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Retro Camera

Retro Camera App für Android-Smartphones

Eine weitere Kamera-App habe ich für Euch auf der Deutzer Brücke in Köln getestet, wie schon zuvor die Standard-Kamera und die App FxCamera. Hier nun die Beispielfotos und Beschreibung der App Retro Camera, die ebenfalls kostenlos aus dem Android Market downgeloadet werden kann.

Die Gestaltung und Bedienung der „Retro Camera“ ist sehr verspielt und detailverliebt gestaltet. Eine Versionsnummer kann ich nicht finden (weder in der App noch im Market); hier bespreche ich daher die Version, die im Juni 2010 aktuell ist.

Zu Beginn öffnet sich eine Ansicht, die ein Regalbrett mit 4 verschiedenen Kameras zeigt. Jeweils eine ist groß zu sehen; die anderen erreicht man durch Verschieben. Wie in einer Sammlervitrine werden dem Benutzer hier die verfügbaren 4 Kamera-Modelle präsentiert. Unter jeder Kamera gibt es zwei Buttons: „about this camera“ gibt zusätzliche Infos und ein Beispielbild. Mit „use this camera“ wird das gewünschte Modell dann ausgewählt. Diese werde ich nun der Reihe nach vorstellen:

Retro Camera „The Bärbl“

Retro Camera: The Bärbl
The Bärbl

Die erste Retro Camera hat den seltsam-lustigen Namen „The Bärbl“. Sie präsentiert sich im klassischen Look einer wertigen Kamera mit griffiger Gummierung. Dennoch liegt das Handy nicht besser in der Hand als bei den anderen „Kamera“-Modellen. :-)

In ihrem Steckbrief erfahren wir einige „Camera Facts“: So simuliert sie angeblich eine Kamera aus Leipzig von 1951. Seltsamerweise lassen sich keine Schwarzweißfilme einlegen, sondern sie erzeugt nur quadratische Farbaufnahmen mit geringer Sättigung und leichten Kratzern.

Die Bedienung ist wie auch bei den folgenden Retro-Kameras ganz einfach: In der Mitte ist ein Sucher, den man zum Auswählen des Bildausschnittes jedoch am besten nicht direkt ans Auge hält. ;-) Rechts davon der Auslöseknopf, der zuvor auch den Autofokus betätigt. Nach der Auslösung verwandelt sich die Anzeige „ready to shoot“ für einige Sekunden in „developing…“. Man muss also abwarten, bis das Bild fertig „entwickelt“ ist.

Der Button „info“ zeigt den schon erwähnten Steckbrief der Kamera an.

Am unteren Rand versucht Retro Camera, sich über Werbung zu finanzieren. Links des Werbebanners sieht man einen Button, der einen Fotostapel darstellen soll. Dort gelangt man zu den frisch entwickelten Aufnahmen, die – ganz wie es sich gehört – zum Trocknen aufgehängt sind.

Der Button rechts vom Werbebanner zeigt ein Kamera-Symbol und führt den Benutzer wieder in die „Kamera-Vitrine“ zur Auswahl eines anderen Sammlerstücks.

The Bärbl, BeispielfotoDa sich „The Bärbl“ nur mit Farb“film“ betreiben lässt und kein SW-Material mehr erhältlich ist, gibt es auch nur ein Beispielfoto. Das Bild wird nach Anklicken in Originalgröße geöffnet. Leider macht die App „Retro Camera“ nur Bilder mit 512 Pixeln Breite. Da „The Bärbl“ quadratische Fotos erzeugt, ist die Gesamtgröße inklusive Rahmen somit 512 mal 512 Pixel. Das ist zwar ausreichend für das Facebook-Album, aber 0,26 Megapixel kann man nicht wirklich als „Foto“ bezeichnen. Dies ist meiner Meinung nach die größte Schwäche dieser App.

Dennoch finde ich, dass die Bilder einen gewissen Charme haben: Die Farben im Retro-Look und die deutliche Vignettierung kennen wir zwar schon aus FxCamera, aber die Umsetzung des Filmlooks in Retro Camera finde ich durchaus gelungen.

Retro Camera „Little Orange Box“

Retro Camera, Little Orange Box
Little Orange Box

Laut Steckbrief simuliert „The Little Orange Box“ eine Kamera aus der Sowjetunion von 1976. Auf Farbe eingestellt, simuliert sie eine Cross-Entwicklung. Man kann sie aber auch in Schwarzweiß nutzen.

Hat man die „Little Orange Box“ auf dem Milestone-Bildschirm, fühlt sich das Handy im Vergleich zu „The Bärbl“ deutlich weniger griffig an. ;-) Die Optik erinnert jedenfalls eher an eine Spielzeugkamera aus Kunststoff oder Bakelit.

Nach über 30 Jahren in irgendwelchen Wühlkisten sehen die Fotos natürlich recht stark verkratzt aus. Insbesondere die Ränder haben arg gelitten.

Die Bedienung funktioniert ganz wie bei „The Bärbl“, abgesehen von dem zusätzlichen Schalter „Colour“ bzw. „B&W“. Hier jeweils ein Beispielfoto für beide „Filmsorten“ (Colour / B&W):

Little Orange Box, Beispielfoto Colour Little Orange Box, Beispielfoto B&W

Abgesehen von der geringen Bildgröße (wieder 512 mal 512 Pixel) haben die Bilder schon einen ganz netten Charme. Betrachtet man eine ganze Serie, so nervt natürlich, dass sie alle die Bildfehler an den gleichen Stellen haben – hier könnte der Programmierer vielleicht mit wenig Aufwand Abhilfe schaffen, wenn er während des „Entwicklungsvorgangs“ das zugrunde liegende Rahmenbild zumindest per Zufall drehen und spiegeln würde.

Retro Camera „Xolaroid 2000“

Retro Camera, Xolaroid 2000
Xolaroid 2000

Die dritte Retro Camera hat den Namen Xolaroid 2000 und simuliert eine Polaroid-Sofortbildkamera. Die Bedienelemente sind die gleichen wie bei den vorigen Kameras – allerdings auch wieder mit einem anderen Design.

Laut „Info“ bzw. Steckbrief handelt es sich um eine Kamera aus San Francisco von 1972. Die Bilder haben den typischen Sofortbild-Rahmen – ganz ähnlich wie auch die FxCamera namens Polandroid.

Laut Steckbrief haben die Bilder nur geringfügige Kratzer; auffallender sind Flecken auf Bild und Rahmen. Seht selbst, hier wieder die Varianten Colour und B+W:

Xolaroid 2000, Beispielfoto Colour Xolaroid 2000, Beispielfoto B+W

Auch diese Bilder haben eine Breite von 512 Pixeln inklusive Rahmen. Da sie aber nicht quadratisch sind, ergibt sich hier im Vergleich zu den anderen Retro Cameras eine etwas erhöhte Bildgröße: 512 mal 593 Pixel. Den Namen „Foto“ verdient auch dies nicht wirklich – zumal der Motivbereich nur 470 mal 470 Pixel beträgt.

Der Fairness halber hier sei hier allerdings betont, dass die Square-Polandroids von FxCamera noch kleiner abbilden: Motivbereich etwa 420 mal 420 Pixel. Hier alle 5 Sofortbilder der beiden Apps im direkten Vergleich:

Xolaroid 2000, Beispielfoto Colour Xolaroid 2000, Beispielfoto B+W FxCamera Polandroid, Beispielfoto mono FxCamera Polandroid, Beispielfoto faded FxCamera Polandroid, Beispielfoto aged

Man beachte insbesondere die Unterschiede in Kontrast und Vignettierung. Welches die „bessere“ bzw. „schönere“ Variante ist, ist motivabhängig und außerdem Geschmackssache.

