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Erdbeben in San Francisco

Erdbeben 1906 in San Francisco:
Fotos in Farbe und 3D

Von 150 Jahre alten 3D-Fotos war hier schon die Rede (Editorial April 2010). Diese waren entweder Schwarzweiß, oder sie wurden nach der Aufnahme und Vergrößerung handcoloriert.

Doch nun sind über 100 Jahre alte Farbfotos aufgetaucht, die die Folgen des schweren Erdbebens 1906 in San Francisco zeigen. Etliche Medien berichteten darüber – beispielsweise Spiegel Online. Farbfotos aus einer Zeit, wo es noch keine Farbfilme gab, das ist natürlich etwas ganz Besonderes. Offenbar hat der Fotograf mit entsprechenden Farbfiltern jede der drei Grundfarben getrennt aufgenommen und diese Farbauszüge dann passgenau übereinandermontiert. Und: Er hat dies mit einer Stereokamera getan.

Leider präsentieren die berichtenden Artikel die Bilder jedoch nicht in einer Weise, dass man sie vernünftig in 3D anschauen könnte.

Freundlicherweise stellt jedoch die Smithonian Institution einige dieser Bilder auch hochauflösend zur Verfügung. Und erläutert, dass der Fotograf Frederick Eugene Ives von 1856 bis 1937 lebte. Nun werden Fotos 70 Jahre nach dem Tod des Fotografen gemeinfrei, so dass man keine Copyright-Gesetze bricht, wenn man diese Bilder weiterverarbeitet. Also kann man sie in StereoPhoto Maker laden, stereoskopisch und farblich justieren lassen, wenn nötig verkleinern und mit dem StereoPhoto Viewer Applet im Web präsentieren. Nach Anklicken der folgenden 4 Vorschaubilder öffnen die Bilder auf meiner Homepage. In dem Applet kann man wählen, in welcher Weise sie angezeigt werden sollen:

Erdbeben 1Erdbeben 2Erdbeben 4Erdbeben 5In Anaglyphen-Darstellung leiden die Echtfarben natürlich deutlich. Aber vielleicht klappt es ja mit dem Kreuzblick, oder vielleicht habt Ihr ja einen 3D-fähigen Bildschirm. Auf jeden Fall finde ich es eine Besonderheit, Farbfotos in 3D anschauen zu können, die mehr als 100 Jahre alt sind. Vielen Dank an das Smithonian Institute.

Das zweite Bild zeigt an den verwischten Personen übrigens deutlich, dass die Farbauszüge nacheinander aufgenommen wurden, während die Links-Rechts-Ansichten gleichzeitig entstanden sind. Es war also eine Stereokamera im Einsatz. Dies erklärt auch die für manche Aufnahmen etwas zu geringe Stereobasis. Aber wir wollen mal nicht meckern. Die Fotos sind stereoskopisch eine kleine Besonderheit, aber farblich eine echte Sensation. Bleibt nur zu hoffen, das San Francisco beim nächsten großen Beben besser davonkommt. Denn von Erdbeben-Schreckensmeldungen haben wir momentan wohl mehr als genug.

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3D-Fotografie Fotografie Fotokurs

Stereoskope und Lesebrillen

Eine kurze Notiz, da ich gestern beim Aufräumen einen Zettel wiedergefunden habe. Erst aber die Geschichte dazu:

Vor ein paar Monaten hatte ich meine ersten Holmes-Stereokarten als 10×15-Fotos belichten lassen, um diese mit dem London-Stereoskop („Owl“) anschauen zu können. Das klappt soweit ganz prima, aber ich hatte die Idee, mit solchen Linsen doch vielleicht ein Brillengestell ausstatten zu lassen, damit man nicht immer diesen Viewer halten muss. Natürlich muss man dann den Abstand selber treffen und die Karten schön gerade halten, aber das sollte ja zu schaffen sein – meine Experimente mit Lesebrillen stimmen mich da zuversichtlich.

Also bin ich in eine Filiale von Apollo-Optik, habe dort das Stereoskop vorgeführt und gefragt, was das für Linsen sind und wie teuer so eine Spezialbrille würde. Das Personal war sehr nett und man hat sich richtig Zeit genommen. Man hat die Owl vermessen und mir den Dioptrienwert mitgeteilt; ebenso von dem Pentax-Viewer, den ich auch dabei hatte, und der sich gut für Parallelblick-Stereos auf dem Smartphone-Display eignet. Hier die Werte:

  • London-Stereoskop: 6,25 Dioptrien
  • Pentax 3D-Betrachter: 8 Dioptrien

Zum Vergleich: Die stärksten Billig-Lesebrillen, die man bei Ramsch & Co. bekommt, haben gewöhnlich 3, 3.5 oder 4 Dioptrien.

Aber es gibt noch einen Unterschied: Wie es ausschaut, haben die Stereo-Viewer zusätzlich ein Prismen-Element in der Linse integriert, so dass die Bilder übereinander erscheinen, ohne dass man seine Augen in Parallelblickstellung zwingen muss. Dies hat es letztlich etwas zu teuer gemacht mit der Spezialbrille. Trotzdem ein Dankeschön an Apollo-Optik für die Messungen und die tolle Beratung.

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Editorial November 2010

Liebe Leser meines Fotokurses,

bereits im April hatte ich einen 3D-Betrachter empfohlen; auch diesmal geht es um das Thema 3D. Anlass ist ein Angebot von Aldi Süd gerade jetzt, in der ersten Novemberwoche 2010. Dort wird für sensationell günstige 2,99 Euro ein 3D-Bilderbuch für Kinder verkauft, das ein gar nicht mal so schlechtes Stereoskop mitbringt. Es gibt 6 verschiedene Themen, darunter Ozeane, Dinosaurier, gefährliche Tiere etc, aber hier geht es ja nicht um die Inhalte, sondern die 3D-Linsen. Alle Bücher sind gleich aufgebaut, und in ihrem Deckel ist ein Stereoskop integriert, das sich natürlich mit Messer oder Schere auch abtrennen lässt, um es ohne das Buch nutzen zu können.

