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Meine Bilder vom Lochkamera-Tag

Betriebshof Wesseling (KVB, HGK, ehem. KBE)Den gestrigen „Pinhole Day“ habe ich größtenteils auf der Arbeit verbracht – als Stadtbahnfahrer in Köln und Bonn und dazwischen. Diesmal allerdings begleitet von meiner EOS 60D mit Lochblenden-Deckel statt Objektiv.

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Fotos ohne Linse

Kann man Fotos ganz ohne Objektiv bzw. Linse machen? Aber natürlich! Eine Möglichkeit ist die Lochkamera. (Eine andere wären Fotogramme, aber das ist hier nicht das Thema.) Für Kameras mit Wechselobjektiven kann man sich aus einem Objektivdeckel eine passende Lochblende basteln, oder man kann diese käuflich erwerben. Ich habe mich für letzteres entschieden und besitze nun eine „Rising Pinhole Wide“ für meine Canon-EOS-Kameras. Vorteil dieser „Weitwinkel“-Version gegenüber den Selbstbastellösungen (mit angestochener Alufolie auf dem durchbohrten Objektivdeckel) ist, dass das Loch etwas näher an dem Sensor bzw. der Filmebene sitzt, was einen größeren Bildwinkel ergibt. Dennoch kann man gerade bei APS-C-Sensoren nicht wirklich von Weitwinkel sprechen. Es ist eher ein leichtes Tele.

Richtig Spaß macht die Pinhole-Fotografie eigentlich erst mit großen Filmformaten, aber für ein paar Experimente ist auch die Lochblende an der 60D okay. Der größte Vorteil ist natürlich, dass man im LiveView-Modus einen ordentlichen Blick auf das Motiv hat (also keinen viel zu dunklen Sucher) und dass die Kamera die richtige Belichtung problemlos ermittelt, während man bei Schuhkarton-Lochkameras und anderen Selbstbaulösungen vermutlich eine Menge experimentieren muss, um zu vorzeigbaren Ergebnissen zu gelangen.

Schärfe darf man bei der digitalen Spiegelreflex-Lochkamerafotografie allerdings nicht wirklich erwarten. Wenn das Loch noch kleiner wäre als die angegebenen 0,22mm, wäre es zwar theoretisch schärfer. Aber die Belichtungszeiten würden noch länger (ohnehin ist Stativ Pflicht, außer bei den rauschigen Bildern, wo ich auf ISO 6400 geschaltet habe). Und vor allem würden die Unschärfen durch Beugung noch stärker zunehmen.

Interessant ist jedoch, dass die (Un-)Schärfe gleichmäßig von vorne bis hinten reicht. Es gibt keine Fokussierung, also auch keine Ebene, auf die man scharf stellen könnte. Wenn man bei einem herkömmlichen Objektiv mit kleinster Blende arbeitet (größter Blendenzahl), dann hat man diesen Effekt riesengroßer Schärfentiefe ja auch schon in gewissem Maße. Bei der Lochkamera ist die Blende noch ein Stück kleiner, und damit entfällt die Scharfstellung ganz. Ungewöhnlich, aber logisch.

Hier nun die fotografische Ausbeute eines kleinen Spaziergangs durch unser Dorf in der Spätnachmittagssonne:

Und wenn schon Fotos, die künstlich (auch durch den Farbstich bei der Raw-Bearbeitung) auf „alt“ getrimmt wurden, dann benötigt so ein Bild natürlich auch noch eine falsche „alte“ Vignettierung (Ecken-Abdunklung), eine leichte Struktur im falschen Fotopapier und einen falschen klassischen Goldrahmen. ;-) Das erschreckende Ergebnis sieht dann so aus:

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Dias digitalisieren

Scannen oder abknipsen: Digitalisieren von Dias

Wer schon zu „analogen Zeiten“ viel fotografiert hat, oder wer auch heute im „digitalen Zeitalter“ nicht vor der Verwendung von Filmmaterial zurückschreckt, kennt das Problem: Wie bekommt man die analogen Bilder in guter Qualität und mit möglichst geringem Zeit- und Geldeinsatz in den Rechner? Während es bei Papierbildern kaum Alternativen zu den üblichen Flachbettscannern gibt, eröffnen sich dem (ehemaligen?) Dia-Fotografen verschiedene Wege, von denen ich hier einige vorstellen möchte.

Ich selbst stand schon vor einigen Jahren vor der Frage, wie ich über tausend Dias aus dem fotografischen Nachlass meines Großvaters ins digitale Zeitalter hinüberretten könnte. Von meinen Wegen und Irrwegen bei der Dia-Digitalisierung soll nun die Rede sein. Das Folgende ist daher eine Mischung aus persönlicher Erfahrung und dem Wissen um die heutigen Möglichkeiten, die mir allerdings zunächst noch nicht zur Verfügung standen.

Erste Versuche: Scanner für Einzeldias

Ebertplatz ca. 1959, Fillm Scanner 1800
Film Scanner 1800

Meine ersten Diascan-Versuche machte ich mit einem „Film Scanner 1800“, der baugleich von verschiedenen Anbietern erhältlich war. Meiner war – wenn ich mich recht erinnere – von Mediax, aber bis auf die Gehäusefarbe sah er genauso aus wie das Nachfolgemodell von Reflecta, das auf filmscanner.info als Reflecta Filmscanner i-Scan 3600 vorgestellt wird. Wie die Namen schon vermuten lassen, hatte mein Scanner allerdings nur 1800dpi statt 3600dpi Auflösung, was für einen Kleinbild-Diascan ziemlich wenig ist.

Die Bilder in dem verlinkten Artikel zeigen das Bedienkonzept: Es wird jeweils 1 gerahmtes Dia eingelegt, bzw. 1 Bild eines Dia- oder Negativstreifens kommt unter der Scan-Einheit zu liegen. Dadurch ist man quasi permanent beschäftigt, so dass das Scannen sehr zeitaufwändig ist. Für mittelgroße oder gar große Diasammlungen ist solch ein Gerät m.E. nicht zu empfehlen.

Was die Bild-Auflösung betrifft, sei zunächst folgendes in Erinnerung gerufen: Ein Kleinbild-Dia hat eine Bildfläche von 36 mal 24 mm, das sind knapp 1,5 mal 1 Zoll. Wenn ein Scanner nun lediglich mit 1800 dpi scannt, so ergibt dies ein Bild von knapp 2700 mal 1800 Pixeln – das sind knapp 5 Megapixel. Tatsächlich hat der hier gezeigte Beispiel-Scan in Originalgröße 2480 x 1690 Pixel, das sind etwa 4,2 Megapixel.

