Panoramen mit Hugin erstellen, Tutorial Teil 5

In den vergangenen 4 Tutorial-Teilen wurden das Panorama so weit fertiggestellt, dass man eine erste Roh-Version davon auch schon veröffentlichen könnte. Am Ende von Teil 4 sind alle 3 Reihen zu je 12 Aufnahmen montiert; bis auf ein kleines Loch im Zentrum des Stativkopfs ist die Vollkugel komplett geschlossen.

Schöner wäre es allerdings in HDR und ohne Stativ. Deshalb geht dieses Tutorial noch einige Teile weiter.

Nadirbild (Stativ) montieren

Zunächst sollte man diesen Versionsstand als Projekt abspeichern (also ein letztes Mal in der Datei „6thb01-36bilder.pto“). Dann gehe ich erneut auf Speichern-Unter (Icon „Diskette-mit-Stift“) und legen die zweite Projektdatei an: „6thb02-stativ.pto“.

Nun wird das Nadir-Bild mit dem senkrecht nach unten gerichteten Blick auf das Stativ dem Projekt hinzugefügt.

Hugin erkennt am Querformat der Aufnahme automatisch, dass es sich um ein neues „Objektiv“ handelt, und es gibt dem Bild die Objektiv-Nummer 2. Allerdings stimmt z.B. der Cropfaktor nicht, weshalb ich auf der Seite „Kamera und Objektiv“ des Hauptfensters das Stativbild auswähle, den Button „Objektiv laden“ klicke und die passenden Objektivdaten für das 15-85 bei 15mm Brennweite und Querformat aus der ini-Datei importiere.

Wer noch keine Objektivdaten gespeichert hat (weil es das erste Projekt mit dem jeweiligen Objektiv ist), muss halt die Werte von Hand eingeben und am Ende des Projekts, wenn mehrfache Optimierungs-Zyklen die optimalen Werte ermittelt haben, die Daten des Objektivs speichern.

Das Nadirbild ist nun also geladen, aber noch nicht durch Kontrollpunkte mit den anderen Bildern verknüpft. Ein Versuch, das neue Bild („Bild 36“) mit jeweils einem anderen Bild der unteren Reihe automatisch mit „Kontrollpunkte erstellen“ zu verbinden, misslingt bei mehreren Versuchen. „0 Kontrollpunkte hinzugefügt“, was vermutlich an dem recht einheitlichen Boden liegt.

Daher müssen diesmal einige Kontrollpunkte manuell hinzugefügt werden. Ich suche mir dafür in der Nähe jedes Stativbeins kleine markante Auffälligkeiten im Boden, die ich auf beiden Bildern (hier z.B. Bild 31 und 36) markiere und mit dem „Hinzufügen“-Button bestätige.

Man muss schon recht genau schauen, welches Stativbein gerade im Bild der unteren Reihe zu sehen ist, da hier das Nadirbild wenig Anhaltspunkte bietet. Eine Panorama-Fotografen markieren sich daher die Stativbeine mit unterschiedlichen Farben oder legen sich farbige Plättchen, Legosteine, verschiedene Münzen, etc. direkt vor die Stativbeine. So sehen sie am Ende der Panoramafotoreihe auch, wo das Stativ stand, um z.B. freihand noch einige Bodenaufnahmen zu Retuschezwecken zu machen.

Wenn jedes Stativbein mit 2-3 Punkten am Panorama befestigt ist, steht eine Optimierungsrunde an, um das Nadirbild auch an seine Position zu bekommen.

Natürlich wählen wir nur die drei Bildausrichtungs-Winkel von Bild 36 (die anfangs alle noch auf 0,000 stehen). Und dazu den Objektiv-Bildwinkel v, natürlich nur den von Objektiv 2. Wir wollen ja das sorgsam montierte Panorama bei der Justage des Stativbildes nicht beschädigen.

Nach mehren Durchläufen für die Parameter a, b, c und d+e sieht die Sache dann schon ganz gut aus: Nur noch etwa 1-3 Pixel Kontrollpunktabstand.

Auch die Layout-Schnellvorschau sieht nahezu perfekt aus. Das Nadirbild hängt an drei dünnen, aber saftig grünen Linien:

In der Vorschau-Ansicht kann man beim Überfahren des Buttons für Bild 36 (ohne Klicken) erkennen, wie groß der vom Nadirbild abgedeckte Bereich ist.

Und man sieht auch, dass die Schiene des Panoramakopfs recht weit in das Bild hineinragt. Vor dem testweisen ersten Zusammenfügen des Panoramas sollte man diesen vielleicht besser entfernen, damit beim Überblenden der einzelnen Bilder dort keine dunklen Stellen erscheinen.

Dazu gibt es die Seite „Maskierung“ im Hauptfenster. Einfach auf „Neue Maske“ klicken und den störenden Bereich mit einigen Klicks umschließen. Die Masken-Art steht schon auf „Bereich ausschließen“, so dass der maskierte Teil nicht in das berechnete Panorama aufgenommen wird.

In der Vorschau ist auch gut zu sehen, dass dieser Bereich jetzt ausgespart ist:

Panorama ausgeben

Nun ist es an der Zeit, das Panorama fertig zusammenfügen – also in hoher Auflösung ausgeben – zu lassen, um darin nach Fehlern zu suchen. Nicht nur nach Stitching-Fehlern durch ungenaue Montage (davon sollte es hoffentlich so gut wie keine mehr geben), sondern auch nach „Geisterbildern“, also z.B. Personen, die nur halb (oder doppelt) abgebildet sind, weil sie sich zwischen den Einzelaufnahmen bewegt haben. Das wird Thema in Teil 6 sein.

Auf der Hauptfenster-Seite „Zusammenfügen“ kann man die nötigen Werte einstellen. Equirektangulare Panoramen (also rechteckige Kugelabwicklungen wie hier zu sehen mit 360° x 180°) gebe ich bisher immer in der Panoramabildgröße 8000 x 4000 Pixel aus. Sie haben ja immer das Seitenverhältnis 2:1; man könnte für das Probepano daher auch z.B. 6000 x 3000 Pixel nehmen; dann geht es etwas schneller.

Ferner habe ich Jpg in sehr hoher Qualität (95%) eingestellt. Beim Klick auf „Zusammenfügen“ öffnet sich die Dateiauswahlbox und will den Namen des fertigen Panos wissen. Ich lasse es „6thb02-equirect-normal“ nennen – „.jpg“ wird automatisch angefügt, und es enthält ja die normal belichtete Version als equirektangulares Kugelpanorama.

Wenn der Dateiname bestätigt ist, fängt Hugin an, loszurattern. Meist hat man dann Zeit, einen zweiten Kaffee zu kochen, etc.

Bevor man aber in die Küche stürmt, sollte man vielleicht noch den Anfang abwarten, bis (recht kurz) der Abschnitt „Testing programs“ durchscrollt. Wenn die einzelnen Programmteile nicht „is ok“ melden, kann man sich beim Kaffeekochen schonmal gedanklich darauf vorbereiten, den Rest des Tages nach Fehler-Ursachen zu googeln…

Und so sieht die fertig berechnete Testversion des Panoramas aus (geöffnet in der Windows-Fotoanzeige):

Spätestens jetzt das Projekt nochmal speichern („6thb02-stativ.pto“) und weiter geht es in Teil 6.

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