Panoramen mit Hugin erstellen, Tutorial Teil 7

Nachdem im vorigen Teil dieses Hugin-Tutorials das Nadirbild (also der Blick senkrecht nach unten auf das Stativ) in das Panorama eingefügt wurde, sollte Hugin erst einmal geschlossen werden, denn weiter geht es mit dem Bildbearbeitungsprogramm. Ob man für den folgenden Schritt nun (wie ich) das kostenlose Programm Gimp verwendet oder ein anderes, spielt im Grunde keine Rolle. Es sollte – wie auch sein User ;-) – allerdings in der Lage sein, mit Ebenen bzw. Objekten umzugehen.

Die Aufgabe lautet nun, das Nadirbild (hier: IMG_5353.JPG) zu laden, unter einem neuen Namen zu speichern (hier: IMG_5353stativweg.JPG) und darin das Stativ möglichst unsichtbar zu machen.

Stativ wegretuschieren

Wie Ihr dieses Ziel erreicht, ist mir im Grunde egal. Ich bin jedenfalls (noch) wirklich kein Meister der Stativretusche. Und ich mache es jedesmal anders. Manchmal pfusche ich einfach mit dem Klonstempel einen einigermaßen realistischen Fußbodenerstatz (z.B. bei ‚Nachts im Museum‚). Ein anderes Mal decke ich den Boden mit einer Spiegelkugel ab (z.B. bei ‚Hamburg Eimsbüttel‚). Diesmal verwende ich aber (wie meistens, z.B. auch bei ‚Lübeck, Untertrave‚) die zusätzlich aufgenommenen Bodenbilder (zumindest teilweise), die Euch vielleicht schon ganz am Anfang – im Teil 1 beim Thema Raw-Entwicklung – aufgefallen sind.

Doch zurück zu Gimp und der nun anstehenden Stativretusche. Um die Schiene des Panoramakopfes aus dem Bild (vor allem am Rand) zu bekommen, habe ich in Gimp eine Sichtbar-Kopie der Hintergrundebene angelegt und dann einen „Flicken“ aus dem (im rechten Winkel aufgenommenen) zweiten Bodenbild an der passenden Stelle zwischen die beiden Ebenen geschoben. Dann kann man in der Sichtbar-Ebene mit ganz weich eingestelltem Riesen-Radiergummi die Schiene des Panoramakopfes einfach wegradieren. Und die Stativbeine sowie den Rotator des Panoramakopfes habe ich dann weggestempelt – ebenfalls ohne harte Kanten zu hinterlassen.

Hier in dieser Lektion soll es jedoch nicht um Retuschetipps gehen (in den Kommentaren aber gerne), sondern wir gehen jetzt einfach mal davon aus, dass es nun eine stativfreie Version des Bodenbildes gibt, die jetzt nicht mehr IMG_5353.JPG heißt, sondern IMG_5353stativweg.JPG. Nach Möglichkeit hat das Bildbearbeitungsprogramm sonst möglichst wenig an der Datei geändert, also gleiches Farbprofil, gleiche Größe sowieso, und natürlich auch gleiche Helligkeit und Kontrast, etc.

Projektdatei stativlos machen

Wenn der stativlose Boden als Jpg gespeichert ist, kann man die Bildbearbeitung wieder schließen. Nun benötigen wir einen einfachen ASCII-Texteditor, um die Projektdatei zu laden. Also nix wie Word oder so, das aus einer reinen Textdatei einen Haufen unbrauchbarer Formatierungsanweisungen macht, sondern einen Editor, mit dem man Txt-Dateien und ähnliches Zeug (HTML, CSS, whatever) bearbeiten kann.

Im Bild verwende ich den simplen „Editor“ von Windows, und er ist hierfür völlig ausreichend. Dort wird die letzte Hugin-Projektversion 6thb02-stativ.pto geladen und gleich unter dem neuen Namen 6thb03-stativweg.pto gespeichert (damit wir uns nicht versehentlich die Originaldatei verändern). Dann wird im Text der Dateiname der Nadir-Datei (die ja noch das Stativ enthält) gesucht (hier: IMG_5353.JPG) und dort der neue Name eingetragen (hier: IMG_5353stativweg.JPG). Nochmal speichern. Und schon kann der Editor geschlossen werden.

Und wird Hugin gestartet und die neue stativlose Projektdatei geöffnet (entweder die neue .pto-Datei auf das Hauptfenster schieben oder über das Öffnen-Icon bzw. das Datei-Menü). Und zum ersten Mal lädt das Panorama ohne störende schwarze Stativreste.