Auch in der Internet-Verkleinerung auf etwa 900×600 Pixel ist deutlich erkennbar, dass das Bild (Ebertplatz in Köln, ca. 1959) keine besonders gute Scan-Qualität aufweist. Da der Scanner keine Staub- und Kratzerentfernung aufweist, sieht man z.B. im Bereich des Himmels eine ganze Menge „unbekannte Flugobjekte“, die das Bild nicht gerade verschönern. Und das, obwohl ich den Glasrahmen von außen durchaus geputzt hatte.

Universallösung: Durchlicht-Flachbettscanner

Ebertplatz ca. 1959, CanoScan 8800F
CanoScan 8800F

Schon besser geeignet für mittelgroße Diasammlungen erschien mir in Anbetracht des recht günstigen Preises von knapp 200 Euro ein hochwertiger Flachbettscanner mit Staub- und Kratzerentfernung. Ich entschied mich letzlich für den CanoScan 8800F von Canon. Diesen kann man wahlweise als normalen Flachbettscanner für Papierbilder, Bücher, Briefe, etc. verwenden. Oder aber als Durchlicht-Scanner für Dias und Negative. Dazu wird die weiße Innenseite des Deckels entfernt, so dass dort eine Durchlicht-Einheit freigelegt wird. Auf die Glasscheibe kommt dann einer von 4 mitgelieferten Kunststoffrahmen: Entweder für 4 gerahmte Dias, oder für zwei Streifen Kleinbildfilm (Dia oder Negativ), oder für Mittelformatfilm bzw. Mittelformat-Dias.

Dadurch, dass man 4 Bilder auf einmal einlegt und nach einer schnellen Vorschau mit wenigen Klicks die nötigen Korrekturen eingestellt hat, braucht man während der folgenden ca. 10-15 Minuten Scan-Vorgang nicht die ganze Zeit am Rechner zu bleiben. Man kann also Socken bügeln oder Katze kraulen, etc. Erst wenn es am Rechner wieder so verdächtig still ist, macht man die noch nötige Nachbearbeitung – eventuell eine schnelle abschließende Tonwert- und Farbkorrektur, oder was sonst noch nötig erscheint. Nach dem Speichern der 4 Bilder legt man die nächsten 4 Dias ein und bereitet den nächsten Scan vor, indem man auf Vorschau klickt und die nötigen Einstellungen vornimmt. Zwar dauert es immernoch lange, bis man so einen ganzen Film bzw. ein ganzes Magazin mit 36 oder 50 Aufnahmen gescannt hat, aber man muss nicht permanent irgendwelche Handgriffe machen wie bei einem Einzeldia-Scanner.

Das „Scangear“-Programm, das dem Scanner von Canon beigelegt wurde, macht seine Arbeit einigermaßen ordentlich, aber leider nicht perfekt. Die Bildausschnitte werden nicht immer automatisch korrekt erkannt, und auch die Anpassung von Farben und Tonwerten lässt manches Mal zu wünschen übrig. Daher scanne ich mit „Farbe (48 Bit)“ aus PhotoImpact 12 heraus. Den Dateien mit einer Farbtiefe von 16 Bit pro Farbkanal verpasse ich dann in PhotoImpact noch die notwendigen Korrekturen und speichere sie dann als Jpg, wobei sie automatisch auf 24 Bit reduziert werden – nun allerdings unter Ausnutzung des vollen Tonwertumfangs.

Zunächst hatte ich vor, die Diasammlung auch nach dem Scan aufzuheben. Dies führte dazu, dass ich auch manches Dia im Glasrahmen gescannt habe, das sicherlich ohne Glas- und Schmutzschichten wesentlich besser erfasst worden wäre. Als die Entscheidung fiel, die Dias doch nicht aufzuheben, habe ich die Glasrähmchen jeweils entfernt und die Dias für den Scan-Vorgang kurzfristig jeweils in Hamafix-Rähmchen gerahmt. Das geht superschnell und bringt deutlich bessere Ergebnisse. Nur 8 glaslose Rähmchen waren nötig: Während des Scans von 4 Dias wurden die nächsten 4 Rähmchen geleert und neu befüllt. Meine Empfehlung ist daher eindeutig: Lieber umrahmen und ohne Glasrähmchen scannen. Insbesondere Diarähmchen mit Anti-Newton-Glas haben das Scan-Ergebnis bei mir deutlich verschlechtert.

Zu den beiden bisher vorgestellten Scannern noch ein direkter Bildvergleich. Es handelt sich jeweils um einen 100%-Ausschnitt aus den oben gezeigten Aufnahmen von 1959 (im Glasrahmen). Links die Darstellung des 1800dpi-Scanners, rechts das Ergebnis des CanoScan 8800F bei 2400dpi. Das CanoScan-Bild wurde zwecks besserer Vergleichbarkeit entsprechend nachgeschärft, ansonsten sind die Ausschnitte aber unbearbeitet (für die 100%-Darstellung bitte anklicken):

100% Crop aus beiden Scans
Links: Film Scanner 1800. Rechts: CanoScan 8800F mit 2400dpi

Wie man sieht, darf man von den zusätzlichen dpi bei durchschnittlichen Hobbydias auch keine Wunder erwarten. Auch mit 2400 ppi werden nicht wirklich mehr Details sichtbar als mit 1800 ppi. Bei professionelleren Aufnahmen wird dies natürlich anders sein, aber da nimmt man auch besser einen professionelleren Scanner. In Anbetracht der geringen heutigen Speicherpreise und des doch erheblichen Aufwandes würde ich aber dennoch bei Kleinbilddias ein Scannen mit mindestens 2400 ppi empfehlen.

Der Test des CanoScan 8800F auf filmscanner.info hat ergeben, dass die tatsächliche optische Auflösung etwa 1600 ppi beträgt, auch wenn man im Scanprogramm eine höhere Auflösung einstellt. Man bekommt dann zwar mehr Pixel, aber nicht wirklich mehr Bildinformationen. Daher scanne ich auch nur mit 2400 ppi und nicht höher. Generell kann man bei Flachbettscannern nicht erwarten, dass sie tatsächlich so hoch auflösen wie richtige Filmscanner. Für meine Hobby-Zwecke kann ich allerdings mit diesem recht preiswerten Kompromiss gut leben. Ohnehin werden die alten Dias nun hauptsächlich am Rechner betrachtet und nicht großformatig in Hochglanzmagazinen veröffentlicht.

