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Schwarzweißfotos aus Raw-Dateien

Adieu Farbe: S/W-Fotos aus Raw-Dateien erzeugen

Moderne Digitalkameras bieten oft neben dem üblichen Verfahren, Bilder als JPG-Dateien zu speichern, auch eine Speicherung als Raw-Datei an. Doch manch ein Digitalfotograf schreckt davor zurück, weil er meint, die Nachbearbeitung wäre wohl sehr kompliziert. Zu Unrecht, denn selbst bei nur geringfügiger Nachbearbeitung bieten Fotos aus Raw-Dateien bessere Qualität, viel mehr Möglichkeiten und einfachere Handhabung. An einem Beispiel möchte ich hier zeigen, wie einfach dies ist.

Raw-Dateien werden oft als „digitale Negative“ bezeichnet. Denn genauso wie ein Negativ aus einem Filmstreifen ermöglicht, Abzüge mit unterschiedlichen Einstellungen zu machen (mehr oder weniger Farbsättigung, Kontrast, Helligkeit, etc.), bieten auch Raw-Dateien diese Möglichkeiten. Und zwar (genau wie beim Negativ) ohne dass dabei das „Negativ“ verändert wird. Daher spricht man auch von der „Entwicklung“ von Raw-Dateien. So kompliziert wie in der Dunkelkammer ist es jedoch bei Weitem nicht.

Haupt-Vorteil von Raw-Dateien ist, dass die Einstellungen jederzeit verändert und wieder ohne Verluste zurückgenommen werden können. Dies ist deshalb möglich, weil in der Raw-Datei die Pixel quasi so gespeichert sind, wie der Kamera-Sensor sie sieht. Alle Einstellungen, die bei Speicherung als JPG direkt in der Kamera auf das Bild angewendet werden (Farbsättigung, Nachschärfung, Weissabgleich, etc.) können in der Raw-Datei noch nachträglich verändert werden – und zwar verlustfrei. Man muss sich also nicht mehr ärgern, wenn man z. B. den Weissabgleich in der Kamera nicht richtig eingestellt hatte oder wenn man eine andere Einstellung von Kontrast, Farbsättigung oder Schärfe hätte wählen sollen. Man kann es nachträglich kinderleicht und ohne Qualitätsverluste verändern. Dass die Bearbeitung von Raw-Dateien gar nicht schwierig ist, zeigt das folgende Beispiel:

Raw-Datei öffnen

Screenshot 1
Schritt 1: Raw-Datei öffnen

Kameras, die Raw-Dateien aufzeichnen können, liegt gewöhnlich mindestens ein Programm bei, mit dem diese Dateien auch bearbeitet werden können. Denn im Gegensatz zu allgemein üblichen Bilddatei-Formaten wie JPG oder TIF kocht bei Raw jeder Hersteller bei fast jedem Kamera-Modell sein eigenes Süppchen. Das ist auch leicht verständlich, wenn man bedenkt, dass es ja sozusagen die Roh-Daten des Kamera-Sesors sind, und auch die Bildsensoren und die interne Nachbearbeitung bei verschiedenen Kamera-Modellen meist unterschiedlich sind.

Freundlicherweise hat mir Ilonka gestattet, einen Schnappschuss von ihr als Beispiel-Foto zu verwenden. Entstanden ist das Bild mit Tele und Bildstabilisator bei einem Besuch im Wildpark bei trübem Winterwetter. Daher auch die Einstellungen von ISO 800 und Blendenautomatik mit 1/100stel Sekunde Verschlusszeit. Diese Zeit ist dank Bildstabi auch mit 300mm Tele noch ohne Verwackler aus der Hand aufzunehmen.

Als Programm für die Raw-Bearbeitung lag meiner Canon EOS 20D das Programm „EOS Viewer Utility“ bei – neuere EOS-Kameras haben das Programm DPP (Digital Photo Professional) im Lieferumfang, auf das ich mittlerweile auch umgestiegen bin, wie das Tutorial zeigt, wenn man dem Link folgt. Die Screenshots dieser Seite (die sich durch Anklicken vergrößern lassen) sind aber noch mit dem EOS Viewer Utility entstanden, was im Prinzip ganz ähnlich arbeitet. Es gibt zwar Raw-Konverter, die wesentlich umfangreichere Einstellmöglichkeiten bieten, aber Zweck dieser Seite soll ja sein, die Einfachheit der grundlegenden Raw-Bearbeitung zu zeigen.

Mit dem EOS Viewer Utility lassen sich die Dateien auch über USB-Kabel von der Kamera abholen – sowohl Jpgs als auch Raw-Dateien. Wie man sieht, tragen Raw-Dateien der 20D die Datei-Endung „.CR2“. Man bekommt die Bilder übersichtlich als Miniaturen angezeigt und kann (wie hier zu sehen) auch ein Bild größer darstellen lassen und mit STRG-T ein Extra-Fenster für die „RAW-Einstellung“ öffnen.

Digitale Belichtungskorrektur

Screenshot 2
Schritt 2: Belichtungskorrektur

Der Schnappschuss erscheint auf dem ersten Bild etwas zu dunkel. Deshalb schieben wir den Schieberegler „Digitale Belichtungskorrektur“, den man oben links in dem Einstellungs-Fenster sieht, ein Stück nach rechts. Bei 0,7 Blendenstufen hellerer Belichtung sieht das Bild doch schon ein Stück freundlicher aus, oder?

Histogramm

Bei der digitalen Belichtungskorrektur sollte man das „Histogramm“ im Auge behalten, das im Programm oben rechts angezeigt wird. Es zeigt die Verteilung der Helligkeitswerte im Bild. Ganz links sieht man die Menge der sehr dunklen Pixel; ganz rechts die der hellen. Da dieses Foto aber keine wirklich weissen Flächen hat, ist es ganz okay, wenn die Histogramm-Kurve auch nach der digitalen Belichtungskorrektur nicht bis ganz nach rechts reicht.

Gut ist es bei den meisten Fotos, wenn im Histogramm weder ganz links (bei schwarz) noch ganz rechts (bei weiss) eine große Pixelzahl angezeigt wird. Denn dies würde bedeuten, dass ganz dunkle bzw. ganz helle Partien im Bild ohne Zeichnung sind. Aber das kennen die meisten sicherlich schon von ihrer Digitalkamera bzw. aus dem Bildbearbeitungs-Programm. Näheres zu Histogrammen und Tonwertkorrekturen gibt es in Lektion 5 des Aufbaukurses.

Will man das Foto als Farbbild verwenden, kann man es an dieser Stelle schon konvertieren und als Jpg- oder Tif-Datei speichern. Doch auf dieser Seite geht es ja um Schwarz-Weiß-Fotos, und daher kommen zunächst noch zwei weitere Schritte:

Umstellen auf Schwarz/Weiß

Screenshot 3
Schritt 3: Umstellen auf S/W

Mit einem einzigen Klick kann man das Foto auf „S/W“ umstellen lassen. Und bei Nichtgefallen natürlich auch gleich wieder zurück auf „Standard“, denn die Farb-Informationen werden bei Raw-Dateien ja nicht gelöscht, sondern bleiben erhalten.

Natürlich hätte man auch gleich in der Kamera den S/W-Modus aktivieren können und schwarz-weiße Jpg-Dateien abspeichern lassen können. Aber dann hätte man die Farb-Informationen für immer verloren und könnte nicht zuhause in aller Ruhe probieren, für welches Motiv sich S/W lohnt und welches besser in Farbe bleibt.

Übrigens, um weiterem „Gemecker“ in den Kommentaren vorzubeugen (siehe z.B. hier): Ich verwende hier den Begriff „Schwarzweiß“ so, wie er landläufig eingesetzt wird, auch wenn es natürlich korrekterweise „Graustufen“ sind und nicht bloß Schwarz und Weiß. Aber wenn jemand von Schwarzweißfoto oder Schwarzweißfilm spricht, dann ist ja auch klar, was gemeint ist.

Filtereffekte anwenden

Screenshot 4
Schritt 4: Filtereffekt Rot

Professionelle S/W-Fotografen haben schon vor vielen Jahrzehnten erkannt, dass sich die Wirkung von Schwarz-Weiß-Fotos durch Vorsetzen von Farbfiltern vor das Objektiv stark beeinflussen lässt. Natürlich sieht man die Farbtönung bei Schwarzweiß-Film nachher im Foto nicht, aber wenn man beispielsweise einen Orangefilter für die Aufnahme eines blauen Himmels mit weißen Wolken verwendet, wird das Himmelsblau durch das Filter-Orange stark abgedunkelt, während das Weiß der Wolken kaum beeinflusst wird. Die Folge sind Landschaftsaufnahmen mit ganz tollen Wolken-Kontrasten. Ein S/W-Fotograf hat daher häufig eine ganze Reihe knallbunter Farbfilter in seiner Fototasche.

