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Dias digitalisieren: Farbstich

dia-reproNoch immer bin ich damit beschäftigt, mit meiner EOS 60D und dem Sigma 105mm Makro die Diasammlung meines Vaters zu digitalisieren. Dabei fällt auf, dass einige Diafilme extrem farbstichig sind, während andere die Jahrzehnte gut überstanden haben (obwohl sie teilweise älter sind als die farbstichigen). Bei der Suche nach Ursachen – ich hatte mal gehört, dass nicht nur das Filmmaterial (Hersteller) eine Rolle spielt, sondern z.B. auch die Güte der verwendeten Fotochemikalien bei der Entwicklung – bin ich auf einen interessanten Artikel gestoßen, der das Ganze aus Sicht professioneller Fotoarchive beschreibt. Natürlich ist alles bedeutend komplizierter als ich es mir gedacht habe:

Allgemeine Richtlinien für die Fotoarchivierung

farbstich-sk87-aufnahmeZum Glück nehmen sich die Probleme mit unseren Dias vergleichsweise bescheiden aus. Wie man sieht, kommen manche Magazine allerdings extrem blaustichig aus der Kamera. Rot- und Grünkanal sind soweit verblasst, dass man kaum noch Farben erkennen kann. Die Raw-Dateien wurden mit manuellem Weißabgleich aufgenommen – das mit der Pipette festgelegte Weiß entspricht dem Farbton des Dia-Leuchtpultes. Die Farben der Dias sehen also ziemlich exakt so aus wie die Miniaturen im Raw-Konverter. Nur die Helligkeit wurde schon bei der Aufnahme optimiert.

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Heute: Walhalla (Teil 1)

Heute vormittag bin ich mit dem Linienbus von Regensburg zur Walhalla nach Donaustauf gefahren. Diese Ruhmeshalle in Form eines klassisch-griechischen Tempels ließ Bayernkönig Ludwig I im 19. Jahrhundert als Ruhmestempel bauen, um darin berühmte Deutsche zu ehren und ihrer zu gedenken. Dazu bieten Marmorbüsten und Gedenktafeln einen Streifzug durch viele Jahrhunderte.

Leider war das Wetter etwas durchwachsen. Im Vergleich zum Nachmittag, wo ich bei Regen die Regensburger Altstadt erkundigt habe, ging es zwar noch. Aber dennoch hätte ich mir für die Walhalla lieber Kaiserwetter gewünscht – wäre ja auch passender gewesen; immerhin sind etliche Kaiser dort vertreten.

Die folgenden Fotos sind bisher nur mit Digital Photo Professional (DPP) Raw-bearbeitet und mit dem TOP-Tool automatisch verkleinert. Erstmalig habe ich auch die Verzeichnungskorrektur von DPP eingesetzt, denn einige Säulen-Bilder sahen durch die Objektivverzeichnungen doch arg krumm aus.

Ab dem 46. Bild habe ich den Pentax-Strahlenteiler montiert, um in 3D weiter zu fotografieren. Die muss ich noch bearbeiten. Jetzt also 45 Fotos der Walhalla in 2D:

Soweit Teil 1 meiner Foto-Ausbeute von heute. Stürzende Linien könnte man noch in Gimp, etc. korrigieren – leider bietet DPP dies noch immer nicht an. Auf dem kleinen Notebook-Bildschirm tue ich mir dies jetzt aber nicht an. Das Feintuning hebe ich mir für zuhause auf.

Eine Anekdote muss ich noch erzählen, die ich erlebt habe, als ich außen zwischen den Säulen an einer Besuchergruppe vorbeikam. Da telefonierte ein etwa 8-10jähriges Mädchen mit der Oma: „Oma weißt Du, wo ich bihin? In der Walachei“. Sie hatte die Lacher auf ihrer Seite…

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Dias digitalisieren

Scannen oder abknipsen: Digitalisieren von Dias

Wer schon zu „analogen Zeiten“ viel fotografiert hat, oder wer auch heute im „digitalen Zeitalter“ nicht vor der Verwendung von Filmmaterial zurückschreckt, kennt das Problem: Wie bekommt man die analogen Bilder in guter Qualität und mit möglichst geringem Zeit- und Geldeinsatz in den Rechner? Während es bei Papierbildern kaum Alternativen zu den üblichen Flachbettscannern gibt, eröffnen sich dem (ehemaligen?) Dia-Fotografen verschiedene Wege, von denen ich hier einige vorstellen möchte.

Ich selbst stand schon vor einigen Jahren vor der Frage, wie ich über tausend Dias aus dem fotografischen Nachlass meines Großvaters ins digitale Zeitalter hinüberretten könnte. Von meinen Wegen und Irrwegen bei der Dia-Digitalisierung soll nun die Rede sein. Das Folgende ist daher eine Mischung aus persönlicher Erfahrung und dem Wissen um die heutigen Möglichkeiten, die mir allerdings zunächst noch nicht zur Verfügung standen.

Erste Versuche: Scanner für Einzeldias

Ebertplatz ca. 1959, Fillm Scanner 1800
Film Scanner 1800

Meine ersten Diascan-Versuche machte ich mit einem „Film Scanner 1800“, der baugleich von verschiedenen Anbietern erhältlich war. Meiner war – wenn ich mich recht erinnere – von Mediax, aber bis auf die Gehäusefarbe sah er genauso aus wie das Nachfolgemodell von Reflecta, das auf filmscanner.info als Reflecta Filmscanner i-Scan 3600 vorgestellt wird. Wie die Namen schon vermuten lassen, hatte mein Scanner allerdings nur 1800dpi statt 3600dpi Auflösung, was für einen Kleinbild-Diascan ziemlich wenig ist.

Die Bilder in dem verlinkten Artikel zeigen das Bedienkonzept: Es wird jeweils 1 gerahmtes Dia eingelegt, bzw. 1 Bild eines Dia- oder Negativstreifens kommt unter der Scan-Einheit zu liegen. Dadurch ist man quasi permanent beschäftigt, so dass das Scannen sehr zeitaufwändig ist. Für mittelgroße oder gar große Diasammlungen ist solch ein Gerät m.E. nicht zu empfehlen.