Das oben gezeigte großväterliche Bild vom Kölner Ebertplatz hat es übrigens bis zum Titelfoto eines Buches gebracht – daher der Neuscan, den ich Euch hier zum Vergleich vorstellen konnte. Das Buch findet Ihr z.B. auf Amazon: Vom Adolf-Hitler-Platz zum Ebertplatz.

Schnell und roh: Dias abfotografieren

Mittlerweile gibt es einige optimistisch stimmende Berichte von Hobbyfotografen, die ihre Diasammlung mit der Digitalkamera digitalisiert haben. Statt langem Scan-Vorgang wird dabei jedes Dia kurz abfotografiert. Wenn man dazu einen Diaprojektor umrüstet, geht dies recht schnell. Die Dias können in den Magazinen bleiben – nur Hochformataufnahmen sollte man vorher drehen.

Stünde ich noch einmal vor dieser Aufgabe, würde ich diesen Weg wählen. Aber meine Sammlung ist mittlerweile gescannt; daher kommt es für mich zu spät. Zwei Erfahrungsberichte möchte ich hier verlinken:

Dias schnell digitalisieren
Dias abfotografieren – oder: der schnellste Weg zum guten Digibild

Im Prinzip finde ich die beiden Schilderungen sehr überzeugend. Gegenüber den hier aufgeführten Arbeitsweisen würde ich allerdings folgende Änderungen ausprobieren:

Auch wenn man mit fest eingestellter Belichtung den kompletten Kontrastumfang in einer Raw-Datei abbilden kann, so würde es mir bei meinen früher oft fehlbelichteten Aufnahmen nicht darum gehen, die Helligkeits- und Farbeigenschaften des Dias möglichst exakt wiederzugeben. Ich würde vielmehr eine automatisch optimierte Wiedergabe bevorzugen. Unterbelichtete Bilder dürften ruhig aufgehellt abfotografiert werden – also mit längerer Belichtungszeit. Daher erscheint mir ein Versuch mit Zeitautomatik (Av) und Blende 16 recht sinnvoll. Natürlich muss man darauf achten, dass dadurch nicht helle Tonwertbereiche abgeschnitten werden, also eventuell Zeitautomatik mit leichter Minuskorrektur.

Auch farbstichige Aufnahmen (z.B. bei Tageslichtfilm im Kunstlicht) könnten sich vermutlich automatisch korrigieren lassen, wenn man der Kamera den automatischen Weißabgleich erlaubt. Da man in Raw digitalisiert, lassen sich spätere Korrekturen des Weißabgleichs nötigenfalls noch immer verlustfrei vornehmen. In den meisten Fällen dürfte aber der automatische Weißabgleich ganz ordentliche Ergebnisse bringen.

Wer selber praktische Erfahrungen mit dem Abfotografieren von Dias gemacht hat, kann uns ja hierzu unten in den Leserkommentaren zu dieser Seite seine Meinung schildern.

Luxus mit kleinen Tücken: Magazinscanner

Gerade wollte ich meinem Vater die im vorigen Unterabschnitt geschilderte Abfotografiererei schmackhaft machen, da kam er mit einem Gegenvorschlag: Sein Bruder habe nämlich einen Magazinscanner, den er ihm evtl. für einige Wochen oder Monate leihen könnte. Das erschien uns daher als die einfachste Variante, ohne große Experimente und handwerkliche Eingriffe.

Als er den Diascanner abgeholt hatte, fuhr ich einen Tag lang hin, um die Scan-Software zu installieren und eine Einführung in die Bedienungs-Grundlagen zu geben. Es handelt sich um einen Reflecta DigitDia 4000, ein Gerät der Preisklasse über 1000 Euro, von dem mittlerweile der Nachfolger DigitDia 5000 erschienen ist.

Cyberview: Falscher Bildzuschnitt bei Tiff-SpeicherungDie ersten Versuche mit der Cyberview-Software waren allerdings ernüchternd. Wir wollten zwecks höherer Farbtiefe als Tiff-Dateien scannen, aber die Bilddateien enthielten jeweils ein quadratisches Bild, in dem die untere Bildhälfte über dem ansonsten korrekt dargestellten Dia ein zweites Mal zu sehen war – so wie rechts in der Abbildung gezeigt. Auf der Suche nach einer Lösung für diesen Bildfehler stießen wir dann auf den Hinweis, lieber gleich die ebenfalls beiliegende Software Silverfast AI zu verwenden.

Silverfast steht zwar in dem Ruf, sehr gute Scan-Ergebnisse liefern zu können, aber die Bedienung ist wenig intuitiv und ziemlich ungewöhnlich. Zum Glück ließ sich eine gelungene Anleitung ergurgeln, nämlich diese Pdf-Datei von jostark.de:

Scannen von Dias mit Reflecta DigitDia 4000 und Silverfast AI

Also die Seiten 2 bis 9 ausgedruckt (Seite 1 ist nur maximale Tintenverschwendung) und los gingen unsere Versuche mit Silverfast. Gegenüber der ausführlich geschriebenen Anleitung haben wir nur wenige Änderungen vorgenommen:

Auf Seite 5 wird in der unteren Dialogbox zweimal „Adobe RGB“ eingestellt. Dies erscheint mir für die meisten Hobby-Anwender wenig empfehlenswert. Solange man zuhause nicht sämtliche Arbeitsschritte der Fotobearbeitung kalibriert und für das Adobe-RGB-Farbprofil vorbereitet hat – von der Erzeugung (Scanner, Digitalkamera) über die Bildbearbeitung bis zur Ausgabe (Drucker, externer Fotobelichter) – solange erscheint mir die Verwendung des erweiterten Farbraums Adobe RGB nicht sinnvoll. Man handelt sich eher seltsame Probleme mit flauen Farben etc. ein. Also diese Einstellungen besser auf „sRGB“ belassen, dem allgemeinen Standard.

Das auf Seite 9 empfohlene nachträgliche Verkleinern der 3600ppi-Scans auf 85% (mit einem batchfähigen Bildbearbeitungsprogramm) haben wir auch weggelassen. Wenn nötig, kann man dies später noch immer machen. Der zusätzliche Arbeitsschritt spart zwar etwas Speicherplatz, aber wirkliche Vorteile kann ich darin nicht erkennen – eher das Risiko, dass die Bildqualität doch darunter leiden könnte. Dann lieber die Jpg-Dateien so lassen, wie sie sind. Festplattenplatz ist ja heutzutage nicht mehr soooo knapp.

