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Panorama zusammenbauen

Making-of: Wie das Warnemünde-Panorama entstand

Blick vom Leuchtturm (Thumbnail)
Blick vom Leuchtturm Warnemünde

In der Panoramen-Fotogalerie habe ich das 360-Grad-Panorama bereits gezeigt, für das ich auf dem Leuchtturm in Warnemünde 32 Einzelfotos aufgenommen habe. Hier nun gibt es das „Making-of“ dazu; eine Erläuterung, wie aus diesen 32 Bildern das oben zu sehende Riesenfoto geworden ist (das man – wie auch die folgenden Screenshots – anklicken kann, um es vergrößert zu sehen).

Aufnahme der Einzelbilder und grundsätzliche Vorgehensweise

Leuchtturm Warnemünde
Leuchtturm Warnemünde

Üblicherweise werden gute Panoramen vom Stativ mit genau waagerecht ausgerichteter Kamera fotografiert, wobei das optische Zentrum der Linse genau über dem Drehpunkt liegen sollte. Dies erreicht man mit einem sogenannten Nodalpunkt-Adapter. Nur so ist gewährleistet, dass sich Vordergrund und Hintergrund beim Schwenken der Kamera nicht gegeneinander verschieben.

Die besondere Herausforderung bei dem Leuchtturm-Panorama war nun, dass die Bilder nicht im Nodalpunkt gemacht werden konnten, weil sich ja der umlaufende Balkon des Leuchtturms etwa 2-3 Meter vor dem Nodalpunkt befindet. Für jedes Foto muss der Fotograf einen Schritt zur Seite gehen, so dass sich der Vordergrund gegenüber dem Hintergrund deutlich verschiebt.

Darüber hinaus ist auf dem engen und von Touristen bevölkerten Balkon ein Einsatz des Stativs nicht sehr praktikabel. Daher blieb mir nichts anderes übrig, als die Fotos freihändig zu machen. Die Ausrichtung der Kamera erfolgte anhand des Horizonts, der genau in Bildmitte jedes Hochformat-Fotos zu liegen kommen sollte. Zur Orientierung sind dabei die Autofokus-Messpunkte im Sucher ganz praktisch.

PhotoImpact-Screenshot
Aufnahme und Vorbereitung

Die Kamera wurde mit einem 28mm-Objektiv bestückt, weil eine Festbrennweite weniger verzeichnet und nicht die Gefahr besteht, dass sich der Zoom während der Aufnahmeserie versehentlich verstellt.

Ferner wurde auf manuelle Fokussierung und manuelle Belichtung geschaltet. Ein Belichtungswert, der für alle Bilder geeignet ist, wurde durch Anvisieren der hellsten Richtung herausgefunden und fest eingestellt (1/200 Sekunde bei Blende 11). Auch der Weißabgleich sollte nicht auf Automatik stehen, sondern bei allen Aufnahmen gleich sein. Wer Raw-Dateien fotografiert, kann den Weißabgleich aber auch nachträglich am PC für alle Fotos gleich einstellen (und auch die Belichtung der Serie noch optimieren), wenn er die Jpgs aus den Raw-Dateien erzeugt.

Nun wurde manuell so scharf gestellt, dass möglichst das ganze Motiv im Bereich der Schärfentiefe liegt. Am Fokusring darf während der Aufnahmeserie auch nicht gedreht werden, denn sonst passen die Bilder weniger gut aufeinander.

Die Fotoserie begann nun (auf dem unteren Balkon des Leuchturms) bei dem markanten Gebäude gegenüber von dem „Teepott“ – das ist das Gebäude neben dem Leuchtturm, das auf dem fertigen Panorama etwa in Bildmitte nur als seltsam geschwungenes Dach zu sehen ist. Anhand der Gitterteilung des Balkongeländers ging ich für jedes Foto ein Stückchen nach rechts und richtete die Kamera möglichst genau freihändig aus. Immer ein Bild in Geländermitte und ein Bild am Geländerpfosten. Auf diese Weise enstand die Serie von insgesamt 32 Fotos mit reichlich Überlappung.

Auch 16 Bilder hätten schon ausreichende Überlappung gehabt, wie der oben gezeigte Screenshot erkennen lässt, bei dem ich die Bilder 1, 3, 5, 7, 9… in die obere Reihe gelegt habe und die Zwischen-Bilder 2, 4, 6, 8, 10… in die untere Reihe. Dennoch war es sehr gut, dass ich auch die Zwischen-Bilder aufgenommen habe, denn alle 32 Bilder wurden für das fertige Panorama gebraucht.

Stitching der Fotos zu Panoramen

Das „Stitching“ (Zusammenfügen von Einzelfotos zu einem Panorama) machte ich mit dem Programm PhotoStitch, das bei meiner Canon EOS dabei war. Es gibt inzwischen aber auch leistungsfähigere kostenlose Software, beispielsweise Hugin (siehe auch die Softwaretipps in den Leserkommentaren zu dieser Seite).

Erwartungsgemäß klappte das Stitching insbesondere im Vordergrund nicht besonders gut, da ja die Kameraposition zwischen den Bildern jeweils ein Stück weit verschoben wurde. Wurden alle 32 Aufnahmen zum Stitching verwendet, wurde es sogar noch schlechter als bei Verwendung von ’nur‘ 16 Aufnahmen, denn die Anzahl der misslungenen Übergänge erhöhte sich.

Dies brachte mich auf die Idee, zwei verschiedene Stitchings durchzuführen. Einmal nur die ‚ungeraden‘ Bildnummern und dann getrennt davon in einem zweiten Durchgang die ‚geraden‘ Bildnummern. Also einmal die obere und dann die untere Bildreihe beim obenstehenden Screenshot.

PhotoImpact-Screenshot
Stitching in 2 Versionen

Das erste und letzte Bild wurde bei beiden Panoramen jeweils mit hinzugenommen, damit diese gleich groß werden würden. Im Bereich vom „Teepott“ kam das Stitching-Programm dennoch zu stark durcheinander, weshalb dort von der beschriebenen Reihenfolge abgewichen werden musste. Aber prinzipiell war die Vorgehensweise „ein Panorama aus den geraden Bildnummern und ein zweites aus den ungeraden Bildnummern“.

