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Android Kamera-Apps

Kamera-Apps für Android-Smartphones

Nicht immer hat man seine „große“ Kamera dabei, wenn sich die Gelegenheit für ein schönes Foto ergibt. Inzwischen sind aber Handys bzw. Smartphones mit einigermaßen brauchbaren Kameras weit verbreitet. Kann man damit ordentliche Bilder machen (und wenn ja, warum nicht)?

Seit April 2010 habe ich ein Smartphone mit Android-Betriebssystem, und zwar das berühmte Motorola Milestone. Dieses Gerät ist mit einer 5-Megapixel-Kamera ausgestattet, die bei zahlreichen Funktionen nützlich ist, wie z.B. als Reader für Barcodes und QR-Codes, als Sucher für Augmented-Reality-Anwendungen, etc. Aber taugt sie auch als Fotokamera? Kann sie zumindest eine Kompaktkamera ersetzen? Hier meine bisherigen Eindrücke:

Die Hardware

Motorola Milestone

Betrachten wir zunächst die Hardware. Das Milestone ist mit einer 5-Megapixel-Kamera ausgestattet. Die Optik hat Autofokus, aber keinen Zoom. Das Display ist als Sucher-Ersatz gut geeignet und überzeugt auch bei der Widergabe der Fotos. Es hat ein Widescreen-Format von 16:9. Auf etwa 82 mal 46 Millimetern werden 854 mal 480 Pixel dargestellt. Das Display ist also recht hochauflösend und eine der großen Stärken des Motorola Milestone.

Bei gutem Licht erzeugt die Milestone-Kamera passable Bilder. Allerdings kommt sie nicht an die Qualität einer ordentlichen 5-Megapixel-Kompaktkamera heran – Linsensystem und Chip sind halt doch eher Handy-Standard als richtiger Fotoapparat.

Das Milestone hat eine Auslösetaste (oben rechts auf dem Bild zu erahnen), und die Lautstärke-Wippe kann von der Kamera-App für die Einstellung des Digitalzooms verwendet werden. Da der Digitalzoom jedoch bekanntlich nichts anderes als eine Ausschnittsvergrößerung ist, führt er entweder zu einem unschärferen Bild (kleiner Ausschnitt auf 5 Megapixel hochskaliert) oder zu einer kleineren Bilddatei (Ausschnitt ohne Vergrößerung). Beides brauche ich nicht und daher lasse ich den Digitalzoom möglichst aus.

Die Standard-Kamera-App

Standard Kamera-App

Vorinstalliert mit dem Milestone geliefert wird die App namens „Kamera“, die sich über das entsprechende Icon auf dem Android-Homescreen oder im „Drawer“ starten lässt. Auch ein längeres Drücken auf die Auslösetaste startet diese Kamera-Application als Standard-Voreinstellung, so dass man keine Schnappschuss-Situation durch Suchen nach dem Kamera-Icon verpasst.

Sofort nach Start der App bekommt man das Live-Sucherbild angezeigt. Scharfstellen funktioniert mit dem üblichen Halb-Durchdrücken des Auslösers. Die erfolgte Fokussierung wird akustisch bestätigt und auch optisch durch ein grünes Kästchen angezeigt. Das Auslösen wird von einem satten Auslösegeräusch begleitet, sofern man das Handy nicht auf „Lautlos“ eingestellt hat.

Berührt man das Sucherbild, wird für einige Sekunden am rechten Rand eine Leiste mit 4 Buttons eingeblendet. Man hat über den Button „Szenen“ folgende Einstellungen zur Auswahl: Autom., Hochformat, Querformat, Bewegung, Nachtportrait, Sonnenuntergang, Makro und unbewegt. Also Standardkost, ähnlich wie bei vielen Kompaktkameras.

Der Button „Effekte“ hat die Einstellungen Normal, Schwarz und Weiß, Negativ, Sepia und Solarisieren.

Über die Taste „Blitz“ kann man Folgendes auswählen: Blitzautomatik, Blitz ein, Blitz aus. Weitergehende Funktionen wie Rote-Augen-Blitz etc. sucht man hier vergeblich. Der Blitz des Milestone ist übrigens kein richtiger Blitz, sondern eine ziemlich hell leuchtende LED (was den Vorteil hat, dass sie mit einer entsprechenden App auch als Taschenlampe verwendet werden kann).