Was die Bild-Auflösung betrifft, sei zunächst folgendes in Erinnerung gerufen: Ein Kleinbild-Dia hat eine Bildfläche von 36 mal 24 mm, das sind knapp 1,5 mal 1 Zoll. Wenn ein Scanner nun lediglich mit 1800 dpi scannt, so ergibt dies ein Bild von knapp 2700 mal 1800 Pixeln – das sind knapp 5 Megapixel. Tatsächlich hat der hier gezeigte Beispiel-Scan in Originalgröße 2480 x 1690 Pixel, das sind etwa 4,2 Megapixel.

Auch in der Internet-Verkleinerung auf etwa 900×600 Pixel ist deutlich erkennbar, dass das Bild (Ebertplatz in Köln, ca. 1959) keine besonders gute Scan-Qualität aufweist. Da der Scanner keine Staub- und Kratzerentfernung aufweist, sieht man z.B. im Bereich des Himmels eine ganze Menge „unbekannte Flugobjekte“, die das Bild nicht gerade verschönern. Und das, obwohl ich den Glasrahmen von außen durchaus geputzt hatte.

Universallösung: Durchlicht-Flachbettscanner

Ebertplatz ca. 1959, CanoScan 8800F
CanoScan 8800F

Schon besser geeignet für mittelgroße Diasammlungen erschien mir in Anbetracht des recht günstigen Preises von knapp 200 Euro ein hochwertiger Flachbettscanner mit Staub- und Kratzerentfernung. Ich entschied mich letzlich für den CanoScan 8800F von Canon. Diesen kann man wahlweise als normalen Flachbettscanner für Papierbilder, Bücher, Briefe, etc. verwenden. Oder aber als Durchlicht-Scanner für Dias und Negative. Dazu wird die weiße Innenseite des Deckels entfernt, so dass dort eine Durchlicht-Einheit freigelegt wird. Auf die Glasscheibe kommt dann einer von 4 mitgelieferten Kunststoffrahmen: Entweder für 4 gerahmte Dias, oder für zwei Streifen Kleinbildfilm (Dia oder Negativ), oder für Mittelformatfilm bzw. Mittelformat-Dias.

Dadurch, dass man 4 Bilder auf einmal einlegt und nach einer schnellen Vorschau mit wenigen Klicks die nötigen Korrekturen eingestellt hat, braucht man während der folgenden ca. 10-15 Minuten Scan-Vorgang nicht die ganze Zeit am Rechner zu bleiben. Man kann also Socken bügeln oder Katze kraulen, etc. Erst wenn es am Rechner wieder so verdächtig still ist, macht man die noch nötige Nachbearbeitung – eventuell eine schnelle abschließende Tonwert- und Farbkorrektur, oder was sonst noch nötig erscheint. Nach dem Speichern der 4 Bilder legt man die nächsten 4 Dias ein und bereitet den nächsten Scan vor, indem man auf Vorschau klickt und die nötigen Einstellungen vornimmt. Zwar dauert es immernoch lange, bis man so einen ganzen Film bzw. ein ganzes Magazin mit 36 oder 50 Aufnahmen gescannt hat, aber man muss nicht permanent irgendwelche Handgriffe machen wie bei einem Einzeldia-Scanner.

Das „Scangear“-Programm, das dem Scanner von Canon beigelegt wurde, macht seine Arbeit einigermaßen ordentlich, aber leider nicht perfekt. Die Bildausschnitte werden nicht immer automatisch korrekt erkannt, und auch die Anpassung von Farben und Tonwerten lässt manches Mal zu wünschen übrig. Daher scanne ich mit „Farbe (48 Bit)“ aus PhotoImpact 12 heraus. Den Dateien mit einer Farbtiefe von 16 Bit pro Farbkanal verpasse ich dann in PhotoImpact noch die notwendigen Korrekturen und speichere sie dann als Jpg, wobei sie automatisch auf 24 Bit reduziert werden – nun allerdings unter Ausnutzung des vollen Tonwertumfangs.

Zunächst hatte ich vor, die Diasammlung auch nach dem Scan aufzuheben. Dies führte dazu, dass ich auch manches Dia im Glasrahmen gescannt habe, das sicherlich ohne Glas- und Schmutzschichten wesentlich besser erfasst worden wäre. Als die Entscheidung fiel, die Dias doch nicht aufzuheben, habe ich die Glasrähmchen jeweils entfernt und die Dias für den Scan-Vorgang kurzfristig jeweils in Hamafix-Rähmchen gerahmt. Das geht superschnell und bringt deutlich bessere Ergebnisse. Nur 8 glaslose Rähmchen waren nötig: Während des Scans von 4 Dias wurden die nächsten 4 Rähmchen geleert und neu befüllt. Meine Empfehlung ist daher eindeutig: Lieber umrahmen und ohne Glasrähmchen scannen. Insbesondere Diarähmchen mit Anti-Newton-Glas haben das Scan-Ergebnis bei mir deutlich verschlechtert.

Zu den beiden bisher vorgestellten Scannern noch ein direkter Bildvergleich. Es handelt sich jeweils um einen 100%-Ausschnitt aus den oben gezeigten Aufnahmen von 1959 (im Glasrahmen). Links die Darstellung des 1800dpi-Scanners, rechts das Ergebnis des CanoScan 8800F bei 2400dpi. Das CanoScan-Bild wurde zwecks besserer Vergleichbarkeit entsprechend nachgeschärft, ansonsten sind die Ausschnitte aber unbearbeitet (für die 100%-Darstellung bitte anklicken):

100% Crop aus beiden Scans
Links: Film Scanner 1800. Rechts: CanoScan 8800F mit 2400dpi

Wie man sieht, darf man von den zusätzlichen dpi bei durchschnittlichen Hobbydias auch keine Wunder erwarten. Auch mit 2400 ppi werden nicht wirklich mehr Details sichtbar als mit 1800 ppi. Bei professionelleren Aufnahmen wird dies natürlich anders sein, aber da nimmt man auch besser einen professionelleren Scanner. In Anbetracht der geringen heutigen Speicherpreise und des doch erheblichen Aufwandes würde ich aber dennoch bei Kleinbilddias ein Scannen mit mindestens 2400 ppi empfehlen.

