Anaglyphenbilder

Bilder für die Brille: Anaglyphen erstellen

Auf dieser Seite möchte ich zeigen, wie man ganz einfach aus den Bildern der Fujifilm Real 3D W1 oder aus beliebigen anderen – mit jeder Kamera herstellbaren – passenden Bildpaaren echte 3D-Fotos machen kann, die am PC mit einer Rot-Cyan-Brille räumlich betrachtet werden können. Solche Fotos finden sich zu Tausenden beispielsweise in der Sektion Anaglyphen der FotoCommunity. Also Brille besorgt und aufgesetzt (Rot nach links, Cyan nach rechts), und los gehts. Zum Einstieg erst einmal meine Anaglyphen, die ich als Roland 3D in der FotoCommunity zeige, als Diashow:

  • An dieser Stelle soll eigentlich die FotoCommunity-Slideshow erscheinen, aber ich habe noch nicht herausgefunden, wie sie auf WordPress.com eingebunden werden kann. Wer sie sehen möchte, findet sie aber in der Bildschirmansicht des alten Fotokurses, die sich hier in einem neuen Fenster öffnen lässt.
    Wer mir eine Lösung nennen kann, wie sich die Diashow hier einbinden lässt, kann mir dies gerne verraten.

Diese Bilder wurden allesamt mit dem Programm StereoPhoto Maker erzeugt, im Fachjargon einfach als SPM bezeichnet. Das Programm ist kostenlos und kann auf stereo.jpn.org/ger/stphmkr heruntergeladen werden. Hier beschreibe ich nun einen einfachen Anfänger-Workflow, der mit wenig Aufwand zu vorzeigbaren Ergebnissen führt. Das Programm kann noch viel mehr (Stapelverarbeitung, etc.), aber hier versuche ich, einen einfachen Einstieg in die Arbeit mit SPM zu geben. Die Beschreibung und die Screenshots beziehen sich auf Version 4.12, aber werden sicherlich auch für aktuellere Versionen brauchbar sein.

Arbeiten mit dem StereoPhoto Maker

StereoPhoto Maker, Screenshot 1

StereoPhoto Maker

Nach dem Download der beiden Zip-Dateien entpackt man diese in einem Verzeichnis. Dort befinden sich dann die Programmdatei stphmkrg.exe und die Hilfedatei stphmkr.chm. Erfreulicherweise braucht SPM keinerlei Installation; nach Doppelklick auf die Exe-Datei startet das Programm direkt. Außer einigen Icons für das Öffnen eines Stereobildes oder eines Bildpaares und der großen schwarzen Arbeitsfläche sieht man zunächst nicht viel.

Mit dem zweiten Icon, „Linkes/Rechtes Bild öffnen…“, wählt man aus dem Verzeichnis zunächst das gewünschte linke Bild. Sofern es in dem Verzeichnis eine zweite Datei gibt, die den gleichen Namen trägt, jedoch mit einem r statt einem l, fragt SPM nach, ob es diese gleichzeitig als rechtes Bild mit öffnen soll.

Noch einfacher ist es übrigens, die beiden Dateien einfach mit gehaltener Maustaste aus dem Windows-Dateifenster über die Arbeitsfläche zu ziehen und dort fallen zu lassen („Drag and drop“). Ebenso geht dies mit einer MPO-Datei statt zwei einzelnen Jpg-Dateien.

StereoPhoto Maker, Screenshot 2

Grau-Anaglyphe

Nach Öffnen des Stereobildpaares erscheinen diese zunächst nebeneinander. Ein Klick auf das Symbol „Grau Anaglyphen“ ermöglicht einen ersten Eindruck, ob das Bild als 3D-Motiv taugt. Wahlweise kann man sich das Bild natürlich auch schon als Farb-Anaglyphe oder als Halbton-Anaglyphe anschauen. Ich empfehle jedoch zunächst die Betrachtung als Grau-Anaglyphe, denn dabei treten keine Farbfehler auf („stereoskopischer Glanz“, etc.), die von der genauen Wahrnehmung der Justierung ablenken.

Für Leute mit 3D-Monitoren gibt es hier natürlich noch andere Wiedergabemöglichkeiten wie Interlaced-Darstellung für Polfilterbrillen oder Pageflipping für Shutterbrillen, etc. Wer mag, kann auch mit Stereobetrachtern experimentieren, die die Einzelbilder übereinander oder nebeneinander benötigen (oder den Parallel- bzw. Kreuzblick lernen). Doch hier bleiben wir bei der Anaglyphentechnik, denn diese ist preiswert und ermöglicht eine bildschirmfüllende Darstellung in hoher Auflösung.