Der vierte Button heißt „Galerie“ und führt in die Ordner mit den gespeicherten Bildern. Dort kann man schick durch die Fotos blättern, sie weiterleiten (Facebook, Twitter, eMail, etc.), bearbeiten (drehen, löschen) oder als Diashow anzeigen lassen.

"Groß (5MP)"

Über die Android-Menütaste gelangt man in die Optionen. Man kann dort z.B. die Bildauflösung (Bildgröße) einstellen. „Groß (5 MP)“ sollte man hier nach Möglichkeit wählen – so knapp ist der Speicherplatz ja heute nicht mehr, dass sich eine Aufnahme in reduzierter Auflösung lohnt.

Die Bilder in „Groß (5 MP)“ werden 2592 mal 1936 Pixel groß. Wählt man stattdessen „Widescreen“, so schneidet die Kamerasoftware oben und unten einen Streifen ab, so dass ein Bild im 16:9-Format des Handybildschirms übrigbleibt (2592 mal 1456, etwa 3,7 Megapixel).

"Widescreen"

Wie man im Vergleich rechts sieht (anklicken für größere Darstellung), bekommt man im „Panorama-Format“ also keineswegs einen breiteren Bildausschnitt auf das Bild, sondern man lässt lediglich oben und unten einen beträchtlichen Teil der Sensorpixel ungenutzt.

Die Vergleichsfotos hier und in den folgenden Absätzen bzw. Seiten sind übrigens nur für die Bildschirmdarstellung auf 900 Pixel Breite verkleinert und ansonsten unbearbeitet (bis auf den Quellenhinweis). Es wurden also keine Kontrast- oder Farbanpassungen gemacht, so dass sich die Darstellungen gut vergleichen lassen.

Sehr schön gefällt mir an der Standard-Kamera-App, dass sie korrekte Exif-Daten speichert. Der Ort der Aufnahme wird in die Bilddatei ebenso eingetragen wie Aufnahmedatum und -zeit. Ein Blick auf die später hier vorgestellten Alternativ-Apps zeigt, dass dies keineswegs selbstverständlich ist.

Bevor wir uns den Alternativen zuwenden, hier ein Vergleich der verschiedenen Effekte, den die App „Kamera“ zur Verfügung stelt. Aufgenommen wurde die Bilderserie übrigens in Köln auf der Deutzer Brücke mit Blick auf die rechte Rheinseite, wo das legendäre Lufthansa-Hochhaus derzeit (Juni 2010) gerade abgerissen wird. Die Bilder sind „freihand“ gemacht – denn Kamerahandys haben bekanntlich keine Stativbuchsen, was sie von „richtigen“ Kameras unterscheidet. (Ob es Halterungen mit Stativanschluss gibt, weiss ich nicht; es wäre jedenfalls eine nette Idee, wenn man die Kfz-Halterung dafür nehmen könnte.)

Schwarz und Weiß
Normal

.

Sepia
Negativ

.

Solarisieren

Der „Negativ“-Effekt ist übrigens wirklich eine exakte Tonwertumkehr aller drei Farbkanäle (und nicht die Simulation eines Farbnegativfilms mit orangefarbener Maskierung). Wenn man in der Bildbearbeitung die Tonwerte umkehrt, hat man wieder ein farbrichtiges Originalbild.

Soviel zur Standard-App für die Kamera des Milestone. Wie oben schon mehrfach angedeutet, gibt es aber für das Android-Betriebssystem eine Menge alternative Kamera-Apps. Android wäre nicht Android, wenn es nicht dutzende findige Entwickler geben würde, die den „Android Market“ mit ihren Applications zu einem Ort der Kreativität machen würden. Einige dieser Apps versuchen „nur“, die Bedienung komfortabler zu machen bzw. zusätzliche Features für „bessere“ Bilder anzubieten. Andere Apps bemühen sich um die kreative Verfremdung des Bildes, indem sie z.B. einen „analogen“ Filmlook simulieren. Zwei dieser kostenlosen Kamera-Apps möchte ich zunächst hier vorstellen:

Falls Ihr Vorschläge für besonders empfehlenswerte Kamera-Apps habt (für Android oder auch für andere Smartphones), nutzt bitte die Leserkommentare dieser Seite für Eure Vorschläge.

