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Panoramakopf aus Fertigteilen

Wer Panoramen aus Einzelbildern zusammensetzen möchte, die auch im näheren Bereich noch passgenau sind, kommt nicht umhin, sich um einen sogenannten Panoramakopf bzw. Nodalpunktadapter Gedanken zu machen. Damit ist eine Vorrichtung gemeint, die die Kamera so auf dem Stativ montiert, dass bei den Schwenks zwischen den Einzelfotos keine Verschiebung von Vorder- und Hintergrund entsteht. Die Kamera dreht sich also im „optischen Zentrum“ der Linse, es kommt bei korrekter Justage des Nodalpunktadapters zu keinen Parallaxenfehlern, so dass sich die Einzelaufnahmen später sauber zusammensetzen lassen.

Wenn man viel Geld in die Hand nimmt, bekommt man solche Panoramaköpfe fertig zu kaufen. Eine Alternative sind auch speziell an ein bestimmtes Objektiv angepasste Ringe, die als Stativkopf die Kamera beim Drehen im Nodalpunkt halten. Dies bietet sich vor allem dann an, wenn man ein Fischaugen-Objektiv verwendet, das annähernd 180° Bildwinkel aufzeichnet, so dass man auch für ein rundum geschlossenes Panorama nicht mehrere Reihen übereinander aufnehmen muss.

Wem solche Fertiglösungen zu teuer sind, dem bleibt auch die Möglichkeit, sich einen Nodalpunktadapter selbst zu bauen. Es gibt einige Bauanleitungen im Internet, an denen man sich orientieren kann. So bekommt man aus Baumarktteilen etc. einen funktionerenden Panoramakopf für wenig Geld.

Etwas Bastelgeschick, Werkzeug und ein geeigneter Arbeitsplatz sind jedoch nötig. Daher bin ich einen dritten Weg gegangen: Ein Panoramakopf aus den üblichen Standardteilen, die man als langjähriger Hobbyfotograf vielleicht ohnehin in diversen Schubladen und Fototaschen hat.

Einzeiliger Panoramakopf (für zylindrische Panoramen)

Nodalpunktadapter für zylindrische PanoramenMein erster Konstruktionsversuch ist hier zu sehen. Auf dem Stativ sitzt ein alter Video-Schwenkkopf. Der war bei meinem gebraucht erstandenen Berlebach-Holzstativ dabei und lag bisher nur in der Schublade. Hier jedoch kann er sich nützlich machen, da er eine Gradskala und einen relativ spielfreien Schwenkmechanismus hat. Leider hat er keine Arretierung der Waagerechten, aber mit einer kleinen Wasserwaage kann man den Schwenkgriff in der richtigen Position festziehen und braucht sich darum später nicht mehr sorgen.

Auf dem Videoneiger sitzen zwei Makroschlitten, die es mal billig bei Pearl gab. Siehe Artikel Einstellschlitten sehr günstig, wo ich die Montage als Kreuzschlitten bereits gezeigt habe.

Auf den beiden Einstellschlitten sitzt der Manfrotto 3D Junior Kopf 056, den man neu für ca. 35-40 Euro erhalten kann. Da er eigentlich für die direkte Montage auf dem Stativ gedacht ist, hat er ein 3/8-Zoll-Innengewinde, während die Einstellschlitten 1/4-Zoll-Außengewinde haben. Daher benötigt man noch eine Reduzierhülse (am besten gleich ein 3er- oder 5er-Set bestellen, denn von den Dingern hat man immer eins zu wenig…).

