Fotos ohne Linse

Kann man Fotos ganz ohne Objektiv bzw. Linse machen? Aber natürlich! Eine Möglichkeit ist die Lochkamera. (Eine andere wären Fotogramme, aber das ist hier nicht das Thema.) Für Kameras mit Wechselobjektiven kann man sich aus einem Objektivdeckel eine passende Lochblende basteln, oder man kann diese käuflich erwerben. Ich habe mich für letzteres entschieden und besitze nun eine „Rising Pinhole Wide“ für meine Canon-EOS-Kameras. Vorteil dieser „Weitwinkel“-Version gegenüber den Selbstbastellösungen (mit angestochener Alufolie auf dem durchbohrten Objektivdeckel) ist, dass das Loch etwas näher an dem Sensor bzw. der Filmebene sitzt, was einen größeren Bildwinkel ergibt. Dennoch kann man gerade bei APS-C-Sensoren nicht wirklich von Weitwinkel sprechen. Es ist eher ein leichtes Tele.

Richtig Spaß macht die Pinhole-Fotografie eigentlich erst mit großen Filmformaten, aber für ein paar Experimente ist auch die Lochblende an der 60D okay. Der größte Vorteil ist natürlich, dass man im LiveView-Modus einen ordentlichen Blick auf das Motiv hat (also keinen viel zu dunklen Sucher) und dass die Kamera die richtige Belichtung problemlos ermittelt, während man bei Schuhkarton-Lochkameras und anderen Selbstbaulösungen vermutlich eine Menge experimentieren muss, um zu vorzeigbaren Ergebnissen zu gelangen.

Schärfe darf man bei der digitalen Spiegelreflex-Lochkamerafotografie allerdings nicht wirklich erwarten. Wenn das Loch noch kleiner wäre als die angegebenen 0,22mm, wäre es zwar theoretisch schärfer. Aber die Belichtungszeiten würden noch länger (ohnehin ist Stativ Pflicht, außer bei den rauschigen Bildern, wo ich auf ISO 6400 geschaltet habe). Und vor allem würden die Unschärfen durch Beugung noch stärker zunehmen.

Interessant ist jedoch, dass die (Un-)Schärfe gleichmäßig von vorne bis hinten reicht. Es gibt keine Fokussierung, also auch keine Ebene, auf die man scharf stellen könnte. Wenn man bei einem herkömmlichen Objektiv mit kleinster Blende arbeitet (größter Blendenzahl), dann hat man diesen Effekt riesengroßer Schärfentiefe ja auch schon in gewissem Maße. Bei der Lochkamera ist die Blende noch ein Stück kleiner, und damit entfällt die Scharfstellung ganz. Ungewöhnlich, aber logisch.

Hier nun die fotografische Ausbeute eines kleinen Spaziergangs durch unser Dorf in der Spätnachmittagssonne:

Und wenn schon Fotos, die künstlich (auch durch den Farbstich bei der Raw-Bearbeitung) auf „alt“ getrimmt wurden, dann benötigt so ein Bild natürlich auch noch eine falsche „alte“ Vignettierung (Ecken-Abdunklung), eine leichte Struktur im falschen Fotopapier und einen falschen klassischen Goldrahmen. ;-) Das erschreckende Ergebnis sieht dann so aus:

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