Öfters ist dann allerdings der Farbton bzw. die Helligkeit ziemlich abweichend vom Rest. Warum auch immer – die Tonwerte des Bodens wurden ja nicht verändert.

Dagegen hilft die Seite „Belichtung“ im Hugin-Hauptfenster. Bisher lasse ich es einfach auf der Standard-Einstellung „Niedriger Dynamikumfang (LDR)“ und klicke ohne irgendwelche Änderungen auf „Optimierung starten“. So scheint es für Jpg-Panoramen gut zu funktionieren. Es kommt noch eine Abfrage bezüglich der Anzahl Punkte pro Bild – auch diese lasse ich auf der Voreinstellung 200. Nach ein paar Durchgängen hat sich Hugin geeinigt und schlägt ein Ergebnis vor, das man übernehmen oder ablehnen kann. Da mir die Werte eh nichts sagen, übernehme ich es. Sollte es wieder Erwarten nichts taugen, bleibt mir immernoch die Undo-Funktion von Hugin.

Und so sieht das Panorama der normalbelichteten Einzelbilder nun in der Schnellvorschau aus. Zum ersten Mal ist die vollständige 360° mal 180° Vollkugel ganz ohne Stativreste erfasst:

Erneute Geisterbilder-Kontrolle

Nun wird es Zeit, noch einmal eine hochauflösende Version des Panoramas berechnen zu lassen (Anleitung siehe Teil 5) und noch einmal (wie schon in Teil 6) nach den Geisterbildern zu schauen. Mal sehen, wie sich die „Frau ohne Unterleib“ nun nach ihrer lebenswichtigen Operation (‚Verwenden‘-Maske) nun im Panorama macht.

Ergebnis: Die Patientin befindet sich zwar nun in gutem Zustand, aber ihre Zimmernachbarn hat es erwischt: Die Leute links von ihr wurden nun zu Geistern. Also muss der gewissenhafte Panograph da nochmal ran.

Also schnell noch einmal das betreffende Bild auf der Seite „Maskierung“ geöffnet und eine zweite Maske angelegt. Die rechte Maske wird grün dargestellt (solange sie nicht ausgewählt ist), weil es sich um eine Maske vom Typ „Bereich verwenden“ handelt. Die neue Maske ist aber vom Typ „Bereich ausschließen“ und wird daher rot dargestellt.

Ausgabe als „Kleiner Planet“

Jetzt gleich nochmal das Bild zur Kontrolle als rechteckiges Pano zu rechnen, dazu habe ich keine Lust. Mich interessiert ja auch, wie es sich als „Kleiner Planet“, also als Rundbild, macht. Daher mache ich einen ‚Testplaneten‘. Darin lässt sich die Geisterbild-Problemstelle ebensogut kontrollieren, und für die Nadir-Kontrolle ist die Planeten-Darstellung ohnehin besser geeignet.

Daher speichere ich den bisherigen Arbeitsstand erst einmal wieder als „6thb03-stativweg.pto“ und dann gleich nochmal als „6thb04-planet.pto“.

Um nun auf eine Planeten-Darstellung umzuschalten, öffne ich im Schnellvorschaufenster die Seite „Projektion“. Hier lassen sich die verschiedensten Darstellungsweisen für das Panorama auswählen. Die meisten davon habe ich selbst bisher noch nicht verstanden, aber vier Stück benötigen wir immer wieder:

Montiert man nur wenige Bilder, die quasi eine „Weitwinkel-Aufnahme“ ergeben sollen und deutlich weniger als einen Halbkreis umfassen, ist „Gradlinig (Rectilinear)“ vermutlich die passende Projektion.

Für einzeilige Rundherum-Panoramen (wie unser Bild anfangs mit nur 12 Bildern aussah), schlägt Hugin von sich aus gewöhnlich die Projektion „Zylindrisch“ vor.

Die vollständige Kugelabwicklung der 360° mal 180° auf ein Rechteck, wie wir sie bisher in diesem Tutorial verwendet haben, nennt sich „Sphärisch (Equirectangular).

Doch diese schalten wir jetzt um auf „Stereographisch“, was die gewünschte Darstellung als „Little Planet“ ermöglicht. Eine solche Projektion wird beispielsweise im Weltatlas zur Darstellung der Polregionen verwendet (siehe auch Wikipedia).

Nach dem Umschalten erkennt man erst einmal nichts. Einmal auf „Einpassen“ klicken (auf der Seite „Projektion“, oder schon auf der Seite „Bewegen/Ziehen“ – den Button gibts zweimal). Und dann den Bildwinkel der Darstellung durch den horizontalen Schieberegler unter dem Vorschaubild verkleinern, bis das Panorama gut erkennbar wird.