Das Ergebnis zeigt der zweite Screenshot: In der Gesamtansicht der Panoramen kann man kaum Unterschiede ausmachen, aber wenn man bestimmte Stellen größer zoomt, dann sieht man, dass die Nahtstellen in unterschiedlichen Bildbereichen liegen. Als Beispiel dient der vergrößert angezeigte Flachbau. Einmal gehen die Stitching-Fehler durch die Treppe am linken Bildrand, während sie bei dem anderen Panorama durch das Flachdach gehen, wobei aber die Treppe fehlerfrei abgebildet ist.

Korrektur der fehlerhaften Nahtstellen

Nun begann das große Puzzeln. Zunächst sucht man sich das bessere der beiden Roh-Panoramen als Grundlage aus, und das andere dient als „Ersatzteilspender“, um daraus „Flicken“ auszuschneiden, die an die schadhaften Stellen des ersten Panoramas eingesetzt werden können. Gute Bildbearbeitungsprogramme wie z. B. das von mir verwendete PhotoImpact haben die Möglichkeit, in Bilddateien mit Ebenen und Objekten zu arbeiten. Zwar bin ich, was diese Arbeitstechniken angeht, noch in der Probier- und Lernphase, und vielleicht gibt es noch elegantere Arbeitsweisen, aber ich beschreibe hier, wie ich dabei vorgegangen bin.

Stück für Stück kann man nun die schadhaften Stellen in Panorama 1 mit Flicken aus Panorama 2 überdecken:

  • Man schaut zunächst in Panorama 1, welche Stelle verbessert werden soll.
  • Dann markiert man mit dem Auswahl-Werkzeug einen (meist rechteckigen) Ausschnitt der entsprechenden Stelle in Panorama 2, das ja an dieser Stelle fehlerfrei ist. Der Flicken sollte mit weicher Auswahlkante (Vignette) ausgeschnitten werden, damit man die Übergänge beim Einfügen nicht sieht.
  • Mit STRG-C (oder im Menü ‚Bearbeiten – Kopieren‘ kann man den Flicken in die Zwischenablage kopieren.
  • Dann aktiviert man das andere Bild durch anklicken und fügt mit STRG-V (oder ‚Bearbeiten – Einfügen‘) den entsprechenden Flicken über der schadhaften Stelle ein.
  • Mit den Verformwerkzeugen lässt sich dieser Flicken strecken und zerren, bis er pixelgenau über die Reparaturstelle passt. Oft ist es dabei hilfreich, über den Ebenen-Manager des Programms das gerade aktive Objekt halbtransparent zu machen. Auch bewährt es sich, die gestrichelten Auswahl-Rahmen ggf. unsichtbar zu schalten (über das Menü ‚Ansicht – Rahmen zeigen‘).
  • Wenn der Flicken schließlich genau sitzt, muss man ihn natürlich wieder undurchsichtig machen (Transparenz 0). Bei dieser Gelegenheit kann man ihn im Ebenen-Manager auch gleich in seiner Position fixieren, damit man ihn nicht durch einen unbedachten Mausklick versehentlich verschiebt.

Dies ist die grundsätzliche Vorgehensweise, mit der man nun etwa 2 bis 3 Abende verbringen kann, bis Flicken für Flicken alle Stitching-Fehler im Panorama 1 gut mit entsprechenden Ausschnitten aus Panorama 2 kaschiert sind. Die folgenden Screenshots zeigen einige dieser Reparaturstellen:

PhotoImpact-Screenshot
Fehlerhafte Nahtstellen reparieren

Die Nahtstelle lag hier genau im Bereich des Knicks zwischen mittlerem und rechtem Dachbogen des „Teepotts“. Rechts im Bild Panorama 1 im Zustand vor der Reparatur. Deutlich sieht man, dass die Dachkante des mittleren Bogens nicht sauber an den rechten Bogen anschließt. Der eingefügte und entsprechend gezerrte Flicken stellt den Verlauf der Kanten und auch den schmalen Dachpappe-Streifen auf dem Dach’first‘ wieder korrekt her. Allerdings hat der Retuscheur hier gepfuscht, denn die einzelnen Dachpappe-Bahnen sind keineswegs perfekt retuschiert. Aber was soll’s? Die meisten Dachdecker pfuschen beim Verkleben ihrer Bahnen noch viel mehr…

Ebenso wurde auch die Horizont-Linie mit Flicken entsprechend aneinander angepasst. Die Stitching-Fehler am Horizont kommen meist von Ungenauigkeiten in der Kamera-Haltung, die ja leider nicht auf dem Stativ stand. Oder aber die Stitching-Software hat sich durch den arg verschobenen Vordergrund auch beim Hintergrund verrechnet.

Auch die ‚Pfütze‘ und die Uferlinie hatten erkennbare Stitching-Fehler, die mit einem größeren Flicken ausgebessert werden konnten.

PhotoImpact-Screenshot
Fehlerhafte Nahtstellen reparieren

Die „Ferienwohnung mit Sonnenterasse“ hat es beim Stitching leider auch zerlegt. Das Schild am Geländer zeigte leichte Auflösungserscheinungen bei den letzten Ziffern der Telefonnummer.

Schlimmer noch traf es das Fenster darüber. Auch dies konnte mit einem passenden Flicken korrigiert werden. Dabei wurde der Ausschnitt für das Fenster so groß gewählt, dass er Teile der intakten Fenster enthielt. So ließ er sich recht einfach perspektivisch korrekt einfügen.

Leider überdeckte er dabei teilweise den Gartenstuhl und den weißen Tisch vor den äußeren Fenstern. Da diese etwas näher zur Kamera waren, stimmte die Perspektive hier wieder nicht. Mit dem „Objekt-Radierer“ kann man jedoch in dem ausgewählten Flicken die entsprechenden Stellen ausradieren, so dass wieder der Untergrund sichtbar wird. Dies erklärt die Einbuchtungen in der Form des Flickens.

Das Flachdach wurde mit dem Lasso grob ausgeschnitten und dann entsprechend verzerrt, bis es sich nahtlos in Panorama 1 einfügte. Die Verwendung des Lassos war hier praktischer als ein rechteckiger Ausschnitt.

Das Hafenbecken hinter dem Haus enthielt in Panorama 1 etwas zu viele halbe Boote. Doch schon wenige Minuten später waren die halben Boote gesunken. Ganze Boote sind auch einfach seetüchtiger als halbe.

