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Anfängerkurs Fotografie Fotokurs

Anfängerkurs, Lektion 3

Näher ran: Brennweite und Perspektive

Nach den grundsätzlichen Erläuterungen zu Brennweite und Crop-Faktor in der vorigen Lektion wird es nun endlich Zeit für etwas mehr Praxis. Wir wollen untersuchen, inwiefern es einen Unterschied macht, ob ich ein Motiv ’näher ran‘ zoome, oder ob ich die Kamera näher zum Motiv bringe. Dazu habe ich folgende Bildserie aufgenommen, die eigentlich schon fast alles hierzu verrät:

55mm (88mm)
35mm (56mm)
24mm (38mm)
18mm (29mm)
Angegeben sind die jeweils eingestellten Brennweiten des Zoomobjektivs und dahinter in Klammern die Umrechnung auf Kleinbild-Brennweite (Cropfaktor 1,6).

Wir sehen auf allen vier Bildern einen Brunnen mit einer schweren Weltkugel, die auf einem dünnen Wasserfilm schwimmt. Diese Kugel ist auf allen Fotos (fast) gleich groß abgebildet. Doch unterscheiden sich die Brennweiten, mit denen die Bilder aufgenommen wurden. Beim ersten Bild war die Kamera am weitesten entfernt, dafür wurde mit der längsten Brennweite dieses Objektivs (55mm) fotografiert. Nach dem Foto wurde die nächst kleinere Brennweite eingestellt (35mm) und ein paar Schritte in Richtung des Brunnens gegangen, bis die Kugel im Sucher wieder gleich groß erschien. Genauso wurde dann noch für die Brennweiten 24mm und 18mm verfahren. Mit jedem Foto wurde die Brennweite kürzer, aber dafür der Abstand zum Hauptmotiv verringert.

Wenn man die Bilder nun vergleicht, dann sieht man deutlich, dass sich Vordergrund und Hintergrund der Fotos stark unterscheiden. Beim linken Foto, das mit einem leichten Tele aufgenommen wurde, wirkt das Gebäude im Hintergrund (das historische Straßenbahn-Depot Köln-Thielenbruch) vergleichsweise riesig. Je kürzer die Brennweite wird, desto kleiner erscheint das Gebäude. Und das, obwohl die Kamera ja näher dran war!

Perspektive und Motiv-Abstand

Wie kommt es zu dieser Veränderung der Perspektive? Es hat NUR mit dem relativen Abstand zum Betrachter bzw. zur Kamera zu tun, und NICHT mit der Brennweite. Ohne jetzt zu sehr mit optischen Regeln langweilen zu wollen, versuche ich es möglichst einfach zu erklären:

Stellen wir uns vor, wir stehen 2 Meter vor dem Brunnen. Von da, wo wir stehen, sind es 100 Meter bis zu dem Gebäude dahinter. Die echten Zahlen bei der obigen Bilderserie sind natürlich anders, aber mit den angenommen Werten von 2 Metern und 100 Metern wird es deutlicher.

Wenn man sich (ob mit oder ohne Kamera) nun 1 Meter nähert, dann hat man nur noch 1 Meter Abstand zum Brunnen, aber noch immer 99 Meter Abstand zum Gebäude. Es ist klar, dass der Brunnen jetzt wesentlich größer erscheint, da man nur noch halb so weit davon entfernt ist. Zum Gebäude im Hintergrund macht der eine Meter hingegen nicht viel aus – 99 Meter Entfernung oder 100 Meter Entfernung sind mit bloßem Auge wohl kaum zu unterscheiden.

Perspektive und Brennweite

Wieso kann man aber sagen, es habe NICHT mit der Brennweite zu tun? Um dies deutlich zu machen, wenden wir uns noch einmal den Brennweiten-Vergleichsfotos aus dem vorigen Abschnitt zu. Aus zwei Bildern, die ich hier noch einmal zeige, habe ich jeweils einen quadratischen Ausschnitt herausgenommen und so weit in der Größe angepasst, dass sie hier gleich groß erscheinen. Beide Fotos sind vom gleichen Kamerastandort aufgenommen, allerdings mit unterschiedlicher Brennweite:

Brennweite 50mm (80mm)
Bildausschnitt aus 50mm
Brennweite 200mm (320mm)
Bildausschnitt aus 200mm

Deutlich kann man erkennen, dass sich die Perspektive nicht verändert hat. Lediglich die Schärfe und Detail-Auflösung ist natürlich bei dem Foto mit der längeren Brennweite deutlich besser. Die Brennweite beeinflusst also nicht die Perspektive, sondern ’nur‘ die Darstellungsgröße bzw. den Bildwinkel.