Derzeit verwende ich übrigens die Kamera-App Vignette (in der Kaufversion), mit der sich Fotos auch nachträglich mit zahllosen Rahmen und Effekten „entwickeln“ lassen. Und PhotoFunia, eine kreative App zum nachträglichen Aufpeppen von Fotos. Auch beide sehr empfehlenswert.

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Dias digitalisieren

Scannen oder abknipsen: Digitalisieren von Dias

Wer schon zu „analogen Zeiten“ viel fotografiert hat, oder wer auch heute im „digitalen Zeitalter“ nicht vor der Verwendung von Filmmaterial zurückschreckt, kennt das Problem: Wie bekommt man die analogen Bilder in guter Qualität und mit möglichst geringem Zeit- und Geldeinsatz in den Rechner? Während es bei Papierbildern kaum Alternativen zu den üblichen Flachbettscannern gibt, eröffnen sich dem (ehemaligen?) Dia-Fotografen verschiedene Wege, von denen ich hier einige vorstellen möchte.

Ich selbst stand schon vor einigen Jahren vor der Frage, wie ich über tausend Dias aus dem fotografischen Nachlass meines Großvaters ins digitale Zeitalter hinüberretten könnte. Von meinen Wegen und Irrwegen bei der Dia-Digitalisierung soll nun die Rede sein. Das Folgende ist daher eine Mischung aus persönlicher Erfahrung und dem Wissen um die heutigen Möglichkeiten, die mir allerdings zunächst noch nicht zur Verfügung standen.

Erste Versuche: Scanner für Einzeldias

Ebertplatz ca. 1959, Fillm Scanner 1800
Film Scanner 1800

Meine ersten Diascan-Versuche machte ich mit einem „Film Scanner 1800“, der baugleich von verschiedenen Anbietern erhältlich war. Meiner war – wenn ich mich recht erinnere – von Mediax, aber bis auf die Gehäusefarbe sah er genauso aus wie das Nachfolgemodell von Reflecta, das auf filmscanner.info als Reflecta Filmscanner i-Scan 3600 vorgestellt wird. Wie die Namen schon vermuten lassen, hatte mein Scanner allerdings nur 1800dpi statt 3600dpi Auflösung, was für einen Kleinbild-Diascan ziemlich wenig ist.

Die Bilder in dem verlinkten Artikel zeigen das Bedienkonzept: Es wird jeweils 1 gerahmtes Dia eingelegt, bzw. 1 Bild eines Dia- oder Negativstreifens kommt unter der Scan-Einheit zu liegen. Dadurch ist man quasi permanent beschäftigt, so dass das Scannen sehr zeitaufwändig ist. Für mittelgroße oder gar große Diasammlungen ist solch ein Gerät m.E. nicht zu empfehlen.

Was die Bild-Auflösung betrifft, sei zunächst folgendes in Erinnerung gerufen: Ein Kleinbild-Dia hat eine Bildfläche von 36 mal 24 mm, das sind knapp 1,5 mal 1 Zoll. Wenn ein Scanner nun lediglich mit 1800 dpi scannt, so ergibt dies ein Bild von knapp 2700 mal 1800 Pixeln – das sind knapp 5 Megapixel. Tatsächlich hat der hier gezeigte Beispiel-Scan in Originalgröße 2480 x 1690 Pixel, das sind etwa 4,2 Megapixel.

Auch in der Internet-Verkleinerung auf etwa 900×600 Pixel ist deutlich erkennbar, dass das Bild (Ebertplatz in Köln, ca. 1959) keine besonders gute Scan-Qualität aufweist. Da der Scanner keine Staub- und Kratzerentfernung aufweist, sieht man z.B. im Bereich des Himmels eine ganze Menge „unbekannte Flugobjekte“, die das Bild nicht gerade verschönern. Und das, obwohl ich den Glasrahmen von außen durchaus geputzt hatte.