Silverfast AI: Jpg-SpeicherfehlerNachdem die erste Urlaubsreise mit knapp 500 Dias (in 10 Magazinen) gescannt wurde, konnten wir folgendes Zwischenfazit ziehen: Bei 5 oder 6 Dias traten seltsame Bildfehler auf – wie rechts zu sehen. Etwa 1% der Bilder erforderten also einen zweiten Scan. Offenbar kommt die Windows-Version von Silverfast AI da bei der Jpg-Speicherung durcheinander. Eine Internetsuche und eine Problembeschreibung im Traumflieger-Forum brachte leider auch keine Lösung. Beim Zweitscan der fehlerhaften Bilder waren noch immer 2 von 5 fehlerhaft (40%!). Aber beim dritten Versuch packte es der Scanner dann. (Bei Versuch 4 würde ich das Dia um 90 Grad drehen und nach dem Scan zurückdrehen, um den Jpg-Algorithmus auszutricksen.) Ein ärgerlicher Fehler, aber man kann damit leben, da er ja nur sehr selten auftritt. In jedem Fall sollte man sich die Scans in voller Bildschirmgröße kritisch anschauen, bevor man die entsprechenden Dias ausrangiert.

Soweit also bisher meine Erfahrungen und Tipps zum Thema Diascan. Praktisch wäre es, wenn sie sich entsprechend auch auf Kleinbild-Negative übertragen ließen, denn davon habe ich auch noch einige tausend in mehreren Fotokisten. Den Negativen wird man jedoch nicht so leicht mit Magazinscannern oder mit Abfotografieren beikommen können, denn sie sind bekanntlich nicht gerahmt. Da wird’s wohl irgendwann einmal auch der Flachbettscanner richten müssen…

Frisch auf dem Leuchttisch: Paris 1954

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Aufbaukurs Fotografie Fotokurs

Aufbaukurs, Lektion 4

Wirrwarr beim Speichern: Dateiformate für Bilder

Pixel-Grafik 2 BitAus den vorangegangenen Lektionen im Aufbaukurs wurde (hoffentlich) ersichtlich, dass sich die Größe eines Bildes im Wesentlichen aus 3 Faktoren zusammensetzt: Breite und Höhe des Bildes, sowie Farbtiefe.

Man kann sich das etwa wie ein (kastenförmiges) Aquarium vorstellen, dessen Füllmenge ja auch durch die Formel „Grundfläche mal Wassertiefe“ bestimmt wird. Genauso gilt für die Speichergröße eines Bildes zunächst einmal: „Grundfläche mal Farbtiefe“.

Die schon aus der vorigen Lektion bekannte Abbildung zeigt schematisch ein Bild mit 5 Pixeln Breite, 3 Pixeln Höhe und einer Farbtiefe von 2 Bit (4 Farben). 15 Pixel x 2 Bit sind 30 Bit, die zum Speichern dieser 15 Pixel nötig wären.

Hinzu kommt natürlich noch die Speicher-Information für die Farb-Palette. Darin würde hier stehen, dass 00 für Schwarz stehen soll, 01 für die Farbe Cyan, 10 für die Farbe Magenta und 11 für Weiß. Bei diesem Mini-Bild mit seinen 15 Pixeln braucht man wohl mehr Speicherplatz für die Palette als für die eigentlichen Pixel, aber bei normal großen Bildern macht die Palette nur einen kleinen Bruchteil der Dateigröße aus. Daher vernachlässigen wir dies nun erst einmal. Für das Aufbewahren von Farbfotos kommen GIF-Dateien ohnehin nicht in Frage, wegen ihrer Palette und ihrer reduzierten Farbtiefe.

Bei einem „Echtfarben“-Bild ohne Palette und mit einer Farbtiefe von 24 Bit stehen für jeden RGB-Farbkanal je 256 Stufen, also 8 Bit (1 Byte) zur Verfügung. Ein 15-Pixel-„Foto“ (immerhin mehr als doppelte Auflösung der ‚Blödmarkt-Kamera‘ aus der vorletzten Lektion) benötigt daher 45 Byte. Man kann sich leicht vorstellen, dass bei großen Foto-Dateien da sehr schnell etliche Megabyte zusammenkommen. Wenn 15 Pixel 45 Byte benötigen, dann benötigen 15 Megapixel logischerweise rund 45 Megabyte.

Kompression von Bilddaten

Selbst ein normal großes Foto von 6, 10 oder 14 Megapixeln hat nach dieser Faustformel etwa 18, 30 oder 42 Megabyte Größe. Zum Glück haben sich die Entwickler da etwas einfallen lassen, damit Speicherkarten bzw. Festplatten nicht ganz so schnell voll sind: Die Kompression von Bilddaten. Nicht nur „Pressefotos“ werden kräftig zusammengepresst, so dass sie trotz gleicher Pixelzahl nun wesentlich weniger Speicherplatz verbrauchen.

Dabei wird unterschieden zwischen verlustfreier und verlustbehafteter Komprimierung. Man kennt dies auch aus dem Musik-Bereich. Während eine Musik-CD mit ca. 15 bis 20 Stücken schon mehr oder weniger voll ist (knapp 700 Megabyte unkomprimierte Musik), benötigen die gleichen Songs als komprimierte Mp3-Dateien nur noch einen Bruchteil des Speicherplatzes.

Hier eine stark vereinfachte Beschreibung, was verlustfreie Kompression betrifft: Sie ersetzt in der Datei vorkommende Pixel gleicher Farbe durch den entsprechenden Hinweis, wie oft die Farbe an der entsprechenden Stelle wiederholt wird. Also statt „weiß, weiß, weiß, weiß, weiß, weiß, weiß“ steht dort nur „7 mal weiß“, etc. Man kann sich vorstellen, dass sich bei Fotos mit vielen unterschiedlichen Farben auf diese Weise nicht viel komprimieren lässt. Lediglich ziemlich glatte Flächen (z. B. Himmel) haben großes Potential, was diese Komprimierungsmethode betrifft.

