HDR-Panoramen mit Hugin erstellen, Tutorial Teil 8

Das normal belichtete Panorama wurde im vorigen Teil dieses Hugin-Tutorials fertiggestellt. Es ist nun frei von Geisterbilden und auch vom Stativ ist nichts mehr zu sehen. Falls es noch keine geisterbildfreie Version davon als equirektangulares Panorama in 8000x400o Pixeln gibt, sollte diese jetzt erzeugt werden.

Als nächstes geht es darum, aus diesem Panorama zwei Belichtungsvarianten zu machen – eine dunkle und eine helle. Alle drei Versionen werden dann später an Photomatix Pro oder an ein anderes Programm für HDR und Tonemapping übergeben.

Hugin bietet die Möglichkeit, selbst HDR-Panoramen zu erstellen, indem auch die Belichtungsvarianten der Einzelfotos eingelesen werden. Dies mag für Panoramen aus wenigen Bildern funktionieren, aber meine Versuche, statt 37 Bildern gleich die dreifache Menge einzulesen, scheiterten kläglich an Speicherproblemen und ewig langen Rechenzeiten. Vermutlich ist dies eher was für Leute, deren Panoramen aus deutlich weniger Einzelfotos bestehen.

Projektdateien für dunkles und helles Panorama editieren

Daher habe ich einen anderen Weg eingeschlagen: Bei meiner Aufnahmetechnik (Stativ, Fernauslöser, gleiche Blende) sind die 3 Belichtungsvarianten ja sehr deckungsgleich. Die Geometrie der Bildanordnung muss also gar nicht verändert werden zwischen dem normalen und dem dunklen bzw. hellen Bild.

Man braucht also nur die Projektdatei zu nehmen und die Dateinamen jeweils zu verändern, damit statt der normalen Bilder die dunklen (und später die hellen) Bilder geladen werden.

Freundlicherweise speichert die Kamera die Bilder in fortlaufender Nummerierung (siehe Bild oben). Wenn Bild 1234 das normal belichtete ist, ist 1235 das unterbelichtete und 1236 das überbelichtete.

Man muss also nur die Projektdatei 6thb03-stativweg.pto in den Editor laden (ja, wir nehmen nicht die Planeten-Version, sondern wieder die equirektangulare Version), unter neuem Namen, z.B. 6thb03-stativweg-2dunkel.pto abspeichern und in der Datei alle Dateinamen der 36 Rundum-Bilder um jeweils 1 erhöhen. Aus IMG_5239.JPG wird IMG_5240.JPG, aus 5242 wird 5243, aus 45 wird 46, aus 48 wird 49, etc. Am besten nutzt man die Suchfunktion des Programms und sucht von oben herab nach „.JPG“, damit man keines übersieht.

Wenn alle 36 Dateinamen-Nummern um jeweils 1 erhöht wurden, kommt als 37. Datei die stativretuschierte Nadir-Datei. Diese erhöhen wir nicht, denn wir haben von der retuschierten Version ja keine Belichtungs-Varianten angefertigt.

Bei kontrastreichen Bodenmotiven mag es vielleicht sinnvoller sein, die Stativretusche separat auch in dem dunklen und hellen Bodenbild durchzuführen (und dann natürlich den Dateinamen hier entprechend zu ändern). Für einfache Fußböden wie hier ist das jedoch nicht nötig; ich verwende das normalbelichtete Bodenbild auch in dem Dunkel- und dem Hell-Panorama.

Nachdem die 36 Dateinamen angepasst wurden und die Projektdatei mit dem Zusatz „dunkel“ gespeichert wurde, beginnt das Spiel noch einmal von vorne. Also mit dem Namenszusatz „hell“ erneut speichern („6thb03-stativweg-3hell.pto“) und dann: Cursor wieder ganz nach oben und von dort alle 36 .JPG suchen. Jedesmal um 1 erhöhen (aus 79 wird 80, aus 82 wird 83, aus 85 wird 86, Ihr kennt das ja jetzt). Und bitte (wieder) sorgsam darauf achten, dass Ihr sonst nichts verändert, damit sich die neue Projektdatei fehlerlos in Hugin öffnen lässt. Wenn beide neuen Projektdateien – die dunkle und die helle – fertiggestellt sind, wird der Editor geschlossen.

Dunkles und helles Panorama für HDR erstellen

Sobald man die Dunkel-Projektdatei in Hugin öffnet, sieht man eine Schnellvorschau des dunklen Panoramas mit hellem Stativbereich. Um das Nadirbild in seiner Helligkeit den anderen Fotos anzupassen, öffnet man im Hugin-Hauptfenster die Seite „Kamera und Objektiv“ und wählt dort das Stativweg-Foto (Bild 36) aus.

Unter der Bilderliste kann man verschiedene Einstellungen für das Bild vornehmen. Dort lassen sich ebenfalls zwei Kartenreiter wechseln: „Geometrisch“ und „Fotometrisch“. Die Helligkeit ist logischerweise ein fotometrischer Parameter. Geometrisch ist das Panorama ja bereits perfekt justiert.

Unter „Belichtung und Farbe“ lässt sich nun der Wert „Belichtung (Eev)“ entsprechend absenken. Zunächst steht er auf etwa 10,6. Da die HDR-Belichtungsreihe mit der AEB-Funktion der Kamera auf +/- 3 Blendenstufen eingestellt war, wäre hier eigentlich ein Wert von 7,6 passend. Allerdings sah mir dies in der Vorschau schwärzer aus als der Fußboden auf den angrenzenden Bildbereichen. Daher habe ich hier – frei nach Augenmaß – den Wert 9 eingetragen. Das Ergebnis sieht in der Schnellvorschau so aus:

Mehr Anpassungen sind gar nicht nötig. Projekt speichern. Bloß nicht versuchen, mit Optimieren von Kontrollpunkten und Bildausrichtung, oder mit Belichtungsanpassung da noch irgendwas zu verändern! Sonst passen die Bilder nachher im HDR-Programm nicht gescheit übereinander. Das dunke Panorama kann jetzt ebenfalls in einer Größe von 8000×4000 Pixeln ausgegeben werden.

Nun wiederholt sich das ganze Spiel mit der Hell-Projektdatei. Öffnen, den zu dunklen Nadirbereich bemerken, und darum den Belichtungswert für das Nadirbild von 10,6 auf 13,6 (also um 3 Blendenstufen) erhöhen:

Das Ergebnis passt. Projekt speichern ohne weitere Änderungen. In der Schnellvorschau sieht das Hell-Panorama nun so aus:

Auch dieses Panorama muss natürlich in 8000×4000 Pixel Größe ausgegeben werden. Im Windows-Explorer sieht man jetzt drei geometrisch genau übereinander passende Panoramen mit deutlich unterschiedlicher Helligkeit. Also genau das, was für die HDR-Bearbeitung im nächsten Teil des Tutorials benötigt wird.

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