Wie man sieht, ist die Stereographische Projektion in der Horizontalen noch relativ witzlos – obwohl, sooo schlecht sieht es mit den gerade verlaufenden Gleisen im Vordergrund und den übelst gebogenen Fotoständern am Rand auch nicht aus.

Richtig spaßig wird die stereographische Projektion erst dann, wenn man (auf der Vorschauseite „Bewegen/Ziehen“) den Nickwinkel des Panoramas auf 90° setzt und „Übernehmen“ anklickt. Diese Darstellung ist der klassische „Little Planet“, von denen die Google-Bildsuche etwa eine Viertelmillion in 0,45 Sekunden ausspuckt (etliche davon sind natürlich Schrott bzw. aus einfachen Fotos nach dem Simpel-Prinzip aus meiner Lektion „Kleine Planeten“ gemacht). Nach „Planeten“ sehen sie natürlich vor allem dann aus, wenn außen Himmel ist. Bei Innenraum-„Planeten“ spreche ich lieber von „Rundbildern“.

Um das Verhältnis zwischen den Vordergrund-Bahnen und der gegenüberliegenden Seite etwas harmonischer zu gestalten, kann man ein leichtes Fine-Tuning vornehmen. Dazu einen kleinen Wert bei „Nickwinkel“ eintragen – beispielsweise 5 bzw. -5 Grad. Mit mehrfachem Klicken auf „Übernehmen“ kann man die Planeten-Darstellung so in kleinen Schritten nach vorne oder hinten kippen – also leicht aus der polaren stereographischen Projektion herausnehmen. Dazu noch ein wenig mit dem horizontalen Schieberegler für den Bildwinkel experimentieren, und schon findet man eine gefällige Darstellung der Szene als Rundbild.

Beim horizontalen Bildwinkel sollte man beachten, dass die Außenbereiche bei sehr großen Bildwinkeln (etwa zwischen 330° und 359°) übelst gestreckt werden und daher leicht Unschärfen und sonstige Bildfehler sichtbar werden. Aber in diesem Fall reicht ein Bildwinkel von ca. 240° ja auch locker aus – man soll die Bahnen im Vordergrund ja auch plakativ und groß wahrnehmen.

Man kann übrigens die Darstellung auch mit Ziehen bei gedrückter Maustaste frei verändern und die Projektion in die skurrilsten Varianten verbiegen. Würde ich hier aber (zunächst) nicht empfehlen, weil dann die schöne Symmetrie der Szene verloren geht.

Nun gebe ich dieses Rundbild in hoher Auflösung aus. Während ich für equirektangulare Panoramen 8000×4000 Pixel wähle (32 Megapixel), nehme ich für die Planeten meist 5000×5000 Pixel (also 25 Megapixel).

Sobald man die Werte einträgt, ändert Hugin auch im Schnellvorschaufenster die Bildwinkel auf ein exaktes Quadrat – warum der „Einpassen“-Button vorher nur so ungefähr quadratische Bilder erzeugt (240°x238°), entzieht sich meiner bisherigen Kenntnis.

Als Dateinamen wähle ich „6thb04-planet-normal“ – das .jpg hängt Hugin automatisch an (wenn Jpeg-Ausgabe eingestellt ist). Den Zusatz „-normal“ ergänze ich deshalb, weil dieser Planet ja nur die Bilder mit normaler Helligkeit enthält. Falls später dieser Planet in HDR umgewandelt werden soll, wird es auch eine Version „-dunkel“ und eine „-hell“ geben, die dann als HDR zusammengerechnet werden. Mehr dazu in einem späteren Teil dieses Mega-Tutorials.

Im fertigen Planeten kann man nun die Qualität der Nadir-Retusche überprüfen. Naja, ich würde ihm ein „Befriedigend Minus“ geben. Ein wenig zu dunkel ist er geworden, aber ich bin jetzt zu faul, dies mit Gimp in der „…stativweg.JPG“-Nadirdatei zu korrigieren. Also bleibt es so.

Nun sind wir mit dem ’normalbelichteten‘ Teil durch. Wir haben eine stativfreie Vollkugel zur Wiedergabe als interaktives Panorama. Und einen Planeten als hübschen Blickfang. Was jetzt noch fehlt, ist die HDR-Bearbeitung, die dem Bild noch etwas mehr Pep (oder zumindest eine bessere Detailzeichnung in Schatten und Lichtern) gibt. Wie man die Vorbereitungen dafür mit Hugin treffen kann, ist Thema in Teil 8 dieses Tutorials.

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