Panoramen mit Hugin erstellen, Tutorial Teil 1

Link: Panorama "Straßenbahnmuseum Thielenbruch" auf 360cities.netMittlerweile habe ich schon eine ganze Menge Panoramen und kleine Planeten hier in Rolands Fotokurs gezeigt – da wird es doch höchste Zeit, mal eine nachvollziehbare Einführung in die Panorama-Erstellung mit dem kostenlosen Programm Hugin zu schreiben. Darum zeige ich nun hier und in den folgenden Artikeln, wie bei mir ein solches Panorama entsteht.

Am Ende dieses Tutorials ist das rechts gezeigte Rundbild fertiggestellt. Wenn man drauf klickt, öffnet es sich als interaktives Panorama auf 360cities.

Das Panorama für dieses Tutorial entstand im Straßenbahnmuseum Thielenbruch, dessen Außenansicht einigen Lesern meines Fotokurses ja bereits aus der Lektion 3 des Anfängerkurses bekannt sein dürfte („Brennweite und Perspektive“).

Aufnahme der Bilderserie

Zunächst benötigt man einen geeigneten Standort für das Stativ mit Panoramakopf. Dabei ist einiges zu beachten:

Der Untergrund sollte so beschaffen sein, dass man später nicht allzu große Mühe mit der Stativretusche hat.

Bei der Auswahl des Stativstandorts sollte man sorgfältig vorgehen und z.B. Symmetrien des Raumes / Platzes berücksichtigen. Hier war z.B. darauf zu achten, dass das Stativ möglichst genau mittig zwischen den beiden Gleisen steht, damit die beiden Züge im Vordergrund auch möglichst gleich groß erscheinen.

Die Hauptmotive sollten nicht allzu weit weg sein. Viele Anfänger denken bei „Panorama“ zunächst an tolle Fernsicht und einen weiten Horizont. Aber ohne einen Blickfang im Vordergrund wirkt solch ein Panorama oft eher langweilig. Bei Innenraum-Panoramen (wie in diesem Tutorial) sollte dies eher kein Problem sein. So habe ich auf meiner 32-Gigabyte-Speicherkarte auch 6 verschiedene HDR-Panoramaserien aufgenommen. Damit ist die Karte schon recht gut gefüllt, denn ein Panorama hat gut 120 Einzelbilder. Daraus folgt auch, dass Akku voll und Speicherkarte leer sein sollte, wenn man auf Pano-Tour geht – andersrum wäre nämlich eher unpraktisch (spart aber Zeit am PC…) ;-)

Der Panoramakopf (früher Selbstbau, mittlerweile Nodal Ninja 4) wird also auf das Stativ geschraubt und die Kamera an den Panoramakopf. Natürlich ist der Panoramakopf vor dem ersten Panorama schon so justiert worden, dass sich das Objektiv beim Drehen und beim vertikalen Schwenken genau in dem parallaxfreien Punkt dreht, in dem es zu keinen Verschiebungen zwischen Vorder- und Hintergrund kommt („No-Parallax-Point“, oft auch „Nodalpunkt“ genannt, obwohl das genaugenommen nicht ganz stimmt). Dazu gibt es genügend Anleitungen im Netz; das soll jetzt nicht unser Thema sein. Ohne korrekte Justage gäbe es später Probleme beim Zusammensetzen („stitchen“) der Bilder.

Die Kamera stelle ich nun auf manuelle Belichtung, Blende 11 (wegen der nötigen hohen Schärfentiefe vom Boden bis unendlich). Feste ISO-Empfindlichkeit, Bildstabilisator aus, kleinste Brennweite, Fokussierung auf manuell, etwa 1,50 Meter (genaugenommen die Hyperfokaldistanz bei Blende 11 und meiner Brennweite, aber so genau lässt die Schärfeskala sich eh nicht ablesen, weshalb ich lieber etwas weiter entfernt einstelle). Gewöhnlich habe ich ein Stück Tesafilm über dem Zoom- und Fokusring, das ein versehentliches Verstellen von Schärfe und Zoom verhindert.