PhotoImpact-Screenshot
Fehlerhafte Nahtstellen reparieren

Bei Villa Brunhilde mussten noch einige „Erdbebenschäden“ beseitigt werden, bevor sie nun verkauft werden kann. Falls jemand die Telefonnumer haben möchte – auf dem folgenden Bildausschnitt kann man sie so gerade noch lesen:

Zu VerkaufenNähere Infos über das Haus gibt es hier. Viel Freude an der neuen Immobilie. :-)

PhotoImpact-Screenshot
Fehlerhafte Nahtstellen reparieren

Beim „Hotel am Leuchtturm“ bot sich eine großflächigere Arbeitsweise an: Da die gesamte vordere Ecke des Hauses verbeult war, wurden 2 der 5 Frontseiten-Elemente in ganzer Höhe des Gebäudes ausgeschnitten. Dieses große Stück ließ sich dann problemlos in korrekter Perspektive in Panorama 1 einpassen. Mit dem Objekt-Radierer (und weicher Auswahlkante) wurde der Übergang zur Seitenwand kaschiert.

Die obere rechte Ecke saß nicht ganz perfekt und bekam daher einen eigenen Mini-Flicken. Auch passten das Geländer und das Dach nicht ganz an die neue Haus-Ecke und wurden daher mit Trostpflästerchen beklebt.

PhotoImpact-Screenshot
Fehlerhafte Nahtstellen reparieren

Da sich das Arbeiten mit großen Flicken bewährt hatte, habe ich beim hier gezeigten Haus direkt die ganze Frontseite mit dem Lasso ausgeschnitten, so dass das Haus nun wieder die gleiche Fenster-Aufteilung wie die Nachbarhäuser hat.

Das parkende Auto und die Dächer wurden mit den üblichen Methoden repariert, die ich nun wohl oft genug beschrieben habe.

Das Endergebnis

PhotoImpact-Screenshot
Der fertige "Flickenteppich"

Hier das gesamte Panorama mit markierten Objekten. Es hat die stolze Größe von 21601 mal 2257 Pixeln, was etwa 48 Megapixel ergibt.

Wie man sieht, wurden auch an etlichen Stellen die Wolken-Übergänge nachbearbeitet. Dabei wurden Ausschnitte mit sehr weicher Auswahlkante verwendet, denn andernfalls würde man wohl die Flicken deutlicher sehen als zuvor die Nahtstellen.

Beim fertigen Panorama wurde oben noch ein Stück Himmel abgeschnitten, so dass der Horizont nun nicht mehr in der Mitte liegt, sondern das Bild etwa 1/3 zu 2/3 aufteilt. Dadurch ergab sich ein Seitenverhältnis des Bildes von 12:1 (21600 mal 1800 Pixel, also knapp 39 Megapixel). Wer es also mit 20cm Höhe ausdruckt, bekommt ein 2,40m langes Panorama. Den Ostsee-Urlaub mit frischer Seeluft und Original-Blick vom Leuchtturm kann es aber trotzdem nicht wirklich ersetzen.

Blick vom Leuchtturm (Thumbnail)
Blick vom Leuchtturm Warnemünde
In den alten Leserkommentaren zu dieser Seite findet Ihr die oben angekündigten Software-Tipps. Hier bei den neuen Kommentaren ist Eure Gelegenheit, mein sensationelles Panorama über den Klee zu loben. :-) Oder halt zu sagen, was Euch noch dazu einfällt. Oder zu fragen, ob Ihr das Panorama gegen Gewinnbeteiligung als Faltpostkarte herstellen und im Teepott an Touristen verkaufen lassen dürft (okay, letzteres besser per privater eMail). Schreibt einfach, was Ihr dazu sagen wollt.


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Schwarzweißfotos aus Jpg-Dateien

Schluss mit bunt: Schwarzweißfotos erstellen

In der vorigen Lektion wurde gezeigt, wie man mit simulierten Farbfiltern im Raw-Konverter Schwarzweißbilder aus Raw-Dateien „entwickeln“ kann, die bestimmte Kontraste hervorheben oder mildern. Wer also den Kontrast zwischen Wolken und Himmel auf dem Schwarzweißfoto verstärken möchte, verwendet z.B. einen Orange- oder Gelbfilter bzw. simuliert diesen digital im Raw-Bearbeitungsprogramm.

Was aber, wenn als Ausgangsmaterial keine Raw-Datei zur Verfügung steht, sondern eine Jpg-Datei oder ein Tiff? Oder wenn einem die Steuerung über wenige Filterfarben zu ungenau ist und man die Wirkung lieber exakt und stufenlos beeinflussen möchte? Dann helfen verschiedene Möglichkeiten der Schwarzweiß-Konvertierung im Bildbearbeitungsprogramm – sei dies nun Gimp, Photoshop, PhotoImpact, etc.

Im Folgenden werden verschiedene Möglichkeiten vorgestellt, aus Farbfotos kontrastreiche Schwarzweißbearbeitungen zu machen. Welches Verfahren zum Einsatz kommt, ist eine Frage des Motivs, aber auch der persönlichen Vorlieben bzw. des Aufwands, den man treiben möchte. Schaut selbst, welche Methoden Euch am besten gefallen. Wie immer lassen sich die Screenshots und Beispielfotos natürlich zum Vergrößern anklicken.

Heißluftballonstart
Rheinufer in Mondorf

Als Beispielfoto für diese Lektion habe ich ein Farbfoto aus der „Vor-Raw-Zeit“ herausgesucht. Es entstand im Sommer 2001 mit meiner damaligen Olympus C-3000 Zoom, einer 3-Megapixel-Kompaktkamera. Das Raw-Format lernte ich erst 4 Jahre später mit dem Kauf meiner EOS 20D kennen und schätzen. Die alten Bilder gibt es daher „nur“ als Jpg.

Vor der Konvertierung habe ich über die Gradationskurven im Farbfoto noch ein wenig die Kontraste optimiert. Je besser die farbige Basis für die Schwarzweiß-Umwandlung ist, desto überzeugender werden auch die Ergebnisse.

Möglichkeit 1: Farben komplett entsättigen

Screenshot 1
Farben entsättigen

Die simpelste Möglichkeit, ein Farbfoto in Schwarzweiß umzuwandeln, ist folgende: Den drei Farbkanälen (RGB = Rot, Blau, Grün) wird die Farbsättigung zu 100% entzogen. Das Bild bleibt demnach vom Dateiformat her ein Farbfoto, wenn auch mit 0% Sättigung.