Perspektive und Bildgestaltung

55mm (88mm)

Kommen wir noch einmal auf unser Brunnen-Beispiel zurück und vergleichen die längste mit der kürzesten Brennweiten-Einstellung: Bei der Tele-Einstellung erscheint der Abstand zwischen Brunnen und Gebäude kleiner, während die Weitwinkel-Aufnahme die Weitläufigkeit des Platzes betont. Diese unterschiedliche Wirkung kann man sich als Fotograf natürlich kreativ zunutze machen. Wie stark die Eigenschaft von Tele-Brennweiten ist, die räumliche Distanz zwischen Objekten optisch zu verkürzen, zeigt beispielsweise auch das schon im vorigen Abschnitt verlinkte Rom-Foto. Auch wenn es nicht so aussieht, aber bestimmt ist zwischen den einzelnen Gebäuden auf dem Bild Platz für Straßen, etc. Durch das starke Tele wirkt es jedoch fast so, als hätte man jedes Gebäude einzeln fotografiert, ausgeschnitten und dann daraus eine Collage gemacht.

18mm (29mm)

Interessant ist es auch, die Form des Brunnen-Grundsteins auf den beiden rechts gezeigten Aufnahmen zu vergleichen. Aus der Ferne fotografiert (in Tele-Einstellung des Objektivs) hat er eine recht ‚harmonische‘ Form. Demgegenüber bewirkt die (Weitwinkel-)Aufnahme aus der Nähe, dass die vorderen Partien überbetont werden. Ein Effekt, der vor allem bei Portraits und sonstigen Personen-Aufnahmen zu berücksichtigen ist, und der gerne von besonders hippen und coolen Musiksendern überstrapaziert wird. Ein Beispielfoto habe ich mittlerweile dafür auch geschossen: Man kann dies recht deutlich an dem Foto Wallis Bird Double in der Fotogalerie sehen.

Doch nun zum nächsten Thema: Ab Lektion 4 geht es um Schärfe. Automatische und manuelle Scharfstellung, Verwacklungs- und Bewegungsunschärfe, Schärfentiefe, etc. Ein weites Feld mit vielen kreativen Möglichkeiten. Denn oft macht gerade eine gewisse Unschärfe den Reiz eines Bildes aus – besonders dann, wenn sie nicht zufällig entstanden ist, sondern gekonnt eingesetzt wird.

Alien-Perspektive: „Visitors“, Pansevitz 2008

 

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Anfängerkurs, Lektion 2

Der Bildwinkel: Über Brennweite, Weitwinkel, Tele und Zoom

Bleiben wir noch etwas bei Objektiven: Neben der Blende, um die es in Lektion 1 ging, ist eine weitere (und noch wichtigere) Größe zur Unterscheidung von Objektiven die sogenannte „Brennweite“. Sie entscheidet gewissermaßen, ob das Fotomotiv groß oder klein abgelichtet wird. Also, wie nah man etwas ‚heranholen‘ kann, bzw. wie viel Vordergrund und Umgebung mit auf das Foto kommt. Um das Wichtigste, was man zum Thema Brennweite und den dazugehörigen Begriffen (Weitwinkel, Tele, Zoom, etc.) wissen sollte, geht es auf dieser Seite.

Bevor wir uns aber genauer mit diesen Begriffen beschäftigen, sollte man sich jedoch Folgendes klar machen: Auch wenn das Ding vorne an der Kamera „Objektiv“ genannt wird, ist Fotografie eigentlich nur sehr selten wirklich objektiv. Denn schon alleine durch Veränderung des Bildausschnitts kann sich die Aussage und Wirkung eines Fotos gewaltig verändern. Ob ich (wie im Beispiel rechts) ein interessantes Detail an einer Mauer des Bonner Münsters zeige, oder ob ich deutlich mache, wie die Kunst zwischen Bauholz und Dixiklos fast verschwindet, ist hier nur eine Frage der Brennweite bzw. des Bildwinkels des Objektivs.

Ein anderes Beispiel für die unterschiedliche Wirkung zweier Fotos bei gleichem Kamera-Standort sind zwei Fotos auf meiner Rom-Seite. Ob man das Forum Romanum nun mit 28mm-Weitwinkel oder mit 200mm-Tele zeigt, macht einen riesigen Unterschied.