An Digitalkameras wie z.B. Canons 20D oder 350D (und Folgemodelle) gibt es die Möglichkeit, die Wirkung solcher S/W-Farbfilter elektronisch zu simulieren, so dass man sich Kauf und Mitschleppen dieser S/W-Filter getrost sparen kann. In den Tiefen des Kameramenüs finden sich die Einstellungen für S/W-Fotos und dort auch die entsprechende Auswahl der Filter Gelb, Orange, Rot und Grün. Man kann so den entsprechenden Filter schon bei Aufnahme auswählen und sieht dann das Ergebnis auf dem Monitor in Schwarz/Weiß mit dem entsprechenden Filter-Effekt. Hat man die Aufnahme in Raw gemacht, kann man dies aber auch nachträglich in der Software erledigen. Daher fotografiere ich generell in Farbe und Raw, so dass ich die unterschiedliche Wirkung der Farbfilter nachträglich am PC beurteilen kann. Auf der Woodstuff-Homepage und auf der Seite Wallis BirdNovember 2007 in Köln finden sich zahlreiche S/W-Fotos von mir, die nachträglich im EOS Viewer Utility gefiltert wurden.

Für das Beispielfoto dieser Seite habe ich die Filterung in Rot ausgesucht, da das Rotfilter den schönen Effekt hat, Hauttöne zu glätten und eventuell vorhandene leichte Hautunreinheiten zu kaschieren. Heraus kommt ein gelungenes S/W-Foto, das ganz einfach in 4 Schritten erzeugt wurde.

Nach Auswahl des gewünschten Filters sollte man noch einmal einen Blick auf Histogramm und Helligkeits-Eindruck werfen, denn je nach Filter ändert sich die Wirkung des Fotos unter Umständen deutlich. In unserem Beispiel kann man es aber so lassen, finde ich.

Screenshot 5
Schritt 5: Konvertieren / speichern

Nun fehlt nur noch ein Rechts-Klick auf das Foto, so dass sich das Kontextmenü öffnet (oder Drücken von STRG-S). Dort lässt sich der Menüpunkt „Konvertieren und in Datei speichern“ auswählen. Dann öffnet sich ein weiteres Fenster, in dem die Möglichkeit besteht, die Raw-Datei entweder als JPEG oder als TIFF abzuspeichern. Diese Dateien kann man dann gut zur weiteren Verwendung des Fotos in der Bildbearbeitung (PhotoShop, PhotoImpact, GIMP, TOP-Tool, etc.) nutzen. Bei Bildern für meine Homepages werden die Fotos dort noch verkleinert, nachgeschärft, mit dem Website-Schriftzug versehen und als Jpg in meinem Homepage-Verzeichnis gespeichert. Aber dies ist eine andere Geschichte.

Wie man sieht, ist die „Entwicklung“ von RAW-Dateien („digitalen Negativen“) gar nicht so schwer. Selbst die Erstellung hochwertiger Schwarz-Weiß-Fotos ist so deutlich einfacher als in der Bildbearbeitung. Daher kann ich jedem, dessen Kamera RAW unterstützt, die Verwendung nur sehr empfehlen. Nur wenn der Platz auf der Speicherkarte mal knapp wird oder wenn eine längere Sequenz von schnellen Serienaufnahmen benötigt wird, wechsele ich in der Kamera zum Jpg-Format, denn aufgrund der Größe der Raw-Dateien brauchen diese mehr Platz und länger zum Speichern.

Und selbstverständlich muss man nicht jedes Bild einzeln öffnen und konvertieren. Nach einer Foto-Tour übertrage ich die Raw-Dateien auf den Rechner und betrachte diese dann der Reihe nach mit dem Raw-Programm. Dort kann ich gleich die Belichtung optimieren und misslungene Bilder löschen. Wenn alle Bilder gesichtet sind, markiere ich sie alle gleichzeitig und wähle dann für alle noch vorhandenen Bilder „Konvertieren und in Datei speichern“. Bei vollem Chip dauert das dann zwar etliche Minuten, aber in der Zeit kann man ja auch mal was anderes machen. Daher kann man bestimmt nicht sagen, die Raw-Bearbeitung sei zu  zeitaufwändig. Selbst wenn ich gar nicht optimiere und gleich alle Dateien konvertiere, habe ich immer noch die gleiche Qualität wie bei Jpg-Fotografie. Aber selbst mit wenigen Sekunden digitaler Belichtungskorrektur der Raw-Dateien holt man jedoch schon eine ganze Menge mehr Qualität heraus. Näheres hierzu findet sich in dem Workflow-Artikel Raw-Bearbeitung.

Wirkung von SW-Filtern

Apfelkiste, farbig
Farbfoto

Wie kommt es eigentlich, dass ein Orangefilter die Kontraste weißer Wolken am blauen Himmel verstärkt, während ein Rotfilter die Haut glatter erscheinen lässt? Kann man die Wirkung von Filtereffekten in der S/W-Fotografie im Voraus abschätzen? Um dieser Frage nachzugehen, lohnt sich ein genauerer Blick auf die rechts abgebildeten 4 Versionen des gleichen Raw-Fotos. Für das Foto habe ich die Kamera zum Einkauf mitgenommen und gehofft, dass ich kein Hausverbot kriege, weil ich die heilige Ordnung in der Obst-Theke durcheinanderbringe. ;-)

Apfelkiste, SW
S/W ohne Filter

Zunächst einmal sieht man das Farbfoto und die einfache S/W-Konvertierung ohne Filter. Der rote Apfel, der sich in Farbe sehr kräftig von den grünen Äpfeln abhebt, ist in der S/W-Version ohne Filter nur bei genauerem Hinsehen von seinen Kollegen zu unterscheiden. Die beabsichtigte Bildaussage geht verloren, denn offenbar wollte der Fotograf ja einen Einzelgänger zeigen – einen, der sich durch Andersartigkeit von der Masse abhebt.

Apfelkiste, Rotfilter
S/W mit Rotfilter

Völlig verloren geht dieser Effekt bei der S/W-Konvertierung mit Rotfilter. Das Rot des Außenseiter-Apfels wird durch das Rotfilter aufgehellt. Wer einen solchen Filter zur Hand hat (oder ein rotes Glas, 3D-Brille, etc.) kann dies testen: Rote Farbtöne erscheinen im Rotfilter heller, während die Komplementärfarbe Grün stark abgedunkelt wird.

Der Abdunklungs-Effekt fällt jedoch bei dem Apfelkisten-Foto nicht auf, denn genauso wie die Kamera beim Fotografieren durch einen Filter die Belichtung entsprechend gegenkorrigiert, gleicht auch der Filtereffekt der Software die Helligkeit des Gesamtfotos entsprechend an.

Apfelkiste, Grünfilter
S/W mit Grünfilter

Fotografiert man jedoch durch einen Grünfilter (bzw. lässt die Software dies simulieren), hebt sich der rote Apfel ganz deutlich von den grünen Äpfeln ab. Auch im Schwarz-Weiß-Foto wird so der beabsichtigte Effekt des originalen Farbfotos gut wiedergegeben. Der Grünfilter wirkt aufhellend auf die grünen Äpfel, während er die Komplementärfarbe Rot des Außenseiter-Apfels abdunkelt.

Fassen wir also zusammen: Farbfilter in der Schwarz-Weiß-Fotografie bewirken, dass der Filterfarbe ähnliche Farbtöne aufgehellt werden, während entgegengesetzte Farben abgedunkelt werden.

Würde man den Wolkenhimmel beispielsweise durch ein Blaufilter fotografieren, so würden sich die Wolken-Kontraste vermindern, was nur in den seltensten Fällen gewünscht sein dürfte. Himmel mit wenig Zeichnung gibt es ja oft genug. Daher nimmt man für Wolkenbilder lieber ein Gelb-, Orange- oder Rotfilter, was die Kontraste anhebt.

Bei S/W-Portraits nimmt man ebenfalls gerne ein Rotfilter, weil die (meist etwas rötlichen) Hautunreinheiten dadurch abgemildert werden und die Haut damit einen glatteren Teint bekommt. Für Fotos der Exfrau oder Exfreundin empfehle ich hingegen einen Grünfilter, wenn man diese Bilder schon veröffentlichen muss… ;-)

Soviel erst einmal zur S/W-Bearbeitung von Raw-Dateien. Einiges mehr über Raw-Konvertierung steht unter dem Thema „Mein Arbeitsablauf“ in dem schon oben verlinkten Tutorial zu DPP. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich mit Raw-Nachbearbeitung vertraut zu machen, wenn die eigene Digitalkamera schon diese Möglichkeit bietet.

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Monitor-Einstellung

Es werde Licht: Die richtige Einstellung des Monitors

Jahrelang habe ich mich mit einem Röhrenmonitor rumgeärgert, der dunklere Farben zu dunkel darstellt. Über die Einstellungen im Bildschirmmenü des Monitors war nichts zu verbessern. Doch nach Installation des hier vorgestellten Freeware-Tools ist mir im wahren Sinne des Wortes ‚ein Licht aufgegangen‘. Daher hier nun meine Tipps zur richtigen Einstellung des Bildschirms.