Eine nette Variante dieser SW-Umwandlung ist übrigens, die Sättigung nur um 90 oder 95 Prozent zu reduzieren. Dann sieht es auf den ersten Blick aus wie ein Schwarzweißfoto, aber bei genauerem Hinsehen entdeckt man noch leichte Farbreste. Man kann dies sehr subtil machen, so dass der Betrachter sich fragt, ob z.B. die Blume im SW-Foto ihm nur ganz schwach rötlich vorkommt, ob es also eventuell eine optische Täuschung ist. Dies nur als kleine Anregung für eigene Experimente.

Hier soll es nun aber um „echtes“ SW gehen, und daher steht der Regler im Entsättigen-Dialog auf Minus 100. Jeder der drei RGB-Farbkanäle trägt also zu einem Drittel am Gesamtergebnis bei, wird also gleich gewichtet.

Wichtig ist übrigens, diese Änderungen nur an einer Kopie des Farbbildes zu machen und keinesfalls am Original. Denn wenn man die Farben einmal entfernt hat sind sie bei Tif und Jpg wirklich weg und können nicht – wie bei Raw – später wieder hergestellt werden. Man sieht an dem Screenshot, dass das Farbbild oben links zum Vergleich in der Ecke geöffnet ist, während der Sättigungs-Dialog an einem Duplikat des Fotos zu Werke geht.

Möglichkeit 2: Bild in Graustufen umwandeln

Screenshot 2
Graustufen-Umwandlung

Eine ebenso schnelle Möglichkeit ist, den Dateityp (die Farbtiefe) des Bildes vom Bildbearbeitungsprogramm ändern zu lassen. Bei PhotoImpact findet sich die Funktion im Menü „Einstellen – Datentyp umwandeln – Graustufen“. Da diese Funktion automatisch ein neues Fenster für das Graustufenbild öffnet, braucht man hier übrigens nicht vorher das Originalbild zu duplizieren.

Im Gegensatz zu Methode 1 werden bei dieser Umwandlung die Farbkanäle nicht gleich stark gewichtet, sondern der Grünkanal bekommt einen stärkeren Einfluss auf das Ergebnis – ähnlich wie es auch Schwarzweißfilm macht. Dies entspricht auch unserem natürlichen Sehen entsprechend der Bedeutung im Lebensraum unserer Vorfahren: Grün nehmen wir als eine hellere Farbe wahr als Blau – auch wenn diese Farben messbar die gleiche Intensität haben. Man kann dies sehr schön an dem Farbkeil in der Lektion Monitor-Einstellung ausprobieren.

Aus diesen Gründen wandeln die meisten Programme Farbfotos zu Graustufen mit folgenden Prozent-Anteilen der einzelnen Kanäle:

Rot 30%, Grün 59%, Blau 11%

Das Ergebnis sieht auf den ersten Blick der SW-Umwandlung nach Methode 1 ziemlich ähnlich (links: Farben entsättigen, rechts: Graustufen umwandeln):

Wenn man genauer schaut, offenbaren sich jedoch einige Unterschiede. Wie zu erwarten, erscheint die Wiese bei Methode 2 heller, denn hier wird der Grünkanal ja stärker berücksichtigt.

Deutlich wird es auch in den ehemals gelben und roten Teilen der Ballonbeschriftung: Der Firmenname Hartmann war ja ursprünglich vorne orangerot und hinten gelb geschrieben. Während sich diese Teile in der entsättigten Version nur mäßig voneinander unterscheiden, wird der Kontrast in der Graustufenkonvertierung deutlicher. Grund ist hier vor allem der abgeschwächte Blaukanal, denn die Komplementärfarbe von Blau ist bekanntlich gelb. Wenn man also den Blaukanal reduziert, hebt sich das Gelb im Foto relativ stärker hervor.

Schaltet man zwischen den beiden Bildern direkt hin und her (z.B. indem man mit rechter Maustaste die beiden großen Bilder in verschiedenen Tabs darstellen lässt und diese dann abwechselnd nach vorne klickt), dann sieht man, dass die unterschiedliche Art der Graustufen-Umwandlung auch dazu führt, dass die plastische Wirkung der Ballons sich ändert. Das Verhältnis von Licht und Schatten auf den Ballons ändert sich.

Gerade für solche Effekte wäre es daher wünschenswert, das Verhältnis der einzelnen Farbkanäle frei wählen zu können und nicht auf „33/33/33%“ bzw. „30/59/11%“ festgelegt zu sein. Damit sind wir bei der Königsdisziplin der Graustufenumwandlung:

Möglichkeit 3: Kanalmixer

Screenshot 3
Kanalmixer -18/5/113

Um die Anteile der drei Farbkanäle bei der Graustufen-Umwandlung frei bestimmen zu können, wurde der Kanalmixer erfunden. Bei manchen Programmen wie z.B. Photoshop ist der im Programm enthalten; bei anderen – wie z.B. bei PhotoImpact – fehlt er von Haus aus, aber er kann als photoshopkompatibles Plugin nachgerüstet werden. Eine kostenfreie Version des Graustufen-Kanalmixers für Windows gibt es hier: SimpelFilter GrayMixer LE. Wie solche Plugins in das Bildbearbeitungsprogramm eingebunden werden, schaut man am besten in der Anleitung der Bildbearbeitung nach.

Screenshot 4
Kanalmixer 62/80/-83

Im Kanalmixer kann man durch Schieberegler den Anteil der drei Farbkanäle in weitem Umfang frei wählen. Im Feld „Überlauf“ wird automatisch angezeigt, ob die Summe der drei Kanäle über oder unter der 100%-Marke liegt, die hier als Nulllinie angesehen wird. Mit der Option „Clipping Warnung“ wird in der Graustufen-Vorschau angezeigt, welche Pixel an den Rand des Kontrastumfangs stoßen, also komplett weiß bzw. komplett schwarz wiedergegeben werden. So kann man verhindern, dass größere Bildbereiche „ausbrennen“ bzw. „absaufen“.

Man kann durch „Lock“ einzelne Kanäle auf einem festen Wert arretieren, ansonsten werden sie automatisch angepasst, sobald ein anderer Regler verschoben wird.

