Buchtipp: Kreativer fotografieren (Almut Adler)

kreativerfotografieren-almutadler-coverDie erste Buchbesprechung unter dem neuen Menüpunkt Buch und Heft befasst sich mit dem Buch Kreativer fotografieren von Almut Adler, erschienen 2012 im humboldt Verlag und „gedruckt auf Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft“. Auf etwa 240 meist farbigen Seiten gibt es eine Menge Interessantes zu entdecken.

Der obige Link zur Verlagsseite des Buches führt auch zu einer Leseprobe als Pdf, in der man das komplette Inhaltsverzeichnis und die ersten Abschnitte des Themenschwerpunktes „Technik und Kreativität“ nachlesen kann (bis Seite 26).

Um es vorweg zu sagen: Der Bereich Technik ist nicht wirklich die Stärke dieses Buches. Zwar gefällt mir die einfache Gegenüberstellung von Vor- und Nachteilen der verschiedenen Kameratypen (Kompaktkamera, Bridge- und Systemkamera, Spiegelreflexkamera, Mittelformatkamera). Aber beispielsweise beim Thema Sensorformate und Cropfaktor ist leider einiges durcheinander geraten und daher unverständlich. Dort steht beispielsweise: „Der Verlängerungsfaktor eines DX-Sensors von 1,5 macht z.B. aus einem 200-mm-Objektiv ein 350-mm-Objektiv. Vollformatsensoren haben keinen Cropfaktor (200 mm = 200 mm).“

Nunja, 200 mal 1,5 ergibt meiner Meinung nach nicht 350, sondern 300. Es scheint, dass einige Seiten am Lektorat vorbeigerutscht sind.

Es wird z.B. auf Seite 29 auch ausführlich beschrieben, was „das rechte Bild mit den Möwen“ zeigt, das „mit einer FX-Kamera“ (Nikon-Sprech) aufgenommen wurde und dessen weiß gerahmter Bereich den Teil zeigt „der bei einer DX-Kamera mit Cropfaktor 1,6 belichtet werden würde“. Nur, dass Nikons DX einen Cropfaktor von 1,5 hat, während bei Canons Cropfaktor 1,6 allgemein vom „APS-C-Format“ (Canon-Sprech) geredet wird, und den meisten Canonieren die Abkürzungen FX und DX aus dem Nikon-Lager kaum geläufig sein dürften.

Ärgerlicher als dieses (unerhebliche) Zehntel beim Cropfaktor ist allerdings: Das ausführlich erklärte Bild „mit den Möwen“ und dem weißen Rahmen gibt es gar nicht. Weder auf dieser Seite noch auf den benachbarten. Allerdings gibt es auf Seite 28 ein (möwenfreies) Bild mit weißen Rahmen, das jedoch sachlich falsch ist. Dort wird „Four Third (Cropfaktor 2)“ größer eingezeichnet als die beiden APS-Formate von Nikon und Canon (Cropfaktor 1,5 bzw. 1,6). Natürlich ist der Four-Third-Sensor kleiner und nicht größer als die APS-Sensoren.

Um das mit Cropfaktor und angeblicher „Brennweiten-Verlängerung“ korrekt zu verstehen, liest man vielleicht doch besser hier im Fotokurs Anfängerkurs, Lektion 2: Brennweite und für die verschiedenen Sensorformate Aufbaukurs, Lektion 2: Megapixel.

Doch nun erstmal genug gemeckert. Ab Seite 53 – in dem Abschnitt 2 „Die kreative Umsetzung“ – spielt das Buch seine großen Stärken aus. Auf den nächsten 50 Seiten stehen eine Menge Anregungen, Fragen und Aufgaben. Hier eine kleine Auswahl von Punkten, die mir gut gefallen haben:

  • Wie schule ich meinen Fotoblick?
  • Die Wahl des richtigen Hintergrundes
  • Fokuspunkt vorn oder hinten?
  • Ein Hoch auf das Hochformat
  • Die Kunst der Reduzierung
  • Froschperspektive, Normalperspektive, Vogelperspektive

Ab Seite 103 – und erst recht ab Seite 109 – geht es dann auf fast 90 Seiten um Bildserien. Auch wenn die Autorin schöne Bildbeispiele bringt (und damit Anregungen für eigene kreative Fotos und Bildserien), hat man stellenweise den Eindruck, dass hier in erster Linie die (durchaus gelungenen) Fotoserien gezeigt werden sollen.