Wie man sieht, erlaubt diese Konstruktion auch das Ansetzen einer geneigten Kamera. Man kann daher auch mehrzeilige Panoramen aufnehmen. Allerdings entsteht dabei in der Vertikalen ein deutlicher Parallaxenfehler. Zwar dreht sich die Kamera (bei korrekter Justage der Einstellschlitten) im parallaxenfreien optischen Zentrum des Objektivs, aber ein vertikaler Schwenk erfolgt nicht in diesem Drehpunkt, sondern in der Stativbuchse; also viel zu weit hinten. Auch verstellt man dabei (geringfügig) die Lage des Objektivzentrums über dem Drehpunkt. Die Konstruktion ist daher für mehrzeilige Panorama-Shootings eher ein Notbehelf als ein richtiger Panoramakopf.

Mit dieser Konstruktion habe ich die Norderney-Panoramen aufgenommen, die ich mit dem Polarkoordinaten-Filter zu „kleinen Planeten“ zusammengedreht habe, beispielsweise Strandkörbe und Heimatdorf. Auch erste Versuche von sphärischen Panoramen habe ich damit gemacht. Allerdings mit einigen Problemen beim Stitching, vor allem im Nahbereich.

Mehrzeiliger Panoramakopf (für sphärische Panoramen)

Daher habe ich die Konstruktion weiterentwickelt, wie die folgenden 3 Bilder zeigen:

Panoramakopf Panoramakopf Panoramakopf

Wenn man die Bilder in groß betrachtet, sieht man deutlich, wo der Unterschied ist: Über dem Schwenkkopf sitzt nach wie vor einer der beiden Pearl-Einstellschlitten. Doch der zweite Einstellschlitten steht senkrecht – gehalten durch den Manfrotto-Juniorkopf. Dadurch, dass der Schlitten senkrecht auf der Basis des Kopfes steht, ist diese Konstruktion erstaunlich stabil.

Der senkrechte Schlitten muss nicht genau justiert werden, sondern er wird mit den Schrauben des 3D-Juniorkopfes so festgezogen, dass er senkrecht fest aufsteht. Die Schraube an seinem oberen Ende dient der Verstellung zwischen den einzelnen Panorama-Zeilen. Um die Rundumsicht annähernd vollständig zu erfassen, benötigt mein 15mm-Objektiv (an einer Kamera mit APS-C-Sensorformat) drei Zeilen zu je 12 Aufnahmen (hinzu kommen noch ein paar Bilder zum Einpassen des Zenit und des Fußbodens, aber das ist hier nicht das Thema). Die Verstellung zwischen den drei Zeilen des Panoramas macht man am besten mit einem Schraubendreher, da sich die Schraube von Hand nicht ausreichend fest ziehen lässt, um ein versehentliches Verstellen der Kamera zu vermeiden.

Wie man sieht, dreht sich die Kamera bei der Vertikalverstellung nicht im Stativgewinde, sondern im Gewinde einer dritten Einstellschiene. Es ist der untere Teil des Traumflieger-Kreuzschlittens, den ich bereits in der Rubrik Zubehör vorgestellt hatte. Dieser Schlitten ist so justiert, dass die Achse der Stativbuchse genau durch den Nodalpunkt des Objektivs geht. So können die vertikalen Schwenks im Nodalpunkt durchgeführt werden.

Soweit also meine derzeitige Konstruktion. Natürlich kommt sie bei Weitem nicht an einen guten kommerziellen ’sphärischen‘ Panoramakopf heran, wie beispielsweise dem Nodal Ninja 5, meinem momentanen Kopf der Begierde. :-) Einige Nachteile der Selbstbaukonstruktion sind:

  • Verwendung Stativschraube/Schraubendreher für Zeilenverstellung.
  • Streuchlichtblende kann nicht angesetzt werden.
  • Dritte Schiene passt nur bei meinem 15-85mm-Objektiv (und bei anderen, deren Dicke genau bis zum Kameraboden geht, so dass der Zoomring auf der Schiene aufliegt). Ist das Objektiv dünner, hält die Schiene nicht wirklich fest, da sie wenig Auflage am Kameraboden hat. Ist es dicker, passt es nicht.
    (Vorteil ist allerdings, dass die Schiene das Objektiv in Brennweitenstellung 15mm festhält und sich diese daher nicht so leicht versehentlich verstellt.)
  • Schwenk senkrecht nach oben nicht möglich (vertikale Schiene nicht lang genug).
  • Recht großes Packmaß und Gewicht. Das Teil ist sperrig. Ein Nodal Ninja hingegen lässt sich vergleichsweise klein zusammenlegen.

