Panoramen mit Hugin erstellen, Tutorial Teil 4

Nachdem die mittlere und die obere Bildreihe montiert ist (Nickwinkel der Aufnahmen: 0° und +60°), kommen jetzt die 12 Bilder der Fotoreihe nach schräg unten dran (-45°). Im Prinzip könnte man dabei so vorgehen wie im vorigen Teil dieses Tutorials, aber ich nutze hier die Gelegenheit, noch einen anderen Weg zu zeigen, der manchmal besser funktioniert.

Untere Bildreihe zusammenfügen

Zunächst werden wieder die geeigneten 12 Bilder der Bodenansicht ausgewählt und mit der Maus in das Hugin-Hauptfenster gezogen. Hugin meldet gleich darauf (auf der „Assistent“-Seite des Hauptfensters) „36 Bilder geladen“, denn 24 Bilder waren ja schon in unserem Projekt „6thb01-36bilder.pto“ vorhanden. Mit der nun hinzugefügten dritten Bildreihe lässt sich die Vollkugel fast komplett schließen – es bleibt nur ein kleiner freier Rest im Rotator des Stativs frei.

Außer der Meldung, dass nun 36 Bilder im Projekt sind, vermeldet Hugin ebenfalls, dass es nun „13 unverbundene Bildgruppen“ gibt. Klar, die Bilder 0 bis 23 bilden eine große durch Kontrollpunkte verbundene Gruppe, während die neu geladenen 12 Bodenbilder noch keine Verbindung untereinander und auch nicht zum Rest der Truppe haben.

Wie schon angekündigt, wollen wir diesmal unsere perfekte Justage der „Nordhalbkugel“ nicht wieder durcheinanderbringen lassen, weshalb wir auf die Verwendung des Ausrichten-Buttons (Assistent-Seite) verzichten müssen. Dieser richtet ja nicht nur die neuen, sondern alle Bilder neu aus.

Die 12 Bodenbilder untereinander zu verbinden, ist aber auch ohne den Assistenten kein Problem. Einfach den Reiter „Bilder“ im Hauptfenster anklicken und mit gedrückter Shift-Taste gemeinsam die Bilder 24 bis 35 markieren. Dann den Button „Kontrollpunkte erstellen“ anklicken, und nach ein paar Augenblicken gibt es die Meldung „518 Kontrollpunkte hinzugefügt“.

Ein Blick auf die Layout-Vorschau zeigt allerdings noch keine große Änderung. Zwar sind die neuen Bildnummern 24 bis 35 oberhalb des Layoutbereichs zu sehen, aber die Bilder selber nicht. Erst wenn man mit der Maus über eine der Bildnummern drüberstreicht (ohne zu klicken), wird das entsprechende Bild in der Ansicht hervorgehoben und man sieht, dass sich alle Bilder hinter einem Bild der Mittelzeile verstecken. Wer die „Bilder“-Programmseite vorhin aufmerksam betrachtet hat, konnte auch für alle Bodenbilder die gleichen Koordinaten lesen, mit einem Nickwinkel nahe 0°.

Der Button „Kontrollpunkte erstellen“ hat also nur die Punktepaare gesucht, aber noch kein einziges Bild geometrisch verschoben, um die Punkte auch möglichst deckungsgleich zu ihrem jeweiligen Partnerpunkt zu positionieren.

Dies machen wir daher als nächsten Arbeitsschritt. Auf der „Optimieren“-Seite des Hauptfensters wählen wir diesmal nur die neuen Bilder 24 bis 35 aus – in den drei Kästchen „Gierwinkel“, „Nickwinkel“ und „Rollwinkel“. Dies ist einige Klickerei – man kann aber mit dem „X“-Button unterhalb des jeweiligen Kästchens zunächst alle Häkchen entfernen und dann nur die nötigen 3 mal 12 Stück setzen.

