Panoramen mit Hugin erstellen, Tutorial Teil 2

In der ersten Lektion dieses Tutorials wurde die Aufnahme der Einzelfotos für das Panorama beschrieben, sowie die Erzeugung geeigneter Jpg-Bilder aus den Raw-Dateien.

Im Windows-Explorer sieht man die erzeugten Jpg-Dateien. Zunächst kümmere ich mich nur um die mittlere Reihe und wähle die passenden 12 normal belichteten Aufnahmen aus (also erste oder letzte weglassen, diese beiden sind ja quasi gleich). Die gewählten 12 Aufnahmen ziehe ich mit festgehaltener Maustaste in das bereits (auf dem zweiten Monitor) geöffnete Hugin-Programmfenster.

Mittlere Bildreihe zusammenfügen

Hugin meldet, dass „12 Bilder geladen“ wurden. Nun sollte man dem Programm noch mitteilen, welche Brennweite und welchen Cropfaktor man verwandt hat. Wenn man bereits Panoramen mit dem jeweiligen Objektiv gerechnet hat und die Objektivdaten abgespeichert hat, dann kann man mit „Objektiv laden“ die passenden Einstellungen laden. Andernfalls trägt man es halt manuell ein, in meinem Falle: 15mm Brennweite und Crop-Faktor 1,6.

Die Objektivdaten werden in Ini-Dateien gespeichert. Ich habe sie „15-85at15neu.ini“ genannt, weil sie sich auf mein Canon 15-85mm-Objektiv in Brennweitenstellung 15mm beziehen. Eine weitere Datei „15-85at15-quer-neu.ini“ enthält den Datensatz für Querformat-Aufnahmen. Es ist zwar die gleiche Linse, aber der vertikale Bildwinkel ist ein Anderer, so dass es für Hugin verschiedene Objektive sind.

Warum aber laden wir zunächst nur die mittlere Reihe? Meine Erfahrung ist, dass Hugin dann weniger durcheinanderkommt, auch beim späteren Suchen von Kontrollpunkten bei den oberen bzw. unteren Bildern. Es steht dann ja schonmal eine ordentliche Anzahl „guter Punkte“ in der Datenbank.

Nun hat Hugin jedenfalls die nötigen Infos. Als Brennweite hat mein Objektiv angeblich 15,02mm. Ein Klick auf „Ausrichten“ startet den Assistenten, also die Suche nach gemeinsamen Kontrollpunkten und die anschließende Justage. Nach einigermaßen kurzer Rechenzeit wird eingeblendet: „Die Bilder passen schlecht“. Der maximale Fehler beträgt hier 11,6 Pixel.

Nun wird es Zeit, das Ergebnis anzuschauen. Im Hugin-Programmfenster (siehe oben) befindet sich zwischen der Menüzeile („Datei, Bearbeiten, Ansicht, Hilfe“) und den Kartenreitern für die einzelnen Programmseiten („Assistent, Bilder, Kamera und Objektiv, Beschnitt, Maskierung…“ eine Reihe Icons. Das vierte Icon von rechts (Landschaft mit „GL“) führt zur Schnellvorschau von Hugin:

Da ich den Luxus eines Zwei-Monitor-Systems habe, schiebe ich das Schnellvorschau-Fenster auf den externen Monitor und lasse das Hugin-Programmfenster auf dem Notebookschirm. So lässt sich prima arbeiten – aber auf einem einzelnen Monitor geht es natürlich auch.

Falls die Schnellvorschau nicht die schwarzen Ränder ober- und unterhalb unserer Panorama-Zeile anzeigt, kann man auf den Vorschaufenster-Reiter „Projektion“ gehen und statt der voreingestellten zylindrischen Projektion bereits jetzt – wie abgebildet – auf die equirectangulare Projektion für sphärische Panoramen wechseln. Mit den Schiebereglern unterhalb und rechts vom Vorschaubild lässt sich dieses auf 360° mal 180° aufziehen. Dies ist die Fläche, die wir mit den restlichen Bildern noch zu füllen haben.

So schlecht sieht die Vorschau jedenfalls gar nicht aus. Im Prinzip passen die Bilder. Ein Klick auf den Kartenreiter „Layout“ (auch im Schnellvorschau-Fenster) zeigt an, wie gut bzw. schlecht die Verbindungen zwischen den einzelnen Bildern sind. Auf dieser Ansichtsseite verbringe ich die meiste Zeit bei der Hugin-Montage.