Der Test des CanoScan 8800F auf filmscanner.info hat ergeben, dass die tatsächliche optische Auflösung etwa 1600 ppi beträgt, auch wenn man im Scanprogramm eine höhere Auflösung einstellt. Man bekommt dann zwar mehr Pixel, aber nicht wirklich mehr Bildinformationen. Daher scanne ich auch nur mit 2400 ppi und nicht höher. Generell kann man bei Flachbettscannern nicht erwarten, dass sie tatsächlich so hoch auflösen wie richtige Filmscanner. Für meine Hobby-Zwecke kann ich allerdings mit diesem recht preiswerten Kompromiss gut leben. Ohnehin werden die alten Dias nun hauptsächlich am Rechner betrachtet und nicht großformatig in Hochglanzmagazinen veröffentlicht.

Das oben gezeigte großväterliche Bild vom Kölner Ebertplatz hat es übrigens bis zum Titelfoto eines Buches gebracht – daher der Neuscan, den ich Euch hier zum Vergleich vorstellen konnte. Das Buch findet Ihr z.B. auf Amazon: Vom Adolf-Hitler-Platz zum Ebertplatz.

Schnell und roh: Dias abfotografieren

Mittlerweile gibt es einige optimistisch stimmende Berichte von Hobbyfotografen, die ihre Diasammlung mit der Digitalkamera digitalisiert haben. Statt langem Scan-Vorgang wird dabei jedes Dia kurz abfotografiert. Wenn man dazu einen Diaprojektor umrüstet, geht dies recht schnell. Die Dias können in den Magazinen bleiben – nur Hochformataufnahmen sollte man vorher drehen.

Stünde ich noch einmal vor dieser Aufgabe, würde ich diesen Weg wählen. Aber meine Sammlung ist mittlerweile gescannt; daher kommt es für mich zu spät. Zwei Erfahrungsberichte möchte ich hier verlinken:

Dias schnell digitalisieren
Dias abfotografieren – oder: der schnellste Weg zum guten Digibild

Im Prinzip finde ich die beiden Schilderungen sehr überzeugend. Gegenüber den hier aufgeführten Arbeitsweisen würde ich allerdings folgende Änderungen ausprobieren:

Auch wenn man mit fest eingestellter Belichtung den kompletten Kontrastumfang in einer Raw-Datei abbilden kann, so würde es mir bei meinen früher oft fehlbelichteten Aufnahmen nicht darum gehen, die Helligkeits- und Farbeigenschaften des Dias möglichst exakt wiederzugeben. Ich würde vielmehr eine automatisch optimierte Wiedergabe bevorzugen. Unterbelichtete Bilder dürften ruhig aufgehellt abfotografiert werden – also mit längerer Belichtungszeit. Daher erscheint mir ein Versuch mit Zeitautomatik (Av) und Blende 16 recht sinnvoll. Natürlich muss man darauf achten, dass dadurch nicht helle Tonwertbereiche abgeschnitten werden, also eventuell Zeitautomatik mit leichter Minuskorrektur.

Auch farbstichige Aufnahmen (z.B. bei Tageslichtfilm im Kunstlicht) könnten sich vermutlich automatisch korrigieren lassen, wenn man der Kamera den automatischen Weißabgleich erlaubt. Da man in Raw digitalisiert, lassen sich spätere Korrekturen des Weißabgleichs nötigenfalls noch immer verlustfrei vornehmen. In den meisten Fällen dürfte aber der automatische Weißabgleich ganz ordentliche Ergebnisse bringen.

Wer selber praktische Erfahrungen mit dem Abfotografieren von Dias gemacht hat, kann uns ja hierzu unten in den Leserkommentaren zu dieser Seite seine Meinung schildern.

Luxus mit kleinen Tücken: Magazinscanner

Gerade wollte ich meinem Vater die im vorigen Unterabschnitt geschilderte Abfotografiererei schmackhaft machen, da kam er mit einem Gegenvorschlag: Sein Bruder habe nämlich einen Magazinscanner, den er ihm evtl. für einige Wochen oder Monate leihen könnte. Das erschien uns daher als die einfachste Variante, ohne große Experimente und handwerkliche Eingriffe.

Als er den Diascanner abgeholt hatte, fuhr ich einen Tag lang hin, um die Scan-Software zu installieren und eine Einführung in die Bedienungs-Grundlagen zu geben. Es handelt sich um einen Reflecta DigitDia 4000, ein Gerät der Preisklasse über 1000 Euro, von dem mittlerweile der Nachfolger DigitDia 5000 erschienen ist.

Cyberview: Falscher Bildzuschnitt bei Tiff-SpeicherungDie ersten Versuche mit der Cyberview-Software waren allerdings ernüchternd. Wir wollten zwecks höherer Farbtiefe als Tiff-Dateien scannen, aber die Bilddateien enthielten jeweils ein quadratisches Bild, in dem die untere Bildhälfte über dem ansonsten korrekt dargestellten Dia ein zweites Mal zu sehen war – so wie rechts in der Abbildung gezeigt. Auf der Suche nach einer Lösung für diesen Bildfehler stießen wir dann auf den Hinweis, lieber gleich die ebenfalls beiliegende Software Silverfast AI zu verwenden.

Silverfast steht zwar in dem Ruf, sehr gute Scan-Ergebnisse liefern zu können, aber die Bedienung ist wenig intuitiv und ziemlich ungewöhnlich. Zum Glück ließ sich eine gelungene Anleitung ergurgeln, nämlich diese Pdf-Datei von jostark.de:

Scannen von Dias mit Reflecta DigitDia 4000 und Silverfast AI

Also die Seiten 2 bis 9 ausgedruckt (Seite 1 ist nur maximale Tintenverschwendung) und los gingen unsere Versuche mit Silverfast. Gegenüber der ausführlich geschriebenen Anleitung haben wir nur wenige Änderungen vorgenommen:

Auf Seite 5 wird in der unteren Dialogbox zweimal „Adobe RGB“ eingestellt. Dies erscheint mir für die meisten Hobby-Anwender wenig empfehlenswert. Solange man zuhause nicht sämtliche Arbeitsschritte der Fotobearbeitung kalibriert und für das Adobe-RGB-Farbprofil vorbereitet hat – von der Erzeugung (Scanner, Digitalkamera) über die Bildbearbeitung bis zur Ausgabe (Drucker, externer Fotobelichter) – solange erscheint mir die Verwendung des erweiterten Farbraums Adobe RGB nicht sinnvoll. Man handelt sich eher seltsame Probleme mit flauen Farben etc. ein. Also diese Einstellungen besser auf „sRGB“ belassen, dem allgemeinen Standard.