Retro Camera „The Pinhole“

Retro Camera, The Pinhole
Pinhole Camera

Die abgefahrenste der vier Retro Cameras ist eindeutig „The Pinhole“, eine Lochkamera, die auf „Diafilm“ belichtet. Im Gegensatz zu richtigen Lochkameras (die statt einer Linse nur ein winziges Loch haben) kommt die „Pinhole Camera“ jedoch mit normal kurzen Belichtungszeiten aus.

Das Design der Lochkamera-App orientiert sich an echten Lochkameras, die gerne mal aus Schuhkartons oder sonstigen Pappschachteln gebaut werden. Dennoch war der Programmierer so freundlich, uns die üblichen Bedienelemente nicht vorzuenthalten, obwohl Lochkameras gewöhnlich weder Sucher noch Auslöser haben. (Eine Umschaltung zwischen Farbe und SW hat ohnehin keine „analoge“ Kamera.) Es finden sich also die gleichen Bedienelemente wie auch bei den anderen Kameras der App „Retro Camera“, wenn auch hier im Bastel-Look.

Typisch für Lochkameras ist natürlich, dass der Bildausschnitt bei der Belichtung nicht durch Objektiv-Bildkreis, Verschluss oder sonstige Bauteile begrenzt ist. Vielmehr wird das ganze (vorher im Dunkeln eingelegte) Stück Filmmaterial belichtet. Das erklärt auch den ungewöhnlichen Look der Fotos, die man mit der „Pinhole Camera“ schießen kann – sie sind über die Perforation des Diafilms hinaus belichtet, so wie es eine echte Lochkamera auch machen würde, wenn man zuvor ein Stück Diafilm einsetzt:

Retro Camera, Beispielfoto Pinhole Camera colour Retro Camera, Beispielfoto Pinhole Camera black+white

Wie es aussieht, hat der Filmschnipsel doch etwas Streulicht abbekommen, oder woher kommt wohl die Verfärbung der linken Seite?

Die Diafilm-Abschnitte haben übrigens ein quadratisches Format, also wieder einmal 512 mal 512 Pixel.

Damit bin ich am Ende der Vorstellung der Kamera-App „Retro Camera“ angelangt. Was mir an ihr gut gefällt ist die detailverliebte Gestaltung aller Programmbereiche (Kameras, Steckbriefe, entwickelte Fotos). Die Ergebnisse sind für Handy-Web-Anwendungen wie z.B. Facebook-Uploads ganz nett.

Für künftige Updates wünsche ich mir größere Bilder (sagte ich das schon? ;-)) und vielleicht auch die Möglichkeit, direkt zwischen den Kameras durch seitliches Verschieben zu wechseln, anstatt erst auf die „Vitrinen-Ansicht“ schalten zu müssen und dort zwischen den Kameras seitlich zu verschieben.

Schade, dass weder „Retro Camera“ noch die App „FxCamera“ in der Lage sind, auch bestehende Bilder, die in der Mediengalerie zu finden sind, nachträglich mit ihren Verfremdungen zu schmücken. Dann nämlich würde ich hochauflösend mit der normalen Kamera fotografieren und die Bilder dann erst in einem zweiten „Entwicklungsschritt“ auf alt trimmen, bevor ich damit meine Facebook-Freunde belästige. Sowas kann beispielsweise die Kamera-App Vignette. Aber das ist ein anderes (noch nicht geschriebenes) Kapitel.

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Schwarzweißfotos aus Jpg-Dateien

Schluss mit bunt: Schwarzweißfotos erstellen

In der vorigen Lektion wurde gezeigt, wie man mit simulierten Farbfiltern im Raw-Konverter Schwarzweißbilder aus Raw-Dateien „entwickeln“ kann, die bestimmte Kontraste hervorheben oder mildern. Wer also den Kontrast zwischen Wolken und Himmel auf dem Schwarzweißfoto verstärken möchte, verwendet z.B. einen Orange- oder Gelbfilter bzw. simuliert diesen digital im Raw-Bearbeitungsprogramm.

Was aber, wenn als Ausgangsmaterial keine Raw-Datei zur Verfügung steht, sondern eine Jpg-Datei oder ein Tiff? Oder wenn einem die Steuerung über wenige Filterfarben zu ungenau ist und man die Wirkung lieber exakt und stufenlos beeinflussen möchte? Dann helfen verschiedene Möglichkeiten der Schwarzweiß-Konvertierung im Bildbearbeitungsprogramm – sei dies nun Gimp, Photoshop, PhotoImpact, etc.

Im Folgenden werden verschiedene Möglichkeiten vorgestellt, aus Farbfotos kontrastreiche Schwarzweißbearbeitungen zu machen. Welches Verfahren zum Einsatz kommt, ist eine Frage des Motivs, aber auch der persönlichen Vorlieben bzw. des Aufwands, den man treiben möchte. Schaut selbst, welche Methoden Euch am besten gefallen. Wie immer lassen sich die Screenshots und Beispielfotos natürlich zum Vergrößern anklicken.

Heißluftballonstart
Rheinufer in Mondorf

Als Beispielfoto für diese Lektion habe ich ein Farbfoto aus der „Vor-Raw-Zeit“ herausgesucht. Es entstand im Sommer 2001 mit meiner damaligen Olympus C-3000 Zoom, einer 3-Megapixel-Kompaktkamera. Das Raw-Format lernte ich erst 4 Jahre später mit dem Kauf meiner EOS 20D kennen und schätzen. Die alten Bilder gibt es daher „nur“ als Jpg.

Vor der Konvertierung habe ich über die Gradationskurven im Farbfoto noch ein wenig die Kontraste optimiert. Je besser die farbige Basis für die Schwarzweiß-Umwandlung ist, desto überzeugender werden auch die Ergebnisse.

Möglichkeit 1: Farben komplett entsättigen

Screenshot 1
Farben entsättigen

Die simpelste Möglichkeit, ein Farbfoto in Schwarzweiß umzuwandeln, ist folgende: Den drei Farbkanälen (RGB = Rot, Blau, Grün) wird die Farbsättigung zu 100% entzogen. Das Bild bleibt demnach vom Dateiformat her ein Farbfoto, wenn auch mit 0% Sättigung.

Eine nette Variante dieser SW-Umwandlung ist übrigens, die Sättigung nur um 90 oder 95 Prozent zu reduzieren. Dann sieht es auf den ersten Blick aus wie ein Schwarzweißfoto, aber bei genauerem Hinsehen entdeckt man noch leichte Farbreste. Man kann dies sehr subtil machen, so dass der Betrachter sich fragt, ob z.B. die Blume im SW-Foto ihm nur ganz schwach rötlich vorkommt, ob es also eventuell eine optische Täuschung ist. Dies nur als kleine Anregung für eigene Experimente.

Hier soll es nun aber um „echtes“ SW gehen, und daher steht der Regler im Entsättigen-Dialog auf Minus 100. Jeder der drei RGB-Farbkanäle trägt also zu einem Drittel am Gesamtergebnis bei, wird also gleich gewichtet.

Wichtig ist übrigens, diese Änderungen nur an einer Kopie des Farbbildes zu machen und keinesfalls am Original. Denn wenn man die Farben einmal entfernt hat sind sie bei Tif und Jpg wirklich weg und können nicht – wie bei Raw – später wieder hergestellt werden. Man sieht an dem Screenshot, dass das Farbbild oben links zum Vergleich in der Ecke geöffnet ist, während der Sättigungs-Dialog an einem Duplikat des Fotos zu Werke geht.