Eine Spezialität von Almut Adler ist offenbar das Sammeln von Abc-Motiven, womit Motive gemeint sind, die wie Buchstaben aussehen, obwohl sie eigentlich keine Buchstaben sind. Die Titelseite des Buches zeigt eine solche ABC-Serie. Man kann den oben gezeigten Cover-Scan groß klicken, dann sieht man die Abc-Motive besser.

Im Buch gibt die Autorin einige nützliche Tipps für solche Serien – und auch die Ermahnung, bei der Buchstabenjagd nicht zu mogeln, also nichts zu schieben, etc. Die Buchstaben sollten so abgelichtet werden, wie sie vorgefunden wurden. Nur mit fotografischen Mitteln – also Drehung und Bildausschnitt – sollte der Buchstabe möglichst klar erkennbar dargestellt werden. Vielleicht eine nette Anregung, mal selbst auf Buchstabenjagd zu gehen.

Almut Adler zeigt auf etlichen Seiten Hochformat-Abc, Querformat-Abc, Natur-Abc aus Blättern und Ästen, Seil-Abc, Metall-Abc und ein menschliches Abc (mit 1 bis 3 Vorturnern auf einer Wiese). Außerdem gibt es Tipps, wenn man Buchstaben mit einer Taschenlampe und Langzeitbelichtung in die Luft schreiben möchte.

Im vierten Abschnitt ab Seite 193 geht es dann um „Bildbearbeitung und Anwendung“. Dort findet man z.B. die etwas eigenwillige Idee, Bildserien aus vielen Fotos mit dem Mailprogramm (!) zu einem Tableau zu arrangieren und dann die Bildschirm-Ansicht zu speichern, anstatt mit einem Textverarbeitungsprogramm oder einem teuren Layoutprogramm. Je nach Software mag das gehen, aber ich würde wohl doch eher ein Grafikprogramm wie Gimp dafür nehmen. Mit ein paar Hilfslinien und Einfügen der sinnvoll verkleinerten Einzelbilder sollte das mit vertretbarem Aufwand möglich sein.

Anhand des Grafikprogramms Adobe Photoshop Elements zeigt die Autorin dann noch, wie man Grußkarten oder Einladungen gestalten kann und wie man mit Ebenen und freigestellten Motiven arbeitet.

Im Teil 5, „Anhang“, gibt es zunächst ein zwanzigseitiges Glossar fotografischer Fachbegriffe von A wie Abblenden bis Z wie Zwischenringe. Dann noch ein wenig Werbung für Fotoworkshops in Spanien und Fotogrundkurse für Frauen, die Almut Adler veranstaltet. Des weiteren ein Kreativ-Fotoquiz und ein Bilderrätsel, und fertig ist das Buch.

kreativerfotografieren-almutadler-coverFazit: Das Buch „Kreativer fotografieren“ der Autorin Almut Adler ist eine interessante und unterhaltsame Lektüre für Hobbyfotografen, die weniger Wert auf umfangreiche Nachbearbeitung mit digitalen Bildeffekten etc. legen, sondern die mit klassischen fotografischen Mitteln neue Bildideen ausprobieren und interessantere Fotos machen möchten. Das Buch empfiehlt sich für Einsteiger und auch für ‚angehende Fortgeschrittene‘. Der Technik-Teil hat leider deutliche Mängel; meiner bescheidenen Meinung nach wäre er in diesem Buch überhaupt verzichtbar gewesen. Das Kreativ-Kapitel mit einen 50 Seiten und die Bilderserien mit ihren knapp 90 Seiten bieten aber eine Menge nützliche Informationen und Anregungen. Daher: Kauftipp bzw. Verschenktipp. Das Buch bekommt man z. B. bei dieser Firma aus dem Regenwald ;-) oder noch besser: Beim lokalen und selbständigen Buchhändler.

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