Ebenfalls zur verlustfreien Komprimierung gehören technische Verfahren, die man z. B. von Zip-Dateien kennt: Wenn beispielsweise Programme oder Texte gepackt werden sollen, dann müssen nach dem Dekomprimieren ja auch alle Bytes wieder ganz genau so erscheinen, wie sie vorher waren.

Allrounder mit leichten Schwächen: Das Jpg-Format

Doch nun zu den verlustbehafteten Kompressionsverfahren, deren berühmtester Vertreter das Jpg-Format ist: Hier kommt es nicht darauf an, dass die Information nach dem Packen und Wiederauspacken haargenau gleich ist. Das komprimierte Bild sollte dem Original möglichst ähnlich sehen. Es ist immer ein Kompromiss aus möglichst geringer Datenmenge und möglichst wenig Verlusten im Bild. Im Prinzip macht das Jpg-Format mit Bildaten das Gleiche, was Mp3 mit Musikdaten macht. Der Ersteller kann wählen, ob er lieber eine besonders starke Kompression mit geringerer Qualität (also stärkeren Abweichungen zum Original) haben möchte, oder ob er größere Dateien akzeptiert, die dafür näher am Original sind – also von besserer Qualität.

Je nach Programm oder Gerät lässt sich die Jpg-Komprimierung mehr oder weniger genau einstellen. Meine frühere Ricoh-Kompaktkamera bot in der 7-Megapixel-Einstellung nur „Fein“ bzw. „Normal“ an. In dem Programm „Digital Photo Professional“, das bei den digitalen Canon-EOS-Spiegelreflexkameras dabei ist, besteht die Möglichkeit, die Bildqualität der erzeugten Jpg-Dateien in 10 Stufen zu wählen, wobei 1 die höchste Komprimierung darstellt und damit die schlechteste Bildqualität. Auf Stufe 10 ist die Jpg-Datei fast genauso groß wie das Original, dafür ist aber auch die Qualität sehr hoch.

Mein Bildbearbeitungsprogramm PhotoImpact 12 bietet sogar die Möglichkeit, die Jpg-Komprimierung in Prozentschritten einzustellen. So kann man gezielt auf eine bestimmte Dateigröße hin komprimieren, da der benötigte Speicherplatz der Jpg-Datei schon beim Verstellen des Prozentreglers direkt angezeigt wird.

Verschiedene Kompressionwerte bei Jpg-SpeicherungDie hier gezeigte Bilddatei vom Rathaus in Stralsund habe ich in Streifen zersägt und diese jeweils mit dem darunter angegebenen Prozentwert abgespeichert. Wie man sieht, sind die niedrigen Prozentwerte kaum zu gebrauchen. Aber ab ca. 60 Prozent erzielt das Jpg-Format hier gute Ergebnisse. Viele Bilder meiner Homepages speichere ich daher mit 80 Prozent ab. Nur wenn dort sogenannte „Jpg-Artefakte“ noch störend ins Auge fallen, gehe ich auf 85 oder 90 Prozent. Diese Artefakte fallen besonders an Stellen mit hohen Kontrasten auf – hier beispielsweise am Übergang zwischen den Giebeln und dem Himmel.

Jpg 1mal gespeichert
Jpg 1mal gespeichert

Wichtig ist, im Sinn zu behalten, dass die Jpg-Kompression ein verlustbehaftetes Verfahren ist, auch wenn man eine relativ hohe Qualitätsstufe gewählt hat. Mit jedem erneuten Speichern vermindert sich die Qualität etwas mehr. Um dies zu verdeutlichen, habe ich das obere Stralsund-Foto mit 80% als Jpg gespeichert, dieses Jpg geschlossen und neu geladen und dann wieder mit 80% gespeichert. Hier sieht man die Datei nach dem ersten Speichervorgang und im nächsten Absatz nach dem zehnten.

Jpg 10mal gespeichert
Jpg 10mal gespeichert

Deutlich erkennbar (nach Großklicken) sind die Artefakte rund um die Giebel und Dachreiter, ebenso am Copyright-Schriftzug. Auch das Mauerwerk sieht nun nicht mehr nach Weltkulturerbe aus und selbst der Himmel, der durch die Fensteröffnungen durchscheint, wurde von der Jpg-Kodierung zerbröselt. Daher sollte man darauf achten, Jpg-Dateien nicht unnötig häufig zu speichern. Es ist ähnlich wie beim Wäschewaschen: Wer meint, es sei eine gute Idee, seine neuen Klamotten gleich 100mal zu waschen, wird damit nur die Nähte und das Gewebe unnötig strapazieren. Ob er die verschlissenen Stellen dann auch hochtrabend „Artefakte“ nennt? :-)

So gut wie alle Digitalkameras bieten das Speichern als Jpg an, da dieses Dateiformat aufgrund seiner Vorteile – gute Bildqualität und wirkungsvolle Kompression – der Quasi-Standard  für Fotos geworden ist. Zwar gibt es auch Weiterentwicklungen wie das verlustbehaftete JPEG 2000 oder das verlustfrei komprimierende PNG, aber diese haben sich bisher nicht wirklich durchgesetzt. Jpg ist der derzeitige Standard sowohl bei Digitalkameras als auch bei Fotos im Internet.

Tiff und Raw – farbtief und verlustfrei

Wie die Lektion über Farbtiefe gezeigt hat, gibt es durchaus Gründe für „mehr als Echtfarben“, also für eine größere Farbtiefe, als Jpg-Dateien mit ihren 24 Bit bieten können. Dies ist das Spezialgebiet der Formate Tiff und Raw, die außerdem – sofern sie überhaupt komprimiert sind – verlustfrei komprimieren.

Raw-Dateien werden von der Kamera erzeugt und sind daher auch je nach Kamera-Modell unterschiedlich. Es ist das Rohdatenformat – die Raw-Datei enthält also quasi das, was der Sensor bei der Aufnahme „gesehen“ hat – angeblich unbeeinflusst von den Einstellungen der Kamera-Elektronik. Solche Einstellungen – beispielsweise Weißabgleich oder Nachschärfung – lassen sich am PC per Software ebenso steuern, als wenn man dies vor der Aufnahme bereits kamera-intern entsprechend eingestellt hätte.

Für den Fotografen hat die Verwendung des Raw-Formats den Vorteil, dass er sich um gewisse Einstellungen erst zuhause zu kümmern braucht und es daher seltener zu Bildern mit vermurksten Einstellungen kommt. Und weil Raw-Dateien eine deutlich größere Farbtiefe haben als Jpg-Dateien, bieten sie auch Vorteile, wenn es um die nachträgliche Korrektur von Über- bzw. Unterbelichtungen geht.