Doch zunächst noch eine Erklärung zu meinen weiteren Erfahrungen mit diesem Thema: Während sich das Bild meines früheren Röhrenmonitors auf die hier beschriebene Weise stark verbessern ließ und der später angeschaffte TFT-Monitor immerhin leicht verbesserte Ergebnisse zeigte, hat das Programm die Anzeigeprobleme auf meinem Vista-Notebook nicht wirklich lösen können. Auch steuert das Tool den Notebook-Monitor und den angeschlossenen externen Flachbildschirm mit den gleichen Einstellungen an, wodurch eine Verbesserung des einen Bildes gleichzeitig eine Verschlechterung des anderen mit sich bringt. Um dieses Problem zu lösen, habe ich letztlich doch in eine Hardware-Lösung investiert (siehe Traumflieger-Forum). Doch insbesondere für Nutzer mit ’nur‘ 1 Bildschirm mag die folgende Beschreibung nützlich sein:

Erster Test: Der Graukeil

Viele Röhrenmonitore neigen dazu, durch eine zu dunkle Werks-Einstellung den Eindruck von satten und kräftigen Farben zu erzeugen. Vermutlich ist dies von den Herstellern so gewollt, weil es sich wohl besser verkauft. Hingegen ist bei TFT-Flachbildschirmen oft ein umgekehrter Trend festzustellen: Die Leuchtkraft und der Kontrastumfang ist in der Werbung mit angegeben, und so strahlen sie hell um die Wette. Bei etlichen Röhrenmonitoren hat man daher Probleme, Einzelheiten in dunklen Fotos zu erkennen, während viele TFTs dazu neigen, bereits graue Flächen fast schneeweiß darzustellen. Dabei ist es ganz einfach, seinen Monitor zu überprüfen. Einfach mal in der Google-Bildsuche das Wort Graukeil eingeben, oder hier auf diesen Graukeil schauen, den ich für Euch gemalt habe:

Die 11 kleinen Quadrate dieses Graukeils sollten alle einzeln erkennbar und voneinander unterscheidbar sein. Bei meiner dunklen Röhre sahen die Kästchen von 0% bis 20% alle gleich aus, erschienen also wie ein Rechteck und nicht wie drei. Wer einen zu hellen Monitor hat, wird wahrscheinlich Probleme haben, die Stufen 90% und 100% voneinander zu unterscheiden. Für alle, deren Monitor hier nicht 11 unterscheidbare Quadrate anzeigt, besteht also Handlungsbedarf. Wie man das Problem beheben kann, zeige ich gleich.

Übrigens kann es sein, dass der obige Graukeil noch einen weiteren Darstellungsmangel des Monitors offenbart: Die Abbildung mit den Kästchen ist neutralgrau. Falls einzelne oder mehrere Quadrate z.B. einen Grün- oder Rotstich aufweisen sollten, werden wohl die Farben unterschiedlich stark wiedergegeben, denn neutralgrau ist bekanntlich zusammengesetzt aus den gleich starken Grundfarben Rot, Grün und Blau. Doch auch für den Fall eines solchen Farbstichs gibt es eine einfache Lösung.

Echte Kalibrierung des Monitors

Für professionelle und semiprofessionelle Ansprüche gibt es Systeme, die die Helligkeits- und Farbwiedergabe des Bildschirms mit einem Messgerät messen und dann über ein Programm korrigieren, so dass auf dem Bildschirm größtmögliche Farbtreue gegeben ist. Dabei wird auch das Umgebungslicht des Raumes, in dem der Monitor steht, berücksichtigt. Eine solche Messung der Farbwiedergabe ist natürlich ‚unbestechlicher‘ als das menschliche Auge, das sich an gewisse Farbfehler, etc. mit der Zeit gewöhnt.

Auch wenn diese Systeme inzwischen einigermaßen bezahlbar sind, habe ich mich bisher noch nicht näher damit beschäftigt – jedenfalls nicht ausführlich genug für eine Fotokurs-Lektion. Daher soll dies auch nicht Thema auf dieser Seite sein, sondern hier geht es um eine preiswerte (sogar kostenlose) Möglichkeit, die Darstellung des Monitors ‚mit Maus und Auge‘ zu optimieren, auch wenn dies natürlich nicht so genau sein kann wie eine ‚echte‘ Kalibrierung (manche sagen auch Kalibration, ich erwähn’s mal für Google…).

Korrekte Einstellung des Monitors

Erste Versuche, über die Windows-Einstellmöglichkeiten der Grafikkarte zu einem brauchbaren Ergebnis zu gelangen, waren mühsam und nicht wirklich befriedigend. Daher habe ich ein wenig gegoogelt und dabei das Programm Monitor Calibration Wizard gefunden. Es lässt sich beispielsweise bei ZDNet downloaden.

Wichtig: Ich übernehme keinerlei Gewährleistung für Download oder Installation des Programms. Bei mir hat es gut funktioniert, aber ob es auf anderen Rechnern nicht Schwierigkeiten macht, kann ich natürlich nicht garantieren. Es ist nicht mein Programm, und daher kann ich keinen Support und keine Gewährleistung dafür übernehmen.

Es gibt bestimmt noch andere Programme, die eine ähnliche Funktion haben, aber nachdem ich eines gefunden habe, das mir zufriedenstellende Resultate bringt, habe ich nicht weiter gesucht und keine Vergleichstests gemacht.

Das Programm Monitor Calibration Wizard 1.0 ist in Englisch gehalten, aber auch für ‚Krauts‘ mit geringen Englischkenntnissen recht leicht verständlich. Trotzdem gebe ich hier noch ein paar Erläuterungen, die vielleicht hilfreich sind:

Monitor Calibration Wizard, Screenshot 1Zunächst sollte man den Monitor möglichst so einstellen (über die Knöpfe am Bildschirm, meist entweder Drehregler oder Bildschirm-Menü), dass schwarze Flächen auch wirklich schwarz wiedergegeben werden (und nicht etwa mittel- bis dunkelgrau). Ein wirkliches Schwarz (leicht über das Grafik-Programm zu erzeugen) sollte nicht heller erscheinen als der Monitor in ausgeschaltetem Zustand. Dunkler als dieser Ton der ausgeschalteten Mattscheibe geht es halt leider nicht. Weiße Flächen (z.B. Hintergrund in der Textverarbeitung) sollten ‚persilgewaschen‘ aussehen und nicht etwa wie ökiges Recycling-Klopapier.

Auch für diese Einstellungen bietet das Programm nach Klick auf „Run Wizard“ eine Hilfe, indem es ein schwarzes und ein weißes Quadrat zeigt (siehe oben) und empfiehlt, die Helligkeits- und Kontrastregler des Monitors (Brightness und Contrast) auf halbe Stärke zu stellen und zu schauen, ob die beiden Kästchen optimal dargestellt werden.

Monitor Calibration Wizard, Screenshot 2Nach dieser hardwareseitigen Vorarbeit kann es nun losgehen mit der Optimierung der Farben und Helligkeits-Einstellungen des Monitors. Dazu werden drei Test-Seiten gezeigt, wo man die Farbkanäle für Rot, Grün und Blau getrennt einstellen kann. Rechts abgebildet ist die erste dieser Seiten für die Farbe Rot. Die beiden anderen für Grün und Blau sind gleich aufgebaut wie diese.

Wichtig für den Test ist, nicht zu nah am Monitor zu sitzen. Das Programm empfiehlt ca 2 Fuß Abstand, also ca. 60 cm.

Unter ‚Step 1‘ werden nun zunächst die Minimal- und Maximalwerte für die Farbe Rot ermittelt. Für den Maximalwert gibt es ein knallrotes Kästchen mit einem ganz rechts stehenden Schieberegler. Wenn man diesen Regler nach links schiebt, wird sichtbar, dass das rote Kästchen aus zwei Hälften besteht, dessen untere Hälfte durch den Schieberegler verändert wird. Man soll diesen nun so weit nach links stellen, dass gerade noch kein Unterschied zwischen den beiden Hälften des Kästchens wahrgenommen wird. Bei meinem Monitor wurden die Hälften schon bei der geringsten Bewegung des Schiebereglers sichtbar; daher habe ich den Regler ganz rechts lassen müssen.

Der Minimalwert wird durch das schwarze Kästchen darunter überprüft, dessen Regler zunächst ganz links steht. Schiebt man ihn nach rechts, wird die untere Hälfte des Kästchens zunehmend rot. Man stellt ihn so weit nach rechts, dass gerade noch kein Unterschied zwischen den Hälften des Kästchens zu sehen ist. Wie die Abbildung zeigt, war bei meinem ‚finsteren‘ Monitor eine Verschiebung um 2,5 Teilstriche auf der Skala am Schieberegler nötig.