Brennweite

Damit sind wir auch schon bei der Maßeinheit, in der die Brennweite eines Objektivs gemessen wird, nämlich in Millimeter. Je größer die Millimeterzahl der Brennweite, desto ’näher‘ erscheint das Motiv auf dem Foto. Betrachten wir die folgenden Bilder, die den Blick von der Kennedybrücke in Bonn auf den Posttower zeigen: Das linke Foto wurde mit einer Brennweite von 80 Millimetern aufgenommen, das rechte mit 200 mm. Wie bei einer Betrachtung durch ein Fernglas wird bei dem rechten Foto nur ein kleiner Bildwinkel aus der gesamten Szene betrachtet, der dadurch umso größer abgebildet wird:

Vergleich 80mm und 200mm Brennweite

Der Begriff „Brennweite“ erinnert an den „Brennpunkt“ einer Linse (Vergrößerungsglas), mit der man vielleicht früher im Physikunterricht oder Pfadfinderlager versucht hat, nur durch das Sonnenlicht ein Stück Papier zu entzünden. Und tatsächlich hat die Brennweite eines Objektivs etwas mit dem Abstand des Brennpunktes zu tun. Darauf wollen wir jetzt hier jedoch nicht näher eingehen.

Wichtig für den Fotografen ist vielmehr die Tatsache, dass der Bildeindruck, also wie ’nah‘ oder ‚fern‘ das Motiv auf dem Foto erscheint, nicht nur von der Brennweite des Objektivs abhängig ist, sondern auch von der Größe des Films bzw. des Bildsensors der Kamera.

Dies kann man sich ganz einfach klar machen, wenn man das Bild rechts betrachtet: Stellen wir uns vor, das Bild rechts wäre mit einem ganz normalen „Kleinbildfilm“ aufgenommen worden, der Dias bzw. Negative im üblichen Format von 24 mal 36 Millimetern erzeugt. Die Brennweite des Objektivs wurde so gewählt, dass auf dieser Filmfläche von 24x36mm das gesamte Motiv (also das Schiff und der Posttower) abgebildet wird – angedeutet durch den aufgehellten Bereich des Fotos.

Wenn nun jemand in die gleiche Kamera mit der gleichen Objektiv-Brennweite einen kleineren Film mit einer Größe von 15 mal 22,5 Millimetern einlegen würde (mit einiger Bastelarbeit wäre das durchaus möglich), dann hätte er logischerweise trotz gleicher Brennweite nur den mittleren Bildausschnitt auf seinem Film. Die äußeren Bereiche würden also einfach fehlen und weder der Posttower noch das Schiff wären komplett im Bild.

Würde man aber nun hingehen und von beiden Fotos je einen Abzug im Format 10x15cm bestellen, dann sähe das Bild mit dem kleineren Negativ-Format so aus, als sei das Motiv von der Kamera ’näher‘ abgebildet. In Wirklichkeit ist es aber nur im Fotolabor stärker vergrößert worden. Genausogut hätte man von dem 24×36-Negativ einen größeren Abzug bestellen können und dann mit der Schere die Randbereiche abschneiden können.

Genau das gleiche geschieht übrigens in den meisten Digitalkameras: Der Bildsensor ist fast immer kleiner als die Filmfläche eines Kleinbildfilms – im obigen Beispiel um den Faktor 1,6 (24/15 bzw. 36/22,5). Dadurch entsteht der Eindruck, als sei mit einer größeren Brennweite fotografiert worden, was allerdings nicht zutrifft, obwohl sich dafür der irreführende Begriff „Brennweiten-Verlängerungsfaktor“ eingebürgert hat. Am Objektiv und seiner Brennweite ändert sich ja nichts, egal ob man es an eine analoge oder digitale Spiegelreflex-Kamera ansetzt. Passender finde ich daher den englischen Begriff Crop-Faktor, denn „to crop“ bedeutet so viel wie „beschneiden“ oder zuschneiden eines Fotos – und dies trifft wesentlich genauer, was durch den kleineren Bildsensor mit dem Foto geschieht.

Die folgende Tabelle zeigt 6 Aufnahmen auf Negativfilm und 6 Aufnahmen mit einer Digitalkamera, deren Crop-Faktor 1,6 beträgt (Canon EOS 20D). Es wurden jeweils Fotos mit einer Objektiv-Einstellung von 28, 35, 50, 80, 135 und 200mm Brennweite gemacht. Deutlich ist zu erkennen, dass das Motiv auf der Digitalkamera-Bildern bei gleicher Brennweite des Objektivs deutlich näher erscheint. Beispielsweise zeigt bereits das 50mm-Bild der Digitalkamera sozusagen den gleichen Bildausschnitt wie das 80mm-Bild auf Kleinbildfilm. Kein Wunder, denn wenn man die 50mm mit dem Cropfaktor von 1,6 mulipliziert, kann man ganz einfach ausrechnen, dass es einem Bildeindruck von 80mm auf Kleinbildfilm entspricht. Dieses Beispiel habe ich in der Tabelle rot markiert. Auch die grün bzw. blau gekennzeichneten Bildpaare zeigen jeweils einen fast gleichen Bildausschnitt trotz unterschiedlicher Brennweite – wegen des Crop-Faktors von 1,6.