Wie man sieht, ist es ein echter Kompromiss, aber für erste Erfahrungen ganz gut und somit empfehlenswert als Anregung für eigene Experimente mit eventuell vorhandenem Zubehör.

Bis auf die Reduzierhülsen habe ich keine Teile zukaufen müssen. Sollte ich aber intensiver in die Panoramafotografie einsteigen und vielleicht sogar Auftragsarbeiten annehmen, dann ist wohl ein „richtiger“ Panoramakopf wie z.B. der Nodal Ninja 5 fällig.

Mit diesem ‚mehrzeiligen‘ Nodalpunktadapter aus Fertigteilen habe ich beispielsweise das Elberfeld-Panorama aufgenommen, sowie noch einige weitere sphärische Panoramen (samt daraus erzeugten stereographischen „kleinen Planeten“), die ich bei Gelegenheit zeigen werde.

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Panorama zusammenbauen

Making-of: Wie das Warnemünde-Panorama entstand

Blick vom Leuchtturm (Thumbnail)
Blick vom Leuchtturm Warnemünde

In der Panoramen-Fotogalerie habe ich das 360-Grad-Panorama bereits gezeigt, für das ich auf dem Leuchtturm in Warnemünde 32 Einzelfotos aufgenommen habe. Hier nun gibt es das „Making-of“ dazu; eine Erläuterung, wie aus diesen 32 Bildern das oben zu sehende Riesenfoto geworden ist (das man – wie auch die folgenden Screenshots – anklicken kann, um es vergrößert zu sehen).

Aufnahme der Einzelbilder und grundsätzliche Vorgehensweise

Leuchtturm Warnemünde
Leuchtturm Warnemünde

Üblicherweise werden gute Panoramen vom Stativ mit genau waagerecht ausgerichteter Kamera fotografiert, wobei das optische Zentrum der Linse genau über dem Drehpunkt liegen sollte. Dies erreicht man mit einem sogenannten Nodalpunkt-Adapter. Nur so ist gewährleistet, dass sich Vordergrund und Hintergrund beim Schwenken der Kamera nicht gegeneinander verschieben.

Die besondere Herausforderung bei dem Leuchtturm-Panorama war nun, dass die Bilder nicht im Nodalpunkt gemacht werden konnten, weil sich ja der umlaufende Balkon des Leuchtturms etwa 2-3 Meter vor dem Nodalpunkt befindet. Für jedes Foto muss der Fotograf einen Schritt zur Seite gehen, so dass sich der Vordergrund gegenüber dem Hintergrund deutlich verschiebt.

Darüber hinaus ist auf dem engen und von Touristen bevölkerten Balkon ein Einsatz des Stativs nicht sehr praktikabel. Daher blieb mir nichts anderes übrig, als die Fotos freihändig zu machen. Die Ausrichtung der Kamera erfolgte anhand des Horizonts, der genau in Bildmitte jedes Hochformat-Fotos zu liegen kommen sollte. Zur Orientierung sind dabei die Autofokus-Messpunkte im Sucher ganz praktisch.

PhotoImpact-Screenshot
Aufnahme und Vorbereitung

Die Kamera wurde mit einem 28mm-Objektiv bestückt, weil eine Festbrennweite weniger verzeichnet und nicht die Gefahr besteht, dass sich der Zoom während der Aufnahmeserie versehentlich verstellt.