Nun kommt ‚Step 2‘. Insbesondere für diesen Test ist der obige Hinweis wichtig, die Augen etwas vom Monitor zu entfernen. Denn für diesen Test müssen die noch verbliebenen 7 Kästchen so eingestellt werden, dass das mittlere Quadrat möglichst gleich hell erscheint wie das drumherum befindliche Muster. Dies ermöglicht, auch die Zwischenstufen für die Farbe Rot korrekt einzustellen. Man sollte dies daher möglichst gründlich und genau machen. Wenn alle Regler für die Farbe Rot korrekt eingestellt sind, klickt man auf ‚Continue‘ und gelangt weiter zur nächsten Seite.

Auf die gleiche Weise werden nun auch die Schieberegler für die Farbkanäle Grün und Blau eingestellt. Ist dies geschehen, bekommt man die eingestellten Kurven angezeigt und hat die Gelegenheit, die neue Einstellung einem ’15 Sekunden Test‘ zu unterziehen, während desssen das Programm minimiert wird, so dass man den Desktop oder ein evtl. vorher geöffnetes Foto (oder diese Seite mit dem weiter unten folgenden Testbild) anschauen kann. Ist man zufrieden, kann man das Ergebnis mit ‚Apply‘ übernehmen. Anderenfalls verwirft man es mit ‚Cancel‘ (Abbruch).

Das Programm bietet die Möglichkeit, verschiedene Profile mit aussagekräftigen Namen zu laden und zu speichern. So kann eigentlich nichts schiefgehen, denn alles lässt sich so rückgängig machen, falls man nicht zufrieden ist. Hat man die ideale Einstellung gefunden, lässt sich durch ‚Load at Windows Startup‘ festlegen, dass das aktuelle Profil beim Start von Windows automatisch aktiviert wird.

Testbild: Graukeil und Farbkeile

Um die Einstellungen des Programms leichter überprüfen zu können, habe ich den obenstehenden Graukeil auch um 3 Farbkeile für die Grundfarben Rot, Grün und Blau (aus denen jedes Monitorbild aufgebaut ist) erweitert. Hat man alles richtig gemacht, erkennt man nicht nur alle 11 Graustufen-Kästchen (und zwar in neutralgrau ohne Farbstich), sondern auch jeweils alle Kästchen der Grundfarben sind deutlich voneinander zu unterscheiden:

Farbkeile und GraukeilNatürlich ist dieses Testbild nur eine recht simple Kontrollmöglichkeit für die Monitoreinstellungen. Auf etlichen Seiten im Internet finden sich ‚richtige‘ Farbkeile und auch feiner abgestufte Graukeile und sonstige Testbilder, die weitergehende und genauere Einstellungen ermöglichen.

Vorher und Nachher: Ein Vergleich

Je nachdem, wie ‚vermurkst‘ der Monitor vorher die Farben und Graustufen wiedergegeben hat, kommt einem die neue Einstellung eventuell zunächst unnatürlich vor. Wie gesagt: Das Auge gewöhnt sich ja an gewisse Missstände, und eventuell erscheint einem die Wiedergabe vor der Neu-Einstellung natürlicher, weil sie einfach gewohnter ist. Bei meinem damaligen Röhrenmonitor ging mir jedoch tatsächlich ‚ein Licht auf‘. Einige nächtliche Fotos, die ich für meine Bahn-Homepage http://www.streckenkun.de gemacht habe, zeigen auf einmal Details, die ich vorher noch nie gesehen hatte. Dass die Farben der Windows-Programmleiste und Fenster-Titel auf einmal so hell und fast ‚verwaschen‘ erscheinen, hat mich zwar zunächst gestört. Aber man gewöhnt sich auch daran.

Muss ich nun alle Bilder meiner Homepages in der Helligkeit korrigieren? Ich hoffe nicht! Schon seit Jahren habe ich mir angewöhnt, das ‚Histogramm‚ eines Bildes im Grafikprogramm anzuschauen, das die Verteilung von hellen und dunklen Pixeln im Bild zeigt und daher leicht erkennen lässt, ob ein Bild zu dunkel oder zu hell ist. In meinem Bildbearbeitungsprogramm PhotoImpact erschienen die Fotos außerdem schon vorher heller, weil ich dort einmal in den Voreinstellungen des Programms den Wert „Monitorgamma“ entsprechend hoch eingestellt hatte. Dieser Wert wirkte sich aber immer nur auf die Darstellung in der Bildbearbeitung aus, nicht auf sonstige Windows-Programme wie beispielsweise den Internet-Browser. Selbst auf meiner eigenen Website erschienen mir viele Fotos daher zu dunkel. Mit einem richtig eingestellten Monitor sieht man sogar die eigene Website in einem ganz neuen Licht.

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Aufbaukurs, Lektion 5

Berge versetzen: Histogramm und Tonwertkorrektur

In der Lektion über Farbtiefe und in dem Artikel Schwarzweiß (Raw) wurde schon kurz auf Histogramme und Tonwertkorrektur eingegangen. Es gibt aber noch einiges mehr dazu zu sagen, was Thema dieser Lektion sein soll.

Histogramme werden an verschiedenen Stellen eingesetzt, die etwas mit digitaler Bildbearbeitung zu tun haben. Man findet sie auf Displays von Digitalkameras, in Software zum Scannen von Fotos oder Dias, in Programmen zur Konvertierung von Raw-Dateien und natürlich auch in der ganz normalen Bildbearbeitung, also in Photoshop, PhotoImpact, Gimp, oder ähnlichen Programmen.

Zunächst einmal zeigen Histogramme die Helligkeitsverteilung der Pixel eines Bildes. Es ist also nicht wie bei den drei Fotos am Ende dieser Seite spaßeshalber gezeigt eine Abbildung der Kontur bzw. Skyline des jeweiligen Motivs. Vielmehr kann man am Histogramm mit einem Blick abschätzen, ob ein Bild in etwa korrekt belichtet ist, oder ob eine Unterbelichtung bzw. Überbelichtung vorliegt.

Man hat sich darauf geeinigt, die dunklen Farbtöne links im Histogramm zu platzieren, während sich die hellsten Pixel des Bildes ganz rechts im Histogramm wiederfinden.

Hermannsdenkmal, normal belichtet, mit Histogramm
Normales Histogramm

Ein korrekt belichtetes Foto nutzt möglichst den ganzen zur Verfügung stehenden Umfang an Helligkeiten aus, jedoch ohne dass das Histogramm zu sehr am oberen oder unteren Rand abgeschnitten wird. Hier sehen wir das Hermanns-Denkmal in der Nähe von Detmold.

Es war ein trüber Tag, was sich deutlich am Himmel zeigt. Die Belichtung könnte noch einen Tick heller sein, aber man sieht, dass die Histogramm-Kurve gut in den zur Verfügung stehenden Platz hineinpasst. Zwar haben 912 Pixel den Helligkeitswert 0 (sind also schwarz), aber im Vergleich zur Gesamtzahl der Pixel dieses Fotos ist dies unter 1%. Auch die dunklen Mauern haben größtenteils noch ausreichend „Zeichnung“; man kann also Mauerfugen, etc. erkennen. Das Bild hat demnach noch Potential für eine leichte Aufhellung.

Um sein Auge für Histogramme und Helligkeiten zu schulen, ist es ganz hilfreich, einzelne Bereiche des Motivs im Histogramm (und umgekehrt) wiederzuerkennen. Man sieht hier deutlich, dass die Histogramm-Kurve zwei Maxima hat. Es sind im Prinzip zwei „Berge“. Der linke Berg zeigt die dunkleren Tonwerte des Denkmals, während der rechte Berg die helleren Tonwerte umfasst, die hauptsächlich im Bereich des Himmels zu finden sind. Da das Wolkengrau relativ einheitlich ist, bildet das Histogramm hier eine ziemlich steile Bergspitze.

Hermannsdenkmal, unterbelichtet, mit Histogramm
Unterbelichtung

Ein weiteres Foto dieser Serie ist deutlich unterbelichtet. Hier „klebt“ das Histogramm am linken Rand, während es die hellen Farbtöne auf der rechten Seite der Skala gar nicht ausnutzt. Etwa 8 Prozent der Pixel sind komplett schwarz. Dieses Bild ist auch mit Aufhellen nicht mehr wirklich zu retten, da in den dunklen Bereichen des Gemäuers nicht mehr genügend „Zeichnung“ vorhanden ist.

Solche Unterbelichtungen können übrigens leicht auftreten, wenn man eine Person, etc. vor dem deutlich helleren Himmel fotografiert. Je nach Belichtungssteuerung der Kamera kann es dann passieren, dass sich die Kamera durch die großen hellen Flächen täuschen lässt und daher insgesamt zu dunkel belichtet. Bei normalen Personenfotos hilft dagegen z.B. ein Aufhellblitz. Aber gegen Hermann, der sich bekanntlich nicht einmal von drei römischen Legionen beeindrucken ließ, kommt man natürlich mit dem Kompaktkamera-Miniblitz nicht an. Hier hilft dann nur eine Belichtungskorrektur „nach oben“, also längeres Belichten bzw. Blende weiter öffnen.