Brennweite Kleinbildfilm-Format
Negativgröße 24×36 mm
EOS 60D/500D-Format
Bildsensorgröße 15×22,5 mm
28 mm Brennweite 28mm 28mm KB x 1,6 ≈ 45mm
35 mm Brennweite 35mm 35mm KB x 1,6 ≡ 56mm
50 mm Brennweite 50mm 50mm KB x 1,6 ≡ 80mm
80 mm Brennweite 80mm 80mm KB x 1,6 ≡ 128mm
135 mm Brennweite 135mm 135mm x 1,6 ≡ 216mm
200 mm Brennweite 200mm 200mm x 1,6 ≡ 320m

Normalobjektive

Wenn man die obenstehenden Kleinbildfilm-Fotos vergleicht, dann stellt man leicht fest, dass die Brennweite von 50mm wohl am ehesten unseren normalen Sehgewohnheiten entspricht. Die Bilder darüber (mit kleinerer Brennweite) zeigen einen größeren Bildwinkel, als man gewöhnlich mit den Augen bewusst und scharf wahrnimmt, ohne die Augen zu bewegen. Und die darunter stehenden Bilder (mit größerer Brennweite) wirken zunehmend ‚wie durch ein Fernglas fotografiert‘.

Objektive, deren Darstellung der menschlichen Wahrnehmung am ähnlichsten sind, werden daher „Normalobjektive“ genannt. Für Kleinbildfilm, was ja die mit Abstand weitverbreitetste Filmgröße ist, hat ein Normalobjektiv eine Brennweite von ca. 50mm. Bei einer Kamera wie der Canon EOS 20D mit einem Crop-Faktor von 1,6 entpricht eine Brennweite von ca. 31mm am ehesten dem Normalobjektiv. Die üblichen Brennweiten von 28 oder 35 mm sind an dieser Digitalkamera also als Normalobjektive anzusehen.

Weitwinkelobjektive

Wie oben schon angedeutet, werden Objektive mit einer kürzeren Brennweite als Normalobjektive als „Weitwinkel-Objektive“ bezeichnet. Sie nehmen einen wesentlich größeren Bildwinkel auf das Foto, wodurch gerade Motive im Hintergrund oft winzig klein erscheinen.

Teleobjektive

Als „Tele-Objektive“ bezeichnet man Objektive mit Brennweiten, die deutlich größer als bei Normalobjektiven sind. Dadurch wird der Bildwinkel kleiner (wie beim Blick durch ein Fernrohr), aber dafür erscheinen die Objekte auch größer, wirken also ’näher‘.

Zoomobjektive und Festbrennweiten

Als Festbrennweite wird die Weite oder Entfernung bezeichnet, bis zu der sich Fettspritzer aus einer heißen Pfanne noch auf dem Herd festbrennen. :-)

Scherz beiseite, es geht ja hier um Fotografie: Es gibt Objektive mit jeweils einer festen Brennweite, also beispielsweise ein 50mm Normalobjektiv, oder ein 200mm Teleobjektiv. Und es gibt Zoom-Objektive, bei denen sich die Brennweite durch Drehen oder Schieben eines Einstellringes am Objektiv verstellen lässt. Bei Sucherkameras wird der Zoom, also die Veränderung der Brennweite, meist über eine Wipptaste bedient, die einen Motor im Objektiv steuert.

Hauptvorteil von Zoomobjektiven ist natürlich die Flexibilität im Alltag. Alle 12 Bilder in der obigen Brennweiten-Vergleichstabelle wurden beispielsweise mit einem einzigen (wenn auch einem nicht besonders guten und leicht defekten) Zoom-Objektiv aufgenommen. Die Brennweite lässt sich daran von 28mm bis 200mm stufenlos verstellen. Daher sind die Zwischenschritte oben auch nicht ganz genau. Auch wenn ich mich bemüht habe, das Objektiv beispielsweise auf 135mm einzustellen, kann es durchaus sein, dass es z.B. nur 130mm sind. Dies spielt aber im fotografischen Alltag nur selten eine Rolle.

Auch Kostengründe sprechen für Zoom-Objektive. Das eine Zoom war deutlich günstiger als der Kauf von 6 oder mehr verschiedenen Festbrennweiten.

Allerdings haben Zoomobjektive auch gewisse Nachteile. Dazu gehören meist eine etwas reduzierte Abbildungsqualität, beispielsweise weniger Lichtstärke (also eine kleinere Maximalblende), leichte Verzerrungen bei manchen Brennweiten-Einstellungen (Tonnen- bzw. Kissenverzerrung), leichte Abdunklungen an den Bildrändern, etc. Eine gute Festbrennweite zu konstruieren ist wesentlich einfacher als ein gutes Zoom-Objektiv. Dennoch haben die Zooms in den letzten Jahren technisch gewaltig aufgeholt, so dass viele Fotografen heute lieber raus- und reinzoomen als ständig Objektive zu wechseln.