Universallösung: Durchlicht-Flachbettscanner

Ebertplatz ca. 1959, CanoScan 8800F
CanoScan 8800F

Schon besser geeignet für mittelgroße Diasammlungen erschien mir in Anbetracht des recht günstigen Preises von knapp 200 Euro ein hochwertiger Flachbettscanner mit Staub- und Kratzerentfernung. Ich entschied mich letzlich für den CanoScan 8800F von Canon. Diesen kann man wahlweise als normalen Flachbettscanner für Papierbilder, Bücher, Briefe, etc. verwenden. Oder aber als Durchlicht-Scanner für Dias und Negative. Dazu wird die weiße Innenseite des Deckels entfernt, so dass dort eine Durchlicht-Einheit freigelegt wird. Auf die Glasscheibe kommt dann einer von 4 mitgelieferten Kunststoffrahmen: Entweder für 4 gerahmte Dias, oder für zwei Streifen Kleinbildfilm (Dia oder Negativ), oder für Mittelformatfilm bzw. Mittelformat-Dias.

Dadurch, dass man 4 Bilder auf einmal einlegt und nach einer schnellen Vorschau mit wenigen Klicks die nötigen Korrekturen eingestellt hat, braucht man während der folgenden ca. 10-15 Minuten Scan-Vorgang nicht die ganze Zeit am Rechner zu bleiben. Man kann also Socken bügeln oder Katze kraulen, etc. Erst wenn es am Rechner wieder so verdächtig still ist, macht man die noch nötige Nachbearbeitung – eventuell eine schnelle abschließende Tonwert- und Farbkorrektur, oder was sonst noch nötig erscheint. Nach dem Speichern der 4 Bilder legt man die nächsten 4 Dias ein und bereitet den nächsten Scan vor, indem man auf Vorschau klickt und die nötigen Einstellungen vornimmt. Zwar dauert es immernoch lange, bis man so einen ganzen Film bzw. ein ganzes Magazin mit 36 oder 50 Aufnahmen gescannt hat, aber man muss nicht permanent irgendwelche Handgriffe machen wie bei einem Einzeldia-Scanner.

Das „Scangear“-Programm, das dem Scanner von Canon beigelegt wurde, macht seine Arbeit einigermaßen ordentlich, aber leider nicht perfekt. Die Bildausschnitte werden nicht immer automatisch korrekt erkannt, und auch die Anpassung von Farben und Tonwerten lässt manches Mal zu wünschen übrig. Daher scanne ich mit „Farbe (48 Bit)“ aus PhotoImpact 12 heraus. Den Dateien mit einer Farbtiefe von 16 Bit pro Farbkanal verpasse ich dann in PhotoImpact noch die notwendigen Korrekturen und speichere sie dann als Jpg, wobei sie automatisch auf 24 Bit reduziert werden – nun allerdings unter Ausnutzung des vollen Tonwertumfangs.

Zunächst hatte ich vor, die Diasammlung auch nach dem Scan aufzuheben. Dies führte dazu, dass ich auch manches Dia im Glasrahmen gescannt habe, das sicherlich ohne Glas- und Schmutzschichten wesentlich besser erfasst worden wäre. Als die Entscheidung fiel, die Dias doch nicht aufzuheben, habe ich die Glasrähmchen jeweils entfernt und die Dias für den Scan-Vorgang kurzfristig jeweils in Hamafix-Rähmchen gerahmt. Das geht superschnell und bringt deutlich bessere Ergebnisse. Nur 8 glaslose Rähmchen waren nötig: Während des Scans von 4 Dias wurden die nächsten 4 Rähmchen geleert und neu befüllt. Meine Empfehlung ist daher eindeutig: Lieber umrahmen und ohne Glasrähmchen scannen. Insbesondere Diarähmchen mit Anti-Newton-Glas haben das Scan-Ergebnis bei mir deutlich verschlechtert.