Jedenfalls sieht man schon ohne Brille, dass gewisse Höhen- und andere Justagefehler vorhanden sind, die nun ausgebügelt werden sollen.

StereoPhoto Maker, Screenshot 3

Automatische Justage

Am einfachsten geht dies durch Anklicken des Icons „Automatische Justage“. Nach einigen Sekunden Rechenzeit erscheint ein Fenster, das die vorgenommenen Justagewerte anzeigt. Wie man hier sehen kann, wurde das Bildpaar gedreht, vergrößert/verkleinert, vertikal und horizontal perspektivisch verzerrt und ebenfalls vertikal und horizontal um bestimmte Pixelwerte verschoben.

Die Justage ist meist nach Anklicken des „Auto“-Buttons fast perfekt. Lediglich der Nahpunkt wird manchmal nicht korrekt erkannt, weshalb eine Verschiebung des Bildpaares hinter das Scheinfenster nötig sein mag, indem man die Rechtspfeil-Taste des Computers drückt. Mit dem Linkspfeil kann man das Bild auch näher an das Scheinfenster heranholen, aber man sollte darauf achten, keine Scheinfensterkonflikte zu erzeugen.

StereoPhoto Maker, Screenshot 4

Automatische Farbjustage

Spätestens jetzt empfiehlt sich ein Klick auf den Button „Automatische Farbjustage“. Dabei wird Farbe, Helligkeit und Kontrast des rechten Bildes an das linke Bild angepasst. In unserem Beispiel waren die beiden Bilder farblich aber bereits sehr ähnlich, daher sieht man fast keinen Unterschied. Eventuell sollte man vor diesem Schritt wieder auf die Nebeneinander-Darstellung der Bilder wechseln, denn dann kann man die Farbjustage besser beurteilen als in der Anaglyphen-Darstellung.

Sollte das rechte Bild die besseren Farben haben, so klickt man zunächst auf das Icon „Vertausche Links/Rechts“, denn die automatische Farbjustage überträgt immer die Farben des linken Bildes auf das rechte. Nach der Farbjustage aber nicht vergessen, zurück zu tauschen, denn sonst ist der schöne Stereoeindruck dahin.

StereoPhoto Maker, Screenshot 5

Farb-Anaglyphe

Nun sollte langsam die Entscheidung fallen, ob man die Anaglyphe als Schwarzweißfoto speichern möchte oder als Farb-Ana. Bei Motiven mit kräftigen Farben führt die farbige Darstellung oft zu Bereichen, die durch die Brille betrachtet unangenehm aussehen (insbesondere rote Motivteile). Daher bietet es sich an, dann auf Halbton-Anaglyphe oder Dubois-Anaglyphe auszuweichen. Mit dem kleinen Abwärtspfeil neben dem Button für Farb-Anaglyphen kann man die verschiedenen Darstellungen ausprobieren.

Unsere Anaglyphe der Kreuzblume vom Kölner Dom hat jedoch nur schwache Farben, weshalb man sie problemlos als Vollfarb-Anaglyphe betrachten kann, wenn man die SW-Version nicht bevorzugt.

Wie man an der Statuszeile des Programms sehen kann, habe ich die Kreuzblume noch etwas weiter hinter das Scheinfenster geschoben (um 8 Pixel), damit der „Stängel“ des Blümchens nicht zu nahe am Scheinfenster klebt.

StereoPhoto Maker, Screenshot 6

Freier Zuschnitt

Nun stören mich nur noch die freien weißen Ecken rechts und links der Domtürme. Mit dem Werkzeug „Freier Zuschnitt“ lässt sich eine beliebige Form aus dem Bild schneiden. Dazu zieht man mit gehaltener Maustaste einen Auswahlrahmen über das Bild. Diesen kann man dann noch verschieben, oder man klickt erneut in ihn hinein, um ihn zu bestätigen.

Nun ist das 3D-Foto in hoher Auflösung fertig. Wenn man sie in Anaglyphen-Darstellung mit Klick auf das Diskettensymbol speichert, dann wird sie als Anaglyphe gespeichert. Stellt man das Bild jedoch zuvor auf „Nebeneinander“-Darstellung um, so wird es als universell verwendbares Stero-Jpg (mit beiden Ansichten in einer Bilddatei) gespeichert, so dass man es später nicht nur als Ana, sondern auch auf einem 3D-Monitor etc. ausgeben kann. Man sollte also unbedingt nicht nur als Anaglyphe speichern, sondern zusätzlich auch als hochauflösendes Stereo-Jpg.