Bei Zoom-Objektiven wird der Brennweiten-Bereich angegeben, innerhalb dessen sie sich verstellen lassen, und oft auch noch das Verhältnis von größter zu kleinster Brennweite. Mein Sigma-Zoom (mit defektem Autofokus und Blenden-Problemen an der EOS 20D) hat beispielsweise einen riesigen Brennweitenbereich von 28-200mm, also ungefähr einen 7fach-Zoom. Ein Objektiv mit 35-105 nennt man Dreifachzoom, eines mit 35-350 ein Zehnfachzoom.

Daraus lässt sich folgern, dass ein Begriff wie ‚Dreifachzoom‘ noch nicht besagt, ob es sich um ein Weitwinkel-, Tele- oder Universalzoom handelt. Denn sowohl ein 15-45mm Weitwinkelzoom als auch das genannte 35-105mm Universalzoom oder ein 100-300mm Telezoom sind alles Dreifachzooms, wenn auch in völlig unterschiedlichen Brennweitenbereichen.

Vor- und Nachteile des Crop-Faktors

Bevor wir das Thema ‚Brennweite‘ verlassen, noch ein paar Worte zum oben erklärten Crop-Faktor, den die meisten digitalen Spiegelreflexkameras aufweisen:

Für Paparazzi und Tierfotografen ist der Crop-Faktor natürlich eine tolle Sache: Sie kaufen sich beispielsweise ein Teleobjektiv mit 300mm Brennweite, und es zeigt die fotoscheuen Adligen bzw. Gelbschwanzlibellen fast wie ein 500er Tele.

Wer allerdings auf echte Weitwinkel-Objektive angewiesen ist, dem macht der Crop-Faktor eventuell zu schaffen: Denn je kürzer die Brennweite, desto teurer i. A. die Objektive – zumindest dann, wenn sie so konstruiert sind, dass sie bei ihrer kurzen Brennweite dennoch das komplette Kleinbildfilmformat belichten können. Daher hat beispielsweise Canon begonnen, Objektive zu bauen, die nur für Digitalkameras mit verkleinertem Chip geeignet sind.

Wenn man jedoch ein ’normales‘ Objektiv an eine Kamera mit Crop-Faktor setzt, erfordert dies von dem Objektiv eine höhere Schärfe. Denn die 8 Megapixel der EOS 20D ’schauen‘ ja gewissermaßen nur durch den mittleren Bereich des Objektivs auf die Außenwelt, und sie sitzen wesentlich dichter zusammen. Daher muss dieser Bereich höher auflösen, als wenn sich die 8 Megapixel über die Fläche von 24x36mm verteilen würden.

Andererseits machen beispielsweise Objektivfehler wie Abdunklungen oder Unschärfen in den Randbereichen, die nicht selten bei Zoom-Objektiven auftreten, an einer Digitalkamera mit verkleinertem Bildsensor nicht so große Probleme. Denn die Ränder, wo die Probleme auftreten, werden ja einfach nicht mitbelichtet.

Nachdem wir nun auf dieser Seite gesehen haben, dass eine größere Brennweite das Motiv ’näher‘ heranholt, stellt sich natürlich die Frage: Welchen (fotografischen) Unterschied macht es, ob ich per Objektiv heranzoome, oder ob ich den ‚Zweibein-Zoom‘ :-) benutze und die Kamera ‚zu Fuß‘ näher zum Motiv bringe? Dies ist das Thema der Lektion 3: Brennweite und Perspektive.

Weitwinkel und Tele: Wallis Bird Worms 2007

 

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Anfängerkurs Fotografie Fotokurs

Anfängerkurs, Lektion 1

Die richtige Belichtung: Verschlusszeit und Blende

Willkommen im ersten Teil von Rolands Fotokurs, der als „Anfängerkurs“ eine einfache und verständliche Erklärung der fotografischen Grundlagen geben soll. Zwar kann dank der Automatikfunktionen heutiger Kameras heutzutage eigentlich jeder auf Anhieb zu ‚brauchbaren‘ Fotos kommen. Zumindest bei normalen Lichtverhältnissen gelingen die meisten Bilder. Aber Aufnahmen im Dunkeln? Oder Aufnahmen von schnell bewegten Objekten? Spätestens in solchen Situationen ist es von Vorteil, wenn man die Grundlagen der Fotografie kennt und weiß, wie man auch in solchen Situationen ansprechende und ausreichend scharfe Fotos machen kann.