Zu den beiden bisher vorgestellten Scannern noch ein direkter Bildvergleich. Es handelt sich jeweils um einen 100%-Ausschnitt aus den oben gezeigten Aufnahmen von 1959 (im Glasrahmen). Links die Darstellung des 1800dpi-Scanners, rechts das Ergebnis des CanoScan 8800F bei 2400dpi. Das CanoScan-Bild wurde zwecks besserer Vergleichbarkeit entsprechend nachgeschärft, ansonsten sind die Ausschnitte aber unbearbeitet (für die 100%-Darstellung bitte anklicken):

100% Crop aus beiden Scans
Links: Film Scanner 1800. Rechts: CanoScan 8800F mit 2400dpi

Wie man sieht, darf man von den zusätzlichen dpi bei durchschnittlichen Hobbydias auch keine Wunder erwarten. Auch mit 2400 ppi werden nicht wirklich mehr Details sichtbar als mit 1800 ppi. Bei professionelleren Aufnahmen wird dies natürlich anders sein, aber da nimmt man auch besser einen professionelleren Scanner. In Anbetracht der geringen heutigen Speicherpreise und des doch erheblichen Aufwandes würde ich aber dennoch bei Kleinbilddias ein Scannen mit mindestens 2400 ppi empfehlen.

Der Test des CanoScan 8800F auf filmscanner.info hat ergeben, dass die tatsächliche optische Auflösung etwa 1600 ppi beträgt, auch wenn man im Scanprogramm eine höhere Auflösung einstellt. Man bekommt dann zwar mehr Pixel, aber nicht wirklich mehr Bildinformationen. Daher scanne ich auch nur mit 2400 ppi und nicht höher. Generell kann man bei Flachbettscannern nicht erwarten, dass sie tatsächlich so hoch auflösen wie richtige Filmscanner. Für meine Hobby-Zwecke kann ich allerdings mit diesem recht preiswerten Kompromiss gut leben. Ohnehin werden die alten Dias nun hauptsächlich am Rechner betrachtet und nicht großformatig in Hochglanzmagazinen veröffentlicht.

Das oben gezeigte großväterliche Bild vom Kölner Ebertplatz hat es übrigens bis zum Titelfoto eines Buches gebracht – daher der Neuscan, den ich Euch hier zum Vergleich vorstellen konnte. Das Buch findet Ihr z.B. auf Amazon: Vom Adolf-Hitler-Platz zum Ebertplatz.

Schnell und roh: Dias abfotografieren

Mittlerweile gibt es einige optimistisch stimmende Berichte von Hobbyfotografen, die ihre Diasammlung mit der Digitalkamera digitalisiert haben. Statt langem Scan-Vorgang wird dabei jedes Dia kurz abfotografiert. Wenn man dazu einen Diaprojektor umrüstet, geht dies recht schnell. Die Dias können in den Magazinen bleiben – nur Hochformataufnahmen sollte man vorher drehen.

Stünde ich noch einmal vor dieser Aufgabe, würde ich diesen Weg wählen. Aber meine Sammlung ist mittlerweile gescannt; daher kommt es für mich zu spät. Zwei Erfahrungsberichte möchte ich hier verlinken:

Dias schnell digitalisieren
Dias abfotografieren – oder: der schnellste Weg zum guten Digibild

Im Prinzip finde ich die beiden Schilderungen sehr überzeugend. Gegenüber den hier aufgeführten Arbeitsweisen würde ich allerdings folgende Änderungen ausprobieren:

Auch wenn man mit fest eingestellter Belichtung den kompletten Kontrastumfang in einer Raw-Datei abbilden kann, so würde es mir bei meinen früher oft fehlbelichteten Aufnahmen nicht darum gehen, die Helligkeits- und Farbeigenschaften des Dias möglichst exakt wiederzugeben. Ich würde vielmehr eine automatisch optimierte Wiedergabe bevorzugen. Unterbelichtete Bilder dürften ruhig aufgehellt abfotografiert werden – also mit längerer Belichtungszeit. Daher erscheint mir ein Versuch mit Zeitautomatik (Av) und Blende 16 recht sinnvoll. Natürlich muss man darauf achten, dass dadurch nicht helle Tonwertbereiche abgeschnitten werden, also eventuell Zeitautomatik mit leichter Minuskorrektur.