Das auf Seite 9 empfohlene nachträgliche Verkleinern der 3600ppi-Scans auf 85% (mit einem batchfähigen Bildbearbeitungsprogramm) haben wir auch weggelassen. Wenn nötig, kann man dies später noch immer machen. Der zusätzliche Arbeitsschritt spart zwar etwas Speicherplatz, aber wirkliche Vorteile kann ich darin nicht erkennen – eher das Risiko, dass die Bildqualität doch darunter leiden könnte. Dann lieber die Jpg-Dateien so lassen, wie sie sind. Festplattenplatz ist ja heutzutage nicht mehr soooo knapp.

Silverfast AI: Jpg-SpeicherfehlerNachdem die erste Urlaubsreise mit knapp 500 Dias (in 10 Magazinen) gescannt wurde, konnten wir folgendes Zwischenfazit ziehen: Bei 5 oder 6 Dias traten seltsame Bildfehler auf – wie rechts zu sehen. Etwa 1% der Bilder erforderten also einen zweiten Scan. Offenbar kommt die Windows-Version von Silverfast AI da bei der Jpg-Speicherung durcheinander. Eine Internetsuche und eine Problembeschreibung im Traumflieger-Forum brachte leider auch keine Lösung. Beim Zweitscan der fehlerhaften Bilder waren noch immer 2 von 5 fehlerhaft (40%!). Aber beim dritten Versuch packte es der Scanner dann. (Bei Versuch 4 würde ich das Dia um 90 Grad drehen und nach dem Scan zurückdrehen, um den Jpg-Algorithmus auszutricksen.) Ein ärgerlicher Fehler, aber man kann damit leben, da er ja nur sehr selten auftritt. In jedem Fall sollte man sich die Scans in voller Bildschirmgröße kritisch anschauen, bevor man die entsprechenden Dias ausrangiert.

Soweit also bisher meine Erfahrungen und Tipps zum Thema Diascan. Praktisch wäre es, wenn sie sich entsprechend auch auf Kleinbild-Negative übertragen ließen, denn davon habe ich auch noch einige tausend in mehreren Fotokisten. Den Negativen wird man jedoch nicht so leicht mit Magazinscannern oder mit Abfotografieren beikommen können, denn sie sind bekanntlich nicht gerahmt. Da wird’s wohl irgendwann einmal auch der Flachbettscanner richten müssen…

Frisch auf dem Leuchttisch: Paris 1954

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Schwarzweißfotos aus Raw-Dateien

Adieu Farbe: S/W-Fotos aus Raw-Dateien erzeugen

Moderne Digitalkameras bieten oft neben dem üblichen Verfahren, Bilder als JPG-Dateien zu speichern, auch eine Speicherung als Raw-Datei an. Doch manch ein Digitalfotograf schreckt davor zurück, weil er meint, die Nachbearbeitung wäre wohl sehr kompliziert. Zu Unrecht, denn selbst bei nur geringfügiger Nachbearbeitung bieten Fotos aus Raw-Dateien bessere Qualität, viel mehr Möglichkeiten und einfachere Handhabung. An einem Beispiel möchte ich hier zeigen, wie einfach dies ist.

Raw-Dateien werden oft als „digitale Negative“ bezeichnet. Denn genauso wie ein Negativ aus einem Filmstreifen ermöglicht, Abzüge mit unterschiedlichen Einstellungen zu machen (mehr oder weniger Farbsättigung, Kontrast, Helligkeit, etc.), bieten auch Raw-Dateien diese Möglichkeiten. Und zwar (genau wie beim Negativ) ohne dass dabei das „Negativ“ verändert wird. Daher spricht man auch von der „Entwicklung“ von Raw-Dateien. So kompliziert wie in der Dunkelkammer ist es jedoch bei Weitem nicht.

Haupt-Vorteil von Raw-Dateien ist, dass die Einstellungen jederzeit verändert und wieder ohne Verluste zurückgenommen werden können. Dies ist deshalb möglich, weil in der Raw-Datei die Pixel quasi so gespeichert sind, wie der Kamera-Sensor sie sieht. Alle Einstellungen, die bei Speicherung als JPG direkt in der Kamera auf das Bild angewendet werden (Farbsättigung, Nachschärfung, Weissabgleich, etc.) können in der Raw-Datei noch nachträglich verändert werden – und zwar verlustfrei. Man muss sich also nicht mehr ärgern, wenn man z. B. den Weissabgleich in der Kamera nicht richtig eingestellt hatte oder wenn man eine andere Einstellung von Kontrast, Farbsättigung oder Schärfe hätte wählen sollen. Man kann es nachträglich kinderleicht und ohne Qualitätsverluste verändern. Dass die Bearbeitung von Raw-Dateien gar nicht schwierig ist, zeigt das folgende Beispiel:

Raw-Datei öffnen

Screenshot 1
Schritt 1: Raw-Datei öffnen

Kameras, die Raw-Dateien aufzeichnen können, liegt gewöhnlich mindestens ein Programm bei, mit dem diese Dateien auch bearbeitet werden können. Denn im Gegensatz zu allgemein üblichen Bilddatei-Formaten wie JPG oder TIF kocht bei Raw jeder Hersteller bei fast jedem Kamera-Modell sein eigenes Süppchen. Das ist auch leicht verständlich, wenn man bedenkt, dass es ja sozusagen die Roh-Daten des Kamera-Sesors sind, und auch die Bildsensoren und die interne Nachbearbeitung bei verschiedenen Kamera-Modellen meist unterschiedlich sind.