Die erste Konvertierung habe ich beispielhaft mit den Werten -18, +5 und +113 vorgenommen, was in der Summe genau 100% ergibt. Mit dem Gamma-Wert wurde das Bild noch insgesamt leicht aufgehellt. So erhält man eine Konvertierung mit ziemlich hellem Himmel und sehr dunkel wiedergegebenen Rottönen. Das zweite Beispiel erzeugt hingegen fast einen „Nachthimmel“. Durch massives Absenken des Blaukanals wird der Himmel fast schwarz. Dass es nicht wirklich eine Nachtaufnahme sein kann, sieht man beispielsweise an den Kanten der Heißluftballons; deren Lichtsaum sieht für eine Nachtaufnahme unnatürlich aus und müsste noch nachkorrigiert werden. Wegen Nachtflugverbot für Ballonfahrer verzichte ich aber darauf…

Hier können die beiden Graustufenbilder größer betrachtet werden:

Wie gesagt: Dies sind nur Beispiele, keine Kunstwerke. Es sollen die extremen Möglichkeiten der Konvertierung mit dem Kanalmixer deutlich werden. Wenn es darum geht, das Bild möglichst „gut“ in Graustufen zu übertragen, würde ich natürlich nicht solche Extreme verwenden. Man erkennt gerade bei dem dunklen Bild auch ganz gut, dass Bildfehler in einzelnen Kanälen bei solch krassen Konvertierungen leichter ins Auge fallen. Aber es wird hoffentlich deutlich, dass man mit dem Kanalmixer ein sehr kreatives Werkzeug zur Hand hat, mit dem sich die Umwandlung von Farbfotos in Schwarzweiß perfekt steuern lässt. Viel Spaß bei eigenen Experimenten.

Mondorf, Ballonstart Mondorf, Ballonstart Mondorf, Ballonstart

Auf und davon: Ballonstart in Mondorf am Rhein

 

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Schwarzweißfotos aus Raw-Dateien

Adieu Farbe: S/W-Fotos aus Raw-Dateien erzeugen

Moderne Digitalkameras bieten oft neben dem üblichen Verfahren, Bilder als JPG-Dateien zu speichern, auch eine Speicherung als Raw-Datei an. Doch manch ein Digitalfotograf schreckt davor zurück, weil er meint, die Nachbearbeitung wäre wohl sehr kompliziert. Zu Unrecht, denn selbst bei nur geringfügiger Nachbearbeitung bieten Fotos aus Raw-Dateien bessere Qualität, viel mehr Möglichkeiten und einfachere Handhabung. An einem Beispiel möchte ich hier zeigen, wie einfach dies ist.

Raw-Dateien werden oft als „digitale Negative“ bezeichnet. Denn genauso wie ein Negativ aus einem Filmstreifen ermöglicht, Abzüge mit unterschiedlichen Einstellungen zu machen (mehr oder weniger Farbsättigung, Kontrast, Helligkeit, etc.), bieten auch Raw-Dateien diese Möglichkeiten. Und zwar (genau wie beim Negativ) ohne dass dabei das „Negativ“ verändert wird. Daher spricht man auch von der „Entwicklung“ von Raw-Dateien. So kompliziert wie in der Dunkelkammer ist es jedoch bei Weitem nicht.

Haupt-Vorteil von Raw-Dateien ist, dass die Einstellungen jederzeit verändert und wieder ohne Verluste zurückgenommen werden können. Dies ist deshalb möglich, weil in der Raw-Datei die Pixel quasi so gespeichert sind, wie der Kamera-Sensor sie sieht. Alle Einstellungen, die bei Speicherung als JPG direkt in der Kamera auf das Bild angewendet werden (Farbsättigung, Nachschärfung, Weissabgleich, etc.) können in der Raw-Datei noch nachträglich verändert werden – und zwar verlustfrei. Man muss sich also nicht mehr ärgern, wenn man z. B. den Weissabgleich in der Kamera nicht richtig eingestellt hatte oder wenn man eine andere Einstellung von Kontrast, Farbsättigung oder Schärfe hätte wählen sollen. Man kann es nachträglich kinderleicht und ohne Qualitätsverluste verändern. Dass die Bearbeitung von Raw-Dateien gar nicht schwierig ist, zeigt das folgende Beispiel:

Raw-Datei öffnen

Screenshot 1
Schritt 1: Raw-Datei öffnen

Kameras, die Raw-Dateien aufzeichnen können, liegt gewöhnlich mindestens ein Programm bei, mit dem diese Dateien auch bearbeitet werden können. Denn im Gegensatz zu allgemein üblichen Bilddatei-Formaten wie JPG oder TIF kocht bei Raw jeder Hersteller bei fast jedem Kamera-Modell sein eigenes Süppchen. Das ist auch leicht verständlich, wenn man bedenkt, dass es ja sozusagen die Roh-Daten des Kamera-Sesors sind, und auch die Bildsensoren und die interne Nachbearbeitung bei verschiedenen Kamera-Modellen meist unterschiedlich sind.

Freundlicherweise hat mir Ilonka gestattet, einen Schnappschuss von ihr als Beispiel-Foto zu verwenden. Entstanden ist das Bild mit Tele und Bildstabilisator bei einem Besuch im Wildpark bei trübem Winterwetter. Daher auch die Einstellungen von ISO 800 und Blendenautomatik mit 1/100stel Sekunde Verschlusszeit. Diese Zeit ist dank Bildstabi auch mit 300mm Tele noch ohne Verwackler aus der Hand aufzunehmen.

Als Programm für die Raw-Bearbeitung lag meiner Canon EOS 20D das Programm „EOS Viewer Utility“ bei – neuere EOS-Kameras haben das Programm DPP (Digital Photo Professional) im Lieferumfang, auf das ich mittlerweile auch umgestiegen bin, wie das Tutorial zeigt, wenn man dem Link folgt. Die Screenshots dieser Seite (die sich durch Anklicken vergrößern lassen) sind aber noch mit dem EOS Viewer Utility entstanden, was im Prinzip ganz ähnlich arbeitet. Es gibt zwar Raw-Konverter, die wesentlich umfangreichere Einstellmöglichkeiten bieten, aber Zweck dieser Seite soll ja sein, die Einfachheit der grundlegenden Raw-Bearbeitung zu zeigen.

Mit dem EOS Viewer Utility lassen sich die Dateien auch über USB-Kabel von der Kamera abholen – sowohl Jpgs als auch Raw-Dateien. Wie man sieht, tragen Raw-Dateien der 20D die Datei-Endung „.CR2“. Man bekommt die Bilder übersichtlich als Miniaturen angezeigt und kann (wie hier zu sehen) auch ein Bild größer darstellen lassen und mit STRG-T ein Extra-Fenster für die „RAW-Einstellung“ öffnen.