Daher kommen wir auch in diesem Fotokurs nicht um ein bisschen Theorie herum. Ich versuche es aber, möglichst einfach zu erklären und die Zusammenhänge wenn möglich mit Bildbeispielen zu zeigen. Die gezeigten Fotos erheben nicht den Anspruch, „perfekte“ Bilder zu sein. Sicherlich gibt es daran auch das eine oder andere auszusetzen. Sie sollen keine Wettbewerbe gewinnen, sondern das jeweilige Thema erläutern.

Unterbelichtung und Überbelichtung

Jeder von uns kennt unterbelichtete und überbelichtete Bilder. Schauen wir uns beispielsweise die folgenden 5 Fotos an. Wie die meisten Bilder in diesem Fotokurs (und auch sonst auf rofrisch.de) kann man die folgende Abbildung vergrößern, indem man sie anklickt.

Das linke Bild ist 1 Blende unterbelichtet, das rechte 1 Blende überbelichtet. Was das genau heißt, wird gleich erklärt. Das mittlere Bild ist jedenfalls das, was die Belichtungs-Automatik der Kamera für die ‚richtige‘ Belichtung hielt. Aber ist es wirklich das Beste?

Während man bei dem Bild ganz links kaum noch Einzelheiten der Kirche erkennen kann, weil es unterbelichet ist, ist bei dem überbelichteten Bild rechts der Himmel nur noch eine weiße Fläche. Mir persönlich gefällt die Zwischenstufe zwischen dem ’normal‘ belichteten und dem um 1 Stufe überbelichteten Bild am besten, also das 2. Foto von rechts, das um eine halbe Blendenstufe heller belichtet ist. Vielleicht liegt’s aber an meinem bzw. Deinem Monitor, wenn Du zu einem anderen Ergebnis kommst.

Die richtige Belichtung eines Fotos hängt davon ab, welche Menge Licht auf den Film (bei ‚analogen‘ Kameras) bzw. auf den Bildsensor (bei Digitalkameras) fällt. Die Lichtmenge kann man regulieren über die Größe der Öffnung vor dem Film (bzw. Chip) und über die Dauer der Öffnung, also wie lange man das Licht darauf fallen lässt.

Erfreulicherweise verhält sich Licht in dieser Hinsicht ganz ähnlich wie z.B. Flüssigkeiten: Ob ich nun das Wasser 20 Sekunden bei vollem Strahl in das Spülbecken laufen lasse, oder 40 Sekunden bei halb geöffnetem Ventil – die Spülwasser-Menge ist die gleiche. Nur ist es bei einem Wasserhahn schwer abzuschätzen, wo genau die halbe Durchflussmenge ist. Die Kamera hingegen kann die Größe der Lichtöffnung und die Dauer der Belichtung sehr präzise steuern.

Verschlusszeit

Zum Glück sind die Zeiten, wo man für normale Alltagsmotive 20 oder 40 Sekunden lang belichten musste, seit etwa 100 Jahren vorbei. Ein Motiv wie die oben abgebildete Kirche (in Köln-Dellbrück) lässt sich beispielsweise in einer Zweihundertfünfzigstel Sekunde (1/250) belichten. Will man das gleiche Motiv nun eine ganze Stufe heller haben, so muss der Kameraverschluss doppelt so lange geöffnet werden. 1/125stel Sekunde ist immer noch ziemlich schnell, aber es landet doppelt so viel Licht auf dem Film (bzw. Bildsensor). Um die Unterbelichtung mit dem ‚dramatisch‘ aussehenden Himmel, die eine ganze Stufe dunkler belichtet ist, zu erzeugen, muss man demnach 1/500 Sekunde belichten. Auch das ist für heutige Kameras kein Problem.

Die Belichtungszeiten an Kameras folgen übrigens genau diesem System, dass sie sich jeweils verdoppeln bzw. halbieren (je nachdem, von welcher Seite man die Skala betrachtet). Hier einmal eine Übersicht über die übliche Skalierung der Belichtungszeiten:

  • 30 Sekunden
  • 15 Sekunden
  • 8 Sekunden
  • 4 Sekunden
  • 2 Sekunden
  • 1 Sekunde
  • 1/2 Sekunde
  • 1/4 Sekunde
  • 1/8 Sekunde
  • 1/15 Sekunde
  • 1/30 Sekunde
  • 1/60 Sekunde
  • 1/125 Sekunde
  • 1/250 Sekunde
  • 1/500 Sekunde
  • 1/1000 Sekunde
  • 1/2000 Sekunde
  • 1/4000 Sekunde
  • 1/8000 Sekunde

Wie man sieht, hat man an einigen Stellen ein wenig gerundet, um auf glatten Zahlen bleiben zu können. Die Hälfte von 1/8 ist ja 1/16 und nicht 1/15, aber in der Praxis spielt dies keine Rolle. Nur ist es wesentlich einfacher, beispielsweise von einer fünfhundertstel Sekunde zu sprechen, als von einer fünhundertzwölftel Sekunde.