Hermannsdenkmal, überbelichtet, mit Histogramm
Überbelichtung

Beim dritten Foto dieser Serie habe ich wohl zu weit „nach oben“ korrigiert, so dass das Bild überbelichtet wurde. Man erkennt deutlich im Histogramm, dass etwa 2/3 der Pixel eine Helligkeit von 255 haben, also „markenvollwaschmittelweiß“ sind. Die Wolken haben keinerlei Zeichnung mehr, und auch eine Tonwertkorrektur nach unten kann den „ausgebrannten“ Himmel nicht mehr retten. Statt glatt weiß würde er dann glatt grau, aber die auch bei bedecktem Himmel typischen leichten Helligkeitsunterschiede sind durch die Überbelichtung verloren gegangen.

Allenfalls eine erneute Raw-Konvertierung nach digitaler Belichtungskorrektur könnte hier noch helfen. Denn wie die Lektion über Farbtiefe gezeigt hat, sind ja in einem Raw-Bild deutlich mehr Informationen enthalten als in dem daraus erzeugten Jpg. In diesem Falle allerdings nicht, denn das Bild stammt noch von einer Digitalkamera ohne Raw und wurde daher direkt als Jpg aufgenommen.

Tonwertkorrektur

Mit diesen Grundlagen über Histogramme im Sinn ist es nun kein Problem mehr, sinnvolle Tonwertkorrekturen vorzunehmen, ohne sich das Bild dabei zu verhunzen. Zuvor jedoch noch ein Hinweis: Bei den meisten Bildformaten ist eine Tonwertkorrektur (und die meisten anderen Manipulationen an Farbe, Helligkeit, etc. ebenso) ein Eingriff, der sich nicht verlustfrei umkehren lässt. Daher sollte man sich für alle Fälle das Originalfoto lieber unverändert aufheben und die Korrekturen nur an einer Kopie der Datei vornehmen.

Hafen Hamburg, unkorrigiert
Flaues Foto

Das Beispielfoto stammt diesmal von einer Hafenrundfahrt in Hamburg, bei der das Wetter ziemlich plötzlich umschlug. Links sieht man das quasi unbearbeitete Ausgangsfoto – es wurde nur für die Website auf 900×600 Pixel verkleinert und nachgeschärft. Insgesamt wirkt es deutlich zu dunkel und zu kontrastarm.

Tonwertkorrektur
Tonwertkorrektur-Werkzeug

Klickt man auf das Tonwertkorrektur-Werkzeug des Bildverarbeitungs-Programms (hier: PhotoImpact 12), so bekommt man neben einer Vorher/Nachher-Ansicht auch das Histogramm des Fotos angezeigt. Deutlich sieht man, dass das Bild den möglichen Kontrastumfang bei weitem nicht ausnutzt: Die Tonwert-Kurve kommt weder links noch rechts nahe an den Rand des Histogramm-Feldes.

Automatische Tonwertkorrektur
Automatische Korrektur

Wenn man mag, klickt man testweise auf „Strecken“, um zu sehen, wohin die Reise gehen kann. Manchmal erzeugt dies bereits eine sehr gute Tonwertspreizung, aber in diesem Fall finde ich das Ergebnis etwas übertrieben, da ja die Schlechtwetterstimmung nicht verloren gehen soll. Daher klicke ich auf „Zurücksetzen“ und mache den Vorgang lieber von Hand.

Manuelle Tonwertkorrektur
Schwarzpunkt korrigieren

Zunächst korrigieren wir den linken Rand, also den Schwarzpunkt des Bildes. Wenn man das kleine schwarze Dreieck nach rechts verschiebt, kann man bestimmen, wo die tonwertkorrigierte Kurve beginnen soll. Hier stelle ich den Wert auf 30, da etwa dort die Tonwertkurve beginnt. Das rechte Vorschaubild wird dadurch etwas dunkler.

Korrektur des Weißpunkts
Weißpunkt korrigieren

Im nächsten Schritt wird das weiße Dreieck an den rechten Rand der Kurve geschoben, um den Weißpunkt zu korrigieren. Bei diesem Bild habe ich einen Weißpunkt von 190 gewählt, da die oberen Helligkeitswerte von 190 bis 255 im Originalbild gar nicht vorkamen.

Hätte ich den Weißpunkt weiter bis zum Kurvenmaximum in die Kurve hineingeschoben, so wäre der Himmel ausgebrannt. So aber behält er ein leichtes Grau, was zwar nicht schön ist, aber dem abgebildeten Schietwedder angemessen.

Gammawert korrigieren
Helligkeit anpassen

Nachdem nun die Ränder eingestellt sind (und damit gewissermaßen der Maximalkontrast in der Aufnahme), bleibt noch die Möglichkeit, mit dem grauen Dreieck den Gammawert zu steuern. Dies verändert den mittleren Grauwert der Aufnahme, also die Gesamthelligkeit. Hier schiebe ich den Regler leicht nach links (von 1 auf 1.2), so dass das Foto leicht aufgehellt wird.

Das Ergebnis ist zwar noch immer kein typisches Postkartenmotiv, aber es ist deutlich besser als das oben gezeigte unbearbeitete Original. Unten zum Vergleich die beiden fertigen Versionen – links die von Hand korrigierte und rechts als Alternative die automatische Korrektur mit der Schaltfläche „Strecken“. Welche man schöner findet, ist vermutlich Geschmackssache. Wenn man nach der automatischen Korrektur den Braunton noch entfernen würde, dann würde ich mich vermutlich für die rechte Version entscheiden, auch wenn bei dieser die Tonwertkurve oben und unten leicht abgeschnitten wurde.

Hamburger Hafen Hamburger Hafen

Die einfache Tonwertkorrektur hilft bei einem Großteil der Helligkeits- und Kontrastprobleme schon ganz gut weiter. Sie ist sehr einfach zu handhaben, da sie sehr intuitiv arbeitet, sobald man das Prinzip eines Histogramms verstanden hat. Für spezielle Aufgaben – wie z.B. die Aufhellung der schattigen Bildteile – gibt es einige andere Funktionen in den Bildbearbeitungsprogrammen, beispielsweise die Verwendung von Gradationskurven, etc. Zu einem anderen Zeitpunkt vielleicht mehr dazu. Hier geht es in Lektion 6 nun erst einmal um die Grundlagen der Portraitfotografie.

Histo(ry)gramme: Kölner Dom, Semperoper Dresden, Rathaus Rostock


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Anfängerkurs Fotografie Fotokurs

Anfängerkurs, Lektion 7

Schnelle und langsame Filme: Die Filmempfindlichkeit

Wie bereits in der ersten Lektion gezeigt wurde, hängt die richtige Belichtung sowohl von der Verschlusszeit als auch von der Blende der Aufnahme ab. Es ist also sowohl entscheidend, wie lange das Licht auf den Film bzw. auf den Bildsensor fällt, als auch, wie groß die Öffnung ist, durch die das Licht eingelassen wird. Es gibt aber noch einen weiteren Faktor, und dies ist die „Filmempfindlichkeit“ bei analogen Kameras bzw. „ISO-Empfindlichkeit“ bei Digitalkameras. Damit wollen wir uns in dieser und der folgenden Lektion beschäftigen.

Beispiel für Negativfilm mit 3200 ASAAusschnitt aus dem BildBevor wir auf die Einstellung der Empfindlichkeit an Digitalkameras zu sprechen kommen (siehe Lektion 8), schauen wir zunächst einmal in den Analog-Bereich. Das Bild rechts habe ich 1994 in der Sixtinischen Kapelle in Rom mit einem höchstempfindlichen Film fotografiert. Links sieht man einen kleinen Ausschnitt aus dem Gesamtfoto, der jedoch das Hauptproblem von Filmen mit höherer Empfindlichkeit sehr deutlich demonstriert: Je empfindlicher der Film ist, desto grobkörniger wird das Foto. Dies hat mit der Struktur der winzigen lichtempfindlichen Silberhalogenidkristalle auf dem Film zu tun: Je größer die Oberfläche jedes einzelnen Kristalls, desto empfindlicher ist der Film. Logischerweise können jedoch größere Kristalle das Bild nicht so fein aufgelöst wiedergeben wie kleinere Kristalle. Das Bild wirkt daher körniger, wenn ein Film mit höherer Empfindlichkeit verwendet wird.

An düsteren Orten, wo man weder mit Blitz noch mit Stativ fotografieren kann bzw. darf, bietet ein hoch- bzw. höchstempfindlicher Film jedoch die Möglichkeit, mit kürzeren Verschlusszeiten zu fotografieren, während Aufnahmen mit einem normal empfindlichen Film aus freier Hand garantiert verwackeln würden.