Man kann nun die rote Linie anklicken und bekommt im Programmfenster gleich das passende Bildpaar mit seinen Kontrollpunkten angezeigt. Oft sind es aber eine ganze Menge verschiedener Verbindungslinien, die rot bzw. dunkelgelb sind. Daher geht es auch einfacher:

Das vorletzte Icon (also das zweite von rechts) im Hauptfenster öffnet die Kontrollpunkte-Tabelle. Ab hier wäre ein dritter Monitor – im Hochformat – praktisch. ;-)

Klickt man zweimal auf „Abstand“, so sortiert die Tabelle die Kontrollpunkte so, dass die schlechtesten zu oberst stehen. Wenn man nun den obersten (den ‚Übeltäter‘ mit 11,6 Pixeln Abstand) anklickt, dann öffnet sich der Kartei-Reiter „Kontrollpunkte“ im Hauptfenster. Und spätestens hier sieht man, dass es gar kein Standard-Kontrollpunkt ist, der verschiedene Einzelbilder miteinander verbindet, sondern ein Kontrollpunkt zur Ermittlung von vertikalen Linien innerhalb eines Einzelbildes.

Da das Bild noch weitere vertikale Kontrollpunkte enthält, die wesentlich bessere Werte haben, können wir den Ausreißer problemlos löschen. Wenn man zum Löschen den Button im Hauptfenster nimmt (und nicht den in der Gesamt-Tabelle), dann sieht man gleich in dem Moment, wie aus der 5 mit rotem Balken eine 4 mit gelbem oder gar grünem Balken wird. Die Zahl neben dem Balken zeigt also an, wie viele gemeinsame Kontrollpunkte das gewählte Bildpaar hat, und der Balken zeigt durch seine Farbe die Qualität der Verbindung an – genau wie in der Layout-Ansicht des Schnellvorschau-Fensters.

Mit gehaltener Shift-Taste der Maus kann man in der Kontrollpunkte-Tabelle auch eine ganze Reihe Punkte zum Löschen markieren – und dann mit dem megabreiten Löschen-Button am Fuß der Tabelle ins digitale Nirvana schicken. Hier im Bild werden also gerade alle Kontrollpunkte mit mehr als 6 Pixeln Abstand beseitigt.

Die groben Ausreißer sind damit nicht mehr im Weg. Jetzt wird es Zeit, die verbliebenen Punkte zu optimieren. In mehreren Schritten kommt man so immer genauer zum Ziel. Die Layout-Ansicht wird immer grüner.

Dazu gehe ich im Programmfenster auf die Seite „Optimieren“ und wähle die Option „Benutzerdefinierte Parameter (siehe unten)“. Hier kann man genau bestimmen, welche Werte verändert werden dürfen. Diese werden mit einem Häkchen versehen. Die Werte ohne Häkchen werden nicht verändert; sie dienen jedoch als Bezugspunkte. Wie man sehen kann, habe ich das erste Bild nicht ausgewählt (Bild 0), sondern nur die 3 Drehachsen der Bilder 1-11. Wir lassen das erste Bild so stehen wie es ist (Bild 0), und die anderen 11 Bilder orientieren sich beim Neuausrichten daran. So bleibt die (einigermaßen) horizontale Lage des bisherigen Panoramas erhalten.

Mit „Gierwinkel“ ist die Position im 360°-Kreis gemeint, mit „Nickwinkel“ die Neigung über bzw. unter dem Horizont, und mit „Rollwinkel“ die seitliche Schräglage des Bildes (wie bei Loriots „Das Bild hängt schief“). Wie zu erwarten, haben die Bilder einen Gierwinkel-Abstand von etwa 30°, einen Nickwinkel nahe 0° (horizontale Bildreihe) und einen Rollwinkel ebenfalls nahe 0° – die Hochformatbilder stehen also senkrecht.

Zusätzlich zu den 3 x 11 Häkchen im Bereich „Bildausrichtung“ optimieren wir auch den „Bildwinkel (v)“ in der unteren Reihe. Da alle 12 Bilder mit dem gleichen Objektiv aufgenommen wurden, steht dort auch nur 1 zu optimierender Wert.

