.

PhotoImpact-Screenshot

Fehlerhafte Nahtstellen reparieren

Bei Villa Brunhilde mussten noch einige „Erdbebenschäden“ beseitigt werden, bevor sie nun verkauft werden kann. Falls jemand die Telefonnumer haben möchte – auf dem folgenden Bildausschnitt kann man sie so gerade noch lesen:

Zu VerkaufenNähere Infos über das Haus gibt es hier. Viel Freude an der neuen Immobilie. :-)

PhotoImpact-Screenshot

Fehlerhafte Nahtstellen reparieren

Beim „Hotel am Leuchtturm“ bot sich eine großflächigere Arbeitsweise an: Da die gesamte vordere Ecke des Hauses verbeult war, wurden 2 der 5 Frontseiten-Elemente in ganzer Höhe des Gebäudes ausgeschnitten. Dieses große Stück ließ sich dann problemlos in korrekter Perspektive in Panorama 1 einpassen. Mit dem Objekt-Radierer (und weicher Auswahlkante) wurde der Übergang zur Seitenwand kaschiert.

Die obere rechte Ecke saß nicht ganz perfekt und bekam daher einen eigenen Mini-Flicken. Auch passten das Geländer und das Dach nicht ganz an die neue Haus-Ecke und wurden daher mit Trostpflästerchen beklebt.

PhotoImpact-Screenshot

Fehlerhafte Nahtstellen reparieren

Da sich das Arbeiten mit großen Flicken bewährt hatte, habe ich beim hier gezeigten Haus direkt die ganze Frontseite mit dem Lasso ausgeschnitten, so dass das Haus nun wieder die gleiche Fenster-Aufteilung wie die Nachbarhäuser hat.

Das parkende Auto und die Dächer wurden mit den üblichen Methoden repariert, die ich nun wohl oft genug beschrieben habe.

Das Endergebnis

PhotoImpact-Screenshot

Der fertige "Flickenteppich"

Hier das gesamte Panorama mit markierten Objekten. Es hat die stolze Größe von 21601 mal 2257 Pixeln, was etwa 48 Megapixel ergibt.

Wie man sieht, wurden auch an etlichen Stellen die Wolken-Übergänge nachbearbeitet. Dabei wurden Ausschnitte mit sehr weicher Auswahlkante verwendet, denn andernfalls würde man wohl die Flicken deutlicher sehen als zuvor die Nahtstellen.

Beim fertigen Panorama wurde oben noch ein Stück Himmel abgeschnitten, so dass der Horizont nun nicht mehr in der Mitte liegt, sondern das Bild etwa 1/3 zu 2/3 aufteilt. Dadurch ergab sich ein Seitenverhältnis des Bildes von 12:1 (21600 mal 1800 Pixel, also knapp 39 Megapixel). Wer es also mit 20cm Höhe ausdruckt, bekommt ein 2,40m langes Panorama. Den Ostsee-Urlaub mit frischer Seeluft und Original-Blick vom Leuchtturm kann es aber trotzdem nicht wirklich ersetzen.

Blick vom Leuchtturm (Thumbnail)

Blick vom Leuchtturm Warnemünde

In den alten Leserkommentaren zu dieser Seite findet Ihr die oben angekündigten Software-Tipps. Hier bei den neuen Kommentaren ist Eure Gelegenheit, mein sensationelles Panorama über den Klee zu loben. :-) Oder halt zu sagen, was Euch noch dazu einfällt. Oder zu fragen, ob Ihr das Panorama gegen Gewinnbeteiligung als Faltpostkarte herstellen und im Teepott an Touristen verkaufen lassen dürft (okay, letzteres besser per privater eMail). Schreibt einfach, was Ihr dazu sagen wollt.


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3 Antworten zu Panorama zusammenbauen

  1. Pingback: Panoramafotos | Rolands Fotokurs

  2. TorstenM schreibt:

    Das hatte ich mir auch so vorgenommen ;). Ende vom Lied: obere Plattform, 3 Bein zusammengeklappt und Panokopf verwendet. Ist natürlich nicht so breit (nur 5 Hochkantaufnahmen). Aber Glück gehabt das nur wenige oben waren und ohne Beule hoch und runter. Aber Warnemünde geht immer.

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