Ferner wurde auf manuelle Fokussierung und manuelle Belichtung geschaltet. Ein Belichtungswert, der für alle Bilder geeignet ist, wurde durch Anvisieren der hellsten Richtung herausgefunden und fest eingestellt (1/200 Sekunde bei Blende 11). Auch der Weißabgleich sollte nicht auf Automatik stehen, sondern bei allen Aufnahmen gleich sein. Wer Raw-Dateien fotografiert, kann den Weißabgleich aber auch nachträglich am PC für alle Fotos gleich einstellen (und auch die Belichtung der Serie noch optimieren), wenn er die Jpgs aus den Raw-Dateien erzeugt.

Nun wurde manuell so scharf gestellt, dass möglichst das ganze Motiv im Bereich der Schärfentiefe liegt. Am Fokusring darf während der Aufnahmeserie auch nicht gedreht werden, denn sonst passen die Bilder weniger gut aufeinander.

Die Fotoserie begann nun (auf dem unteren Balkon des Leuchturms) bei dem markanten Gebäude gegenüber von dem „Teepott“ – das ist das Gebäude neben dem Leuchtturm, das auf dem fertigen Panorama etwa in Bildmitte nur als seltsam geschwungenes Dach zu sehen ist. Anhand der Gitterteilung des Balkongeländers ging ich für jedes Foto ein Stückchen nach rechts und richtete die Kamera möglichst genau freihändig aus. Immer ein Bild in Geländermitte und ein Bild am Geländerpfosten. Auf diese Weise enstand die Serie von insgesamt 32 Fotos mit reichlich Überlappung.

Auch 16 Bilder hätten schon ausreichende Überlappung gehabt, wie der oben gezeigte Screenshot erkennen lässt, bei dem ich die Bilder 1, 3, 5, 7, 9… in die obere Reihe gelegt habe und die Zwischen-Bilder 2, 4, 6, 8, 10… in die untere Reihe. Dennoch war es sehr gut, dass ich auch die Zwischen-Bilder aufgenommen habe, denn alle 32 Bilder wurden für das fertige Panorama gebraucht.

Stitching der Fotos zu Panoramen

Das „Stitching“ (Zusammenfügen von Einzelfotos zu einem Panorama) machte ich mit dem Programm PhotoStitch, das bei meiner Canon EOS dabei war. Es gibt inzwischen aber auch leistungsfähigere kostenlose Software, beispielsweise Hugin (siehe auch die Softwaretipps in den Leserkommentaren zu dieser Seite).

Erwartungsgemäß klappte das Stitching insbesondere im Vordergrund nicht besonders gut, da ja die Kameraposition zwischen den Bildern jeweils ein Stück weit verschoben wurde. Wurden alle 32 Aufnahmen zum Stitching verwendet, wurde es sogar noch schlechter als bei Verwendung von ’nur‘ 16 Aufnahmen, denn die Anzahl der misslungenen Übergänge erhöhte sich.

Dies brachte mich auf die Idee, zwei verschiedene Stitchings durchzuführen. Einmal nur die ‚ungeraden‘ Bildnummern und dann getrennt davon in einem zweiten Durchgang die ‚geraden‘ Bildnummern. Also einmal die obere und dann die untere Bildreihe beim obenstehenden Screenshot.

PhotoImpact-Screenshot
Stitching in 2 Versionen

Das erste und letzte Bild wurde bei beiden Panoramen jeweils mit hinzugenommen, damit diese gleich groß werden würden. Im Bereich vom „Teepott“ kam das Stitching-Programm dennoch zu stark durcheinander, weshalb dort von der beschriebenen Reihenfolge abgewichen werden musste. Aber prinzipiell war die Vorgehensweise „ein Panorama aus den geraden Bildnummern und ein zweites aus den ungeraden Bildnummern“.