Also auf zu Aldi Süd und Stereoskope kaufen! So günstig bekommt man sonst kaum einen Einstieg in diese Materie.

Hier noch ein paar technische Daten, beispielsweise um passende eigene Stereokarten zu drucken (kann man mit dem kostenlosen Programm StereoPhoto Maker machen): Der Linsenmittenabstand beträgt 65mm und der Fotomittenabstand 60mm; Breite des Doppelbildes 120mm.

Die Holmes-Karten, die ich mir bisher für das OWL-Stereoskop aus dem Buch „A Village Lost and Found“ habe drucken lassen (Fotoformat 10×15), sind also leider zu breit hierfür. Auf 9×13 könnte es aber gut passen. Dies werde ich testen, bevor ich das erste Mal Stereokarten samt 3-Euro-Stereoskop verschenke. Vermutlich kauf ich noch 10 von den Büchern genau für diesen Zweck…

Und, Smartphonebesitzer aufgepasst: Der Viewer eignet sich gut als Stereoskop für das Smartphone. Mit meinem Motorola Milestone funktioniert es; dessen Bildschirm ist 8cm breit. Also sollte es auch mit iPhone & Co funktionieren. Ich kann jedenfalls damit Youtube-3d-Videos schauen, sofern diese als Parallelvideo gespeichert sind und nicht im Kreuzblick-Format. Und Parallelblick-Fotos lassen sich sowieso darstellen, und davon gibts ja Tausende im Netz. Ein netter Gag ist das allemal, 3D auf dem Smartphone. Und die Farben sind besser als in Anaglyphendarstellung.

Daher also mein Kauftipp. Jedoch müsst Ihr schnell sein; die 3D-Bilderbücher sind bestimmt nicht lange im Aldi-Sortiment.

Dreidimensionale Grüße, Euer Roland

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Editorial April 2010

Liebe Freunde der Fotografie,

meine Empfehlung aus dem ersten Editorial ist wohl mittlerweile erledigt, aber auch diesmal soll es um das Thema 3D-Betrachter gehen. Denn die Anaglyphen mit den zweifarbigen Brillen sind bekanntlich nicht jedermanns Sache. Wer seine 3D-Fotos mit den richtigen Farben sehen möchte, interessiert sich vielleicht für den folgenden Tipp:

Man kann seine Fotos im Format einer Stereokarte ausdrucken bzw. drucken lassen. Auch darin unterstützt einen das hier im Fotokurs vorgestellte Programm StereoPhoto Maker. Um diese Stereofotos zu betrachten, braucht man (sofern man nicht den sogenannten Parallelblick beherrscht) einen Stereobetrachter, auch Stereoskop genannt.

Buch und Stereoskop
Buch und Stereoskop

Für knapp 30 Euro kann man z.B. bei Amazon.de das englischsprachige Buch A Village Lost and Found bestellen, dem ein gutes Stereoskop beiliegt. Wie man auf dem (durch Anklicken vergrößerbaren) Foto sehen kann, wird es in einen stabilen Schuber geliefert, der außer dem großen Buch auch eine Kassette enthält, in der das Stereoskop liegt. Mit wenigen Handgriffen lässt es sich flach zusammenlegen bzw. wieder betriebsfertig aufbauen.

Inhalt des Buches ist eine etwa 150 Jahre alte Serie von Stereofotos einer ländlichen Idylle. Der Ort Hinton Waldrist in England wurde von dem Fotografen T. R. Williams ausführlich portraitiert. Wenn man bedenkt, dass die Fotografie damals noch eine sehr junge Disziplin war, kann man nur staunen, zu welchen Ergebnissen es der Fotograf mit seinen Stereokarten gebracht hat, die großenteils handkoloriert verkauft wurden.

Autor Brian May (ja, genau DER Brian May) und seine Co-Autorin Elena Vidal haben mit detektivischem Spürsinn viele interessante Details zu T. R. Williams und seiner bedeutsamen Fotoserie herausgefunden. So war lange Zeit nicht einmal bekannt, in welchem Ort die Fotos aufgenommen waren. Sofern sich ein Vergleich zur heutigen Bebauung in diesem Ort anbietet, werden auch moderne Stereobildpaare gezeigt, wie man auf der aufgeschlagenen Seite gut erkennen kann.

Das Buch und auch das sonstige „Zubehör“ machen einen hochwertig verarbeiteten Eindruck. Zwar kann man den Viewer auch einzeln bei der LondonStereoscopic Company bestellen, aber mit Auslandsporto kommt man auf einen ähnlichen Preis und hat dann nur das Stereoskop ohne das schicke Buch. Daher empfehle ich die Bestellung des Buches (samt Stereoskop) bei Amazon.de oder bei einem Buchhändler Deines Vertrauens, falls der dieses englische Buch ebenfalls für ca. 30 Euro liefern kann.

Falls das Thema auf erkennbares Interesse stößt, werde ich vielleicht mal einen Artikel über verschiedene Stereoskope und das Drucken von eigenen Stereokarten schreiben. Aber dafür müsste ich erst mal selber welche drucken. Sobald ich mit „A Village Lost and Found“ durch bin, werde ich mich daran machen, den Stereo-Viewer mit eigenem Bildmaterial zu testen.

Herzliche Grüße, Euer Roland