Fehmarn 8: Megalithgräber und andere Bodendenkmäler

Das (nachgebaute) steinzeitliche Langbettgrab in Wulfen ist nicht das einzige interessante Megalithobjekt auf Fehmarn. In der Touristen-Information am Stadtrand von Burg hatten wir einen Flyer „Bodendenkmäler auf Fehmarn“ mitgenommen und machten uns nun auf die Spurensuche nach den Steinresten unserer Ahnen. ;-)

Die einzelnen Bodendenkmäler stelle ich nun in der Reihenfolge dieses Faltblattes vor. Einige haben wir gar nicht besucht, andere nicht gefunden. Aber ein paar interessante Entdeckungen haben wir dennoch gemacht. Nun könnt Ihr Ilo und mich auf unserer „Grabsuche mit Meerblick“ ;-) begleiten:

1. Der Galgenberg

Der „Galgenberg“ ist ein vorgeschichtlicher Grabhügel und war früher auch Hinrichtungsplatz. Man findet ihn östlich von Petersdorf (also im Westteil der Insel), aber wir waren noch nicht dort.

2. Der Alverston

Nicht weit von der Küste im Südwesten Fehmarns, nahe Albertsdorf (zwischen Strukkamphuk und Gold), findet man das besterhaltene Großsteingrab Fehmarns, „Alverston“ oder „Alversteen“ genannt. Es handelt sich um einen sogenannten Dolmen. Durch die Nähe zur Küste diente er früher als Seezeichen und durfte daher auch nicht entfernt werden.

Zum Alverston habe ich nur die kleine 3D-Kamera mitgenommen und nicht die Spiegelreflexkamera. Vermutlich gibt’s noch ein paar weitere Fotos dieses Megalithgrabes, sobald ich die 3D-Bilder ebenfalls bearbeitet habe.

Weiter geht es auf der anderen Inselseite, im Osten bei Katharinenhof. Ab hier wurde die Suche etwas schwieriger.

3. Die Vitzbyer Steenkist

Laut Prospekt befindet sich nördlich der Siedlung Katharinenhof die „Vitzdorfer Steinkiste“. Als Fehmarn 1420 vom Dänenkönig zerstört und die Einwohner nahezu vollständig ausgerottet wurden, soll sich hier einer von nur drei (!) Überlebenden versteckt haben. Offenbar war das Versteck so gut, dass es heute unauffindbar ist – auch ein Bauer, der gerade dahergetreckert kam, konnte oder wollte uns nichts Genaues nicht sagen tun (vielleicht hielt er uns für Dänen?).

Mehrere verdächtige Hügelchen und Steinhaufen sind uns in der Ecke begegnet, aber keinerlei Beschilderung oder auch nur Zugangswege. Recht schwach, wenn man es immerhin touristisch bewirbt…

Laut Abbildung und Beschreibung in dem Faltblatt „Bodendenkmäler auf Fehmarn“ handelt es sich heute ‚um einen flach gewölbten Hügel mit Resten einer Steinkammer aus mehreren großen Trägersteinen, die jedoch nicht mehr alle ihre ursprüngliche Lage haben‘. Auf dem Foto im Flyer sehe ich, dass die Steenkist vor einer Baumreihe liegt. Sucht Euch selbst einen der Hügel und Steinreste aus, die wir gesehen haben – vermutlich ist es aber noch weiter im Acker gewesen, und wir haben gar nicht den Richtigen gefunden:

4. Langbetten nördlich von Katharinenhof

Die Pleite mit der Steenkist erlebten wir nach unserem Besuch der drei Langbetten am Campingplatz Katharinenhof. Dort waren wir erfolgreicher, wie das Teilpanorama oben schon zeigt. Doch zunächst galt es auch hier, die Langbetten zu finden:

Am Eingang des Campingplatzes sieht man eine Übersichtskarte, aus der hervorgeht, dass der Campingplatz nördlich durch einen Graben begrenzt ist. Freundlicherweise gestattete uns der Betreiber des Campingplatzes den Weg über diesen, und er informierte uns auch, wo man die Langbettgräber finden kann: Den Hauptweg entlang und dann (am Ende des gepflasterten Weges) zwischen den Hecken über die eingezeichnete kleine Brücke den Graben überqueren. Dann am feldwegfreien Feld entlang. Eine arge Humpelei, aber wir haben die 3 Langbetten gefunden.