Möglichkeit 2: Bild in Graustufen umwandeln

Screenshot 2
Graustufen-Umwandlung

Eine ebenso schnelle Möglichkeit ist, den Dateityp (die Farbtiefe) des Bildes vom Bildbearbeitungsprogramm ändern zu lassen. Bei PhotoImpact findet sich die Funktion im Menü „Einstellen – Datentyp umwandeln – Graustufen“. Da diese Funktion automatisch ein neues Fenster für das Graustufenbild öffnet, braucht man hier übrigens nicht vorher das Originalbild zu duplizieren.

Im Gegensatz zu Methode 1 werden bei dieser Umwandlung die Farbkanäle nicht gleich stark gewichtet, sondern der Grünkanal bekommt einen stärkeren Einfluss auf das Ergebnis – ähnlich wie es auch Schwarzweißfilm macht. Dies entspricht auch unserem natürlichen Sehen entsprechend der Bedeutung im Lebensraum unserer Vorfahren: Grün nehmen wir als eine hellere Farbe wahr als Blau – auch wenn diese Farben messbar die gleiche Intensität haben. Man kann dies sehr schön an dem Farbkeil in der Lektion Monitor-Einstellung ausprobieren.

Aus diesen Gründen wandeln die meisten Programme Farbfotos zu Graustufen mit folgenden Prozent-Anteilen der einzelnen Kanäle:

Rot 30%, Grün 59%, Blau 11%

Das Ergebnis sieht auf den ersten Blick der SW-Umwandlung nach Methode 1 ziemlich ähnlich (links: Farben entsättigen, rechts: Graustufen umwandeln):

Wenn man genauer schaut, offenbaren sich jedoch einige Unterschiede. Wie zu erwarten, erscheint die Wiese bei Methode 2 heller, denn hier wird der Grünkanal ja stärker berücksichtigt.

Deutlich wird es auch in den ehemals gelben und roten Teilen der Ballonbeschriftung: Der Firmenname Hartmann war ja ursprünglich vorne orangerot und hinten gelb geschrieben. Während sich diese Teile in der entsättigten Version nur mäßig voneinander unterscheiden, wird der Kontrast in der Graustufenkonvertierung deutlicher. Grund ist hier vor allem der abgeschwächte Blaukanal, denn die Komplementärfarbe von Blau ist bekanntlich gelb. Wenn man also den Blaukanal reduziert, hebt sich das Gelb im Foto relativ stärker hervor.

Schaltet man zwischen den beiden Bildern direkt hin und her (z.B. indem man mit rechter Maustaste die beiden großen Bilder in verschiedenen Tabs darstellen lässt und diese dann abwechselnd nach vorne klickt), dann sieht man, dass die unterschiedliche Art der Graustufen-Umwandlung auch dazu führt, dass die plastische Wirkung der Ballons sich ändert. Das Verhältnis von Licht und Schatten auf den Ballons ändert sich.

Gerade für solche Effekte wäre es daher wünschenswert, das Verhältnis der einzelnen Farbkanäle frei wählen zu können und nicht auf „33/33/33%“ bzw. „30/59/11%“ festgelegt zu sein. Damit sind wir bei der Königsdisziplin der Graustufenumwandlung:

Möglichkeit 3: Kanalmixer

Screenshot 3
Kanalmixer -18/5/113

Um die Anteile der drei Farbkanäle bei der Graustufen-Umwandlung frei bestimmen zu können, wurde der Kanalmixer erfunden. Bei manchen Programmen wie z.B. Photoshop ist der im Programm enthalten; bei anderen – wie z.B. bei PhotoImpact – fehlt er von Haus aus, aber er kann als photoshopkompatibles Plugin nachgerüstet werden. Eine kostenfreie Version des Graustufen-Kanalmixers für Windows gibt es hier: SimpelFilter GrayMixer LE. Wie solche Plugins in das Bildbearbeitungsprogramm eingebunden werden, schaut man am besten in der Anleitung der Bildbearbeitung nach.

Screenshot 4
Kanalmixer 62/80/-83

Im Kanalmixer kann man durch Schieberegler den Anteil der drei Farbkanäle in weitem Umfang frei wählen. Im Feld „Überlauf“ wird automatisch angezeigt, ob die Summe der drei Kanäle über oder unter der 100%-Marke liegt, die hier als Nulllinie angesehen wird. Mit der Option „Clipping Warnung“ wird in der Graustufen-Vorschau angezeigt, welche Pixel an den Rand des Kontrastumfangs stoßen, also komplett weiß bzw. komplett schwarz wiedergegeben werden. So kann man verhindern, dass größere Bildbereiche „ausbrennen“ bzw. „absaufen“.

Man kann durch „Lock“ einzelne Kanäle auf einem festen Wert arretieren, ansonsten werden sie automatisch angepasst, sobald ein anderer Regler verschoben wird.

Die erste Konvertierung habe ich beispielhaft mit den Werten -18, +5 und +113 vorgenommen, was in der Summe genau 100% ergibt. Mit dem Gamma-Wert wurde das Bild noch insgesamt leicht aufgehellt. So erhält man eine Konvertierung mit ziemlich hellem Himmel und sehr dunkel wiedergegebenen Rottönen. Das zweite Beispiel erzeugt hingegen fast einen „Nachthimmel“. Durch massives Absenken des Blaukanals wird der Himmel fast schwarz. Dass es nicht wirklich eine Nachtaufnahme sein kann, sieht man beispielsweise an den Kanten der Heißluftballons; deren Lichtsaum sieht für eine Nachtaufnahme unnatürlich aus und müsste noch nachkorrigiert werden. Wegen Nachtflugverbot für Ballonfahrer verzichte ich aber darauf…

Hier können die beiden Graustufenbilder größer betrachtet werden:

Wie gesagt: Dies sind nur Beispiele, keine Kunstwerke. Es sollen die extremen Möglichkeiten der Konvertierung mit dem Kanalmixer deutlich werden. Wenn es darum geht, das Bild möglichst „gut“ in Graustufen zu übertragen, würde ich natürlich nicht solche Extreme verwenden. Man erkennt gerade bei dem dunklen Bild auch ganz gut, dass Bildfehler in einzelnen Kanälen bei solch krassen Konvertierungen leichter ins Auge fallen. Aber es wird hoffentlich deutlich, dass man mit dem Kanalmixer ein sehr kreatives Werkzeug zur Hand hat, mit dem sich die Umwandlung von Farbfotos in Schwarzweiß perfekt steuern lässt. Viel Spaß bei eigenen Experimenten.

Mondorf, Ballonstart Mondorf, Ballonstart Mondorf, Ballonstart

Auf und davon: Ballonstart in Mondorf am Rhein

 

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Schwarzweißfotos aus Raw-Dateien

Adieu Farbe: S/W-Fotos aus Raw-Dateien erzeugen

Moderne Digitalkameras bieten oft neben dem üblichen Verfahren, Bilder als JPG-Dateien zu speichern, auch eine Speicherung als Raw-Datei an. Doch manch ein Digitalfotograf schreckt davor zurück, weil er meint, die Nachbearbeitung wäre wohl sehr kompliziert. Zu Unrecht, denn selbst bei nur geringfügiger Nachbearbeitung bieten Fotos aus Raw-Dateien bessere Qualität, viel mehr Möglichkeiten und einfachere Handhabung. An einem Beispiel möchte ich hier zeigen, wie einfach dies ist.