Freundlicherweise hat mir Ilonka gestattet, einen Schnappschuss von ihr als Beispiel-Foto zu verwenden. Entstanden ist das Bild mit Tele und Bildstabilisator bei einem Besuch im Wildpark bei trübem Winterwetter. Daher auch die Einstellungen von ISO 800 und Blendenautomatik mit 1/100stel Sekunde Verschlusszeit. Diese Zeit ist dank Bildstabi auch mit 300mm Tele noch ohne Verwackler aus der Hand aufzunehmen.

Als Programm für die Raw-Bearbeitung lag meiner Canon EOS 20D das Programm „EOS Viewer Utility“ bei – neuere EOS-Kameras haben das Programm DPP (Digital Photo Professional) im Lieferumfang, auf das ich mittlerweile auch umgestiegen bin, wie das Tutorial zeigt, wenn man dem Link folgt. Die Screenshots dieser Seite (die sich durch Anklicken vergrößern lassen) sind aber noch mit dem EOS Viewer Utility entstanden, was im Prinzip ganz ähnlich arbeitet. Es gibt zwar Raw-Konverter, die wesentlich umfangreichere Einstellmöglichkeiten bieten, aber Zweck dieser Seite soll ja sein, die Einfachheit der grundlegenden Raw-Bearbeitung zu zeigen.

Mit dem EOS Viewer Utility lassen sich die Dateien auch über USB-Kabel von der Kamera abholen – sowohl Jpgs als auch Raw-Dateien. Wie man sieht, tragen Raw-Dateien der 20D die Datei-Endung „.CR2“. Man bekommt die Bilder übersichtlich als Miniaturen angezeigt und kann (wie hier zu sehen) auch ein Bild größer darstellen lassen und mit STRG-T ein Extra-Fenster für die „RAW-Einstellung“ öffnen.

Digitale Belichtungskorrektur

Screenshot 2
Schritt 2: Belichtungskorrektur

Der Schnappschuss erscheint auf dem ersten Bild etwas zu dunkel. Deshalb schieben wir den Schieberegler „Digitale Belichtungskorrektur“, den man oben links in dem Einstellungs-Fenster sieht, ein Stück nach rechts. Bei 0,7 Blendenstufen hellerer Belichtung sieht das Bild doch schon ein Stück freundlicher aus, oder?

Histogramm

Bei der digitalen Belichtungskorrektur sollte man das „Histogramm“ im Auge behalten, das im Programm oben rechts angezeigt wird. Es zeigt die Verteilung der Helligkeitswerte im Bild. Ganz links sieht man die Menge der sehr dunklen Pixel; ganz rechts die der hellen. Da dieses Foto aber keine wirklich weissen Flächen hat, ist es ganz okay, wenn die Histogramm-Kurve auch nach der digitalen Belichtungskorrektur nicht bis ganz nach rechts reicht.

Gut ist es bei den meisten Fotos, wenn im Histogramm weder ganz links (bei schwarz) noch ganz rechts (bei weiss) eine große Pixelzahl angezeigt wird. Denn dies würde bedeuten, dass ganz dunkle bzw. ganz helle Partien im Bild ohne Zeichnung sind. Aber das kennen die meisten sicherlich schon von ihrer Digitalkamera bzw. aus dem Bildbearbeitungs-Programm. Näheres zu Histogrammen und Tonwertkorrekturen gibt es in Lektion 5 des Aufbaukurses.

Will man das Foto als Farbbild verwenden, kann man es an dieser Stelle schon konvertieren und als Jpg- oder Tif-Datei speichern. Doch auf dieser Seite geht es ja um Schwarz-Weiß-Fotos, und daher kommen zunächst noch zwei weitere Schritte:

Umstellen auf Schwarz/Weiß

Screenshot 3
Schritt 3: Umstellen auf S/W

Mit einem einzigen Klick kann man das Foto auf „S/W“ umstellen lassen. Und bei Nichtgefallen natürlich auch gleich wieder zurück auf „Standard“, denn die Farb-Informationen werden bei Raw-Dateien ja nicht gelöscht, sondern bleiben erhalten.

Natürlich hätte man auch gleich in der Kamera den S/W-Modus aktivieren können und schwarz-weiße Jpg-Dateien abspeichern lassen können. Aber dann hätte man die Farb-Informationen für immer verloren und könnte nicht zuhause in aller Ruhe probieren, für welches Motiv sich S/W lohnt und welches besser in Farbe bleibt.

Übrigens, um weiterem „Gemecker“ in den Kommentaren vorzubeugen (siehe z.B. hier): Ich verwende hier den Begriff „Schwarzweiß“ so, wie er landläufig eingesetzt wird, auch wenn es natürlich korrekterweise „Graustufen“ sind und nicht bloß Schwarz und Weiß. Aber wenn jemand von Schwarzweißfoto oder Schwarzweißfilm spricht, dann ist ja auch klar, was gemeint ist.

Filtereffekte anwenden

Screenshot 4
Schritt 4: Filtereffekt Rot

Professionelle S/W-Fotografen haben schon vor vielen Jahrzehnten erkannt, dass sich die Wirkung von Schwarz-Weiß-Fotos durch Vorsetzen von Farbfiltern vor das Objektiv stark beeinflussen lässt. Natürlich sieht man die Farbtönung bei Schwarzweiß-Film nachher im Foto nicht, aber wenn man beispielsweise einen Orangefilter für die Aufnahme eines blauen Himmels mit weißen Wolken verwendet, wird das Himmelsblau durch das Filter-Orange stark abgedunkelt, während das Weiß der Wolken kaum beeinflusst wird. Die Folge sind Landschaftsaufnahmen mit ganz tollen Wolken-Kontrasten. Ein S/W-Fotograf hat daher häufig eine ganze Reihe knallbunter Farbfilter in seiner Fototasche.