Wie das Bildbeispiel mit der Kirche gezeigt hat, sind auch Zwischenwerte zwischen diesen Verschlusszeiten ganz praktisch, um auch eine halbe Stufe über- oder unterbelichten zu können. Diese Zwischenstufen bieten moderne Kameras ebenfalls an. Entweder in halben Stufen oder sogar in Drittelstufen. Um eine Belichtungsreihe wie die 5 Kirchenfotos aufzunehmen, könnte man demnach folgende Verschlusszeiten nehmen:
1/500 · 1/350 · 1/250 · 1/180 · 1/125
Fett geschrieben habe ich zur Verdeutlichung noch einmal die Standard-Verschlusszeiten aus der Tabelle; dazwischen die Zwischenwerte an Kameras, die halbe Stufen dazwischen anbieten.

Übrigens: Auswendig lernen muss man die Verschlusszeiten-Reihe natürlich nicht – nach einiger Zeit kann man sie ganz von selbst auswendig, wenn man seine Kamera oft genug ‚bewusst‘ benutzt. Aber es ist für den Anfang ganz gut und wichtig, wenn man behält, dass z.B. die Kamera-Anzeige „125“ auf eine doppelt so lange Verschlusszeit hinweist wie die Anzeige „250“. Denn die meisten Kameras sparen sich das ‚1/‘ und zeigen beispielsweise nur „60“ statt „1/60“ an, wenn eine Sechzigstel-Sekunde Belichtungszeit gemeint ist.

Blende

Erinnern wir uns an das Beispiel mit dem Spülbecken: Wenn ich weniger Wasser einlaufen lassen will als beim letzten mal, dann kann ich entweder den Hahn früher wieder zu drehen (beispielsweise nach 20 statt nach 40 Sekunden), oder ich kann ihn von Anfang an nur halb aufdrehen. Dann habe ich nach 40 Sekunden wegen der verringerten Durchflussmenge auch nur die Hälfte Wasser im Becken.

Und genau das macht bei der Fotografie die Blende. Sie bestimmt, wie viel Licht in der eingestellten Verschlusszeit beim Auslösen auf den Film oder auf den Bildsensor kommt. Habe ich eine große Blende eingestellt, fließt das Licht wie durch einen voll geöffneten Wasserhahn hindurch. Mache ich die Blende kleiner, fällt logischerweise weniger Licht hindurch. Die Blende ist nichts weiter als ein verstellbares Loch im Objektiv, das sich je nach Wunsch des Fotografen (oder der Kamera-Automatik…) weiter öffnen oder enger schließen kann.

Auch für die Blendenzahlen hat sich eine Skala durchgesetzt, die allerdings zwei kleine Gemeinheiten enthält. Erstens: Je kleiner die Zahl, desto größer die Blendenöffnung. Blende 2,8 ist also wesentlich größer als beispielsweise Blende 16. Sie lässt sogar 32mal mehr Licht durch. Zählt es nach auf der folgenden Skala. Wie bei den Verschlusszeiten ist auch hier von oben nach unten mit jedem Feld eine Halbierung der Lichtmenge gegeben:

  • Blende 1,0
  • Blende 1,4
  • Blende 2,0
  • Blende 2,8
  • Blende 4,0
  • Blende 5,6
  • Blende 8,0
  • Blende 11
  • Blende 16
  • Blende 22
  • Blende 32
  • Blende 45

Die zweite kleine Gemeinheit in der Blendenskala ist, dass eine Verdoppelung bzw. Halbierung der Zahl (z. B. Blende 8 und Blende 16) nicht eine Stufe, sondern gleich zwei Blendenstufen ausmacht, also eine Vervierfachung oder eine Viertelung der Lichtmenge. Dies hat damit zu tun, dass die Blendenzahl etwas über den Durchmesser der Blende aussagt, die Lichtmenge aber von der Fläche der Öffnung bestimmt wird. Und bei doppeltem Durchmesser vervierfacht sich bekanntlich die Fläche eines Kreises.

Übrigens gibt es kaum ein Objektiv, dass die Extremwerte dieser Skala erreicht. Blende 1,0 bleibt für die meisten Fotografen ein eher theoretischer Wert, wenn auch schon Objektive mit dieser Riesen-Blende gebaut wurden. Bezahlbar wird es aber erst im Bereich ab ca. 1,4. Die Standard-Zoomobjektive vieler moderner Spiegelreflex-Kameras beginnen bei einer maximalen Blende von ca. 3,5 bis 5,6 und lassen als kleinste Blende oft ’nur‘ Blende 22 zu.

