Chip Foto-Video über „Perfekte Panoramen“

Vor ein paar Tagen saß ich im Lesesaal der Zentralbibliothek Köln. Unter den ausgestellten Zeitschriften befand sich die „Chip Foto-Video“ mit dem Titelthema Panoramen. Ich habe mir den Artikel angeschaut und muss sagen: Ich bin enttäuscht. Mehr als ein Appetitanreger für das schöne Thema ist es eigentlich nicht. Themen wie z.B. Panoramen mit wechselndem Standpunkt (Häuserzeile, etc.) werden zwar angerissen, aber nicht ausführlich genug erklärt, um zu einer realistisch aussehenden Montage z.B. in Hugin zu gelangen.

Dazu kommen sachliche Fehler, die mich vermuten lassen, dass sich der Redakteur nicht wirklich intensiv in das Thema eingearbeitet hat (und dass kein Pano-Profi den Artikel korrekturgelesen hat). Da steht z.B. (sinngemäß, ich zitiere jetzt aus dem Gedächtnis), dass die gebogen dargestellten (und in echt geraden) Linien in einem sphärischen Panorama durch die Verwendung eines Fisheye-Objektives kommen. So ein Quatsch! Ich besitze gar kein Fisheye, aber in den meisten meiner Kugelpanoramen sieht man solche gebogenen Linien (z.B. Treppe in ‚Alsterschleuse‚, Bahnsteig in ‚Geisterzug‚). Das hat mit der Kugelabwicklung (equirektangulare Darstellung) zu tun. Das Panorama-Programm rechnet aus den Einzelfotos das gleiche Vollkugel-Pano, egal ob die Bilder von einem Fisheye oder einem korrigierten Objektiv kommen. In einem Panorama-Viewer (z.B. Website von 360cities) erscheinen die geraden Linien dann wieder gerade.

Ein weiterer „Brüller“ ist die Aussage, man würde Fisheye-Objektive verwenden, damit die Auflösung für das Web nicht zu groß würde. Das stand da sinngemäß wirklich (vielleicht hat einer das Heft und kann das Originalzitat als Kommentar ergänzen). Der Autor schaltet seine DSLR für normale Fotos wahrscheinlich auch auf 800×600 Pixel, damit er sie im Internet zeigen kann. ;-) Dass man Bilder vor dem Upload verkleinern kann, hat er vielleicht noch nicht mitbekommen.

Also: Wozu verwendet man gerne Fisheye-Objektive bei Kugelpanoramen? Sie haben einen sehr großen Bildwinkel, so dass man mit wenigen Einzelaufnahmen auskommt. Die geringere Auflösung ist ein Nachteil, den man dafür in Kauf nimmt. Während ich mit meinem 15mm-Objektiv mindestens 36 Fotos (3 Reihen a 12 Bilder) für ein einziges Kugelpano aufnehme, kommt ein Fisheye-Panograf ggf. mit 4 Bildern hin. Dadurch hat er weniger Probleme mit bewegten Objekten und kann ggf. dynamischere Szenen einfangen. Irgendwann werde ich wohl auch mal auf ein Fisheye-Objektiv sparen – aber garantiert nicht, um damit eine kleinere, web-taugliche Auflösung zu erlangen…

Fazit: Wer etwas über (digitale) Panorama-Fotografie lernen möchte, findet Fachbücher und Video-Workshops dazu (z.B. auch in der Kölner Zentralbibliothek; ich war überrascht, wie viel es da inzwischen gibt). Ein paar Infos gibt es auch in Rolands Fotokurs. ;-) Und auch in diversen Panorama-Foren kann man sich Rat und Hilfe suchen. Aber das hier besprochene Heft dient allenfalls als Köder, um Neulinge für das spannende Thema Panoramafotografie zu interessieren. Und wenn es das schafft, haben sich die 6,50 für das Heft vielleicht doch gelohnt.

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Eine Antwort zu Chip Foto-Video über „Perfekte Panoramen“

  1. seeyouinhawaii schreibt:

    Habe mir das Heft in der Bücherei ausgeliehen und fand es eine nette Anregung mal wieder Panoramafotos zu machen. Ansonsten geht das Heft nicht allzusehr in die Tiefe.

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