Das gezeigte Foto stammt von einem Film mit ISO 3200 („Konica SR-G 3200“). Gegenüber einem „Schönwetterfilm“ mit ISO 100 ist er 32mal empfindlicher. Wo also mit einem ISO-100-Film eine Verschlusszeit von 1/2 Sekunde notwendig wäre (was ohne Stativ garantiert verwackelt), kann man Michelangelos „Erschaffung Adams“ mit 1/60 Sekunde noch aus freier Hand fotografieren – sehr zum Ärger der vatikanischen Aufpasser, die auch gleich angelaufen kamen und mir weitere Fotos untersagten, obwohl am Eingang stand, nur Stativ und Blitz seien verboten…

ISO, ASA und DIN

Damit kommen wir auch schon zur Skalierung und Angabe von Filmempfindlichkeiten. Heutzutage üblich ist die ASA- bzw. ISO-Angabe, die (vereinfacht gesagt) die gleiche Skala beschreiben. Auch die DIN-Angabe ist noch verbreitet. Wichtig ist, dass man eine Vorstellung hat, wofür die einzelnen Zahlenwerte stehen. Wenn man die Skalen untersucht, stellt man fest, dass es eigentlich ganz einfach ist. Von links nach rechts verdoppelt sich mit jedem Kästchen die Empfindlichkeit des Films. Wie bei den bereits besprochenen Skalen der Verschlusszeiten kommt es also von links nach rechts bei jedem Kästchen zu einer Halbierung der notwendigen Lichtmenge (d.h. der Wert ändert sich um 1 Blendenstufe):

Tabelle der FilmempfindlichkeitenWie man sieht, wird bei doppelter Filmempfindlichkeit der ISO/ASA-Wert ebenfalls verdoppelt, während der DIN-Wert je Blendenstufe um 3 Schritte aufwärts zählt. (Der DIN-Wert wird übrigens mit einem Grad-Zeichen niedergeschrieben, das aber nicht mitgesprochen wird. Man sagt also „21 DIN“). Wer sich merken kann, dass ISO 100 umgerechnet 21° sind, der kann im Kopf schnell ausrechnen, dass der viermal empfindlichere Film mit ISO 400 bzw. 27° bezeichnet wird. Die Filmempfindlichkeit ISO 100/21° ist heutzutage sozusagen der Standardwert, die ’normalste‘ Filmempfindlichkeit. Daher habe ich diesen Wert in der Tabelle auch fett geschrieben.

Natürlich gibt es auch (ähnlich wie bei den Blenden- und Verschlusszeitenwerten) Zwischenwerte, die nicht auf der obenstehenden Skala eingetragen sind. Beispielsweise gibt es Filme mit ISO 64/19° oder ISO 125/22°, meist Schwarzweiss-Filme und/oder Diafilme. Bei Farbnegativfilmen sind allerdings überwiegend die obigen Werte zwischen ISO 100 und ISO 1600 üblich.

Niedrig-, normal- und hochempfindliche Filme

Bei Kleinbildfilmen sind in der Hobby- und Urlaubsfotografie die Filme ISO 100, ISO 200 und ISO 400 die Gebräuchlichsten. Während man zwischen ISO 100 und 200 auf normalgroßen Papierabzügen gewöhnlich keinen Unterschied in der Feinkörnigkeit erkennen kann, ist es evtl. bei einem ISO-400-Film möglich, dass man schon etwas Filmkorn sieht. Es hängt u. A. von der Größe des Abzugs, aber auch von der Beschaffenheit des Motivs und der Helligkeit der Belichtung ab, wann das Filmkorn sichtbar wird, beziehungsweise ab wann es eventuell auch als störend empfunden wird.

Da mit höherer Empfindlichkeit des Films (man spricht auch von „schnelleren“ Filmen) die Bildqualität also schlechter wird (weniger Detailauflösung, mehr Körnigkeit), sollte man daher den Film so „langsam“ wie möglich, aber so „schnell“ wie nötig wählen. Nimmt man einen zu langsamen Film, kommt es leichter zu Verwacklungen. Hat man jedoch einen unnötig schnellen Film genommen, muss man durch das ‚gröbere‘ Filmmaterial und die stärkere Körnigkeit Abstriche an der Qualität hinnehmen.

Die niedrigempfindlichen Filme (z.B. ISO 25 oder ISO 50) finden aufgrund der notwendigen langen Verschlusszeiten im Hobby-Bereich selten Anwendung. Als normalempfindliche Filme gelten daher heutzutage ISO 100 (der „Sonnenschein-Urlaubsfilm“) und ISO 200 (mein Lieblingsfilm, mit dem man auch bei etwas weniger strahlenden Lichtverhältnissen gut zurecht kommt). Wer schnelle Motive fotografiert (z.B. Sportfotografie) wird vermutlich eher zu einem hochempfindlichen Film (ISO 400, oder seltener ISO 800) greifen, was ihm kürzere Verschlusszeiten ermöglicht.

Höchstempfindliche Filme

Die höchstempfindlichen Filme bringen (wie oben am Beispiel Adams zu sehen) deutliche Qualitätseinbußen, so dass sie wirklich nur dann eingesetzt werden sollten, wenn es nicht anders geht (wenn beispielsweise Blitz und Stativ nicht erlaubt sind und nur wenig Licht vorhanden ist). Wobei zu betonen ist, dass ein Film mit ISO 1600 noch deutlich weniger Filmkorn zeigt, als meine Experimente mit dem oben bereits gezeigten ISO-3200-Film.

Übrigens habe ich im Sommer 2005 in zwei Fotogeschäften nach höchstempfindlichen Filmen nachgefragt: ISO-1600-Farbnegativfilm wird nach wie vor produziert, aber ISO 3200, mit dem ich 1994 in Rom fotografiert habe, ist offenbar nicht mehr erhältlich. Daher zeige ich Euch noch einige Bilder mit diesen ‚grausam groben Filmkorn‘ – wie ich finde, hat dies durchaus auch seinen eigenen besonderen Reiz. Neben dem Verlust an Detailauflösung und dem deutlich sichtbaren Korn stellt man auch fest, dass dieser Film seine eigene Art hat, mit Farben und Kontrasten umzugehen. Hier also noch ein paar Bilder aus Rom und aus den Vatikanischen Museen (Musei Vaticani), zu denen auch die Cappella Sistina gehört. Meine Hommage an den krassesten Film, den ich je in meiner Kamera hatte, den „Konica SR-G 3200“:

Engelstatue, aufgenommen mit Konica SR-G 3200 Musei vaticani, aufgenommen mit Konica SR-G 3200 Laokoongruppe, aufgenommen mit Konica SR-G 3200

Natürlich sind die Ergebnisse eines einzelnen Farbnegativfilms mit ISO 3200 nicht als repräsentativ anzusehen, zumal die Bilder jeweils nur einen Ausschnitt des Fotos zeigen. Auch kann man daraus nicht ableiten, dass auch im S/W-Bereich das Filmkorn von höchstempfindlichen Filmen ähnlich grob sein muss. Wer es genauer wissen will, kann ja mal ein paar Tests machen und die Ergebnisse hier für den Fotokurs zur Verfügung stellen…

Einstellung der Empfindlichkeit, DX-Codierung

Als Benutzer einer Kleinbildfilm-Kamera oder einer anderen ‚analogen‘ Kamera ist es wichtig, dass die Kamera (bzw. der Belichtungsmesser) korrekt auf die Empfindlichkeit des gerade verwendeten Filmmaterials eingestellt ist. Bei ‚älteren‘ Kameramodellen muss dies von Hand geschehen. Vergisst man es, und legt z. B. einen ISO-400-Film ein, obwohl der Belichtungsmesser noch von ISO 100 ausgeht, werden logischerweise alle Bilder um das Vierfache (2 Blendenstufen) überbelichtet – der Film bräuchte ja eigentlich nur 1/4 des Lichts. Vermutlich ist mit den Bildern dann nicht mehr viel anzufangen, auch wenn Negativfilme im Gegensatz zu Diafilmen den Vorteil mit sich bringen, dass man (nicht allzu große) Unter- bzw. Überbelichtungen bei Herstellung des Papierabzugs ausgleichen kann.

Um solche Fehlbelichtungen durch falsch eingestellte Kameras möglichst zu vermeiden, haben sich die wichtigsten Kleinbildfilmhersteller Anfang der 1980er Jahre auf einen gemeinsamen Standard geeinigt, wie die Kamera schon an der Filmpatrone erkennen kann, welche Empfindlichkeit (und wie viele Aufnahmen) der enthaltene Film hat. Dieses Verfahren nennt sich DX-Codierung. Ein Bestandteil sind ‚Schachbrettcodes‘ auf der Patrone, die von der Kamera erkannt werden können. Genaueres findet sich unter dem Stichwort DX-Codierung in Wikipedia. Als Fotograf muss man sich dank der DX-Codierung meist heute gar nicht mehr um die Einstellung der richtigen ISO-Empfindlichkeit kümmern, da diese automatisch von der Kamera erkannt wird. Ein kurzer Kontrollblick beim Einlegen ist natürlich trotzdem nicht verkehrt. Besonders auf die Einstellung der Filmempfindlichkeit achten muss jedoch derjenige, der eine Kamera hat, die DX-Codes noch nicht unterstützt, oder wer Kleinbildfilme ohne DX-Code verwendet, oder wer nicht Kleinbildfilm (bzw. APS), sondern ein anderes Filmformat verwendet.