Das Ergebnis zeigt der zweite Screenshot: In der Gesamtansicht der Panoramen kann man kaum Unterschiede ausmachen, aber wenn man bestimmte Stellen größer zoomt, dann sieht man, dass die Nahtstellen in unterschiedlichen Bildbereichen liegen. Als Beispiel dient der vergrößert angezeigte Flachbau. Einmal gehen die Stitching-Fehler durch die Treppe am linken Bildrand, während sie bei dem anderen Panorama durch das Flachdach gehen, wobei aber die Treppe fehlerfrei abgebildet ist.

Korrektur der fehlerhaften Nahtstellen

Nun begann das große Puzzeln. Zunächst sucht man sich das bessere der beiden Roh-Panoramen als Grundlage aus, und das andere dient als „Ersatzteilspender“, um daraus „Flicken“ auszuschneiden, die an die schadhaften Stellen des ersten Panoramas eingesetzt werden können. Gute Bildbearbeitungsprogramme wie z. B. das von mir verwendete PhotoImpact haben die Möglichkeit, in Bilddateien mit Ebenen und Objekten zu arbeiten. Zwar bin ich, was diese Arbeitstechniken angeht, noch in der Probier- und Lernphase, und vielleicht gibt es noch elegantere Arbeitsweisen, aber ich beschreibe hier, wie ich dabei vorgegangen bin.

Stück für Stück kann man nun die schadhaften Stellen in Panorama 1 mit Flicken aus Panorama 2 überdecken:

  • Man schaut zunächst in Panorama 1, welche Stelle verbessert werden soll.
  • Dann markiert man mit dem Auswahl-Werkzeug einen (meist rechteckigen) Ausschnitt der entsprechenden Stelle in Panorama 2, das ja an dieser Stelle fehlerfrei ist. Der Flicken sollte mit weicher Auswahlkante (Vignette) ausgeschnitten werden, damit man die Übergänge beim Einfügen nicht sieht.
  • Mit STRG-C (oder im Menü ‚Bearbeiten – Kopieren‘ kann man den Flicken in die Zwischenablage kopieren.
  • Dann aktiviert man das andere Bild durch anklicken und fügt mit STRG-V (oder ‚Bearbeiten – Einfügen‘) den entsprechenden Flicken über der schadhaften Stelle ein.
  • Mit den Verformwerkzeugen lässt sich dieser Flicken strecken und zerren, bis er pixelgenau über die Reparaturstelle passt. Oft ist es dabei hilfreich, über den Ebenen-Manager des Programms das gerade aktive Objekt halbtransparent zu machen. Auch bewährt es sich, die gestrichelten Auswahl-Rahmen ggf. unsichtbar zu schalten (über das Menü ‚Ansicht – Rahmen zeigen‘).
  • Wenn der Flicken schließlich genau sitzt, muss man ihn natürlich wieder undurchsichtig machen (Transparenz 0). Bei dieser Gelegenheit kann man ihn im Ebenen-Manager auch gleich in seiner Position fixieren, damit man ihn nicht durch einen unbedachten Mausklick versehentlich verschiebt.

Dies ist die grundsätzliche Vorgehensweise, mit der man nun etwa 2 bis 3 Abende verbringen kann, bis Flicken für Flicken alle Stitching-Fehler im Panorama 1 gut mit entsprechenden Ausschnitten aus Panorama 2 kaschiert sind. Die folgenden Screenshots zeigen einige dieser Reparaturstellen:

PhotoImpact-Screenshot
Fehlerhafte Nahtstellen reparieren

Die Nahtstelle lag hier genau im Bereich des Knicks zwischen mittlerem und rechtem Dachbogen des „Teepotts“. Rechts im Bild Panorama 1 im Zustand vor der Reparatur. Deutlich sieht man, dass die Dachkante des mittleren Bogens nicht sauber an den rechten Bogen anschließt. Der eingefügte und entsprechend gezerrte Flicken stellt den Verlauf der Kanten und auch den schmalen Dachpappe-Streifen auf dem Dach’first‘ wieder korrekt her. Allerdings hat der Retuscheur hier gepfuscht, denn die einzelnen Dachpappe-Bahnen sind keineswegs perfekt retuschiert. Aber was soll’s? Die meisten Dachdecker pfuschen beim Verkleben ihrer Bahnen noch viel mehr…

Ebenso wurde auch die Horizont-Linie mit Flicken entsprechend aneinander angepasst. Die Stitching-Fehler am Horizont kommen meist von Ungenauigkeiten in der Kamera-Haltung, die ja leider nicht auf dem Stativ stand. Oder aber die Stitching-Software hat sich durch den arg verschobenen Vordergrund auch beim Hintergrund verrechnet.