Das Ergebnis erscheint jedoch zunächst verheerend: Etwa 26, 180 und über 3000 Pixel Abweichung. Es wurde offenbar eine Menge „Schrott“ gefunden und für gleiche Punkte gehalten. Gerade bei Bodenbildern ist das nicht selten.

Bevor wir anfangen, Ausreißer zu suchen und zu löschen, müssen wir aber zunächst sicherstellen, dass die Bilder wenigstens in etwa an ihrem Platz stehen. Ei Blick auf die Layout-Vorschau offenbart da Schreckliches:

Man sieht deutlich, dass die oberen 24 Bilder beim „Optimieren“ nicht angetastet wurden (sie waren ja auch nicht mit Häkchen markiert). Aber die untere Reihe macht eine schöne Sinuskurve über die 360° des equirektangularen Rechtecks. Und die neue Reihe hat noch keinerlei Verbindung mit den mittleren Bildern. Dies ändere ich nun als nächstes:

Hugin deutet zwar durch dünne graue Linien mögliche Verbindungen zwischen mittlerer und unterer Reihe an, aber bei genauerer Betrachtung des oben größer dargestellten Screenshots erkennt man, dass die Zuordnung nicht stimmt, weil die untere Reihe insgesamt etwa 180° versetzt stehen müsste (Gierwinkel). Wir suchen uns gedanklich nun ein gut erkennbares Bildpaar, beispielsweise das zweite Bild von links in der unteren Reihe, das die Scheinwerfer der rechten Straßenbahn zeigt. In der Mittelreihe stehen diese Scheinwerfer rechts von der Mitte.

Durch Überstreichen der Buttons „Dargestellte Bilder“ kann man leicht herausfinden, dass dies die Bilder 3 und 27 sind, die eigentlich direkt untereinander gehören würden. Also markieren wir diese beiden Bilder auf der „Bilder“-Seite des Hauptfensters (leider sieht man im Screenshot nicht, welches das zweite markierte Bild ist, da man in der Liste scrollen muss, um so weit voneinander entfernt liegende Bilder mit der Strg-Taste gemeinsam markieren zu können).

Wenn (nur) das Bildpaar 3 und 27 markiert ist, berechnet ein Klick auf „Kontrollpunkte erstellen“ einige Kontrollpunkte für dieses Bildpaar.

Als nächstes habe ich einen erneuten Optimieren-Durchgang gestartet, damit wenigstens das Bildpaar 3+27 untereinander zu liegen kommt – mehr Verbesserungen sind an dieser Stelle ja noch nicht zu erwarten.

Vorteil ist, dass nun die grauen ‚möglichen Verbindungslinien‘ im Vorschaufenster auf die passenden Bildpaare zeigen. Man erkennt also gleich, welche Bilder zusammengehören (nicht davon irritieren lassen, dass das Layoutfenster Bilder nahe am ‚Südpol‘ verkehrt herum anzeigt). Wenn die beiden Bilder durch eine graue Linie verbunden sind, kann man es sich einfach machen und diese anklicken, so dass das Bildpaar im Hauptfenster auf der Seite „Kontrollpunkte“ lädt.

Leider haben die Hugin-Programmierer dort den „Kontrollpunkte erstellen“-Button für die automatische Suche vergessen, so dass einem nur übrig bleibt, sich die Bildnummern zu merken und diese auf der „Bilder“-Seite des Programms mit Strg+Mausklick beide auszuwählen.

Das Gleiche machen wir nun also auch mit einigen anderen Bildpaaren. Es müssen nicht gleich alle 12 Paare sein, aber 3 oder 4 am besten schon, damit die untere Reihe „stabil“ an der mittleren Reihe dranhängt.

In diesem Fall habe ich mich entschieden, alle 90° eine Verbindung zu ziehen. Ich habe also Bild 3+27 miteinander verbunden (siehe oben), dann 0+24, 9+33 und 6+30. Ein weiterer „Optimieren“-Durchgang (nur die Gier-, Nick- und Rollwinkel der Bilder 24 bis 35 gewählt), und Hugin meldet zwar noch immer katastrophale Zahlen durch einzelne Ausreißer. Aber die Layout-Vorschau zeigt, dass nun alle Bilder ihren Platz gefunden haben. (Dass die Vorschau die kopfstehenden Bilder noch immer nicht dreht, ist eine andere Sache, aber für das Ergebnis irrelevant.)

