Panoramakopf aus Fertigteilen

Wer Panoramen aus Einzelbildern zusammensetzen möchte, die auch im näheren Bereich noch passgenau sind, kommt nicht umhin, sich um einen sogenannten Panoramakopf bzw. Nodalpunktadapter Gedanken zu machen. Damit ist eine Vorrichtung gemeint, die die Kamera so auf dem Stativ montiert, dass bei den Schwenks zwischen den Einzelfotos keine Verschiebung von Vorder- und Hintergrund entsteht. Die Kamera dreht sich also im „optischen Zentrum“ der Linse, es kommt bei korrekter Justage des Nodalpunktadapters zu keinen Parallaxenfehlern, so dass sich die Einzelaufnahmen später sauber zusammensetzen lassen.

Wenn man viel Geld in die Hand nimmt, bekommt man solche Panoramaköpfe fertig zu kaufen. Eine Alternative sind auch speziell an ein bestimmtes Objektiv angepasste Ringe, die als Stativkopf die Kamera beim Drehen im Nodalpunkt halten. Dies bietet sich vor allem dann an, wenn man ein Fischaugen-Objektiv verwendet, das annähernd 180° Bildwinkel aufzeichnet, so dass man auch für ein rundum geschlossenes Panorama nicht mehrere Reihen übereinander aufnehmen muss.

Wem solche Fertiglösungen zu teuer sind, dem bleibt auch die Möglichkeit, sich einen Nodalpunktadapter selbst zu bauen. Es gibt einige Bauanleitungen im Internet, an denen man sich orientieren kann. So bekommt man aus Baumarktteilen etc. einen funktionerenden Panoramakopf für wenig Geld.

Etwas Bastelgeschick, Werkzeug und ein geeigneter Arbeitsplatz sind jedoch nötig. Daher bin ich einen dritten Weg gegangen: Ein Panoramakopf aus den üblichen Standardteilen, die man als langjähriger Hobbyfotograf vielleicht ohnehin in diversen Schubladen und Fototaschen hat.

Einzeiliger Panoramakopf (für zylindrische Panoramen)

Nodalpunktadapter für zylindrische PanoramenMein erster Konstruktionsversuch ist hier zu sehen. Auf dem Stativ sitzt ein alter Video-Schwenkkopf. Der war bei meinem gebraucht erstandenen Berlebach-Holzstativ dabei und lag bisher nur in der Schublade. Hier jedoch kann er sich nützlich machen, da er eine Gradskala und einen relativ spielfreien Schwenkmechanismus hat. Leider hat er keine Arretierung der Waagerechten, aber mit einer kleinen Wasserwaage kann man den Schwenkgriff in der richtigen Position festziehen und braucht sich darum später nicht mehr sorgen.

Auf dem Videoneiger sitzen zwei Makroschlitten, die es mal billig bei Pearl gab. Siehe Artikel Einstellschlitten sehr günstig, wo ich die Montage als Kreuzschlitten bereits gezeigt habe.

Auf den beiden Einstellschlitten sitzt der Manfrotto 3D Junior Kopf 056, den man neu für ca. 35-40 Euro erhalten kann. Da er eigentlich für die direkte Montage auf dem Stativ gedacht ist, hat er ein 3/8-Zoll-Innengewinde, während die Einstellschlitten 1/4-Zoll-Außengewinde haben. Daher benötigt man noch eine Reduzierhülse (am besten gleich ein 3er- oder 5er-Set bestellen, denn von den Dingern hat man immer eins zu wenig…).

Wie man sieht, erlaubt diese Konstruktion auch das Ansetzen einer geneigten Kamera. Man kann daher auch mehrzeilige Panoramen aufnehmen. Allerdings entsteht dabei in der Vertikalen ein deutlicher Parallaxenfehler. Zwar dreht sich die Kamera (bei korrekter Justage der Einstellschlitten) im parallaxenfreien optischen Zentrum des Objektivs, aber ein vertikaler Schwenk erfolgt nicht in diesem Drehpunkt, sondern in der Stativbuchse; also viel zu weit hinten. Auch verstellt man dabei (geringfügig) die Lage des Objektivzentrums über dem Drehpunkt. Die Konstruktion ist daher für mehrzeilige Panorama-Shootings eher ein Notbehelf als ein richtiger Panoramakopf.

Mit dieser Konstruktion habe ich die Norderney-Panoramen aufgenommen, die ich mit dem Polarkoordinaten-Filter zu „kleinen Planeten“ zusammengedreht habe, beispielsweise Strandkörbe und Heimatdorf. Auch erste Versuche von sphärischen Panoramen habe ich damit gemacht. Allerdings mit einigen Problemen beim Stitching, vor allem im Nahbereich.