An Digitalkameras wie z.B. Canons 20D oder 350D (und Folgemodelle) gibt es die Möglichkeit, die Wirkung solcher S/W-Farbfilter elektronisch zu simulieren, so dass man sich Kauf und Mitschleppen dieser S/W-Filter getrost sparen kann. In den Tiefen des Kameramenüs finden sich die Einstellungen für S/W-Fotos und dort auch die entsprechende Auswahl der Filter Gelb, Orange, Rot und Grün. Man kann so den entsprechenden Filter schon bei Aufnahme auswählen und sieht dann das Ergebnis auf dem Monitor in Schwarz/Weiß mit dem entsprechenden Filter-Effekt. Hat man die Aufnahme in Raw gemacht, kann man dies aber auch nachträglich in der Software erledigen. Daher fotografiere ich generell in Farbe und Raw, so dass ich die unterschiedliche Wirkung der Farbfilter nachträglich am PC beurteilen kann. Auf der Woodstuff-Homepage und auf der Seite Wallis BirdNovember 2007 in Köln finden sich zahlreiche S/W-Fotos von mir, die nachträglich im EOS Viewer Utility gefiltert wurden.

Für das Beispielfoto dieser Seite habe ich die Filterung in Rot ausgesucht, da das Rotfilter den schönen Effekt hat, Hauttöne zu glätten und eventuell vorhandene leichte Hautunreinheiten zu kaschieren. Heraus kommt ein gelungenes S/W-Foto, das ganz einfach in 4 Schritten erzeugt wurde.

Nach Auswahl des gewünschten Filters sollte man noch einmal einen Blick auf Histogramm und Helligkeits-Eindruck werfen, denn je nach Filter ändert sich die Wirkung des Fotos unter Umständen deutlich. In unserem Beispiel kann man es aber so lassen, finde ich.

Screenshot 5
Schritt 5: Konvertieren / speichern

Nun fehlt nur noch ein Rechts-Klick auf das Foto, so dass sich das Kontextmenü öffnet (oder Drücken von STRG-S). Dort lässt sich der Menüpunkt „Konvertieren und in Datei speichern“ auswählen. Dann öffnet sich ein weiteres Fenster, in dem die Möglichkeit besteht, die Raw-Datei entweder als JPEG oder als TIFF abzuspeichern. Diese Dateien kann man dann gut zur weiteren Verwendung des Fotos in der Bildbearbeitung (PhotoShop, PhotoImpact, GIMP, TOP-Tool, etc.) nutzen. Bei Bildern für meine Homepages werden die Fotos dort noch verkleinert, nachgeschärft, mit dem Website-Schriftzug versehen und als Jpg in meinem Homepage-Verzeichnis gespeichert. Aber dies ist eine andere Geschichte.

Wie man sieht, ist die „Entwicklung“ von RAW-Dateien („digitalen Negativen“) gar nicht so schwer. Selbst die Erstellung hochwertiger Schwarz-Weiß-Fotos ist so deutlich einfacher als in der Bildbearbeitung. Daher kann ich jedem, dessen Kamera RAW unterstützt, die Verwendung nur sehr empfehlen. Nur wenn der Platz auf der Speicherkarte mal knapp wird oder wenn eine längere Sequenz von schnellen Serienaufnahmen benötigt wird, wechsele ich in der Kamera zum Jpg-Format, denn aufgrund der Größe der Raw-Dateien brauchen diese mehr Platz und länger zum Speichern.

Und selbstverständlich muss man nicht jedes Bild einzeln öffnen und konvertieren. Nach einer Foto-Tour übertrage ich die Raw-Dateien auf den Rechner und betrachte diese dann der Reihe nach mit dem Raw-Programm. Dort kann ich gleich die Belichtung optimieren und misslungene Bilder löschen. Wenn alle Bilder gesichtet sind, markiere ich sie alle gleichzeitig und wähle dann für alle noch vorhandenen Bilder „Konvertieren und in Datei speichern“. Bei vollem Chip dauert das dann zwar etliche Minuten, aber in der Zeit kann man ja auch mal was anderes machen. Daher kann man bestimmt nicht sagen, die Raw-Bearbeitung sei zu  zeitaufwändig. Selbst wenn ich gar nicht optimiere und gleich alle Dateien konvertiere, habe ich immer noch die gleiche Qualität wie bei Jpg-Fotografie. Aber selbst mit wenigen Sekunden digitaler Belichtungskorrektur der Raw-Dateien holt man jedoch schon eine ganze Menge mehr Qualität heraus. Näheres hierzu findet sich in dem Workflow-Artikel Raw-Bearbeitung.

Wirkung von SW-Filtern

Apfelkiste, farbig
Farbfoto

Wie kommt es eigentlich, dass ein Orangefilter die Kontraste weißer Wolken am blauen Himmel verstärkt, während ein Rotfilter die Haut glatter erscheinen lässt? Kann man die Wirkung von Filtereffekten in der S/W-Fotografie im Voraus abschätzen? Um dieser Frage nachzugehen, lohnt sich ein genauerer Blick auf die rechts abgebildeten 4 Versionen des gleichen Raw-Fotos. Für das Foto habe ich die Kamera zum Einkauf mitgenommen und gehofft, dass ich kein Hausverbot kriege, weil ich die heilige Ordnung in der Obst-Theke durcheinanderbringe. ;-)

Apfelkiste, SW
S/W ohne Filter

Zunächst einmal sieht man das Farbfoto und die einfache S/W-Konvertierung ohne Filter. Der rote Apfel, der sich in Farbe sehr kräftig von den grünen Äpfeln abhebt, ist in der S/W-Version ohne Filter nur bei genauerem Hinsehen von seinen Kollegen zu unterscheiden. Die beabsichtigte Bildaussage geht verloren, denn offenbar wollte der Fotograf ja einen Einzelgänger zeigen – einen, der sich durch Andersartigkeit von der Masse abhebt.

Apfelkiste, Rotfilter
S/W mit Rotfilter

Völlig verloren geht dieser Effekt bei der S/W-Konvertierung mit Rotfilter. Das Rot des Außenseiter-Apfels wird durch das Rotfilter aufgehellt. Wer einen solchen Filter zur Hand hat (oder ein rotes Glas, 3D-Brille, etc.) kann dies testen: Rote Farbtöne erscheinen im Rotfilter heller, während die Komplementärfarbe Grün stark abgedunkelt wird.