Auch farbstichige Aufnahmen (z.B. bei Tageslichtfilm im Kunstlicht) könnten sich vermutlich automatisch korrigieren lassen, wenn man der Kamera den automatischen Weißabgleich erlaubt. Da man in Raw digitalisiert, lassen sich spätere Korrekturen des Weißabgleichs nötigenfalls noch immer verlustfrei vornehmen. In den meisten Fällen dürfte aber der automatische Weißabgleich ganz ordentliche Ergebnisse bringen.

Wer selber praktische Erfahrungen mit dem Abfotografieren von Dias gemacht hat, kann uns ja hierzu unten in den Leserkommentaren zu dieser Seite seine Meinung schildern.

Luxus mit kleinen Tücken: Magazinscanner

Gerade wollte ich meinem Vater die im vorigen Unterabschnitt geschilderte Abfotografiererei schmackhaft machen, da kam er mit einem Gegenvorschlag: Sein Bruder habe nämlich einen Magazinscanner, den er ihm evtl. für einige Wochen oder Monate leihen könnte. Das erschien uns daher als die einfachste Variante, ohne große Experimente und handwerkliche Eingriffe.

Als er den Diascanner abgeholt hatte, fuhr ich einen Tag lang hin, um die Scan-Software zu installieren und eine Einführung in die Bedienungs-Grundlagen zu geben. Es handelt sich um einen Reflecta DigitDia 4000, ein Gerät der Preisklasse über 1000 Euro, von dem mittlerweile der Nachfolger DigitDia 5000 erschienen ist.

Cyberview: Falscher Bildzuschnitt bei Tiff-SpeicherungDie ersten Versuche mit der Cyberview-Software waren allerdings ernüchternd. Wir wollten zwecks höherer Farbtiefe als Tiff-Dateien scannen, aber die Bilddateien enthielten jeweils ein quadratisches Bild, in dem die untere Bildhälfte über dem ansonsten korrekt dargestellten Dia ein zweites Mal zu sehen war – so wie rechts in der Abbildung gezeigt. Auf der Suche nach einer Lösung für diesen Bildfehler stießen wir dann auf den Hinweis, lieber gleich die ebenfalls beiliegende Software Silverfast AI zu verwenden.

Silverfast steht zwar in dem Ruf, sehr gute Scan-Ergebnisse liefern zu können, aber die Bedienung ist wenig intuitiv und ziemlich ungewöhnlich. Zum Glück ließ sich eine gelungene Anleitung ergurgeln, nämlich diese Pdf-Datei von jostark.de:

Scannen von Dias mit Reflecta DigitDia 4000 und Silverfast AI

Also die Seiten 2 bis 9 ausgedruckt (Seite 1 ist nur maximale Tintenverschwendung) und los gingen unsere Versuche mit Silverfast. Gegenüber der ausführlich geschriebenen Anleitung haben wir nur wenige Änderungen vorgenommen:

Auf Seite 5 wird in der unteren Dialogbox zweimal „Adobe RGB“ eingestellt. Dies erscheint mir für die meisten Hobby-Anwender wenig empfehlenswert. Solange man zuhause nicht sämtliche Arbeitsschritte der Fotobearbeitung kalibriert und für das Adobe-RGB-Farbprofil vorbereitet hat – von der Erzeugung (Scanner, Digitalkamera) über die Bildbearbeitung bis zur Ausgabe (Drucker, externer Fotobelichter) – solange erscheint mir die Verwendung des erweiterten Farbraums Adobe RGB nicht sinnvoll. Man handelt sich eher seltsame Probleme mit flauen Farben etc. ein. Also diese Einstellungen besser auf „sRGB“ belassen, dem allgemeinen Standard.

Das auf Seite 9 empfohlene nachträgliche Verkleinern der 3600ppi-Scans auf 85% (mit einem batchfähigen Bildbearbeitungsprogramm) haben wir auch weggelassen. Wenn nötig, kann man dies später noch immer machen. Der zusätzliche Arbeitsschritt spart zwar etwas Speicherplatz, aber wirkliche Vorteile kann ich darin nicht erkennen – eher das Risiko, dass die Bildqualität doch darunter leiden könnte. Dann lieber die Jpg-Dateien so lassen, wie sie sind. Festplattenplatz ist ja heutzutage nicht mehr soooo knapp.