Mit dem jeweiligen Kamera-Modell wird (zumindest bei Canon) ein Programm mitgeliefert, das die entsprechenden Raw-Dateien bearbeiten und in ein anderes Format übersetzen (konvertieren) kann. Beispielsweise das oben schon erwähnte Programm „Digital Photo Professional“, oft auch einfach DPP genannt. Nach eventueller Korrektur von Belichtung, Weißabgleich, etc. kann man mit diesen Programmen aus der Raw-Datei eine Jpg-Datei oder eine Tiff-Datei machen. Wie so etwas in der Praxis funktioniert, erkläre ich im Bereich Bildbearbeitung.

Bei Tiff-Dateien unterscheiden diese Programme gewöhnlich, ob diese als 8-Bit- oder als 16-Bit-Tiff gespeichert werden soll. Wie auf der Farbtiefen-Seite erklärt wurde, bezieht sich dies auf die Bits pro RGB-Farbkanal, also sind es entweder 24 oder 48 Bit pro Bildpixel. Möchte man die größere Farbtiefe der Raw-Datei auch bei der späteren Nachbearbeitung in Photoshop, PhotoImpact, Gimp, oder einem anderen Bildbearbeitungsprogramm zur Verfügung haben, so muss man natürlich als 16-Bit-Tiff speichern, denn sonst geht der erhöhte Tonwertumfang beim Konvertieren verloren. Zwischen einer 8-Bit-Tiff-Datei und einer in hoher Qualität abgespeicherten Jpg-Datei, die ja auch 8 Bit pro Farbkanal hat, wird man somit kaum einen Unterschied ausmachen können. Allerdings ist bei Fotos die Tiff-Datei wesentlich größer, weil sie ja verlustfrei komprimiert (sofern überhaupt eine Komprimierung unterstützt wird – bei Tiff ist fast alles möglich).

Noch eine kleine Anmerkung zu den Dateinamen: Tiff-Dateien erkennt man an ihrer Endung .tif oder seltener auch .tiff. Weil Jpg-Dateien ihren „großen Brüdern“ in nichts nachstehen möchten, gibt’s bei ihnen auch (mindestens) zwei Endungen: .jpg oder seltener .jpeg.

Bei Raw-Dateien ist es allerdings komplizierter: So wie sich die Sensoren der verschiedenen Hersteller und Modelle unterscheiden, so unterscheiden sich auch die Raw-Dateien vom Aufbau und von den Datei-Endungen. Bei Canon ist .crw und .cr2 gebräuchlich, Nikon verwendet .nef, und auch recht seltsame Abkürzungen wie .orf (‚Olympus Raw Format‘, nicht ‚Österreichischer Rundfunk‘) oder .raf (‚Fuji Raw‘, nicht ‚Royal Air Force‘ oder gar ‚Rote Armee Fraktion‘) tauchen auf. Adobe hat versucht, dem Formate-Wirrwarr durch das .dng-Format (‚Digital Negative‘) entgegenzutreten. Aber wie es ausschaut, wollen sich die meisten Hersteller nicht in die Karten schauen lassen und kochen lieber ihr eigenes Süppchen.

Ob man die verschiedenen heutigen Raw-Dateien in 30 oder 100 Jahren noch mit der dann gebräuchlichen Software öffnen kann, ist eine andere Frage, die aber nicht unwichtig ist. Zur dauerhaften Archivierung speichere ich daher zusätzlich zur jeweiligen CR2-Datei auch das passende JPG mit, denn aufgrund der höheren Verbreitung von Jpg-Dateien werde ich diese wohl hoffentlich auch im Rentenalter noch öffnen können, wenn ich nachfolgende Generationen mit langweiligen digitalen Diashows quälen möchte. Ein weiteres Problem wird sein, die Daten dann auch jeweils rechtzeitig auf aktuelle Datenträger umzukopieren, bevor sie unlesbar werden. Mein Rechner jedenfalls kann weder Lochkarten noch Disketten lesen. Und die ersten CD-Roms aus der Brenner-Steinzeit sind auch längst nicht mehr lesbar. Von daher ist das Dia bzw. Papierfoto vielleicht doch die beste Archivierung. Aber das ist ein anderes Thema. Hier soll es in der nächsten Lektion lieber etwas genauer um Tonwertkorrektur und das Arbeiten mit Histogrammen gehen, was ja schon kurz in der Lektion Farbtiefe angeschnitten wurde (und auch auf der Seite Schwarzweiß (Raw) im Bereich Bildbearbeitung).

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Aufbaukurs Fotografie Fotokurs

Aufbaukurs, Lektion 1

Große und kleine Pixel: Auflösung und Bildgröße

Wiese mit Löwenzahn
Foto: Wikimedia Commons

Willkommen im zweiten Teil von Rolands Fotokurs, dem „Aufbaukurs“. Nachdem die vergangenen 8 Lektionen im Anfängerkurs einen Einblick in die fotografischen Grundlagen gegeben haben, soll es nun zunächst um einige Besonderheiten von digitalen Bildern gehen. Beginnen wir mit einem ziemlich seltsamen Vergleich:

Fotos auf Filmmaterial sind irgendwie so ähnlich wie Löwenzahn. Digitalfotos sind eher so wie Spargel. :-)

Feld mit Reihen von Spargel
Foto: Wikimedia Commons

Auch wenn’s natürlich ziemlicher Blödsinn ist (der sich dafür umso fester einprägt), macht das Beispiel doch eines deutlich: In der „analogen“ Fotografie auf Negativfilm wird das Bild von winzigen lichtempfindlichen Kristallen aufgezeichnet (siehe Lektion Filmempfindlichkeit im Anfängerkurs). Diese Kristalle sind ziemlich wild durcheinander auf der Filmoberfläche verstreut – ähnlich wie Löwenzahn auf einer Wiese. Bei Digitalfotos hingegen stehen die einzelnen Bildpunkte (Pixel genannt) Reihe für Reihe schön artig in gleichen Abständen nebeneinander – vergleichbar mit Spargel, der ja auch in möglichst gleichmäßigen Reihen ganz regelmäßig angebaut wird.