Wir haben uns redlich bemüht, dem Bauer sein Feld möglichst wenig zu zertrampeln. Es gibt kein Hinweisschild, keinen Touristenbusparkplatz, keine steinzeitliche Friedhofskapelle ;-) geschweige denn einen Weg zu den Steinzeitgräbern. Die Steine liegen kreuz und quer durcheinander – auch modernere Steine bzw. Bauschutt wurde dazwischengekippt. Hier einige weitere Aufnahmen der Langbetten und ihrer Umgebung:


5. Langbett südöstlich von Katharinenhof

Südöstlich von Katharinenhof, in Richtung Steilküste, soll sich das größte Langbett befinden: 40m Länge, 18m Breite, 2m Höhe. Laut Faltblatt besteht es „aus einem dammförmigen Hügel mit zahlreichen Randsteinen, am Ostende wird eine Steinkammer mit Deckstein sichtbar. Dieses Grab ist über einen privaten Feldweg zu erreichen“. Dies haben wir uns für den nächsten Fehmarn-Urlaub aufgehoben; diesmal waren wir noch nicht dort. Daher gibts auch (noch?) keine Bilder.

6. Langbett auf dem Hinrichsberg

Ebenfalls im Südosten Fehmarns, nicht weit weg von Katharinenhof, liegt der Hinrichsberg („Berg“ ist bei 23,3m Gipfelhöhe nicht im alpinen Sinne zu verstehen…). Dort, nördlich von Staberdorf, befindet sich nach Auskunft des Flyers „Bodendenkmäler auf Fehmarn“ eines der letzten unzerstörten fehmarnschen Steinkammergräber. Unser Versuch, es noch kurz vor Sonnenuntergang zu finden, schlug jedoch leider fehl. Laut Faltblatt handelt es sich um ein Langbett, das „aus einem langovalen Hügel mit abgesetzten Kanten und sichtbaren Resten von zwei Steinkammern aus mehreren Findlingen“ besteht.

Der Weg ist natürlich auch hier nicht ausgeschildert. In Staberdorf gibt es aber eine Straße „An Hinrichsbarg“, die allerdings offiziell ab der Gabelung hinter dem Ort nur von landwirtschaftlichem Verkehr befahren darf. Wie Google Maps schön zeigt, liegen auf den Feldern in schöner Regelmäßigkeit Baumgruppen etc., die ein Langbett tarnen könnten. Also sucht Euch aus: Ist es dies? Oder dies hier? Vielleicht auch jenes? Oder ganz woanders? Wir hatten jedenfalls keine Lust, alle verdächtigen Objekte zu Fuß anzusteuern, und sie waren auch zu weit weg, um Details aus der Ferne zu erkennen:

Wenn man den Weg weiter in Richtung Osten fährt (äh, geht…), dann kommt man an das Ende der Welt (so kam es uns jedenfalls vor). Also haben wir zwar leider kein Steinzeitgrab gefunden, aber wurden mit einem netten Blick auf’s Meer entschädigt.

Die unauffindbare Steinzeit lassen wir nun hinter uns, aber räumlich bleiben wir ganz in der Nähe:

7. Der Thingplatz in Staberdorf

Im Ort Staberdorf, südlich des Hinrichs’berg‘ gelegen, befindet sich zentral am Dorfteich ein mittelalterlicher „Thingplatz“. Den Begriff Thing (‚Ting‘ gesprochen, also trotz ‚th‘ bitte nicht englisch…) kennen viele vielleicht noch vom Ent-Thing aus Herr der Ringe. Er bezeichnet jedoch historisch ein Gericht unter freiem Himmel. In Staberdorf ist eine solche frühmittelalterliche Thingstätte noch erhalten (wenn auch nicht mehr in ursprünglichem Zustand).

Das Bild zeigt die Linde am Thingplatz dramatisch als Freihand-HDR abgebildet, da nur noch wenig Tageslicht vorhanden war und daher der Himmel auf den normalbelichteten Aufnahmen ziemlich „ausgebrannt“ erschien.

Der Flyer ergänzt folgende Informationen: „Als ‚Thingplatz‘ bezeichnet man einen Steinkreis aus Feldsteinen, auf denen die Geschworenen (Vertreter) des Dorfes saßen und zu den Nachbarversammlungen unter freiem Himmel zusammenkamen, um über Wohl und Wehe der Dorfschaft ‚zu belieben‘. Der Thingplatz war ein heiliger Ort, den man sorgfältig ausgewählt hatte. Er zeichnete sich oft durch einen besonderen mystischen Reiz aus. In der Mitte stand nicht selten der ‚Ding-Baum‘, eine Esche, ein Weißdorn oder Rotdorn“. In Staberdorf ist es jedoch eine Linde.