Ein paar Sekunden nach dem Starten bekommen wir eine Dialogbox mit dem Ergebnis angezeigt. Würden hier nur chaotische Werte erscheinen, so könnten wir das Ergebnis der Optimierung noch ablehnen. Aber die Werte 1,1 bzw. 1,2 Pixeln für den mittleren Kontrollpunktabstand bzw. die Standardabweichung sind ja schon sehr gut. Es zeigt sich aber („Maximaler Abbstand: 11,4“), dass es offenbar noch immer einzelne Ausreißer in unserer Kontrollpunktliste gibt, die mit den anderen Punkten nicht harmonieren wollen.

Diesen Ausreißern machen wir nun wieder mit der Kontrollpunkt-Tabelle den Garaus. Diesmal geht es allen Punkten über 3 Pixel Abstand an den Kragen. Ein kurzer Blick auf die Layout-Schnellvorschau zeigt, dass keine Verbindungen verlorengehen; es wird höchstens ein wenig dünner, aber dafür deutlich grüner.

Mit den verbliebenen Kontrollpunkten mache ich nun eine erneute Optimierung. Die Ausreißer sind ja nun weg; da können die restlichen Punkte noch näher zusammenrücken.

Zusätzlich zu den bereits optimierten 3 x 11 Bildausrichtungs-Winkeln und dem ebenfalls schon optimierten Objektiv-Bildwinkel gibt es noch weitere Optimierungs-Möglichkeiten, die wir nun verwenden werden.

Irgendwo in einem anderen Hugin-Tutorial (Youtube?) habe ich mal den Tipp erhalten, die Parameter a, b und c jeweils in einem einzelnen Durchlauf optimieren zu lassen, und dann als letztes d und e gemeinsam.

Zusätzlich zu den Bildausrichtungs-Werten und dem Objektiv-Bildwinkel v wird also im nächsten Durchgang das Häkchen bei „Parameter a“ gesetzt (und b bis e noch nicht). Einmal optimieren. Dann zusätzlich b dazunehmen und neu optimieren. Dann c dabei und wieder neu. Zuletzt dann d und e gemeinsam.

Klingt kompliziert, hat sich aber bewährt. Wenn man jedoch schon gute Objektivdaten geladen hatte, kann man durchaus auch versuchen, nach der Grundoptimierung im nächsten Schritt a, b und c gemeinsam zu optimieren. Wenn Chaoszahlen dabei herauskommen, braucht man den Versuch ja nicht anzunehmen. Hier in diesem Fall sieht es aber sehr gut aus: Im Durchschnitt unter 1 Pixel Kontrollpunktabstand (0,84 und 0,65) und ein Maximalwert von 2,9, das ist schon prima.

Der Blick auf die Layout-Seite der Schnellvorschau bestätigt dies: Nur noch grüne Linien.

Auch die Vorschau sieht einwandfrei aus – jedenfalls die ‚tropische Zone rund um den Äquator‘. In der nächsten Lektion werde ich dann die ‚Nordhalbkugel‘ fertigstellen.

Projekt speichern

Zuvor jedoch sollte das Projekt gespeichert werden – spätestens jetzt. Das vierte Icon von links im Hauptfenster (Diskette mit Stift) öffnet den Speichern-Unter-Dialog.

Hugin speichert die Projekte in Projektdateien mit der Endung .pto – als Ascii-Text, der mit einem einfachen Editor bearbeitet werden kann. Die Projektdateien enthalten also nur Dateinamen, Koordinaten, etc. – aber nicht die Bilder selbst.

Als Dateinamen habe ich „6thb01-36bilder.pto“ gewählt. Es ist ja das 6. Thielenbruch-Panorama, daher 6thb vorne bei allen Pto-Dateien dieses Panoramas (da kommen später noch mehr). Damit die Reihenfolge der verschiedenen Arbeitsschritte später erkennbar bleibt, folgt als nächstes eine fortlaufende Nummerierung, also hier 01 für die erste Projektdatei. Zum Schluss hänge ich mit Bindestrich noch eine Beschreibung an. In dieser Projektdatei werden wir arbeiten, bis alle 3 Reihen – also 36 Bilder – montiert sind.

Nach dem Abspeichern dieses erfolgreichen Zwischenstandes geht es in Teil 3 dieses Hugin-Tutorials als nächstes um die Montage der oberen 12 Bilder.

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