Auch die ‚Pfütze‘ und die Uferlinie hatten erkennbare Stitching-Fehler, die mit einem größeren Flicken ausgebessert werden konnten.

PhotoImpact-Screenshot
Fehlerhafte Nahtstellen reparieren

Die „Ferienwohnung mit Sonnenterasse“ hat es beim Stitching leider auch zerlegt. Das Schild am Geländer zeigte leichte Auflösungserscheinungen bei den letzten Ziffern der Telefonnummer.

Schlimmer noch traf es das Fenster darüber. Auch dies konnte mit einem passenden Flicken korrigiert werden. Dabei wurde der Ausschnitt für das Fenster so groß gewählt, dass er Teile der intakten Fenster enthielt. So ließ er sich recht einfach perspektivisch korrekt einfügen.

Leider überdeckte er dabei teilweise den Gartenstuhl und den weißen Tisch vor den äußeren Fenstern. Da diese etwas näher zur Kamera waren, stimmte die Perspektive hier wieder nicht. Mit dem „Objekt-Radierer“ kann man jedoch in dem ausgewählten Flicken die entsprechenden Stellen ausradieren, so dass wieder der Untergrund sichtbar wird. Dies erklärt die Einbuchtungen in der Form des Flickens.

Das Flachdach wurde mit dem Lasso grob ausgeschnitten und dann entsprechend verzerrt, bis es sich nahtlos in Panorama 1 einfügte. Die Verwendung des Lassos war hier praktischer als ein rechteckiger Ausschnitt.

Das Hafenbecken hinter dem Haus enthielt in Panorama 1 etwas zu viele halbe Boote. Doch schon wenige Minuten später waren die halben Boote gesunken. Ganze Boote sind auch einfach seetüchtiger als halbe.

PhotoImpact-Screenshot
Fehlerhafte Nahtstellen reparieren

Bei Villa Brunhilde mussten noch einige „Erdbebenschäden“ beseitigt werden, bevor sie nun verkauft werden kann. Falls jemand die Telefonnumer haben möchte – auf dem folgenden Bildausschnitt kann man sie so gerade noch lesen:

Zu VerkaufenNähere Infos über das Haus gibt es hier. Viel Freude an der neuen Immobilie. :-)

PhotoImpact-Screenshot
Fehlerhafte Nahtstellen reparieren

Beim „Hotel am Leuchtturm“ bot sich eine großflächigere Arbeitsweise an: Da die gesamte vordere Ecke des Hauses verbeult war, wurden 2 der 5 Frontseiten-Elemente in ganzer Höhe des Gebäudes ausgeschnitten. Dieses große Stück ließ sich dann problemlos in korrekter Perspektive in Panorama 1 einpassen. Mit dem Objekt-Radierer (und weicher Auswahlkante) wurde der Übergang zur Seitenwand kaschiert.

Die obere rechte Ecke saß nicht ganz perfekt und bekam daher einen eigenen Mini-Flicken. Auch passten das Geländer und das Dach nicht ganz an die neue Haus-Ecke und wurden daher mit Trostpflästerchen beklebt.

PhotoImpact-Screenshot
Fehlerhafte Nahtstellen reparieren

Da sich das Arbeiten mit großen Flicken bewährt hatte, habe ich beim hier gezeigten Haus direkt die ganze Frontseite mit dem Lasso ausgeschnitten, so dass das Haus nun wieder die gleiche Fenster-Aufteilung wie die Nachbarhäuser hat.