Raw-Dateien werden oft als „digitale Negative“ bezeichnet. Denn genauso wie ein Negativ aus einem Filmstreifen ermöglicht, Abzüge mit unterschiedlichen Einstellungen zu machen (mehr oder weniger Farbsättigung, Kontrast, Helligkeit, etc.), bieten auch Raw-Dateien diese Möglichkeiten. Und zwar (genau wie beim Negativ) ohne dass dabei das „Negativ“ verändert wird. Daher spricht man auch von der „Entwicklung“ von Raw-Dateien. So kompliziert wie in der Dunkelkammer ist es jedoch bei Weitem nicht.

Haupt-Vorteil von Raw-Dateien ist, dass die Einstellungen jederzeit verändert und wieder ohne Verluste zurückgenommen werden können. Dies ist deshalb möglich, weil in der Raw-Datei die Pixel quasi so gespeichert sind, wie der Kamera-Sensor sie sieht. Alle Einstellungen, die bei Speicherung als JPG direkt in der Kamera auf das Bild angewendet werden (Farbsättigung, Nachschärfung, Weissabgleich, etc.) können in der Raw-Datei noch nachträglich verändert werden – und zwar verlustfrei. Man muss sich also nicht mehr ärgern, wenn man z. B. den Weissabgleich in der Kamera nicht richtig eingestellt hatte oder wenn man eine andere Einstellung von Kontrast, Farbsättigung oder Schärfe hätte wählen sollen. Man kann es nachträglich kinderleicht und ohne Qualitätsverluste verändern. Dass die Bearbeitung von Raw-Dateien gar nicht schwierig ist, zeigt das folgende Beispiel:

Raw-Datei öffnen

Screenshot 1
Schritt 1: Raw-Datei öffnen

Kameras, die Raw-Dateien aufzeichnen können, liegt gewöhnlich mindestens ein Programm bei, mit dem diese Dateien auch bearbeitet werden können. Denn im Gegensatz zu allgemein üblichen Bilddatei-Formaten wie JPG oder TIF kocht bei Raw jeder Hersteller bei fast jedem Kamera-Modell sein eigenes Süppchen. Das ist auch leicht verständlich, wenn man bedenkt, dass es ja sozusagen die Roh-Daten des Kamera-Sesors sind, und auch die Bildsensoren und die interne Nachbearbeitung bei verschiedenen Kamera-Modellen meist unterschiedlich sind.

Freundlicherweise hat mir Ilonka gestattet, einen Schnappschuss von ihr als Beispiel-Foto zu verwenden. Entstanden ist das Bild mit Tele und Bildstabilisator bei einem Besuch im Wildpark bei trübem Winterwetter. Daher auch die Einstellungen von ISO 800 und Blendenautomatik mit 1/100stel Sekunde Verschlusszeit. Diese Zeit ist dank Bildstabi auch mit 300mm Tele noch ohne Verwackler aus der Hand aufzunehmen.

Als Programm für die Raw-Bearbeitung lag meiner Canon EOS 20D das Programm „EOS Viewer Utility“ bei – neuere EOS-Kameras haben das Programm DPP (Digital Photo Professional) im Lieferumfang, auf das ich mittlerweile auch umgestiegen bin, wie das Tutorial zeigt, wenn man dem Link folgt. Die Screenshots dieser Seite (die sich durch Anklicken vergrößern lassen) sind aber noch mit dem EOS Viewer Utility entstanden, was im Prinzip ganz ähnlich arbeitet. Es gibt zwar Raw-Konverter, die wesentlich umfangreichere Einstellmöglichkeiten bieten, aber Zweck dieser Seite soll ja sein, die Einfachheit der grundlegenden Raw-Bearbeitung zu zeigen.

Mit dem EOS Viewer Utility lassen sich die Dateien auch über USB-Kabel von der Kamera abholen – sowohl Jpgs als auch Raw-Dateien. Wie man sieht, tragen Raw-Dateien der 20D die Datei-Endung „.CR2“. Man bekommt die Bilder übersichtlich als Miniaturen angezeigt und kann (wie hier zu sehen) auch ein Bild größer darstellen lassen und mit STRG-T ein Extra-Fenster für die „RAW-Einstellung“ öffnen.

Digitale Belichtungskorrektur

Screenshot 2
Schritt 2: Belichtungskorrektur

Der Schnappschuss erscheint auf dem ersten Bild etwas zu dunkel. Deshalb schieben wir den Schieberegler „Digitale Belichtungskorrektur“, den man oben links in dem Einstellungs-Fenster sieht, ein Stück nach rechts. Bei 0,7 Blendenstufen hellerer Belichtung sieht das Bild doch schon ein Stück freundlicher aus, oder?

Histogramm

Bei der digitalen Belichtungskorrektur sollte man das „Histogramm“ im Auge behalten, das im Programm oben rechts angezeigt wird. Es zeigt die Verteilung der Helligkeitswerte im Bild. Ganz links sieht man die Menge der sehr dunklen Pixel; ganz rechts die der hellen. Da dieses Foto aber keine wirklich weissen Flächen hat, ist es ganz okay, wenn die Histogramm-Kurve auch nach der digitalen Belichtungskorrektur nicht bis ganz nach rechts reicht.

Gut ist es bei den meisten Fotos, wenn im Histogramm weder ganz links (bei schwarz) noch ganz rechts (bei weiss) eine große Pixelzahl angezeigt wird. Denn dies würde bedeuten, dass ganz dunkle bzw. ganz helle Partien im Bild ohne Zeichnung sind. Aber das kennen die meisten sicherlich schon von ihrer Digitalkamera bzw. aus dem Bildbearbeitungs-Programm. Näheres zu Histogrammen und Tonwertkorrekturen gibt es in Lektion 5 des Aufbaukurses.

Will man das Foto als Farbbild verwenden, kann man es an dieser Stelle schon konvertieren und als Jpg- oder Tif-Datei speichern. Doch auf dieser Seite geht es ja um Schwarz-Weiß-Fotos, und daher kommen zunächst noch zwei weitere Schritte:

Umstellen auf Schwarz/Weiß

Screenshot 3
Schritt 3: Umstellen auf S/W

Mit einem einzigen Klick kann man das Foto auf „S/W“ umstellen lassen. Und bei Nichtgefallen natürlich auch gleich wieder zurück auf „Standard“, denn die Farb-Informationen werden bei Raw-Dateien ja nicht gelöscht, sondern bleiben erhalten.

Natürlich hätte man auch gleich in der Kamera den S/W-Modus aktivieren können und schwarz-weiße Jpg-Dateien abspeichern lassen können. Aber dann hätte man die Farb-Informationen für immer verloren und könnte nicht zuhause in aller Ruhe probieren, für welches Motiv sich S/W lohnt und welches besser in Farbe bleibt.

Übrigens, um weiterem „Gemecker“ in den Kommentaren vorzubeugen (siehe z.B. hier): Ich verwende hier den Begriff „Schwarzweiß“ so, wie er landläufig eingesetzt wird, auch wenn es natürlich korrekterweise „Graustufen“ sind und nicht bloß Schwarz und Weiß. Aber wenn jemand von Schwarzweißfoto oder Schwarzweißfilm spricht, dann ist ja auch klar, was gemeint ist.