Meist ist die Blende irgendwo tief im Objektivgehäuse versteckt und verrichtet ihren Job weitgehend unbeobachtet. Beim hier abgebildeten Lensbaby-Objektiv jedoch kann man sich sehr einfach einen Eindruck von den Größenverhältnissen der Blendenöffnungen machen, da die Blende dort durch das Einsetzen einer schwarzen Metallscheibe verändert wird. Ohne eingesetzte Blendenscheibe hat das Lensbaby eine Offenblende von f/2,0 (was bei Brennweite 50mm einem Lochdurchmesser von 25mm entspricht; dazu später mehr).

Die Blendenscheiben (bzw. -ringe) werden mit dem unten auf dem Bild zu sehenden Werkzeug ausgetauscht, das in der Spitze einen Magneten hat, mit dem die Ringe aus dem Lensbaby herausgezogen und eingesetzt werden können. Die gerade nicht benötigten Blenden werden in diesem Gerät aufbewahrt; der graue Deckel erinnert doch sehr an den Deckel einer Filmdose für Kleinbildfilm. Wer also über 200 Euro ausgeben möchte für einen Filmdosendeckel und eine Abflussstöpselschnur, und wer sich vor extrem unscharfen Fotos nicht scheut, dem sei das Lensbaby hiermit besonders empfohlen. :-)

Um zu zeigen, dass sich die Blendenzahlen mit jeder zweiten Blende verdoppeln bzw. halbieren, habe ich die Blendenscheiben im Zickzack abgebildet. Die untere Reihe zeigt (neben der Offenblende 2.0) die Werte 4, 8 und 16. Zwischen diesen Blendenwerten liegen die Werte der oberen Reihe: 2.8, 5.6, 11 und 22.

Je größer die Maximalblende (Offenblende) eines Objektivs ist, desto mehr Licht lässt es also durch. Und um so kürzer kann man demnach die Verschlusszeit wählen. Deshalb haben die Sportfotografen im Fußballstadion meist so riesige Objektive an ihren Kameras. Sie kommen damit auch nicht unbedingt ’näher ran‘ als manch ein Hobbyfotograf mit Teleobjektiv. Aber ihre Bilder verwackeln nicht so leicht, und man sieht einen knackig scharfen Ball und nicht nur eine verwischte Spur des Balles, der sich ja bekanntlich im Flug kaum überreden lässt, mal eben für eine 30stel Sekunde zu stoppen. Mehr hierzu in den folgenden Kapiteln.

Kommen wir noch einmal zu der Belichtungsreihe mit der Kirche zurück: Anstatt die Verschlusszeiten zu ändern, kann man also auch über die Änderung des Blendenwertes eine solche Belichtungsreihe erzielen. Wenn das ’normal‘ belichtete Foto mit 1/250 Sekunde bei Blende 8 aufgenommen wurde, erhält man bei gleicher Verschlusszeit und Blende 11 das um 1 Stufe unterbelichtete Bild, und bei Blende 5,6 das entsprechend überbelichtete. Die entsprechenden Verschlusszeiten/Blenden-Kombinationen habe ich als Beispiele unter die Fotoreihe geschrieben. Es sind natürlich nur Beispiele – dasselbe Bild kann ja nicht sowohl mit ‚1/125, Blende 8‘ und ‚1/250, Blende 5,6‘ aufgenommen sein. Auch wenn der Helligkeitseindruck bei diesen beiden Kombinationen der Gleiche ist, kann die Bildschärfe u.U. erheblich abweichen. Dazu gibt es in einem späteren Teil dieses Fotokurses noch weitere Erläuterungen und Vergleichsfotos (siehe Lektion 6: Schärfentiefe).

Außer Verschlusszeit und Blende gibt es noch einen dritten Faktor, der die Belichtung des Bildes entscheidend beeinflusst, und den ich daher hier schon einmal kurz erwähnen möchte: Die Filmempfindlichkeit bzw. ISO-Empfindlichkeit, wie sie bei Digitalkameras meist genannt wird. Damit werden wir uns in Lektion 7 und Lektion 8 ausführlich beschäftigen.

Bevor wir nun zu den entscheidenenden Fragen kommen, wann man denn am besten mit welchen Verschlusszeiten oder mit welchen Blenden arbeitet, und wie man überhaupt die ‚richtige‘ Belichtung herausfindet, müssen wir uns noch ein wenig mit Objektiven beschäftigen. Denn die Art des Objektivs beeinflusst entscheidend mit, ob beispielsweise eine 60stel Sekunde noch ohne Verwacklung aus freier Hand aufgenommen werden kann. Darum geht es in Lektion 2 dieses Kurses.

Langzeitbelichtungen