Das parkende Auto und die Dächer wurden mit den üblichen Methoden repariert, die ich nun wohl oft genug beschrieben habe.

Das Endergebnis

PhotoImpact-Screenshot
Der fertige "Flickenteppich"

Hier das gesamte Panorama mit markierten Objekten. Es hat die stolze Größe von 21601 mal 2257 Pixeln, was etwa 48 Megapixel ergibt.

Wie man sieht, wurden auch an etlichen Stellen die Wolken-Übergänge nachbearbeitet. Dabei wurden Ausschnitte mit sehr weicher Auswahlkante verwendet, denn andernfalls würde man wohl die Flicken deutlicher sehen als zuvor die Nahtstellen.

Beim fertigen Panorama wurde oben noch ein Stück Himmel abgeschnitten, so dass der Horizont nun nicht mehr in der Mitte liegt, sondern das Bild etwa 1/3 zu 2/3 aufteilt. Dadurch ergab sich ein Seitenverhältnis des Bildes von 12:1 (21600 mal 1800 Pixel, also knapp 39 Megapixel). Wer es also mit 20cm Höhe ausdruckt, bekommt ein 2,40m langes Panorama. Den Ostsee-Urlaub mit frischer Seeluft und Original-Blick vom Leuchtturm kann es aber trotzdem nicht wirklich ersetzen.

Blick vom Leuchtturm (Thumbnail)
Blick vom Leuchtturm Warnemünde
In den alten Leserkommentaren zu dieser Seite findet Ihr die oben angekündigten Software-Tipps. Hier bei den neuen Kommentaren ist Eure Gelegenheit, mein sensationelles Panorama über den Klee zu loben. :-) Oder halt zu sagen, was Euch noch dazu einfällt. Oder zu fragen, ob Ihr das Panorama gegen Gewinnbeteiligung als Faltpostkarte herstellen und im Teepott an Touristen verkaufen lassen dürft (okay, letzteres besser per privater eMail). Schreibt einfach, was Ihr dazu sagen wollt.


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Fotozubehör: Makroschlitten

Vielseitiges Hilfsmittel: Der Makroschlitten

Traumflieger-Makroschlitten
Vierwege-Makroschlitten

Obwohl ich (bisher) nur sehr selten Makroaufnahmen mache, hat sich der Makroschlitten aus dem Traumflieger-Shop als nützliches Hilfsmittel erwiesen, für den es auch einige andere sinnvolle Anwendungsfälle gibt. Daher möchte ich Euch diesen Makroschlitten hier vorstellen, obwohl ich leider kein Makro-Spezialist bin.

Der Makroschlitten zeigt insgesamt eine gute Verarbeitung. Die Verstellung der beiden Achsen erfolgt angenehm und ohne störendes Spiel in den Führungen. Besonders positiv fällt mir auf, dass sich oberer und unterer Teil des Makroschlittens mit einer einfachen Schraube trennen lassen, um sie bei Bedarf z.B. um 180 Grad verdreht zu montieren. Auch hat jede der beiden Auflageplatten zwei Stativgewindebohrungen, so dass sich ggf. auch nur einer der beiden Schlitten-Teile montieren lässt.

Makroschlitten im Einsatz
Makroschlitten im Einsatz

Für Makroaufnahmen vom Stativ ist der Schlitten deshalb besonders geeignet, weil er die sehr feinfühlige Verstellung des Bildausschnittes und der Schärfeebene ermöglicht. Statt mühsam wackelig das ganze Stativ hin- und herzurücken, kann man ganz bequem an den beiden Stellschrauben drehen, bis der Bildausschnitt passt. In dem hier gezeigten Foto demonstriere ich den Praxiseinsatz des Makroschlittens anhand einer sehr selten blühenden exotischen Pflanze (Blumus plasticus solaris wackelensis).