Filtereffekte anwenden

Screenshot 4
Schritt 4: Filtereffekt Rot

Professionelle S/W-Fotografen haben schon vor vielen Jahrzehnten erkannt, dass sich die Wirkung von Schwarz-Weiß-Fotos durch Vorsetzen von Farbfiltern vor das Objektiv stark beeinflussen lässt. Natürlich sieht man die Farbtönung bei Schwarzweiß-Film nachher im Foto nicht, aber wenn man beispielsweise einen Orangefilter für die Aufnahme eines blauen Himmels mit weißen Wolken verwendet, wird das Himmelsblau durch das Filter-Orange stark abgedunkelt, während das Weiß der Wolken kaum beeinflusst wird. Die Folge sind Landschaftsaufnahmen mit ganz tollen Wolken-Kontrasten. Ein S/W-Fotograf hat daher häufig eine ganze Reihe knallbunter Farbfilter in seiner Fototasche.

An Digitalkameras wie z.B. Canons 20D oder 350D (und Folgemodelle) gibt es die Möglichkeit, die Wirkung solcher S/W-Farbfilter elektronisch zu simulieren, so dass man sich Kauf und Mitschleppen dieser S/W-Filter getrost sparen kann. In den Tiefen des Kameramenüs finden sich die Einstellungen für S/W-Fotos und dort auch die entsprechende Auswahl der Filter Gelb, Orange, Rot und Grün. Man kann so den entsprechenden Filter schon bei Aufnahme auswählen und sieht dann das Ergebnis auf dem Monitor in Schwarz/Weiß mit dem entsprechenden Filter-Effekt. Hat man die Aufnahme in Raw gemacht, kann man dies aber auch nachträglich in der Software erledigen. Daher fotografiere ich generell in Farbe und Raw, so dass ich die unterschiedliche Wirkung der Farbfilter nachträglich am PC beurteilen kann. Auf der Woodstuff-Homepage und auf der Seite Wallis BirdNovember 2007 in Köln finden sich zahlreiche S/W-Fotos von mir, die nachträglich im EOS Viewer Utility gefiltert wurden.

Für das Beispielfoto dieser Seite habe ich die Filterung in Rot ausgesucht, da das Rotfilter den schönen Effekt hat, Hauttöne zu glätten und eventuell vorhandene leichte Hautunreinheiten zu kaschieren. Heraus kommt ein gelungenes S/W-Foto, das ganz einfach in 4 Schritten erzeugt wurde.

Nach Auswahl des gewünschten Filters sollte man noch einmal einen Blick auf Histogramm und Helligkeits-Eindruck werfen, denn je nach Filter ändert sich die Wirkung des Fotos unter Umständen deutlich. In unserem Beispiel kann man es aber so lassen, finde ich.

Screenshot 5
Schritt 5: Konvertieren / speichern

Nun fehlt nur noch ein Rechts-Klick auf das Foto, so dass sich das Kontextmenü öffnet (oder Drücken von STRG-S). Dort lässt sich der Menüpunkt „Konvertieren und in Datei speichern“ auswählen. Dann öffnet sich ein weiteres Fenster, in dem die Möglichkeit besteht, die Raw-Datei entweder als JPEG oder als TIFF abzuspeichern. Diese Dateien kann man dann gut zur weiteren Verwendung des Fotos in der Bildbearbeitung (PhotoShop, PhotoImpact, GIMP, TOP-Tool, etc.) nutzen. Bei Bildern für meine Homepages werden die Fotos dort noch verkleinert, nachgeschärft, mit dem Website-Schriftzug versehen und als Jpg in meinem Homepage-Verzeichnis gespeichert. Aber dies ist eine andere Geschichte.

Wie man sieht, ist die „Entwicklung“ von RAW-Dateien („digitalen Negativen“) gar nicht so schwer. Selbst die Erstellung hochwertiger Schwarz-Weiß-Fotos ist so deutlich einfacher als in der Bildbearbeitung. Daher kann ich jedem, dessen Kamera RAW unterstützt, die Verwendung nur sehr empfehlen. Nur wenn der Platz auf der Speicherkarte mal knapp wird oder wenn eine längere Sequenz von schnellen Serienaufnahmen benötigt wird, wechsele ich in der Kamera zum Jpg-Format, denn aufgrund der Größe der Raw-Dateien brauchen diese mehr Platz und länger zum Speichern.

Und selbstverständlich muss man nicht jedes Bild einzeln öffnen und konvertieren. Nach einer Foto-Tour übertrage ich die Raw-Dateien auf den Rechner und betrachte diese dann der Reihe nach mit dem Raw-Programm. Dort kann ich gleich die Belichtung optimieren und misslungene Bilder löschen. Wenn alle Bilder gesichtet sind, markiere ich sie alle gleichzeitig und wähle dann für alle noch vorhandenen Bilder „Konvertieren und in Datei speichern“. Bei vollem Chip dauert das dann zwar etliche Minuten, aber in der Zeit kann man ja auch mal was anderes machen. Daher kann man bestimmt nicht sagen, die Raw-Bearbeitung sei zu  zeitaufwändig. Selbst wenn ich gar nicht optimiere und gleich alle Dateien konvertiere, habe ich immer noch die gleiche Qualität wie bei Jpg-Fotografie. Aber selbst mit wenigen Sekunden digitaler Belichtungskorrektur der Raw-Dateien holt man jedoch schon eine ganze Menge mehr Qualität heraus. Näheres hierzu findet sich in dem Workflow-Artikel Raw-Bearbeitung.

Wirkung von SW-Filtern

Apfelkiste, farbig
Farbfoto

Wie kommt es eigentlich, dass ein Orangefilter die Kontraste weißer Wolken am blauen Himmel verstärkt, während ein Rotfilter die Haut glatter erscheinen lässt? Kann man die Wirkung von Filtereffekten in der S/W-Fotografie im Voraus abschätzen? Um dieser Frage nachzugehen, lohnt sich ein genauerer Blick auf die rechts abgebildeten 4 Versionen des gleichen Raw-Fotos. Für das Foto habe ich die Kamera zum Einkauf mitgenommen und gehofft, dass ich kein Hausverbot kriege, weil ich die heilige Ordnung in der Obst-Theke durcheinanderbringe. ;-)

Apfelkiste, SW
S/W ohne Filter

Zunächst einmal sieht man das Farbfoto und die einfache S/W-Konvertierung ohne Filter. Der rote Apfel, der sich in Farbe sehr kräftig von den grünen Äpfeln abhebt, ist in der S/W-Version ohne Filter nur bei genauerem Hinsehen von seinen Kollegen zu unterscheiden. Die beabsichtigte Bildaussage geht verloren, denn offenbar wollte der Fotograf ja einen Einzelgänger zeigen – einen, der sich durch Andersartigkeit von der Masse abhebt.

Apfelkiste, Rotfilter
S/W mit Rotfilter

Völlig verloren geht dieser Effekt bei der S/W-Konvertierung mit Rotfilter. Das Rot des Außenseiter-Apfels wird durch das Rotfilter aufgehellt. Wer einen solchen Filter zur Hand hat (oder ein rotes Glas, 3D-Brille, etc.) kann dies testen: Rote Farbtöne erscheinen im Rotfilter heller, während die Komplementärfarbe Grün stark abgedunkelt wird.

Der Abdunklungs-Effekt fällt jedoch bei dem Apfelkisten-Foto nicht auf, denn genauso wie die Kamera beim Fotografieren durch einen Filter die Belichtung entsprechend gegenkorrigiert, gleicht auch der Filtereffekt der Software die Helligkeit des Gesamtfotos entsprechend an.

Apfelkiste, Grünfilter
S/W mit Grünfilter

Fotografiert man jedoch durch einen Grünfilter (bzw. lässt die Software dies simulieren), hebt sich der rote Apfel ganz deutlich von den grünen Äpfeln ab. Auch im Schwarz-Weiß-Foto wird so der beabsichtigte Effekt des originalen Farbfotos gut wiedergegeben. Der Grünfilter wirkt aufhellend auf die grünen Äpfel, während er die Komplementärfarbe Rot des Außenseiter-Apfels abdunkelt.