Push-Entwicklung

Was macht man aber, wenn man eigentlich einen ISO-400-Film bräuchte, aber in der Tasche hat man nur noch Filme mit ISO 200? Dann bietet sich die Möglichkeit der „Push-Entwicklung“ an: Darunter versteht man, dass der Film bei der Entwicklung so behandelt wird, dass er eine Empfindlichkeit von ISO 400 hat, obwohl es ein ISO-200-Film ist. Natürlich geht das auch mit anderen Filmen, das Pushen von ISO 200 auf ISO 400 ist also nur ein Beispiel. Es kann sogar um zwei Blendenstufen gepusht werden – beispielsweise von ISO 100 auf ISO 400. Allerdings ist beim Pushen um zwei Stufen mit gewissen Qualitätsverlusten zu rechnen.

Natürlich muss man den Film, den man später bei der Entwicklung im Fotolabor pushen lassen möchte, dann so belichten, wie es der gewünschten Filmempfindlichkeit entspricht. Daher muss man die Filmempfindlichkeit an der Kamera in den obengenanten Beispielen manuell auf ISO 400/27° umstellen. In Wirklichkeit wird der Film daher um 1 bzw. 2 Blenden unterbelichtet. Diese Unterbelichtung wird dann durch eine Verlängerung der Zeit im Entwicklerbad ausgeglichen. Foto-Fachlabors werden wissen, welche Entwickler geeignet für Push-Entwicklung sind, und wie dies im einzelnen funktioniert. Logisch, dass man für eine solche Entwicklung einen Aufpreis zahlen muss und dass eine Push-Entwicklung wahrscheinlich nicht beim Discounter um die Ecke zu bekommen ist, sondern eher im Foto-Fachhandel.

Mit der Push-Entwicklung lässt sich evtl. auch ein Film ‚retten‘, der versehentlich mit falsch eingestellter Filmempfindlichkeit belichtet wurde. Stellt man z.B. erst nach 10 oder 15 Aufnahmen fest, dass die Kamera trotz ISO-100-Film noch auf ISO 400 eingestellt ist, dann lässt man am besten für den Rest des Films diese Einstellung bestehen und sucht sich dann zur Entwicklung ein Fotolabor, das den Film um zwei Blendenstufen pusht. Ohne Pushen wären in diesem Fall alle Bilder unterbelichtet, dank Push-Entwicklung erhält man aber doch noch brauchbare Fotos.

Wenn der Film versehentlich überbelichtet wurde (beispielsweise ein ISO-400-Film eingelegt, aber der Belichtungsmesser der Kamera steht noch auf ISO 100), kann dies in gewissen Grenzen auch bei der Entwicklung ausgeglichen werden. Man spricht dann von einer Hold-Entwicklung.

In Wirklichkeit wird übrigens bei Push- und Hold-Entwicklung nicht wirklich die Filmempfindlichkeit verändert, sondern die „Gradationskurve“. Ein auf ISO 400 gepushter Film hat daher eine andere Farbwiedergabe und ein anderes Kontrastverhalten als ein echter ISO-400-Film. Beim Pushen um 1 Blendenstufe fällt dies aber noch nicht so sehr auf, zumindest bei den Negativfilmen, die ich bisher habe pushen lassen.

Wer möchte, kann daher mittels Push-Entwicklung eines ISO-1600-Films ebenfalls Bilder mit ISO 3200 machen und sich über gigantisches Filmkorn mit einer Rauhfasertapeten-Optik freuen. Für den Besuch in der Sixtinischen Kapelle würde ich jedoch eine sehr schnelle und gute Digital-Spiegelreflex empfehlen, die schneller als die vatikanischen Aufpasser ist und auch bei ISO 3200 noch deutlich bessere Fotos macht als ein entsprechend schneller Negativfilm. Doch dazu mehr in Lektion 8, wo es um die Einstellung der ISO-Empfindlichkeit an Digitalkameras geht.

Köln Hauptbahnhof 1995: gröbstkörnixter ISO 3200 SW-Film

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Anfängerkurs Fotografie Fotokurs

Anfängerkurs, Lektion 1

Die richtige Belichtung: Verschlusszeit und Blende

Willkommen im ersten Teil von Rolands Fotokurs, der als „Anfängerkurs“ eine einfache und verständliche Erklärung der fotografischen Grundlagen geben soll. Zwar kann dank der Automatikfunktionen heutiger Kameras heutzutage eigentlich jeder auf Anhieb zu ‚brauchbaren‘ Fotos kommen. Zumindest bei normalen Lichtverhältnissen gelingen die meisten Bilder. Aber Aufnahmen im Dunkeln? Oder Aufnahmen von schnell bewegten Objekten? Spätestens in solchen Situationen ist es von Vorteil, wenn man die Grundlagen der Fotografie kennt und weiß, wie man auch in solchen Situationen ansprechende und ausreichend scharfe Fotos machen kann.

Daher kommen wir auch in diesem Fotokurs nicht um ein bisschen Theorie herum. Ich versuche es aber, möglichst einfach zu erklären und die Zusammenhänge wenn möglich mit Bildbeispielen zu zeigen. Die gezeigten Fotos erheben nicht den Anspruch, „perfekte“ Bilder zu sein. Sicherlich gibt es daran auch das eine oder andere auszusetzen. Sie sollen keine Wettbewerbe gewinnen, sondern das jeweilige Thema erläutern.

Unterbelichtung und Überbelichtung

Jeder von uns kennt unterbelichtete und überbelichtete Bilder. Schauen wir uns beispielsweise die folgenden 5 Fotos an. Wie die meisten Bilder in diesem Fotokurs (und auch sonst auf rofrisch.de) kann man die folgende Abbildung vergrößern, indem man sie anklickt.

Das linke Bild ist 1 Blende unterbelichtet, das rechte 1 Blende überbelichtet. Was das genau heißt, wird gleich erklärt. Das mittlere Bild ist jedenfalls das, was die Belichtungs-Automatik der Kamera für die ‚richtige‘ Belichtung hielt. Aber ist es wirklich das Beste?

Während man bei dem Bild ganz links kaum noch Einzelheiten der Kirche erkennen kann, weil es unterbelichet ist, ist bei dem überbelichteten Bild rechts der Himmel nur noch eine weiße Fläche. Mir persönlich gefällt die Zwischenstufe zwischen dem ’normal‘ belichteten und dem um 1 Stufe überbelichteten Bild am besten, also das 2. Foto von rechts, das um eine halbe Blendenstufe heller belichtet ist. Vielleicht liegt’s aber an meinem bzw. Deinem Monitor, wenn Du zu einem anderen Ergebnis kommst.

Die richtige Belichtung eines Fotos hängt davon ab, welche Menge Licht auf den Film (bei ‚analogen‘ Kameras) bzw. auf den Bildsensor (bei Digitalkameras) fällt. Die Lichtmenge kann man regulieren über die Größe der Öffnung vor dem Film (bzw. Chip) und über die Dauer der Öffnung, also wie lange man das Licht darauf fallen lässt.

Erfreulicherweise verhält sich Licht in dieser Hinsicht ganz ähnlich wie z.B. Flüssigkeiten: Ob ich nun das Wasser 20 Sekunden bei vollem Strahl in das Spülbecken laufen lasse, oder 40 Sekunden bei halb geöffnetem Ventil – die Spülwasser-Menge ist die gleiche. Nur ist es bei einem Wasserhahn schwer abzuschätzen, wo genau die halbe Durchflussmenge ist. Die Kamera hingegen kann die Größe der Lichtöffnung und die Dauer der Belichtung sehr präzise steuern.

Verschlusszeit

Zum Glück sind die Zeiten, wo man für normale Alltagsmotive 20 oder 40 Sekunden lang belichten musste, seit etwa 100 Jahren vorbei. Ein Motiv wie die oben abgebildete Kirche (in Köln-Dellbrück) lässt sich beispielsweise in einer Zweihundertfünfzigstel Sekunde (1/250) belichten. Will man das gleiche Motiv nun eine ganze Stufe heller haben, so muss der Kameraverschluss doppelt so lange geöffnet werden. 1/125stel Sekunde ist immer noch ziemlich schnell, aber es landet doppelt so viel Licht auf dem Film (bzw. Bildsensor). Um die Unterbelichtung mit dem ‚dramatisch‘ aussehenden Himmel, die eine ganze Stufe dunkler belichtet ist, zu erzeugen, muss man demnach 1/500 Sekunde belichten. Auch das ist für heutige Kameras kein Problem.