Der Abdunklungs-Effekt fällt jedoch bei dem Apfelkisten-Foto nicht auf, denn genauso wie die Kamera beim Fotografieren durch einen Filter die Belichtung entsprechend gegenkorrigiert, gleicht auch der Filtereffekt der Software die Helligkeit des Gesamtfotos entsprechend an.

Apfelkiste, Grünfilter
S/W mit Grünfilter

Fotografiert man jedoch durch einen Grünfilter (bzw. lässt die Software dies simulieren), hebt sich der rote Apfel ganz deutlich von den grünen Äpfeln ab. Auch im Schwarz-Weiß-Foto wird so der beabsichtigte Effekt des originalen Farbfotos gut wiedergegeben. Der Grünfilter wirkt aufhellend auf die grünen Äpfel, während er die Komplementärfarbe Rot des Außenseiter-Apfels abdunkelt.

Fassen wir also zusammen: Farbfilter in der Schwarz-Weiß-Fotografie bewirken, dass der Filterfarbe ähnliche Farbtöne aufgehellt werden, während entgegengesetzte Farben abgedunkelt werden.

Würde man den Wolkenhimmel beispielsweise durch ein Blaufilter fotografieren, so würden sich die Wolken-Kontraste vermindern, was nur in den seltensten Fällen gewünscht sein dürfte. Himmel mit wenig Zeichnung gibt es ja oft genug. Daher nimmt man für Wolkenbilder lieber ein Gelb-, Orange- oder Rotfilter, was die Kontraste anhebt.

Bei S/W-Portraits nimmt man ebenfalls gerne ein Rotfilter, weil die (meist etwas rötlichen) Hautunreinheiten dadurch abgemildert werden und die Haut damit einen glatteren Teint bekommt. Für Fotos der Exfrau oder Exfreundin empfehle ich hingegen einen Grünfilter, wenn man diese Bilder schon veröffentlichen muss… ;-)

Soviel erst einmal zur S/W-Bearbeitung von Raw-Dateien. Einiges mehr über Raw-Konvertierung steht unter dem Thema „Mein Arbeitsablauf“ in dem schon oben verlinkten Tutorial zu DPP. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich mit Raw-Nachbearbeitung vertraut zu machen, wenn die eigene Digitalkamera schon diese Möglichkeit bietet.

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Mein Arbeitsablauf 2: Raw-Bearbeitung

2. Sortieren, Bearbeiten, Konvertieren

Digital Photo ProfessionalZum Bearbeiten der Raw-Dateien verwende ich derzeit das Canon-Programm Digital Photo Professional (vereinfacht DPP genannt), das bei meiner digitalen EOS mit dabei war. Es ist deutlich leistungsfähiger als das EOS Viewer Utility, das ich früher verwendet habe – siehe Lektion Schwarzweiß (Raw). Außerdem läuft es auch unter Windows Vista.

Die Beispielfotos stammen von unserer „Karnevalsflucht“ nach Bremerhaven, wo wir uns das Segelschiff Seute Deern angeschaut haben. Daher wurde zunächst das passende Verzeichnis „09-02-24 Bremerhaven, Segelschiff Seute Deern“ angelegt und die 30 Cr2-Dateien hineinkopiert. Wenn man dieses Verzeichnis nun in DPP öffnet, sieht man die Fotos als Miniaturbilder.

Digital Photo ProfessionalZunächst wähle ich mit dem Button „Alles Markieren“ alle Bilder aus und starte dann über das Menü „Extras“ (oder Alt+Q wie quick) das Schnellüberprüfungs-Werkzeug. Mit ihm kann man jedem Foto eine (Bewertungs-)Nummer von 1 bis 3 („Häkchen“) zuteilen. Bei großen Serien wie z.B. Konzertfotos vergebe ich 1 für die besten Bilder und 2 für noch brauchbare Fotos. Mit 3 kennzeichne ich alle Bilder, die ich im nächsten Schritt löschen möchte, weil sie unscharf oder verwackelt sind, etc. Bei kleineren Serien wie z.B. diesen 30 Fotos vom Segelschiff spare ich mir gewöhnlich die Vergabe der Häkchen 1 und 2 und kennzeichne nur die auszusortierenden Fotos mit der Nummer 3.

Nach Markierung der zu löschenden Fotos schließe ich das Schnellüberprüfungs-Werkzeug mit dem OK-Button. Im Menü Bearbeiten findet man den Eintrag „Nur Häkchen3 Bilder auswählen“, so dass nur die zu löschenden Bilder markiert sind. Mit „Löschen“ im Datei-Menü (oder der „Entf“-Taste) lassen sich die unbrauchbaren Bilder dann einfach aus den Miniaturen und von der Festplatte entfernen.

Digital Photo ProfessionalNach dem Aussortieren der unbrauchbaren Fotos werden die noch verbliebenen Bilder nun wieder mit dem Button „Alles markieren“ ausgewählt, und mit dem Button „Werkzeug“ wird die Werkzeugpalette angezeigt. Bevor ich die Bilder im Einzelnen behandele, kann ich hier für alle ausgewählten Bilder gemeinsam z.B. den Kontrast von -1 auf 1 erhöhen, was mir bei diesen Bildern sinnvoll erscheint, da es ja ein recht trüber Tag war.

Ich könnte z.B. auch den Weißabgleich für alle Fotos auf einen bestimmten Wert stellen, aber hier ist er ja ganz okay auf „Aufnahme-Einstellungen“. Dank Raw sind alle diese Änderungen verlustfrei und auch jederzeit wieder zurücknehmbar.

Digital Photo ProfessionalNun geht es an die individuelle Bearbeitung jedes einzelnen Fotos. Was kompliziert und zeitaufwändig klingt, ist aber auch recht schnell erledigt. Zunächst wieder alle Bilder markieren (auswählen) und dann den Button „Bearbeit.-Fenster“ drücken. In der linken Spalte sieht man die Miniaturansichten der ins Bearbeitungsfenster übernommenen Bilder, die sich mit dem entsprechenden Button ein- und ausschalten lassen. Das Werkzeug-Fenster muss nun eingeblendet werden. Auch empfiehlt es sich, im Menü „Ansicht“ die Funktionen „Lichter“ und „Schatten“ auszuwählen, damit man eine sichere Kontrolle hat, welche Bereiche des Bildes ‚abgesoffen‘ (also komplett schwarz) bzw. ausgebrannt (also komplett weiss) sind. Unter Extras-Einstellungen kann man übrigens festlegen, wie groß die Bereiche für die Lichter/Schatten-Warnung sein sollen. Ich habe gewöhnlich eingestellt, dass mir die Helligkeitswerte 0 bis 2 als Schatten in blau angezeigt werden, während die Werte 253 bis 255 als Lichter in rot erscheinen.