Fassen wir also zusammen: Farbfilter in der Schwarz-Weiß-Fotografie bewirken, dass der Filterfarbe ähnliche Farbtöne aufgehellt werden, während entgegengesetzte Farben abgedunkelt werden.

Würde man den Wolkenhimmel beispielsweise durch ein Blaufilter fotografieren, so würden sich die Wolken-Kontraste vermindern, was nur in den seltensten Fällen gewünscht sein dürfte. Himmel mit wenig Zeichnung gibt es ja oft genug. Daher nimmt man für Wolkenbilder lieber ein Gelb-, Orange- oder Rotfilter, was die Kontraste anhebt.

Bei S/W-Portraits nimmt man ebenfalls gerne ein Rotfilter, weil die (meist etwas rötlichen) Hautunreinheiten dadurch abgemildert werden und die Haut damit einen glatteren Teint bekommt. Für Fotos der Exfrau oder Exfreundin empfehle ich hingegen einen Grünfilter, wenn man diese Bilder schon veröffentlichen muss… ;-)

Soviel erst einmal zur S/W-Bearbeitung von Raw-Dateien. Einiges mehr über Raw-Konvertierung steht unter dem Thema „Mein Arbeitsablauf“ in dem schon oben verlinkten Tutorial zu DPP. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich mit Raw-Nachbearbeitung vertraut zu machen, wenn die eigene Digitalkamera schon diese Möglichkeit bietet.

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Aufbaukurs, Lektion 3

Alles so schön bunt hier: Die Farbtiefe

Die vorigen beiden Lektionen hatten gezeigt, dass die (technische) Qualität eines digitalen Fotos zunächst einmal von der Pixelzahl und indirekt auch von der Sensorgröße abhängig ist. Aber auch die Anzahl der Farben, die jedem einzelnen Pixel zur Verfügung stehen, bestimmt die Güte einer Bilddatei – und damit auch ihre Größe. Darum geht es auf dieser Seite.

Ein kleiner geschichtlicher Rückblick

Farbtiefe 1 Bit (S/W), Maria Laach
S/W, 1 Bit

Die ersten gebräuchlichen Monitore in der „Steinzeit“ der PC-Geschichte stellten jeden Bildpunkt in genau zwei Farben dar: Entweder war der Punkt an oder aus. Je nach Bildschirmmodell sah man gewöhnlich grüne oder „bernsteinfarbene“ Buchstaben auf schwarzem Grund. Wenn der Monitor mal ausnahmsweise nicht im Text-Modus war, wo er nur Buchstaben ausgeben durfte, dann hatten auch die damaligen Grafiken nur diese zwei Zustände. Für jedes Pixel brauchte man also 1 Bit, das entweder auf 1 oder auf 0 – auf an oder auf aus – geschaltet war. Wollte man eine Grafik mit Schattierungen (Graustufen) ausgeben, dann wurden die grauen Bereiche aus einem Raster von schwarzen und weißen Pixeln gemixt – so ähnlich wie sich das Bildbeispiel rechts nach Anklicken präsentiert. Für die Wiedergabe und Bearbeitung von Fotos war das wirklich noch nichts.

4 Farben (CGA), 2 Bit, Sokoban
4 Farben (CGA), 2 Bit

Als dann die ersten farbfähigen Computersysteme auftauchten, konnte der Rechner nur aus einer Palette weniger Farben auswählen. Links ein Bildschirmfoto eines CGA-Monitors. Man sieht eine Szene aus dem legendären Spiel Soko-Ban von 1984, und deutlich ist zu erkennen, dass die Grafik außer aus den „Farben“ Schwarz und Weiß nur noch zwei zusätzliche Farben hat: Magenta („Telekom-Lila“) und Cyan (Hellblau).

Pixel-Grafik 2 BitUm ein solches Bild zu speichern, benötigt es 2 Bit pro Pixel – mit den Kombinationen 00, 01, 10 und 11 lassen sich vier verschiedene Zustände beschreiben. Zusätzlich muss in der entsprechenden Grafik-Datei natürlich noch hinterlegt sein, welche Kombination für welche Farbe steht, also beispielsweise 00 für Schwarz, 11 für Weiß, 01 für Cyan und 10 für Magenta. Denn eine andere Grafik verwendet vielleicht statt Lila und Hellblau lieber Grün und Gelb. Aber die gewünschte Farbpalette muss nur einmal in der Datei hinterlegt sein – für das jeweilige Pixel reicht dann die entsprechende Farbnummer.

Farbtiefe 2 Bit (4 Farben), Maria Laach
4 Farben, 2 Bit

Das gleiche Kirchenbild als Schwarzweiß-Foto mit nur 4 Graustufen zeigt die Abbildung rechts. Außer einem Beinahe-Schwarz und einem Fast-Weiß gibt es bei der hier verwendeten Farbpalette noch zwei mittlere Grautöne. Statt Grauwerten hätte man natürlich auch Farben nehmen können – aber damit sah es noch schlimmer aus…

Mit fortschreitender Technik war es dann auch bald möglich, 3 Bit pro Pixel zur Verfügung zu stellen. Und schon konnte man mit den Zuständen 000, 001, 010, 011, 100, 101, 110 und 111 insgesamt 8 verschiedene Farben ansteuern – noch immer aus einer Palette, die der Grafikkarte vorher mitgeteilt werden musste, sofern die Grafikkarte nicht mit einer fest einprogrammierten Palette arbeitete, so dass man nur aus vorgegebenen Farben auswählen konnte.

Bitte 1 Bit – oder bringense gleich 8 Bit

Wer sich in Mathematik ein bisschen auskennt, erkennt in diesem System das sogenannte Binärsystem oder Dualsystem. Jede Zahlenstelle kann nur 2 Zustände annehmen: 0 oder 1. Mit 2 Stellen kann ich demnach – wie oben gezeigt – doppelt so viele Zustände beschreiben, nämlich 4 (von 0 bis 3). Mit jeder weiteren Stelle verdoppelt sich die Anzahl der Möglichkeiten:

  • 1 Bit: 2 Farben
  • 2 Bit: 4 Farben
  • 3 Bit: 8 Farben
  • 4 Bit: 16 Farben
  • 5 Bit: 32 Farben
  • 6 Bit: 64 Farben
  • 7 Bit: 128 Farben
  • 8 Bit: 256 Farben
  • 9 Bit: 512 Farben
  • 10 Bit: 1024 Farben
  • 11 Bit: 2048 Farben
  • 12 Bit: 4096 Farben
  • 13 Bit: 8192 Farben
  • 14 Bit: 16384 Farben
  • 15 Bit: 32768 Farben
  • 16 Bit: 65536 Farben
4 Bit (16 Farben), Maria Laach
16 Farben, 4 Bit

Mit 4 Bit, also 16 Farben, und einer auf das jeweilige Foto optimierten Palette, lassen sich schon erste farbfotoähnliche Darstellungen ermöglichen. Nach Größerklicken des Fotos sieht man aber deutliche Einschränkungen: Auch hier fällt gerade auf größeren Flächen auf, dass die Farben gerastert sind. Dieses Verfahren wird auch Dithering genannt.

Palette 16 Farben (4 Bit)Schaut man sich die Farbpalette des jeweiligen Bildes in einem Bildbearbeitungsprogramm an, dann sieht man, aus welchen 16 Farben das Bild zusammengesetzt ist. Die Plätze in der Palette sind mit Indexnummern durchnummeriert – bei einer 4-Bit-Grafik also von 0 bis 15. Für das Rot der Blüten stehen hier nur 2 Farbtöne zur Verfügung, die Palettenplätze 14 und 15. Die Nonnen der Klosterkirche Maria Laach wollen jedoch davon nichts wissen und wenden sich daher desinteressiert ab.