Digitale Bilder bestehen aus Pixeln

Vergrößertes Pixelraster eines FotosJedes Digitalfoto besteht also aus einer festen Anzahl von Pixeln oder Bildpunkten in einem starren Raster von Spalten und Reihen. Ein Beispiel: Die gezeigten kleinen Bilder von Löwenzahn und Spargel sind 280 Pixel breit und 210 Pixel hoch. Wer sie mit der rechten Maustaste anklickt und sich die Eigenschaften anzeigen lässt, kann dies leicht überprüfen. Ein solches Bildchen hat also 58.800 Pixel (280×210).

Man nennt diese Dateien daher auch Rastergrafik (oder Bitmap). Digitalfotos sind (bisher?) immer rechteckig. Die Pixel stehen immer schön artig genau senkrecht bzw. waagerecht zueinander, ähnlich wie die Kästchen auf einem Blatt Rechenpapier, bei dem in jedem Kästchen nur jeweils eine Farbe zum Ausmalen verwendet wurde.

Selbst wenn man mal ein Bild schräg auf dem Monitor anzeigt (siehe z. B. Beispielfoto Windrad), stehen die Pixel dennoch immer schön gerade im digitalen Punkteraster des Monitors – die schrägen Kanten werden entsprechend mit kleinen ‚Treppenstufen‘ umgerechnet. In Wirklichkeit verbirgt sich auch hinter dem schräg aussehenden Foto eine Datei mit der Form eines geraden Rechtecks. Wenn man den Mauszeiger auf dem Foto festhält (oder auf „Grafik anzeigen“ im Kontext-Menü der rechten Maustaste klickt), kann man es gut sehen.

Vergrößern von Rastergrafiken

Foto-Thumbnail in OriginalgrößeAnzeige des Thumbnails 3fach vergrößertDas kleine Foto der Sonnenblume, das ich links zeige, hat eine Größe von 100 mal 150 Pixeln. Auf dem Monitor wirkt es vermutlich ausreichend scharf für eine solch kleine Darstellung, denn jedes Foto-Pixel wird genau durch 1 Bildschirmpunkt wiedergegeben.

Wenn man das Bildchen jedoch vergrößert, passiert Folgendes: Das ganze Bild wirkt furchtbar ‚pixelig‘. In der vergrößerten Darstellung rechts ist die Qualität nicht mehr ausreichend. Man sieht die (ursprünglich) gleiche Bilddatei, aber sie wird vergrößert angezeigt mit 300 mal 450 Pixeln, so dass jedes Pixel der Bilddatei herhalten muss, um 9 Bildschirmpunkte (3×3) zu füllen. Man bräuchte also eine Bilddatei, die das Foto mit mehr Pixeln enthält (und die gibt es hier).

Das Beispiel zeigt, dass sich digitale Fotos (und sonstige Rastergrafiken) zwar gut verkleinern lassen, dass aber eine Vergrößerung erhebliche Qualitätsverluste mit sich bringt. Denn Informationen, die einmal aus dem Bild durch Verkleinerung herausgerechnet wurden, sind für immer verschwunden.

Auch in der EU nicht ‚zollfrei‘: Die Auflösung von Digitalfotos

Flugboot Do24 vor dem Kölner DomFassen wir noch einmal zusammen: Die Größe eines digitalen Bildes wird durch die Bildpunktezahl bestimmt, also wieviele Pixel das Foto in waagerechter und senkrechter Richtung hat. Im Gegensatz zu Dias oder Negativen kann man bei digitalen Bilddaten zunächst keine Aussage über eine Größe in Millimetern oder Zentimetern machen. Ein Pixel hat keine feste Größe.

Ob das hier gezeigte Dom-Foto mit seinen 270×180 Pixeln nun wie bei mir als ca. 7,5 mal 5 cm großes Bild auf dem Monitor erscheint, oder ob es größer bzw. kleiner abgebildet wird, hängt von der Größe des Monitors und der gewählten Monitor-Einstellung ab, also wie groß der Monitor die einzelnen Punkte darstellt.

Bei meinem Schwager Klaus, der seinen 15-Zöller mit ca. 1280×960 Mini-Pixeln hart an der Augenschmerzgrenze betrieb (bis vor einiger Zeit), erschien das Bild vermutlich nur daumennagelgroß. Andere hingegen bevorzugen Windows mit 640×480 Pixeln auf einem 21-Zoll-Bildschirm, so dass das gleiche Bild schon etwa Taschenbuchgröße hat und man die 180 Pixel vermutlich schon mit bloßem Auge zählen könnte… :-)

Um diese Größenunterschiede irgendwie zu beschreiben, verwendet man für Digitalfotos den Begriff Auflösung. Die Auflösung eines Fotos wird in ppi angegeben; die Abkürzung steht für „pixels per inch“, also „Bildpunkte pro Zoll“. Ein Zoll sind ja bekanntlich grob 2,5 cm (genau: 25,4 mm). Wenn obiges Foto also auf meinem Monitor ca. 7,5 mal 5 cm groß erscheint, dann sind dies ziemlich genau 3 mal 2 Zoll. Bei einer Kantenlänge von 270 bzw. 180 Pixeln erscheinen also auf jedem Zoll genau 90 Pixel. Anders ausgedrückt: Das Bild wird mit einer Auflösung von 90 ppi angezeigt.

Wichtig ist dabei folgender Punkt: Ob eine Bilddatei mit 72 Pixel/Zoll oder mit 300 Pixel/Zoll gespeichert wurde, ist für die Bildqualität absolut unbedeutend. Entscheidend ist die absolute Pixelzahl, also die Kantenlängen des Bildes. Wer’s nicht glaubt: Die beiden folgenden Bilder sind mit unterschiedlicher Auflösung gespeichert, aber sie haben beide die gleichen Abmessungen:

Foto gespeichert mit 72ppi Foto gespeichert mit 300ppi

PhotoImpact-Screenshot, 72ppi PhotoImpact-Screenshot, 300ppi

Nach stundenlangem Vergleichen der beiden Fotos stellt man fest: Die eingestellte Auflösung ist nur ein Umrechnungsfaktor, der im Bildbearbeitungsprogramm jederzeit verlustfrei geändert werden kann. Beide Fotos sind absolut identisch, trotz völlig unterschiedlicher Auflösung.

(Anmerkung: Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff „Auflösung“ allerdings auch häufig für die absolute Pixelzahl oder die Bildgröße verwendet. Man sagt, Kamera X habe eine Auflösung von 6 Megapixel, oder von Kamera Y wird berichtet, sie erzeuge Bilder mit einer Auflösung von 3072 mal 2048 Pixeln. Hier auf dieser Seite geht es aber um Auflösung im Sinne von „Bildpunkte pro Zoll“.)