Das Beispielfoto zeigt, dass hier große Teile des Motivs ausgebrannt, also überbelichtet, sind. Aber über die beiden Regler Helligkeit und Kontrast lässt sich dies noch gut korrigieren.

Digital Photo ProfessionalEinfach den Kontrast (wieder) auf -1 gestellt und die Helligkeit um eine halbe Blende reduziert, und schon ist die komplette Nabe des Steuerrades korrekt wiedergegeben. Nur im weißen Himmel des Hintergrunds bleiben ausgefressene Bereiche übrig, was dort aber nicht schlimm ist.

Mit den Buttons „Voriges Bild“ und „Nächstes Bild“ – oder über die Miniaturansichten am linken Bildrand – holt man sich nun jedes Bild in die Bearbeitungs-Ansicht und schiebt den Helligkeitsregler so, dass möglichst wenig rote bzw. blaue Bereiche zu sehen sind. Einige Spitzlichter dürfen ruhig ausgebrannt sein, und einige der dunkelsten Schattenpartien dürfen ruhig schwarz sein. Aber es sollte sich möglichst auf kleine Flecken beschränken.

Wenn es keine passende Helligkeitseinstellung gibt, dann kann man den Kontrast wieder etwas zurücknehmen. Die allermeisten Fotos lassen sich mit diesen beiden Reglern schon recht gut korrigieren, ohne Einarbeitung in die höheren Weihen der Steuerung über Raw- und RGB-Histogramm, die DPP für den fortgeschrittenen Benutzer ebenfalls anbietet.

Digital Photo ProfessionalIm Menü Extras erreicht man das Bildausschnitt-Werkzeug (oder mit Alt+C wie „Crop“), das sich bei diesem Motiv anbietet. Einfach das gewünschte Seitenverhältnis einstellen (hier 2:3 für Hochformat), sofern man den Beschnitt im gleichen Seitenformat haben möchte wie die sonstigen Bilder. Und dann kann man den Auswahlbereich durch Ziehen und Schieben bestimmen. Zwar hat das daraus erzeugte Jpg dann weniger Pixel, aber der neue Bildausschnitt betont das Motiv umso besser.

All diese Korrekturen lesen sich hier zwar vielleicht etwas langatmig, aber schon mit ein wenig Übung sind sie in wenigen Sekunden pro Bild gemacht. Als Ergebnis erhält man dann im Endergebnis optimierte Jpg-Dateien, während Jpg-Dateien direkt aus der Kamera entweder zufällig genau richtig oder – wahrscheinlicher – mehr oder weniger falsch belichtet sind. Und man hat sich seine Fotos schonmal gründlich angeschaut – bei manchen Serien vermutlich zum letzten Mal für Jahre.

Digital Photo ProfessionalWenn alle Bilder bearbeitet sind, geht’s mit dem entsprechenden Button zurück ins Hauptfenster. In der dortigen Miniaturansicht kann man gut sehen, dass die meisten Bilder in der Belichtung korrigiert wurden. Auch eventuell vorgenommene Ausschnitte werden deutlich angezeigt.

Bevor es nun ans Konvertieren der Raw-Bilder in Jpg-Dateien geht, speichere ich zunächst einmal die Raw-Änderungen. Dafür gibt es wie üblich im Datei-Menü mehrere Optionen. Oder – so habe ich es mir angewöhnt – ich klicke einfach in der Ordneransicht auf ein benachbartes Verzeichnis, dann fragt mich DPP, ob ich die geänderten Bearbeitungen in den Raw-Dateien speichern möchte. „Ja, alle“!

Digital Photo ProfessionalDer letzte Schritt in DPP ist die Konvertierung, also die Erzeugung von Jpg-Dateien aus den Cr2-Rawfotos. Dafür werden wieder alle Fotos ausgewählt und dann ganz rechts im Hauptfenster auf den Button „Batch-Verarbeitung“ geklickt. Es öffnet sich ein Dialogfenster, das in einer Spalte links die ausgewählten Dateien anzeigt.

Oben sollte man festlegen, wo die Jpgs gespeichert werden sollen – hier stelle ich den gleichen Ordner ein, in dem auch die Cr2-Dateien liegen, also „09-02-24 Bremerhaven, Segelschiff Seute Deern“.

Als Qualität reicht mir die Einstellung „Exif-JPEG“ auf Stufe 7, was je nach Motiv immer noch Jpg-Dateien von 1-2 Megabyte Größe (bei meiner 8-Megapixel-Kamera 20D) ergibt. Wer sich nicht so sicher ist, ob ihm die Qualität reicht, kann auch mit Stufe 8 konvertieren – allerdings sind die Dateien dann schon deutlich größer. Da ich die Raw-Dateien ja mit archiviere, kann ich im Bedarfsfall später immer noch einzelne Fotos als Tiff oder als Jpg höherer Qualität neu konvertieren lassen, so dass mir gewöhnlich Stufe 7 reicht.

Als Dateinamen lasse ich „Aktueller Dateiname“ voreingestellt. Grund: Wenn IMG_1607.CR2 und IMG_1607.JPG im gleichen Verzeichnis liegen, erkennt DPP daran, dass es sich um das gleiche Foto handelt und stellt es nur als eine Miniatur dar (aber gekennzeichnet als R+J).

Die Konvertierung läuft dann vollautomatisch und dauert ein paar Minuten. Am Ende aller Mühen steht dann eine Erfolgsmeldung, dass (in diesem Bespiel) 30 Bilder konvertiert wurden und 0 Fehlermeldungen aufgetreten sind.

Weiter geht es mit Schritt drei: Stichwörter vergeben.

Süßes Mädel: Seute Deern