Farbtiefe 4 Bit (16 Farben) ohne DitheringZum Vergleich links noch ein 16-Farben-Bild, diesmal aber ohne Dithering. Man sieht, dass es deutlich stufiger wirkt. Das Dithering simuliert quasi eine größere Farbtiefe.

8 Bit (256 Farben), Maria Laach
256 Farben, 8 Bit

Mit 256 Farben sieht das Foto schon realistischer aus. Aber von einer Echtfarben-Darstellung ist es noch weit entfernt. Zwar wirken die meisten Flächen jetzt nicht mehr grob gerastert, aber z.B. der Rock der mittleren Nonne ist doch noch ziemlich stark gedithert. Offenbar benötigt das Foto doch noch weitaus mehr Farbtöne.

Palette 256 Farben (8 Bit)Der Blick auf die für dieses Foto optimierte 8-Bit-Farbpalette zeigt nun Indexnummern von 0 bis 255.

Bei dieser Farbtiefe von 256 Farben bzw. 8 Bit ist übrigens die Grenze dessen erreicht, was das Gif-Dateiformat speichern kann. Das ist der Grund, warum man Fotos besser als Jpg oder Tiff (oder einem anderen geeigneten Format) speichert. Würde man seine Fotos als Gif-Dateien speichern, dann würden sie auf maximal 256 Farben reduziert und es käme zu gravierenden Qualitätsverlusten.

Wer sich nun fragt, wofür es das Gif-Format denn dann überhaupt gibt und gerade im Internet viel verwendet wird: Es hat Vorteile bei Zeichnungen, Logos, etc. (die ja gewöhnlich nur aus wenigen Farben bestehen). Beispielsweise kann man eine der Farben als transparent erklären, so dass an diesen Stellen der Hintergrund der Website durchschimmert. Dazu später vielleicht mehr.

8 Bit S/W (256 Graustufen), Maria Laach
256 Graustufen, 8 Bit

Interessanterweise reicht eine Palette von 256 Tönen für die Graustufen-Darstellung von Schwarz-Weiß-Fotos aus. Mehr ist hier auch heute nicht üblich, wenn SW-Bilder im Internet angezeigt werden.

Bei der Bearbeitung von SW-Fotos mag es dennoch von Vorteil sein, eine höhere Farbtiefe nutzen zu können. Auch dazu später mehr.

Graustufen-Palette, 8 BitDer Blick auf die „Farbtabelle“ eines Graustufenbildes ist zunächst mal sehr „eintönig“. Bei jedem SW-Foto sieht sie gleich aus und enthält die gleichen Abstufungen von 0 (schwarz) bis 255 (weiß) – auch wenn evtl. gar nicht alle Grautöne in dem Foto genutzt werden, weil es weniger Graustufen benötigt.

Wenn man sich das Palettenfenster genauer anschaut, dann sieht man dort, dass der Wert für die Indexfarbe 255 (weiß) aus 3 Werten R, G und B besteht, die in diesem Falle auch jeweils den Wert 255 angenommen haben, während sie bei den farbigen Paletten jeweils unterschiedliche Werte für die angezeigte Farbe (die mit dem höchsten Index) haben. Was hat es damit auf sich?

Die Buchstaben R, G und B stehen für die 3 Grundfarben Rot, Grün und Blau, aus denen jeder Monitor die Farben mischt. Haben sie alle drei den höchsten Wert (255), dann entsteht strahlendes Weiß. Stehen alle drei auf einem mittleren Wert (z. B. 127), dann ergibt dies einen Grauton aus der Mitte der Graustufen-Palette. Und wenn alle drei Werte 0 betragen, dann bleibt das jeweilige Pixel schwarz.

Und wenn die Werte für R, G und B unterschiedlich sind, dann handelt es sich nicht um ein Graustufenbild, sondern um ein Farbbild. Womit wir wieder beim Thema wären.

Beispielsweise hat das letzte Kästchen der oben gezeigten 256-Farben-Palette die RGB-Werte 179,41,33. Man sieht schon mit einem Blick auf die Zahlen, dass der Rot-Anteil der höchste ist, dass es also ein gedeckter Rotton sein wird. Das ist im Prinzip das RGB-Farbmodell in seinen Grundzügen.

Her mit den Echtfarben! Weg mit der Palette!

24 Bit (True Color), Maria Laach
True Color (24 Bit)

Das Graustufen-Beispiel oben hat ja gezeigt, dass 256 Helligkeitsunterschiede ja schon einen ziemlich gleichmäßigen Eindruck hinterlassen und man im Normalfall keine Stufen mehr erkennt. Wenn man nun für jede der Grundfarben Rot, Grün und Blau 256 Werte verwendet, dann kann man damit Fotos hinreichend gut darstellen, ohne eine spezielle Palette zu benötigen.

Solche Bilder werden gewöhnlich als Jpg-Dateien gespeichert. Eine Jpg-Datei hat also für jede der RGB-Grundfarben jeweils 256 Abstufungs-Möglichkeiten, so dass sich eine Kombinationsmöglichkeit von 256 mal 256 mal 256 Farben ergibt, also 16.777.216 Farben.

Ein solches Bild braucht also pro Grundfarbe 8 Bit, was ingesamt 24 Bit ergibt.

Jeder Jpg-Datei stehen die gleichen 16,7 Millionen Farben zur Verfügung, es gibt also keine individuell für das jeweilige Foto optimierte Palette mehr.

Zunächst einmal erscheint die Zahl von 16,7 Millionen Farben riesig. Das menschliche Auge ist nicht in der Lage, so viele Farben zu unterscheiden. Dennoch sollte man schon jetzt im Sinn behalten, dass es „nur“ 256 Abstufungen pro Grundfarbe sind. Unter gewissen Bedingungen kann auch dies für eine stufenfrei aussehende Darstellung zu wenig sein.

Auch gibt es Farben, die nicht in diesen 16,7 Millionen RGB-Farben zu finden sind, die das menschliche Auge aber dennoch wahrnehmen kann. Wer sich näher für die doch recht komplizierte Materie interessiert, dem empfehle ich als Einstieg folgende Wikipedia-Artikel: RGB-Farbraum, FarbraumsRGB, Adobe RGB.

Wozu noch mehr Farbtiefe?

An dieser Stelle wird es Zeit für eine kleine „Zwischenprüfung“:

  • Welches Foto hat mehr Farben (also eine größere Farbtiefe): eine 16-Bit-Tiff-Datei oder eine 24-Bit-Jpg-Datei?

Nach dem bisher gelernten könnte man annehmen, dass es die Jpg-Datei wäre, denn bisher galt ja: „Mehr Bits, mehr Farben“. Aber natürlich war es eine fiese Fangfrage, denn aus mir unbekannten Gründen haben einige Leute bei Dateien mit größerer Farbtiefe auf einmal angefangen, die Farbtiefe pro RGB-Farbkanal anzugeben anstatt die des gesamten Bildes. Die 16-Bit-Tiff-Datei hat daher in Wirklichkeit 48 Bit und hat somit 65536 Abstufungen pro RGB-Farbkanal (statt 256 beim Jpg). 48 Bit ergibt rechnerisch unvorstellbare 281.474.976.710.656 Farbmöglichkeiten (281 Billionen, nämlich 655363 oder 248).