Digitale Belichtungskorrektur

Screenshot 2
Schritt 2: Belichtungskorrektur

Der Schnappschuss erscheint auf dem ersten Bild etwas zu dunkel. Deshalb schieben wir den Schieberegler „Digitale Belichtungskorrektur“, den man oben links in dem Einstellungs-Fenster sieht, ein Stück nach rechts. Bei 0,7 Blendenstufen hellerer Belichtung sieht das Bild doch schon ein Stück freundlicher aus, oder?

Histogramm

Bei der digitalen Belichtungskorrektur sollte man das „Histogramm“ im Auge behalten, das im Programm oben rechts angezeigt wird. Es zeigt die Verteilung der Helligkeitswerte im Bild. Ganz links sieht man die Menge der sehr dunklen Pixel; ganz rechts die der hellen. Da dieses Foto aber keine wirklich weissen Flächen hat, ist es ganz okay, wenn die Histogramm-Kurve auch nach der digitalen Belichtungskorrektur nicht bis ganz nach rechts reicht.

Gut ist es bei den meisten Fotos, wenn im Histogramm weder ganz links (bei schwarz) noch ganz rechts (bei weiss) eine große Pixelzahl angezeigt wird. Denn dies würde bedeuten, dass ganz dunkle bzw. ganz helle Partien im Bild ohne Zeichnung sind. Aber das kennen die meisten sicherlich schon von ihrer Digitalkamera bzw. aus dem Bildbearbeitungs-Programm. Näheres zu Histogrammen und Tonwertkorrekturen gibt es in Lektion 5 des Aufbaukurses.

Will man das Foto als Farbbild verwenden, kann man es an dieser Stelle schon konvertieren und als Jpg- oder Tif-Datei speichern. Doch auf dieser Seite geht es ja um Schwarz-Weiß-Fotos, und daher kommen zunächst noch zwei weitere Schritte:

Umstellen auf Schwarz/Weiß

Screenshot 3
Schritt 3: Umstellen auf S/W

Mit einem einzigen Klick kann man das Foto auf „S/W“ umstellen lassen. Und bei Nichtgefallen natürlich auch gleich wieder zurück auf „Standard“, denn die Farb-Informationen werden bei Raw-Dateien ja nicht gelöscht, sondern bleiben erhalten.

Natürlich hätte man auch gleich in der Kamera den S/W-Modus aktivieren können und schwarz-weiße Jpg-Dateien abspeichern lassen können. Aber dann hätte man die Farb-Informationen für immer verloren und könnte nicht zuhause in aller Ruhe probieren, für welches Motiv sich S/W lohnt und welches besser in Farbe bleibt.

Übrigens, um weiterem „Gemecker“ in den Kommentaren vorzubeugen (siehe z.B. hier): Ich verwende hier den Begriff „Schwarzweiß“ so, wie er landläufig eingesetzt wird, auch wenn es natürlich korrekterweise „Graustufen“ sind und nicht bloß Schwarz und Weiß. Aber wenn jemand von Schwarzweißfoto oder Schwarzweißfilm spricht, dann ist ja auch klar, was gemeint ist.

Filtereffekte anwenden

Screenshot 4
Schritt 4: Filtereffekt Rot

Professionelle S/W-Fotografen haben schon vor vielen Jahrzehnten erkannt, dass sich die Wirkung von Schwarz-Weiß-Fotos durch Vorsetzen von Farbfiltern vor das Objektiv stark beeinflussen lässt. Natürlich sieht man die Farbtönung bei Schwarzweiß-Film nachher im Foto nicht, aber wenn man beispielsweise einen Orangefilter für die Aufnahme eines blauen Himmels mit weißen Wolken verwendet, wird das Himmelsblau durch das Filter-Orange stark abgedunkelt, während das Weiß der Wolken kaum beeinflusst wird. Die Folge sind Landschaftsaufnahmen mit ganz tollen Wolken-Kontrasten. Ein S/W-Fotograf hat daher häufig eine ganze Reihe knallbunter Farbfilter in seiner Fototasche.

An Digitalkameras wie z.B. Canons 20D oder 350D (und Folgemodelle) gibt es die Möglichkeit, die Wirkung solcher S/W-Farbfilter elektronisch zu simulieren, so dass man sich Kauf und Mitschleppen dieser S/W-Filter getrost sparen kann. In den Tiefen des Kameramenüs finden sich die Einstellungen für S/W-Fotos und dort auch die entsprechende Auswahl der Filter Gelb, Orange, Rot und Grün. Man kann so den entsprechenden Filter schon bei Aufnahme auswählen und sieht dann das Ergebnis auf dem Monitor in Schwarz/Weiß mit dem entsprechenden Filter-Effekt. Hat man die Aufnahme in Raw gemacht, kann man dies aber auch nachträglich in der Software erledigen. Daher fotografiere ich generell in Farbe und Raw, so dass ich die unterschiedliche Wirkung der Farbfilter nachträglich am PC beurteilen kann. Auf der Woodstuff-Homepage und auf der Seite Wallis BirdNovember 2007 in Köln finden sich zahlreiche S/W-Fotos von mir, die nachträglich im EOS Viewer Utility gefiltert wurden.

Für das Beispielfoto dieser Seite habe ich die Filterung in Rot ausgesucht, da das Rotfilter den schönen Effekt hat, Hauttöne zu glätten und eventuell vorhandene leichte Hautunreinheiten zu kaschieren. Heraus kommt ein gelungenes S/W-Foto, das ganz einfach in 4 Schritten erzeugt wurde.

Nach Auswahl des gewünschten Filters sollte man noch einmal einen Blick auf Histogramm und Helligkeits-Eindruck werfen, denn je nach Filter ändert sich die Wirkung des Fotos unter Umständen deutlich. In unserem Beispiel kann man es aber so lassen, finde ich.