Hier noch einige weitere Fotos bzw. HDR-Bilder der Thingstätte in Staberdorf auf Fehmarn:



8. Burg Glambeck

Die Reste der hochmittelalterlichen Burg Glambeck finden sich im Ort Burtiefe. Das Bodendenkmäler-Faltblatt berichtet, dass die Burg 1210 vom dänischen König Waldemar II gebaut wurde. 1628 wurde sie zerstört und in der Folgezeit abgetragen. Die Reste verschwanden unter dem Flugsand, bis sie bei einer Sturmflut 1872 wieder freigelegt wurden.

Leider haben wir es in unserer Fehmarn-Woche nicht bis zur Burg Glambeck geschafft (und das, obwohl unsere Ferienwohnung in Neue Tiefe recht nah an Burtiefe lag). Beim nächsten Fehmarn-Urlaub werden wir aber bestimmt auch mal bei Burg Glambeck vorbeischauen.

9. Burganlage in Burg

Über die Burganlage in der Stadt Burg auf Fehmarn spricht der Flyer in der Vergangenheitsform. Es ‚befand‘ sich dort eine Burganlage, vermutlich ein slawischer Ringwall, südlich des heutigen Parkplatz West. Daran grenzte früher die ehemalige Hafenanlage von Burg an, die 2005 beim Bau einer Turnhalle freigelegt wurde.

Offensichtlich gibt es von der Burg Burg nichts mehr zu besichtigen. Vermutlich wird sie in dem Faltblatt erwähnt, da sie aber Namengeber des Hauptortes Fehmarns ist.

10. Ohlenburg

Noch eine ehemalige Burg wird in dem Flyer erwähnt, die Ohlenburg östlich von Puttgarden. Auch hier gibt es offenbar keine Reste mehr zu besichtigen. Jedoch weist der Name „Puttgarden“ noch heute auf diese Burg hin, denn der Name leitet sich vom slawischen „pod gorie“ ab, das „unterhalb der Burg“ bedeutet.

11. Steinzeitliches Langbett (Nachbau) bei Wulfen

Das rekonstruierte Langbett für die Golfspieler in Wulfen ;-) habe ich ja bereits ausführlich im vorigen Artikel vorgestellt.

Das Faltblatt beschreibt die Geschichte der Wulfener Langbetten und des Nachbaues. Es wird auch darauf hingewiesen, dass der „Opferstein“ in der Mitte eventuell sogar der originale Stein der Beschreibung und Zeichnung von 1836 ist. Der Flyer schließt ab mit einem allgemeinen Artikel über „Megalithgräber auf Fehmarn“.

Doch mit dem Ende des Faltblattes ist mein Artikel noch nicht abgeschlossen. Denn wir haben ein weiteres Großsteingrab entdeckt, ;-) das es nicht in das EU-kofinanzierte Infoblatt des Umweltrates Fehmarn geschafft hat:

(12.) Dolmen in Katharinenhof

Auf dem Außengelände des Museums Katharinenhof steht ebenfalls ein „Dolmen“, also ein Megalithgrab ähnlicher Form wie der anfangs vorgestellte Alverston.

Wir erfuhren auf Nachfrage, dass dieses jungsteinzeitliche Megalithgrab nicht an originaler Stelle steht, sondern ‚in der Nähe‘ die Jahrtausende überdauert hat. Als es wegen Bauarbeiten (?) dort entfernt werden sollte, wurde es im Museumshof aufgebaut. Leider habe ich keine weiteren Infos hierzu gefunden. Aber noch ein paar weitere Fotos habe ich gemacht. Auch diese sind (wie auch der Alverston) mit der 3D-Knipse aufgenommen worden, so dass es sie vermutlich demnächst hier im Fotokurs-Blog auch in 3D anzuschauen gibt, sobald ich mit der 3D-Bearbeitung der Urlaubsbilder anfange. Hier sind sie schonmal in 2D:

Dies war es zunächst. Falls jemand Tipps zum Auffinden der vergeblich gesuchten Langgräber etc. hat (oder GPS-Koordinaten), so würde ich mich über eine Antwort in den Kommentaren besonders freuen. Aber auch sonst darf natürlich gerne kommentiert werden, wenn Ihr den Artikel hilfreich, unterhaltsam oder sonstwie lesenswert fandet. Immerhin mache ich dies alles hier gratis – und das bedeutet ja bekanntlich „für den Dank“…

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