Silverfast AI: Jpg-SpeicherfehlerNachdem die erste Urlaubsreise mit knapp 500 Dias (in 10 Magazinen) gescannt wurde, konnten wir folgendes Zwischenfazit ziehen: Bei 5 oder 6 Dias traten seltsame Bildfehler auf – wie rechts zu sehen. Etwa 1% der Bilder erforderten also einen zweiten Scan. Offenbar kommt die Windows-Version von Silverfast AI da bei der Jpg-Speicherung durcheinander. Eine Internetsuche und eine Problembeschreibung im Traumflieger-Forum brachte leider auch keine Lösung. Beim Zweitscan der fehlerhaften Bilder waren noch immer 2 von 5 fehlerhaft (40%!). Aber beim dritten Versuch packte es der Scanner dann. (Bei Versuch 4 würde ich das Dia um 90 Grad drehen und nach dem Scan zurückdrehen, um den Jpg-Algorithmus auszutricksen.) Ein ärgerlicher Fehler, aber man kann damit leben, da er ja nur sehr selten auftritt. In jedem Fall sollte man sich die Scans in voller Bildschirmgröße kritisch anschauen, bevor man die entsprechenden Dias ausrangiert.

Soweit also bisher meine Erfahrungen und Tipps zum Thema Diascan. Praktisch wäre es, wenn sie sich entsprechend auch auf Kleinbild-Negative übertragen ließen, denn davon habe ich auch noch einige tausend in mehreren Fotokisten. Den Negativen wird man jedoch nicht so leicht mit Magazinscannern oder mit Abfotografieren beikommen können, denn sie sind bekanntlich nicht gerahmt. Da wird’s wohl irgendwann einmal auch der Flachbettscanner richten müssen…

Frisch auf dem Leuchttisch: Paris 1954

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Bildbearbeitung Buch und Heft Fotografie

Chip 03-2011

Fotografisches in der neuen Chip-Ausgabe

Vorgestern erschien die neue Ausgabe des monatlichen Computermagazins Chip, die ich mir heute gekauft habe (in der Version „Chip 100“ mit 2 DVDs). Damit Rolands Fotokurs etwas mehr Blog-Charakter bekommt (und nicht nur aus den Lektionen im Hauptmenü besteht), habe ich mir vorgenommen, künftig auch Zeitschriften und Bücher hier vorzustellen. Bei Computerzeitschriften etc. berichte ich natürlich unter dem fotografischen Blickwinkel, denn hier geht es ja um Fotografie. Computer sind da nicht Selbstzweck, sondern allenfalls nützliches Werkzeug.

Die aktuelle Chip-Ausgabe bringt auf DVD 1 eine Version von „Zoner Photo Studio 12“ mit. Für die Vorgängerversion 10 habe ich vor gut einem Jahr noch etwa 20 Euro (?) ausgegeben – allerdings mit buntem Karton, Handbuch und Anaglyphenbrille dabei. Hier bekommt man also den Nachfolger für 5 Euro (bzw. 6,50 in der Chip100-Version). Auch wenn ich den Nachfolger noch nicht ausprobiert habe, kann ich über Version 10 schon einiges Gutes berichten. Sie hat ein einfaches Panoramatool und auch ein einfaches 3D-Werkzeug mit an Bord (für beides gibt es zwar bessere, aber auch kompliziertere Freeware), stellt die Bilder schnell und übersichtlich dar, kann Jpgs verlustfrei drehen und hat z.B. für Farbverläufe sehr einfach zu bedienende Werkzeuge an Bord. Die Version 12 von der Chip-DVD werde ich daher auf jeden Fall demnächst installieren und ausprobieren.

Aus fotografischer Sicht weitere interessante Inhalte sind beispielsweise die folgenden Artikel:

  • „3D ohne Brille“ über die Technologie autostereoskopischer Displays (sowas hat ja in Klein bereits die Fuji W1 bzw. W3).
  • „Wer filmt am schönsten?“ über HD-Videos mit digitalen Fotokameras.