Screenshot 5
Schritt 5: Konvertieren / speichern

Nun fehlt nur noch ein Rechts-Klick auf das Foto, so dass sich das Kontextmenü öffnet (oder Drücken von STRG-S). Dort lässt sich der Menüpunkt „Konvertieren und in Datei speichern“ auswählen. Dann öffnet sich ein weiteres Fenster, in dem die Möglichkeit besteht, die Raw-Datei entweder als JPEG oder als TIFF abzuspeichern. Diese Dateien kann man dann gut zur weiteren Verwendung des Fotos in der Bildbearbeitung (PhotoShop, PhotoImpact, GIMP, TOP-Tool, etc.) nutzen. Bei Bildern für meine Homepages werden die Fotos dort noch verkleinert, nachgeschärft, mit dem Website-Schriftzug versehen und als Jpg in meinem Homepage-Verzeichnis gespeichert. Aber dies ist eine andere Geschichte.

Wie man sieht, ist die „Entwicklung“ von RAW-Dateien („digitalen Negativen“) gar nicht so schwer. Selbst die Erstellung hochwertiger Schwarz-Weiß-Fotos ist so deutlich einfacher als in der Bildbearbeitung. Daher kann ich jedem, dessen Kamera RAW unterstützt, die Verwendung nur sehr empfehlen. Nur wenn der Platz auf der Speicherkarte mal knapp wird oder wenn eine längere Sequenz von schnellen Serienaufnahmen benötigt wird, wechsele ich in der Kamera zum Jpg-Format, denn aufgrund der Größe der Raw-Dateien brauchen diese mehr Platz und länger zum Speichern.

Und selbstverständlich muss man nicht jedes Bild einzeln öffnen und konvertieren. Nach einer Foto-Tour übertrage ich die Raw-Dateien auf den Rechner und betrachte diese dann der Reihe nach mit dem Raw-Programm. Dort kann ich gleich die Belichtung optimieren und misslungene Bilder löschen. Wenn alle Bilder gesichtet sind, markiere ich sie alle gleichzeitig und wähle dann für alle noch vorhandenen Bilder „Konvertieren und in Datei speichern“. Bei vollem Chip dauert das dann zwar etliche Minuten, aber in der Zeit kann man ja auch mal was anderes machen. Daher kann man bestimmt nicht sagen, die Raw-Bearbeitung sei zu  zeitaufwändig. Selbst wenn ich gar nicht optimiere und gleich alle Dateien konvertiere, habe ich immer noch die gleiche Qualität wie bei Jpg-Fotografie. Aber selbst mit wenigen Sekunden digitaler Belichtungskorrektur der Raw-Dateien holt man jedoch schon eine ganze Menge mehr Qualität heraus. Näheres hierzu findet sich in dem Workflow-Artikel Raw-Bearbeitung.

Wirkung von SW-Filtern

Apfelkiste, farbig
Farbfoto

Wie kommt es eigentlich, dass ein Orangefilter die Kontraste weißer Wolken am blauen Himmel verstärkt, während ein Rotfilter die Haut glatter erscheinen lässt? Kann man die Wirkung von Filtereffekten in der S/W-Fotografie im Voraus abschätzen? Um dieser Frage nachzugehen, lohnt sich ein genauerer Blick auf die rechts abgebildeten 4 Versionen des gleichen Raw-Fotos. Für das Foto habe ich die Kamera zum Einkauf mitgenommen und gehofft, dass ich kein Hausverbot kriege, weil ich die heilige Ordnung in der Obst-Theke durcheinanderbringe. ;-)

Apfelkiste, SW
S/W ohne Filter

Zunächst einmal sieht man das Farbfoto und die einfache S/W-Konvertierung ohne Filter. Der rote Apfel, der sich in Farbe sehr kräftig von den grünen Äpfeln abhebt, ist in der S/W-Version ohne Filter nur bei genauerem Hinsehen von seinen Kollegen zu unterscheiden. Die beabsichtigte Bildaussage geht verloren, denn offenbar wollte der Fotograf ja einen Einzelgänger zeigen – einen, der sich durch Andersartigkeit von der Masse abhebt.

Apfelkiste, Rotfilter
S/W mit Rotfilter

Völlig verloren geht dieser Effekt bei der S/W-Konvertierung mit Rotfilter. Das Rot des Außenseiter-Apfels wird durch das Rotfilter aufgehellt. Wer einen solchen Filter zur Hand hat (oder ein rotes Glas, 3D-Brille, etc.) kann dies testen: Rote Farbtöne erscheinen im Rotfilter heller, während die Komplementärfarbe Grün stark abgedunkelt wird.

Der Abdunklungs-Effekt fällt jedoch bei dem Apfelkisten-Foto nicht auf, denn genauso wie die Kamera beim Fotografieren durch einen Filter die Belichtung entsprechend gegenkorrigiert, gleicht auch der Filtereffekt der Software die Helligkeit des Gesamtfotos entsprechend an.

Apfelkiste, Grünfilter
S/W mit Grünfilter

Fotografiert man jedoch durch einen Grünfilter (bzw. lässt die Software dies simulieren), hebt sich der rote Apfel ganz deutlich von den grünen Äpfeln ab. Auch im Schwarz-Weiß-Foto wird so der beabsichtigte Effekt des originalen Farbfotos gut wiedergegeben. Der Grünfilter wirkt aufhellend auf die grünen Äpfel, während er die Komplementärfarbe Rot des Außenseiter-Apfels abdunkelt.

Fassen wir also zusammen: Farbfilter in der Schwarz-Weiß-Fotografie bewirken, dass der Filterfarbe ähnliche Farbtöne aufgehellt werden, während entgegengesetzte Farben abgedunkelt werden.

Würde man den Wolkenhimmel beispielsweise durch ein Blaufilter fotografieren, so würden sich die Wolken-Kontraste vermindern, was nur in den seltensten Fällen gewünscht sein dürfte. Himmel mit wenig Zeichnung gibt es ja oft genug. Daher nimmt man für Wolkenbilder lieber ein Gelb-, Orange- oder Rotfilter, was die Kontraste anhebt.

Bei S/W-Portraits nimmt man ebenfalls gerne ein Rotfilter, weil die (meist etwas rötlichen) Hautunreinheiten dadurch abgemildert werden und die Haut damit einen glatteren Teint bekommt. Für Fotos der Exfrau oder Exfreundin empfehle ich hingegen einen Grünfilter, wenn man diese Bilder schon veröffentlichen muss… ;-)

Soviel erst einmal zur S/W-Bearbeitung von Raw-Dateien. Einiges mehr über Raw-Konvertierung steht unter dem Thema „Mein Arbeitsablauf“ in dem schon oben verlinkten Tutorial zu DPP. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich mit Raw-Nachbearbeitung vertraut zu machen, wenn die eigene Digitalkamera schon diese Möglichkeit bietet.