Um zu verstehen, wozu man „mehr als Echtfarben“ braucht, ist es ganz sinnvoll, uns kurz mit der sogenannten Histogramm-Anzeige zu beschäftigen, die auf manchen Digitalkamera-Displays und in den meisten Bildbearbeitungs-Programmen zu finden ist. Die folgenden Abbildungen zeigen die beiden Histogramme der oben gezeigten Kirchenbilder mit 4 bzw. 16 Farben:

Histogramme, 4 und 16 FarbwerteEin solches Histogramm zeigt die Helligkeitsverteilung innerhalb des Fotos an. Der Graukeil am Fuß der Grafik macht deutlich, dass die dunklen Farbtöne (oder Graustufen) links stehen, während hellere Farbtöne weiter rechts eingetragen sind. Je länger der Balken ist, desto häufiger kommt der entsprechende Farbton in dem Foto vor. Der häufigste Farbton hat den Balken bis ganz oben, während die anderen Farbtöne durch entsprechend kürzere Balken dargestellt werden.

Deutlich kann man an der linken Grafik erkennen, dass das 2-Bit-Foto tatsächlich nur 4 Farbtöne aufweist. Und wer sich die Mühe macht, die Striche in der rechten Grafik zu zählen, stellt fest, dass es genau 16 sind, was ja bei dem 4-Bit-Foto auch zu erwarten war. Bei Echtfarben-Fotos sieht man im Gegensatz hierzu gewöhnlich ganze „Gebirge“ im Histogramm und nicht nur einzelne Striche.

Auch fällt bei den beiden Histogrammen auf, dass richtiges Schwarz und reines Weiß gar nicht Bestandteil der im Bild genutzten Farben sind, da ganz links bzw. ganz rechts kein Balken zu sehen ist. Beim 4-Farben-Bild ist übrigens der dunkelste Farbton am häufigsten anzutreffen, während es beim 16-Farben-Bild des gleichen Motivs der hellste Farbton ist.

Die Lücken zwischen den Balken sind also Farbtöne bzw. Helligkeitsstufen, die von dem jeweiligen Bild nicht genutzt werden. Wegen dieser Lücken sieht man im Foto deutliche Stufen oder Kanten bei Flächen, die eigentlich einen gleichmäßigeren Verlauf ohne erkennbare Stufen zeigen müssten – oder das Grafikprogramm kaschiert diese Schönheitsfehler durch entsprechendes Dithering.

Wenden wir uns nun einem anderen Beispielfoto zu. Am Tag des Abschieds der Kölner Achtachser-Straßenbahnen machte ich dieses Foto einer solchen Bahn vor dem Kölner Dom. Leider war das Wetter zu diesem Zeitpunkt regnerisch-trübe, aber an „historischen Daten“ kann man sich das Wetter bekanntlich nicht aussuchen und muss versuchen, auch fotografisch das Beste daraus zu machen.

Ein Blick auf das Histogramm zeigt auch schon das Haupt-Problem dieser Grafik: Der mögliche Tonwertumfang wird überhaupt nicht komplett ausgenutzt. Es sind keine dunklen Töne in dem Bild enthalten, und dementsprechend hat es deutlich zu wenig Kontrast.

Es muss also eine Tonwertkorrektur vorgenommen werden – in diesem Falle eine Tonwertspreizung, so dass das dunkle Gestein, aus dem der Dom besteht, auch dunkler abgebildet wird, während die helleren Passagen nicht abgedunkelt werden. Auf diese Weise wird das Foto kontrastreicher.

Das Ergebnis nach automatischer Tonwertkorrektur in PhotoImpact zeigt die zweite Version dieses Fotos. Man kann dies auch manuell vornehmen, aber in diesem Fall brachte die Automatik schon ein ganz passables Ergebnis.

Ein Blick auf das neue Histogramm offenbart aber Folgendes: Das Bild hat nun nicht mehr einen gleichmäßigen Helligkeitsverlauf, sondern in dem Histogramm-„Gebirge“ tun sich nun jede Menge Spalten auf. Es sieht fast aus wie ein Kamm. Damit man es gut erkennen kann, zeige ich es hier gleich in Originalgröße.

Um sich zu erklären, was da passiert ist, stellen wir uns vereinfachend vor, das Bild wäre ein Graustufenbild gewesen und hätte somit nur 256 verschiedene Helligkeitswert-Möglichkeiten. Durch das diesige Wetter wurde das Foto aber sehr kontrastarm, so dass von den 256 Helligkeitswerten z. B. nur 150 genutzt wurden. Die 100 dunkelsten Töne kommen in dem Bild gar nicht vor.

Wenn nun die verbleibenden Tonwerte durch eine Tonwertkorrektur auf die gesamte Breite des Histogramms gespreizt werden, dann sind es ja nach wie vor nur 150 Werte, die aber auf 250 Plätze verteilt werden müssen. Einleuchtend, dass da etwa 100 Plätze frei bleiben. Im Gegensatz zur Straßenbahn übrigens, wo 150 Fahrgäste durch Füße auf dem Sitz und Ablegen von Taschen, etc. locker 250 Plätze belegen können. ;-)

Die Lücken im Histogramm bergen nun aber wieder die Gefahr, dass man statt gleichmäßigen Helligkeitsverläufen doch wieder Stufen sieht – ähnlich wie bei den gezeigten Bildern mit reduzierter Farbtiefe, wenn auch nicht so krass.

Bei dem Beispiel-Bild hier in Monitor-Auflösung sieht man es zwar nicht, aber insbesondere bei größeren Ausdrucken fällt es mitunter deutlich auf. Für die weitere Bildbearbeitung ist es daher gut, wenn das Ausgangsmaterial möglichst mehr als 256 Abstufungen pro Farbkanal hat. So bleiben auch nach Maßnahmen wie Tonwertspreizung noch genügend Werte übrig, um ein lückenfreies Histogramm mit feinen Farbverläufen zu erzeugen. Dies ist bei 48-Bit-Tiff-Dateien der Fall („16-Bit-Tiff“), aber auch bei Raw-Bildern, die pro Farbkanal gewöhnlich 12 oder 14 Bit haben, also 16fach bzw. 64fach mehr als ein Jpg mit seinen 8 Bit. Einer der Haupt-Gründe, warum es sich lohnt, in Raw zu fotografieren.

Damit kündigt sich auch schon das nächste Thema im Aufbaukurs an. In der nächsten Lektion geht es um das Thema Dateiformate. Also ein paar Infos zu Gif, Jpg, Raw und Tiff – um nur mal die wichtigsten zu nennen.

Um den Effekt aber vielleicht doch bei den Verkleinerungen am Bildschirm deutlich erkennbar machen zu können, habe ich das Bild rechts vorbereitet. Der sattblaue „Polfilter-Himmel“ ist ein typisches Motiv, bei dem man manchmal Stufen im Verlauf erkennen kann. Durch das Bildrauschen sieht man allerdings keine glatten Kanten zwischen den Farbton-Abstufungen, sondern – ähnlich wie beim Dithering – werden die Stufen hier ein wenig kaschiert. Daher habe ich links neben das Foto noch einen künstlich erzeugten Farbverlauf mit den gleichen Blautönen gestellt, der natürlich kein Bildrauschen hat. Hier fällt die Streifenbildung vermutlich am ehesten auf – auf meinem Monitor sieht man es jedenfalls. Ansonsten könnt Ihr Euch das Bild ja auch abspeichern und dann mit dem Bildbearbeitungsprogramm eine Tonwertspreizung (Kontrast-Anhebung) machen, bis der Effekt sichtbar wird.

RGB in freier Natur: RingCon 2008