Fotodrucke und Papierfotos

Für Monitore sind Auflösungen zwischen ca. 72 bis 96 ppi ganz normal. Für ein Foto oder den Ausdruck eines Fotos reichen 70 oder 100 Punkte pro Zoll allerdings nicht, um eine gute Qualität zu erhalten. Auf Papier ist man einfach eine höhere Auflösung, also eine bessere Druckqualität gewohnt. Man vewendet die Einheit dpi, was für „dots per inch“ steht – also (Druck-)Punkte pro Zoll. Das bisher dimensionslose Pixel erhält beim Druck ja auf einmal eine feste Größe.

Die Einheiten ppi und dpi werden oft genug verwechselt, und sie beschreiben ja auch fast das gleiche, weshalb ich das auch nicht weiter schlimm finde. Beide Einheiten geben an, wie viele Pixel bzw. Punkte auf einer Strecke von 25,4 mm zu finden sind. Als Richtwert kann man sich merken, dass für die Ausgabe als Foto-Abzug bzw. -Druck in hoher Qualität 300 dpi meist absolut ausreichend sind. 200 dpi sind auch noch einigermaßen gut, aber mit 70 oder 100 dpi wirken Fotos leider nur grob pixelig oder unscharf bzw. verschwommen (ähnlich wie das oben stark vergrößerte Sonnenblumen-Bild).

Unser 270×180 Pixel großes Dom-Foto könnte also in hoher Qualität nur mit einer Breite von ca. 22mm ausgegeben werden; mehr als 270 Pixel sind einfach nicht vorhanden. Die genaue Berechnung der maximalen Ausgabegröße geht ziemlich einfach:

Pixelzahl durch Auflösung = Ausgabegröße in Zoll.
Diese mal 2,54cm und man hat das Ergebnis in Zentimetern.

Drei Beispiele sollen dies verdeutlichen. Ich berechne jeweils zunächst die längere Kante des Bildes. Die kürzere ergibt sich dann automatisch aus dem Seitenverhältnis des jeweiligen Bildes (meist 2/3 oder 3/4 der längeren Seite):

Ausdruck eines Fotos einer 6-Megapixel-Kamera mit 3000×2000 Pixeln Größe:
3000 / 300 = 10 Zoll = ca. 25 cm Bildbreite bei 300 dpi (hohe Qualität)
3000 / 200 = 15 Zoll = ca. 38 cm Bildbreite bei 200 dpi (mittlere Qualität)

Ein Hochformat-Bild von meiner Website (z.B. die Sonnenblume) mit 400×600 Pixeln soll gedruckt werden:
600 / 300 = 2 Zoll = ca. 5,1 cm Bildhöhe bei 300 dpi (hohe Qualität)
600 / 200 = 3 Zoll = ca. 7,6 cm Bildhöhe bei 200 dpi (mittlere Qualität)

Ein Tag ohne Dich ist wie ein Tag ohne SonnenscheinEine Postkarte von 10×15 cm Größe soll produziert werden (der übliche Kitsch: romantisches Foto mit passender Lebensweisheit). Wie viele Pixel sollte das Foto mindestens haben?

Lösung: 15 cm = ca. 6 Zoll. 6 Zoll mal 300 dpi = 1800 Pixel. Es wird also für die Postkarte ein Foto von möglichst 1800 mal 1200 Pixeln benötigt. Entweder überredet man den Webmaster, das Sonnenblumen-Foto in hoher Auflösung zur Verfügung zu stellen, oder man klaut woanders ein ähnliches Bild mit höherer Pixelzahl. Dazu könnte man dann schreiben: „Ein Tag ohne Dich ist wie ein Tag ohne Sonnenschein“. :-)

Wie man sieht, haben Fotos in den internetüblichen Größen bis ca. 900×600 keine allzugroßen Reserven beim Ausdruck. Ein gutes Papierfoto braucht einfach eine wesentlich höhere Pixelzahl, weil es bei gleicher Darstellungsgröße viel mehr Details zeigen kann (und soll) als ein entsprechendes Monitorbild.

Nach soviel Mathematik und verwirrenden Berechnungen mag sich die Frage stellen: Wieviel davon braucht man wirklich in der Praxis? Und da kann ich beruhigen: Meist so gut wie nichts! Was ein Pixel ist, und dass diese keine feste Größe haben, aber wie Spargel in Spalten und Reihen wachsen, das sollte man möglichst behalten. Aber die genaue Rechnerei mit ppi und dpi braucht man heutzutage nur sehr selten, weil die heutigen Programme einem meist diese Arbeit abnehmen. Es ist allenfalls hilfreich, um die Zusammenhänge besser zu verstehen.

Wer z. B. heute Papierbilder über das Internet bestellt, bekommt in der Software oder auf der Website des Anbieters bereits angezeigt, ob die Bildgröße ausreichend ist. Hat das Bild ausreichend viele Pixel, um es mit 300 dpi zu drucken, wird meist ein grüner Balken oder eine grüne Ampel oder ein grüner Rand eingeblendet. Reicht es dazu nicht ganz, erscheint Gelb. Und ist es ein Foto, das allenfalls für Bildschirmdarstellung reicht, so wird dies meist durch Rot gekennzeichnet. Die Software berechnet dies ganz automatisch, indem sie ’nachschaut‘, wie viele Pixel das Bild in horizontaler und in vertikaler Richtung hat. Sollte jedoch Gelb oder Rot erscheinen, dann wird spätestens nach Lesen dieser Seite hoffentlich klar sein, dass es nicht ausreichend ist, die eingestellte Auflösung des Bildes zu erhöhen. Es muss halt ein Foto mit mehr Pixeln her. Wenn man dies verstanden hat (und man das Foto in Originalauflösung noch auf der Festplatte findet), dann hat sich unser Ausflug in das Reich der Pixel und der Auflösungen doch gelohnt, oder? :-)

Nachdem wir nun betrachtet haben, was es mit Auflösung und Pixelzahl grundsätzlich auf sich hat, stellen sich Fragen wie die folgenden: Wie viele Pixel (bzw. Megapixel) sollte eine Digitalkamera denn haben? Und wird die Bildqualität mit höherer Megapixelzahl automatisch besser? Um diese Fragen geht es in der folgenden Lektion.

Pixel in freier Natur: Legoland Dänemark