In den Hardware-Produktvorstellungen wird der 3D-Camcorder Panasonic HDC-SDT750EG vorgestellt (mit dem wichtigen Hinweis auf die geringe Stereobasis, die den 3D-Effekt hauptsächlich auf den Nahbereich begrenzt, weshalb manche Stereoskopiker boshaft „Pornosonic“ zu diesen Camcordern mit 3D-Vorsatz sagen – dies steht natürlich nicht in dem Artikel).

Auch die Canon PowerShot S95 und die Panasonic Lumix DMC-GH2H werden kurz vorgestellt.

Softwaretests enthält die Chip auch, diesmal unter Anderem ImageConverterPlus 8 für etwa 12 Euro oder die Iphone-App ProCamera 3.0 für ca. 2,50 Euro.

Die DVD 1 enthält außer dem bereits genannten Zoner Photo Studio 12 Home (Keine Registrierung nötig) auch das Jahresarchiv der Chip-Ausgaben von 2010, wo sich u.A. die Foto-Tipps des letzten Jahres als Pdf lesen lassen. Auch ist das Programm Ashampoo Slideshow Studio Elements vorhanden (Registrierung nötig), mit dem sich einfach Diashows erstellen lassen, die als WMV-Film gespeichert werden.

Auf einer Doppelseite gibt es wieder Tipps zur Fotografie bzw. Bildbearbeitung:

  • Berpanorama mit Spiegelung im See versehen
  • Alte Schwarz-Weiß-Fotos durch Kolorieren aufbessern
  • Portraitaufnahmen alter Menschen charaktervoll verschönern
  • Personenpulks zu schemenhaften Geistern auflösen

Zwar werden die Bildbearbeitungsschritte gewöhnlich anhand von Photoshop erklärt, aber wenn man das Prinzip verstanden hat, kann man mit GIMP oder einem anderen ebenenfähigen Bildbearbeitunsprogramm ganz ähnlich vorgehen.

Auf der 2. DVD (in der Ausgabe „Chip 100“) geht es wiederholt um das Thema Spionage und Überwachung. Aber das ist ja nicht Thema hier im Blog – für einen Aufpreis von EUR 1,50 erhält man aber auf der zweiten Scheibe eine Menge Infos (beispielsweise als Videos) und Software. Also vielleicht vorher überlegen, ob die zweite Scheibe gewünscht ist – denn per Nachbestellung ist sie teurer.

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Fotografie Fotos

Kopenhagen im Sofortbild-Look

Als Test der wordpress-eigenen Galeriefunktion hier meine simulierten Sofortbilder des letzten Urlaubs: Kopenhagen zwischen Weihnachten und Silvester 2010. Die Bilder wurden mit der Canon EOS 60D gemacht und mit dem kostenlosen Programm Poladroid in einen Sofortbild-Look umgewandelt. Man kann dort auch einstellen, ob die Fingertapsen auch auf dem Fotobereich oder nur auf dem Papierbereich zu sehen sein sollen. Oder halt gar nicht, aber das fand ich zu langweilig. Daher gibts zunächst Fingerabdrücke auf allen Bildern und später nur auf dem Rand:

Dies ist also meine erste WordPress-Fotogalerie. So dolle finde ich sie nicht. Hier kann man offenbar nur alle Bilder des Artikels als Galerie zeigen und nicht bloß eine Auswahl. Auch die Optik ist „naja“; eine Lightbox wäre mir lieber.

Es wird zwar an etlichen Stellen die NextGEN Gallery empfohlen, weil die schicker ist und mehr kann. Aber ich hab noch nicht rausgefunden, ob man diese überhaupt hier bei einem kostenlosen Konto auf wordpress.com einbinden kann.

Falls Ihr hierauf eine Antwort habt, oder falls Ihr was zu den Fotos schreiben möchtet, freue ich mich auf Eure Kommentare.

Das Programm zum Erstellen des Sofortbild-Looks heißt Poladroid und wird hier vorgestellt: http://www.chip.de/downloads/Poladroid_34779002.html

Viel Spaß beim Qualitätsverschlechtern Eurer Fotos. :-)