Da dieses Panorama als HDR-Belichtungsserie aufgenommen werden soll, wird die Kamera entsprechend eingestellt: Serienaufnahme, Belichtungsreihe (AEB), so dass meine Canon EOS 60D zunächst normal belichtet, dann 3 Blendenstufen unterbelichtet und als drittes 3 Blendenstufen überbelichtet. Wenn diese 3 Bilder dann später mit Photomatix oder einem anderen HDR-Programm zusammengerechnet werden, kann man in den Schattenpartien noch Details erkennen und hat zugleich die Lichter im Bild auch nicht völlig „ausgefressen“ wiedergegeben. Das dunkle Bild ist 8fach kürzer belichtet (3 Blendenstufen), das helle Bild 8fach länger.

Es ist bequemer, die Serie mit Kabel-Fernauslöser aufzunehmen; daher wird der auch angeschlossen. Außerdem soll mein Fernauslöser-Umbau ja nicht umsonst gewesen sein.

Übrigens, wo wir schon von Bequemlichkeit reden: Der LiveView in Verbindung mit dem Klappdisplay der Canon EOS 60D ist wirklich sehr praktisch. Egal, ob ich nach oben oder unten fotografiere; ich habe die Aufnahmen ohne Verrenkungen immer gut im Blick.

Derzeit verwende ich für die Panoramen mit der 60D das Canon 15-85mm-Zoomobjektiv mit eingestellten (und mit Tesa festgeklebten) 15mm Brennweite. Den Panoramakopf habe ich so eingestellt, dass er beim Drehen alle 30° einrastet. Mit 12 Aufnahmepositionen ist also der horizontale Vollkreis abgebildet. Natürlich an jeder der 12 Positionen die 3 Belichtungsvarianten, die die Kamera ja automatisch erzeugt, was man auf dem Monitor jedoch beobachten sollte. Sicherheitshalber mache ich pro Runde 13 (Dreifach-)Aufnahmen – das erste und letzte Bilder-Trio sollte also gleich erscheinen.

Nachdem ich auf 0° oder +15° (also horizontal bzw. leicht nach oben geneigt) die erste Runde fotografiert habe (13 x 3 Einzelfotos, also 39 Aufnahmen), schwenke ich die Kamera mit dem Panoramakopf nach oben oder unten. Welche Reihe man als nächstes aufnimmt, macht man am besten davon abhängig, ob man z.B. ziehende Wolken im Motiv hat (dann lieber zunächst die obere, damit zwischen mittlerer und oberer Reihe wenig Zeit vergangen ist), oder ob z.B. wandernde Schatten am Boden Probleme machen könnten (dann lieber die untere Reihe nach der mittleren und die obere zum Schluss).

Die untere Reihe (ebenfalls 13 x 3 Einzelfotos) nehme ich mit -45° auf. Dann ist ganz knapp die Kante des Panoramakopfes schon mit im Bild – und die Stativbeine sowieso.

Bei der oberen Reihe gehe ich auf +60°. Dann benötige ich keine separate senkrechte Aufnahme des Zenits.

Meine 3 Aufnahmereihen bei meinem 15mm-Objektiv und Cropfaktor 1,6 sind also entweder -45°, 0°, 60° oder -45°, 15°, 60°. In beiden Fällen habe ich einmal 60° Reihen-Abstand und einmal 45°. Wenn die Hauptmotive besser bei +15° in die mittlere Bildreihe passen, nehme ich diese Variante, sonst geht es einfach waagerecht mit 0° los.