Mehrzeiliger Panoramakopf (für sphärische Panoramen)

Daher habe ich die Konstruktion weiterentwickelt, wie die folgenden 3 Bilder zeigen:

Panoramakopf Panoramakopf Panoramakopf

Wenn man die Bilder in groß betrachtet, sieht man deutlich, wo der Unterschied ist: Über dem Schwenkkopf sitzt nach wie vor einer der beiden Pearl-Einstellschlitten. Doch der zweite Einstellschlitten steht senkrecht – gehalten durch den Manfrotto-Juniorkopf. Dadurch, dass der Schlitten senkrecht auf der Basis des Kopfes steht, ist diese Konstruktion erstaunlich stabil.

Der senkrechte Schlitten muss nicht genau justiert werden, sondern er wird mit den Schrauben des 3D-Juniorkopfes so festgezogen, dass er senkrecht fest aufsteht. Die Schraube an seinem oberen Ende dient der Verstellung zwischen den einzelnen Panorama-Zeilen. Um die Rundumsicht annähernd vollständig zu erfassen, benötigt mein 15mm-Objektiv (an einer Kamera mit APS-C-Sensorformat) drei Zeilen zu je 12 Aufnahmen (hinzu kommen noch ein paar Bilder zum Einpassen des Zenit und des Fußbodens, aber das ist hier nicht das Thema). Die Verstellung zwischen den drei Zeilen des Panoramas macht man am besten mit einem Schraubendreher, da sich die Schraube von Hand nicht ausreichend fest ziehen lässt, um ein versehentliches Verstellen der Kamera zu vermeiden.

Wie man sieht, dreht sich die Kamera bei der Vertikalverstellung nicht im Stativgewinde, sondern im Gewinde einer dritten Einstellschiene. Es ist der untere Teil des Traumflieger-Kreuzschlittens, den ich bereits in der Rubrik Zubehör vorgestellt hatte. Dieser Schlitten ist so justiert, dass die Achse der Stativbuchse genau durch den Nodalpunkt des Objektivs geht. So können die vertikalen Schwenks im Nodalpunkt durchgeführt werden.

Soweit also meine derzeitige Konstruktion. Natürlich kommt sie bei Weitem nicht an einen guten kommerziellen ’sphärischen‘ Panoramakopf heran, wie beispielsweise dem Nodal Ninja 5, meinem momentanen Kopf der Begierde. :-) Einige Nachteile der Selbstbaukonstruktion sind:

  • Verwendung Stativschraube/Schraubendreher für Zeilenverstellung.
  • Streuchlichtblende kann nicht angesetzt werden.
  • Dritte Schiene passt nur bei meinem 15-85mm-Objektiv (und bei anderen, deren Dicke genau bis zum Kameraboden geht, so dass der Zoomring auf der Schiene aufliegt). Ist das Objektiv dünner, hält die Schiene nicht wirklich fest, da sie wenig Auflage am Kameraboden hat. Ist es dicker, passt es nicht.
    (Vorteil ist allerdings, dass die Schiene das Objektiv in Brennweitenstellung 15mm festhält und sich diese daher nicht so leicht versehentlich verstellt.)
  • Schwenk senkrecht nach oben nicht möglich (vertikale Schiene nicht lang genug).
  • Recht großes Packmaß und Gewicht. Das Teil ist sperrig. Ein Nodal Ninja hingegen lässt sich vergleichsweise klein zusammenlegen.

Wie man sieht, ist es ein echter Kompromiss, aber für erste Erfahrungen ganz gut und somit empfehlenswert als Anregung für eigene Experimente mit eventuell vorhandenem Zubehör.

Bis auf die Reduzierhülsen habe ich keine Teile zukaufen müssen. Sollte ich aber intensiver in die Panoramafotografie einsteigen und vielleicht sogar Auftragsarbeiten annehmen, dann ist wohl ein „richtiger“ Panoramakopf wie z.B. der Nodal Ninja 5 fällig.

Mit diesem ‚mehrzeiligen‘ Nodalpunktadapter aus Fertigteilen habe ich beispielsweise das Elberfeld-Panorama aufgenommen, sowie noch einige weitere sphärische Panoramen (samt daraus erzeugten stereographischen „kleinen Planeten“), die ich bei Gelegenheit zeigen werde.

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4 Antworten zu Panoramakopf aus Fertigteilen

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