Makro-Tüftler, die Stacking-Fotos machen möchten, werden die bequeme und genaue Verstellung der Schärfeebene ganz besonders zu schätzen wissen. Aber es gibt jenseits der Makrofotografie auch noch ganz andere Anwendungsmöglichkeiten für den Makroschlitten:

Makroschlitten für Panoramafotos

Makroschlitten für Panoramafotografie
Panoramakopf

Für exakt ausgerichtete Panorama-Einzelfotos, die per Software zu einem Panorama zusammengerechnet werden, bietet sich der Einsatz des Makroschlittens ebenfalls an. Zumindest dann, wenn man ein Zubehörteil besitzt, mit dem man die Kamera hochformatig und exakt waagerecht ausgerichtet auf dem Schlitten befestigen kann. Bei mir ist dies eine vor ca. 15 Jahren selbst konstruierte Einbeinstativ-Verlängerung. In der hier gezeigten Anordnung ist es möglich, das optische Zentrum des Objektivs genau über dem Drehpunkt zu fixieren.

Zwar erreicht diese Konstruktion nicht den Komfort und die Möglichkeiten von echten Nodalpunkt-Adaptern, aber die stabileren unter den käuflichen Adaptern kosten dicke dreistellige Eurobeträge, so dass ich mir derzeit lieber mit dieser Bastellösung behelfe. Sonderlich stabil ist die Anordnung zwar nicht (sondern eher ziemlich federnd), aber hier geht es ja nicht um lange Verschlusszeiten, sondern um exakte Ausrichtung des Objektivs zur Drehachse. Das Röntgen-Panorama habe ich mit dieser Konstruktion aufgenommen.

Nicht verschweigen möchte ich, dass der Makroschlitten bei diesem Einsatz als Nodalpunktadapter quasi „am Anschlag“ arbeitet. Die optische Achse (Bajonettmitte) meiner EOS 20D liegt etwa 41 oder 42mm über dem Kameraboden. Von dort bis zur Mitte meiner Verlängerungsstange sind es noch einmal ca. 8-10mm. Daher reichen die 50mm seitlicher Verstellweg so gerade aus. Besser hätte ich es gefunden, wenn die Makroschiene auf jeder Seite 1-2cm mehr Auszug hätte, aber für diesen Anwendungsfall ist sie ja auch nicht konstrueirt. Jedenfalls bin ich nicht sicher, ob es bei zukünftigen Kameras auch noch passen wird. Sonst muss ich mir halt was Neues einfallen lassen. Derzeit bin ich erstmal froh, dass es einigermaßen passt.

Makroschlitten für 3D-Fotos

Auch für die Stereofotografie (von unbewegten Motiven) lässt sich die Makroschiene sinnvoll einsetzen, denn dabei muss die Kamera exakt horizontal verschoben werden können. Je nach Größe des in 3D zu zeigenden Motivs kann man den Abstand zwischen linker und rechter Aufnahme mit dem Makroschlitten ganz einfach frei wählen. Denn während die Stereobasis für die räumliche Wahrnehmung von „Alltagsmotiven“ etwa dem Augenabstand von ca. 7cm entsprechen sollte, wird sie bei kleinen Motiven entsprechend auch kleiner (Einzelheiten vielleicht mal in einem separaten Kapitel in der Rubrik 3D-Fotografie).

Durch die Millimeterskalen auf dem Makroschlitten kann man die gewünschte Stereobasis genau einstellen. Wenn ich mal Stereofotos vom Stativ gemacht habe, werde ich hier entsprechendes Bildmaterial nachreichen.

Insgesamt macht der Makroschlitten aus dem Traumflieger-Shop also einen guten Eindruck. Er ist vielseitig einsetzbar und präzise gefertigt. Empfehlenswert für alle, die auch gerne mal vom Stativ fotografieren.

Äußerst selten: Blumus plasticus solaris wackelensis