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Kopenhagen ohne Sofortbild-Look

Auch wenn ich letztens schonmal Fotos unserer winterlichen Kopenhagenreise gezeigt habe, gibt es diesmal noch eine Serie – teils bekannte, teils neue Bilder. Diesmal sind die Fotos aber nicht zu Polaroids umgestaltet bzw. verunstaltet worden, sondern mit dem TOP-Tool (Traumflieger Online-Picture) wurden sie vollautomatisch aus den großen Jpgs erzeugt (da ich sie für eine Vorführung am Fernseher brauchte). Nach ein paar Minuten Einarbeitung kann man also Bilder mit neuer Größe, Nachschärfung, Rahmen und Beschriftung automatisch als Stapelverarbeitung erzeugen lassen. Ein empfehlenswertes und praktisches Tool für solche Aufgaben, allerdings mit kleinen Macken. Aber dem geschenkten Gaul…

Nun also Copenhagen reloaded. Viel Spaß.

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Mein Arbeitsablauf 4: Sicherungskopie

4. Sicherungskopie (Backup)

„Daten ohne Backup sind als gelöscht zu betrachten“, ist ein viel zitierter und dennoch zutreffender Spruch aus der EDV. Abgesehen von Katastrophen wie abbrennenden, einstürzenden oder überschwemmten Häusern gibt es auch viele alltägliche Datenkiller. Einbruch, Notebook-Diebstahl, Festplatten-Defekte, Gewitterschäden, Benutzerfehler, etc. Wäre doch schade, wenn die jahrelang gesammelten Fotos wegen sowas im Daten-Nirwana verschwinden, oder?

TrayBackup
TrayBackup

Mein aktuelles Backup mache ich auf einer externen USB-Festplatte, die ich nur während des Sicherungs-Vorgangs eingeschaltet an meinem Rechner angeschlossen habe. Auch hierbei habe ich mich nach einer „zukunftssicheren“ Lösung umgeschaut: Ich wollte nicht auf einen bestimmten Anbieter festgelegt sein, dessen Backup-Software vielleicht schneller oder platzsparender ist, der aber vielleicht irgendwann die Entwicklung einstellt, etc. Und bei Windows 7, 8 oder 9 sind meine Backups dann nicht mehr lesbar, weil die Software nicht läuft. Somit kam für mich nur eine Backup-Lösung infrage, die die Dateien als echte einzelne Dateien und Verzeichnisse kopiert, die sich auf jedem zeitgemäßen Rechner ohne Spezialsoftware wieder öffnen lassen. Im Prinzip könnte ich meine Backups daher mit den Windows-Kopierfunktionen machen.

Damit nicht immer alle Dateien überspielt werden müssen, sondern nur die neuen bzw. geänderten, habe ich mir ein praktisches kostenloses Programm gesucht: TrayBackup, das auf www.traybackup.de heruntergeladen werden kann und das auch vom BSI empfohlen wird (wurde). Unter Windows Vista sollte man das Programm als Administrator ausführen, um keine Konflikte mit den Schreibrechten zu bekommen.

Als Standardziel trägt man das externe Laufwerk ein (bzw. ein Verzeichnis darauf), hier im Screenshot ist es Laufwerk J:

Mit dem Plus-Symbol lassen sich in einer Liste die verschiedenen Quellen anlegen. Im Beispiel mein Daten-Verzeichnis auf Festplatte D: und mein Verzeichnis auf H: mit den fertigen Jpg- und Cr2-Dateien. Wichtig ist, dass man bei Auswahl des Quelverzeichnisses anklickt, dass Unterverzeichnisse mitgesichert werden sollen. In der Liste wird dies in der Spalte „Uv“ angezeigt.

Wenn Quell- und Zielverzeichnisse richtig ausgewählt wurden, dann kann man den eigentlichen Backup-Vorgang mit Strg-D oder dem Symbol „Datensicherung starten“ (im Screenshot leicht hervorgehoben) beginnen. Ein Statusfenster zeigt dann genau an, wie viele Dateien bereits überprüft wurden und wie viele gesichert wurden.

Gegen Satellitenabstürze oder U-Bahn-Kollateralschäden hilft ein solches Backup auf USB-Festplatte natürlich nicht, sofern diese im gleichen Gebäude aufbewahrt wird. Daher empfiehlt es sich, von Zeit zu Zeit auch „fertige Jahrgänge“ von Fotos und sonstige wichtige Daten extern außerhalb des Hauses zu lagern, beispielsweise auf DVD gebrannt bei vertrauenswürdig erscheinenden Freunden/Verwandten, etc. Wer denen nicht traut, kann ja zu einer passwortgeschützten Lösung greifen. Das Passwort liegt dann vermutlich in dem 20 Meter tiefen Krater, wo eben noch das Arbeitszimmer war…

Man sollte auch bedenken, dass CDs und DVDs nicht ewig halten – das Gleiche gilt für die USB-Festplatte. Daher ist es sinnvoll, von Zeit zu Zeit mal neue Backup-Medien anzulegen.

Zunehmend im Kommen sind Online-Backuplösungen. Mir dauert aber der Upload dabei noch deutlich zu lange. Auch sollte man darüber nachdenken, ob der Anbieter wohl vertrauenswürdig mit den ihm anvertrauten Daten umgeht.

So, das war in wenigen Worten ;-) die Folterstrecke, die alle Raw-Fotos bei mir durchlaufen müssen, bevor sie dann mit dem dazugehörigen Jpg ins selige Backup aufgenommen werden. Erst wenn die Daten mindestens auf zwei unterschiedlichen Datenträgern existieren (Arbeitskopie und Backup) formatiere ich die Speicherkarte in der Kamera, um sie für den nächsten Einsatz vorzubereiten. Jedenfalls versuche ich, mich an diese Regel zu halten. Bisher hat mich dies vor größeren Datenverlusten bewahrt – außer einmal, ausgerechnet während meiner bisher einzigen Ballonfahrt, als sich eine Speicherkarte (vermutlich wegen Höhenkrankheit?) noch in den Lüften entschloss, möglichst nicht mehr herzugeben, was sie bereits gespeichert hatte. Aber damals waren Speicherkarten noch biegsam, teuer und von geringer Kapazität.

Süßes Mädel: Seute Deern