Wichtig: Bei Speicherung als Anaglyphe sollte unbedingt die Option „3D kompatible Kompression“ ausgewählt sein, da so die Qualität höher wird. Als Bildqualität wähle ich gewöhnlich 95%, denn Anaglyphen reagieren empfindlicher auf Jpg-Kompressionsartefakte als normale Jpg-Farbfotos.

Was bleibt, ist die Weiterverarbeitung, um es beispielsweise in der FotoCommunity zu zeigen. Dafür nimmt man das Werkzeug „Vergrößern/Verkleinern“, mit dem sich das Bild auf die maximal erlaubten 1000 Pixel Kantenlänge verkleinern lässt. Auch für das Nachschärfen nach dem Verkleinern und für das Hinzufügen eines Logos oder Copyright-Textes hat SPM Werkzeuge an Bord. Auch bietet das Programm beim Speichern die Einhaltung einer Zielgröße an, denn Bilder für die FotoCommunity dürfen maximal 400 Kilobyte groß sein. Es würde zu weit führen, diese Funktionen hier alle ausführlich vorzustellen, aber mit ein wenig Experimentierfreude dürfte es nach der obigen Einführung nicht schwierig sein, auch in die Feinheiten dieses sehr leistungsfähigen Programms StereoPhoto Maker einzusteigen. Ich wünsche Euch daher viel Spaß mit den selbst erstellten 3D-Fotos.

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10 Antworten zu Anaglyphenbilder

  1. RoFrisch schreibt:

    Die 10 Leserkommentare zu diesem Artikel im alten Fotokurs können hier nachgelesen werden (ist der gleiche Link, der oben schon die Diashow geöffnet hat):
    http://www.rofrisch.de/fotokurs/kommentare-extypo3/06stereo03-anaglyphen.htm

  2. RoFrisch schreibt:

    Zur Frage von Rainer:
    „Eine Frage: Habe mir die Fuji WD Real 3D zugelegt. Diese erzeugt mpo-Dateien.
    Kann ich alte Anaglyphen in mpo-Dateien umwandeln und sie mir mit der Nvidia 3D Brille anschauen? “

    Ich habe bisher noch kein Shutterbrillen-System und kann daher noch nicht konkret sagen, wie SPM mit der Nvidia-Brille arbeitet. Aber einige grundsätzliche Anmerkungen kann ich Dir geben:

    In SPM hat der Menüpunkt „Stereobild öffnen“ die Möglichkeit, auch Bilder vom Typ „Anaglyph Farbe“ zu öffnen und dabei die beiden Einzelbilder wieder aufzutrennen. So kann man beispielsweise einen Scheinfensterkonflikt beheben und das Bild mit neuer Montage wieder abspeichern.

    Lässt man die so geladene Farbanaglyphe jedoch als Parallelblick-Stereo anzeigen (also Einzelbilder nebeneinander), dann sieht man, dass das linke Bild keine Farbinformationen enthält. Es erscheint das linke Bild in S/W und nur das rechte mehr oder weniger farbig. Der Blick durch das rote Brillenglas beim Betrachten einer Anaglyphe lässt einen schon erahnen, dass da nicht viele Farbinformationen zu holen sind.

    Daher wird eine Umwandlung zwecks farbiger Ausgabe über Shutterbrille nicht erfolgreich sein, da das Anaglyphenformat keine ausreichenden Farbinformationen liefern kann. Man würde auf dem linken Auge Schwarzweiß sehen und auf dem rechten farbig. Vermutlich fällt dies deutlicher auf als bei Anaglyphendarstellung, wo man dies ja im Prinzip auch tut.

    Das ist der Grund, warum ich oben im Text deutlich darauf hinweise, dass man nicht nur als Ana speichern sollte, sondern auch als Links-Rechts-Jpg.

    Man kann natürlich eine SW-Darstellung über die Shutterbrille ausgeben. Man muss die Bilder dafür auch nicht als MPO speichern. Eine Speicherung als Stereo-Jpg erfüllt den gleichen Zweck.

    Wenn man die Farbe mit SPM-Bordmitteln aus dem rechten Bild entfernt (Sättigungsregler in der Farbjustage für’s rechte Bild ganz nach links) und dann auf Shutterdarstellung wechselt, braucht man genaugenommen gar nicht speichern.

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