Der weitere Weg dürfte schon bekannt sein: Löschen der Ausreißer in der Kontrollpunkt-Tabelle. Wenn alle Punktpaare von 20 bis 790 Pixeln Abstand gelöscht sind, sieht die Layout-Vorschau schon überwiegend gelb bis grün aus, sobald man die Nick-, Gier- und Rollwinkel der untersten 12 Bilder noch einmal optimieren lässt.

Doch Vorsicht: Wenn wir nun auch Bildwinkel v und die Parameter a bis f optimieren würden, dann würden sich diese Werte ja auch für die oberen beiden Bilderreihen verändern – und damit auch die Güte dieser Justage wieder verändern. Wir wollen ja in diesem Teil eine Montage durchführen, die fertige Teile nicht verändert.

Daher behelfen wir uns mit einem Trick: Wir markieren die Bilder der unteren Reihe (24 bis 35) gemeinsam auf der Hauptfenster-Seite „Kamera und Objektiv“ und klicken dann auf den Button „neues Objektiv“ – auch wenn die Bilder mit der gleichen Linse entstanden sind. Die „alten“ Bilder sind mit Objektiv 0 aufgenommen, die untere Reihe mit Objektiv 1.

Dies hat den Vorteil, dass Hugin den Objektiv-Bildwinkel und die sonstigen Objektiv-Parameter für die untere Reihe separat optimieren kann. In der unteren Reihe wählen wir daher jeweils nur das Kästchen für Objektiv 1. So bleibt die ‚Nordhalbkugel‘ unseres Panoramas völlig unverändert.

Wer sich den Screenshot genau anschaut, der sieht auch, dass Hugin tatsächlich für alle Werte leichte Unterschiede zu Objektiv 0 gefunden hat. Ich könnte mir vorstellen, dass es mit Spiel in der Objektivmechanik zu tun hat und sich Bildwinkel und sonstige Objektivparamenter minimal ändern, wenn das Objektiv nicht waagerecht bzw. nach oben, sondern nach unten fotografiert. Vielleicht wäre es sogar eine gute Idee, zukünftig die 3 Reihen als 3 verschiedene „Objektive“ in Hugin zu führen (zumindest bei kritischen Motiven), denn zwischen 0° und +60° wird es bestimmt auch kleine Toleranzen geben.

Das Ergebnis jedenfalls kommt unseren Vorstellungen einer guten Montage schon sehr nahe. Die paar Ausreißer zwischen 3 und 5,85 Pixeln noch in der Kontrollpunkte-Tabelle entfernen und ggf. nochmal optimieren, bis keine Ausreißer mehr zu finden sind. Und schon erstrahlt das gesamte Panorama in saftigstem Grün.

Das ganze Panorama? Nein! Noch immer klafft im Boden ein kleines Loch. Dieses Loch zu entfernen – das dient auch der Vorbereitung zum Entfernen des ganzen Stativs – ist Thema im nächsten Tutorial-Teil.

Im Prinzip könnte man dieses Bild nun schon in hoher Auflösung berechnen lassen und es anschließend veröffentlichen (wie ich es beispielsweise bei meinem Panorama Bayenthalgürtel gemacht habe). Aber ohne Stativ wäre es sicherlich schöner (vergleiche hier). Und wozu haben wir die HDR-Belichtungsreihe aufgenommen, wenn doch bisher nur die normal belichteten Bilder zum Einsatz kamen? Für den Feinschliff an diesem Pano ist also noch einiges zu tun. Zunächst bauen im nächsten Teil das Nadir-Bild ein, das senkrecht nach unten fotografiert wurde und somit das ganze Stativ zeigt.

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