Nach etwa 10 Minuten sind demnach 3 x 13 x 3 Fotos gemacht (117 Bilder); zusätzlich noch 2 Nadirbilder (senkrecht nach unten auf das komplette Stativ) und meist auch noch als Allerletztes ein paar Bilder des Fußbodens an der Stelle, wo gerade vorher noch das Stativ stand. So komme ich gewöhnlich pro HDR-Panorama auf ca. 120-130 Bilder. Bei bewegteren Motiven, wo sich HDR-Belichtungsreihen nicht sinnvoll einsetzen lassen, dementsprechend nur auf ein Drittel, also 40-50 Bilder.

Raw-Entwicklung

Sind die Bilder zuhause auf den PC übertragen, sortiere ich die verschiedenen Bildserien der Panoramen in unterschiedliche Ordner. Dazu habe ich ja schon früher ein paar Tipps geschrieben. Der Ordner mit dem Panorama „Thielenbruch 6“ liegt bei mir daher im Verzeichnis „2012-05-13 Panoramen Museum Thielenbruch“, weil die Bilder am 13.5.2012 entstanden sind. Alle Raw- und Jpg-Dateien, Hugin-Projektdateien, etc. speichere ich in diesem Ordner Thielenbruch 6. So findet man auch nach Jahren noch wieder, was zusammengehört.

Den Ordner öffne ich nun in DPP (Digital Photo Professional), der Software, die Canon bei seinen Spiegelreflexkameras dazu tut. Damit kann man die Raw-Dateien in passende Jpg-Dateien umwandeln. Aber keine Angst, das ist nicht so aufwändig wie früher beschrieben (also Bild für Bild), denn die Fotos benötigen ja alle die gleichen Einstellungen. Mit dem Button „Alles markieren“ kann man sie gemeinsam auswählen und dann einen passenden Weissabgleich für alle Fotos bestimmen. Hier bot sich die Einstellung „Tageslicht“ an. Außerdem setze ich den Kontrast für alle Bilder auf -1 und die Schatten auf +1. Wenn nötig, kann man hier natürlich auch noch alle 129 Bilder gemeinsam belichtungskorrigieren, sofern die „Normal“-Aufnahmen doch zu hell bzw. zu dunkel sind. In diesem Fall passt es aber ganz gut.

Wie man sieht, müssen die Bilder der unteren (und oberen) Reihe auch noch gedreht werden, da der Lagesensor sich bei 45 bzw. 60 Grad Neigung nicht sicher war, ob dies ein Hochformat- oder Querformatbild sein soll. Also alle betroffenen Bilder markieren (erstes Bild auswählen und dann mit gedrückter Shifttaste letztes auswählen) und mit dem Button „Links drehen“ in einem Rutsch korrekt ausrichten.

Nun sollte man DPP dazu überreden, die gewählten Einstellungen in den Raw-Dateien abzuspeichern. Am einfachsten geschieht dies, indem man links z.B. in den Ordner Thielenbruch 5 wechselt; dann fragt DPP nämlich freundlich an, ob die gemachten Änderungen gespeichert werden sollen. Ja klar, natürlich. Und dann wieder zurück in unseren Projektordner Thielenbruch 6.

Nun mit „Alles markieren“ alle 129 Fotos auswählen und auf „Batch-Verarbeitung“ klicken. Es öffnet sich der abgebildete Dialog. Wichtig ist, dass bei „Ordner speichern“ unser Thielenbruch6-Ordner ausgewählt wird. Mit „Größenänderung“ lasse ich die Einzelbilder auf 6 Megapixel (also 2000×3000 Pixel) ausgeben; das ist locker ausreichend für ein fertiges Panorama von 24 Megapixeln (8000×4000).

Mit einem Klick auf „Ausführen“ startet dann die Batch-Konvertierung. Nach einigen Minuten hat man dann außer den 129 Raw-Dateien (.CR2) auch noch 129 Jpg-Dateien im Projektverzeichnis. Die Raw-Dateien werden ab hier eigentlich nicht mehr gebraucht – löschen würde ich sie dennoch nicht; man weiss ja nie…

Bis hier die Vorbereitungen für die Panorama-Montage. In Teil 2 des Tutorials geht es dann endlich los mit Hugin.

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