Die Belichtungszeiten an Kameras folgen übrigens genau diesem System, dass sie sich jeweils verdoppeln bzw. halbieren (je nachdem, von welcher Seite man die Skala betrachtet). Hier einmal eine Übersicht über die übliche Skalierung der Belichtungszeiten:

  • 30 Sekunden
  • 15 Sekunden
  • 8 Sekunden
  • 4 Sekunden
  • 2 Sekunden
  • 1 Sekunde
  • 1/2 Sekunde
  • 1/4 Sekunde
  • 1/8 Sekunde
  • 1/15 Sekunde
  • 1/30 Sekunde
  • 1/60 Sekunde
  • 1/125 Sekunde
  • 1/250 Sekunde
  • 1/500 Sekunde
  • 1/1000 Sekunde
  • 1/2000 Sekunde
  • 1/4000 Sekunde
  • 1/8000 Sekunde

Wie man sieht, hat man an einigen Stellen ein wenig gerundet, um auf glatten Zahlen bleiben zu können. Die Hälfte von 1/8 ist ja 1/16 und nicht 1/15, aber in der Praxis spielt dies keine Rolle. Nur ist es wesentlich einfacher, beispielsweise von einer fünfhundertstel Sekunde zu sprechen, als von einer fünhundertzwölftel Sekunde.

Wie das Bildbeispiel mit der Kirche gezeigt hat, sind auch Zwischenwerte zwischen diesen Verschlusszeiten ganz praktisch, um auch eine halbe Stufe über- oder unterbelichten zu können. Diese Zwischenstufen bieten moderne Kameras ebenfalls an. Entweder in halben Stufen oder sogar in Drittelstufen. Um eine Belichtungsreihe wie die 5 Kirchenfotos aufzunehmen, könnte man demnach folgende Verschlusszeiten nehmen:
1/500 · 1/350 · 1/250 · 1/180 · 1/125
Fett geschrieben habe ich zur Verdeutlichung noch einmal die Standard-Verschlusszeiten aus der Tabelle; dazwischen die Zwischenwerte an Kameras, die halbe Stufen dazwischen anbieten.

Übrigens: Auswendig lernen muss man die Verschlusszeiten-Reihe natürlich nicht – nach einiger Zeit kann man sie ganz von selbst auswendig, wenn man seine Kamera oft genug ‚bewusst‘ benutzt. Aber es ist für den Anfang ganz gut und wichtig, wenn man behält, dass z.B. die Kamera-Anzeige „125“ auf eine doppelt so lange Verschlusszeit hinweist wie die Anzeige „250“. Denn die meisten Kameras sparen sich das ‚1/‘ und zeigen beispielsweise nur „60“ statt „1/60“ an, wenn eine Sechzigstel-Sekunde Belichtungszeit gemeint ist.

Blende

Erinnern wir uns an das Beispiel mit dem Spülbecken: Wenn ich weniger Wasser einlaufen lassen will als beim letzten mal, dann kann ich entweder den Hahn früher wieder zu drehen (beispielsweise nach 20 statt nach 40 Sekunden), oder ich kann ihn von Anfang an nur halb aufdrehen. Dann habe ich nach 40 Sekunden wegen der verringerten Durchflussmenge auch nur die Hälfte Wasser im Becken.

Und genau das macht bei der Fotografie die Blende. Sie bestimmt, wie viel Licht in der eingestellten Verschlusszeit beim Auslösen auf den Film oder auf den Bildsensor kommt. Habe ich eine große Blende eingestellt, fließt das Licht wie durch einen voll geöffneten Wasserhahn hindurch. Mache ich die Blende kleiner, fällt logischerweise weniger Licht hindurch. Die Blende ist nichts weiter als ein verstellbares Loch im Objektiv, das sich je nach Wunsch des Fotografen (oder der Kamera-Automatik…) weiter öffnen oder enger schließen kann.

Auch für die Blendenzahlen hat sich eine Skala durchgesetzt, die allerdings zwei kleine Gemeinheiten enthält. Erstens: Je kleiner die Zahl, desto größer die Blendenöffnung. Blende 2,8 ist also wesentlich größer als beispielsweise Blende 16. Sie lässt sogar 32mal mehr Licht durch. Zählt es nach auf der folgenden Skala. Wie bei den Verschlusszeiten ist auch hier von oben nach unten mit jedem Feld eine Halbierung der Lichtmenge gegeben:

  • Blende 1,0
  • Blende 1,4
  • Blende 2,0
  • Blende 2,8
  • Blende 4,0
  • Blende 5,6
  • Blende 8,0
  • Blende 11
  • Blende 16
  • Blende 22
  • Blende 32
  • Blende 45

Die zweite kleine Gemeinheit in der Blendenskala ist, dass eine Verdoppelung bzw. Halbierung der Zahl (z. B. Blende 8 und Blende 16) nicht eine Stufe, sondern gleich zwei Blendenstufen ausmacht, also eine Vervierfachung oder eine Viertelung der Lichtmenge. Dies hat damit zu tun, dass die Blendenzahl etwas über den Durchmesser der Blende aussagt, die Lichtmenge aber von der Fläche der Öffnung bestimmt wird. Und bei doppeltem Durchmesser vervierfacht sich bekanntlich die Fläche eines Kreises.

Übrigens gibt es kaum ein Objektiv, dass die Extremwerte dieser Skala erreicht. Blende 1,0 bleibt für die meisten Fotografen ein eher theoretischer Wert, wenn auch schon Objektive mit dieser Riesen-Blende gebaut wurden. Bezahlbar wird es aber erst im Bereich ab ca. 1,4. Die Standard-Zoomobjektive vieler moderner Spiegelreflex-Kameras beginnen bei einer maximalen Blende von ca. 3,5 bis 5,6 und lassen als kleinste Blende oft ’nur‘ Blende 22 zu.

Meist ist die Blende irgendwo tief im Objektivgehäuse versteckt und verrichtet ihren Job weitgehend unbeobachtet. Beim hier abgebildeten Lensbaby-Objektiv jedoch kann man sich sehr einfach einen Eindruck von den Größenverhältnissen der Blendenöffnungen machen, da die Blende dort durch das Einsetzen einer schwarzen Metallscheibe verändert wird. Ohne eingesetzte Blendenscheibe hat das Lensbaby eine Offenblende von f/2,0 (was bei Brennweite 50mm einem Lochdurchmesser von 25mm entspricht; dazu später mehr).

Die Blendenscheiben (bzw. -ringe) werden mit dem unten auf dem Bild zu sehenden Werkzeug ausgetauscht, das in der Spitze einen Magneten hat, mit dem die Ringe aus dem Lensbaby herausgezogen und eingesetzt werden können. Die gerade nicht benötigten Blenden werden in diesem Gerät aufbewahrt; der graue Deckel erinnert doch sehr an den Deckel einer Filmdose für Kleinbildfilm. Wer also über 200 Euro ausgeben möchte für einen Filmdosendeckel und eine Abflussstöpselschnur, und wer sich vor extrem unscharfen Fotos nicht scheut, dem sei das Lensbaby hiermit besonders empfohlen. :-)

Um zu zeigen, dass sich die Blendenzahlen mit jeder zweiten Blende verdoppeln bzw. halbieren, habe ich die Blendenscheiben im Zickzack abgebildet. Die untere Reihe zeigt (neben der Offenblende 2.0) die Werte 4, 8 und 16. Zwischen diesen Blendenwerten liegen die Werte der oberen Reihe: 2.8, 5.6, 11 und 22.

Je größer die Maximalblende (Offenblende) eines Objektivs ist, desto mehr Licht lässt es also durch. Und um so kürzer kann man demnach die Verschlusszeit wählen. Deshalb haben die Sportfotografen im Fußballstadion meist so riesige Objektive an ihren Kameras. Sie kommen damit auch nicht unbedingt ’näher ran‘ als manch ein Hobbyfotograf mit Teleobjektiv. Aber ihre Bilder verwackeln nicht so leicht, und man sieht einen knackig scharfen Ball und nicht nur eine verwischte Spur des Balles, der sich ja bekanntlich im Flug kaum überreden lässt, mal eben für eine 30stel Sekunde zu stoppen. Mehr hierzu in den folgenden Kapiteln.

Kommen wir noch einmal zu der Belichtungsreihe mit der Kirche zurück: Anstatt die Verschlusszeiten zu ändern, kann man also auch über die Änderung des Blendenwertes eine solche Belichtungsreihe erzielen. Wenn das ’normal‘ belichtete Foto mit 1/250 Sekunde bei Blende 8 aufgenommen wurde, erhält man bei gleicher Verschlusszeit und Blende 11 das um 1 Stufe unterbelichtete Bild, und bei Blende 5,6 das entsprechend überbelichtete. Die entsprechenden Verschlusszeiten/Blenden-Kombinationen habe ich als Beispiele unter die Fotoreihe geschrieben. Es sind natürlich nur Beispiele – dasselbe Bild kann ja nicht sowohl mit ‚1/125, Blende 8‘ und ‚1/250, Blende 5,6‘ aufgenommen sein. Auch wenn der Helligkeitseindruck bei diesen beiden Kombinationen der Gleiche ist, kann die Bildschärfe u.U. erheblich abweichen. Dazu gibt es in einem späteren Teil dieses Fotokurses noch weitere Erläuterungen und Vergleichsfotos (siehe Lektion 6: Schärfentiefe).

Außer Verschlusszeit und Blende gibt es noch einen dritten Faktor, der die Belichtung des Bildes entscheidend beeinflusst, und den ich daher hier schon einmal kurz erwähnen möchte: Die Filmempfindlichkeit bzw. ISO-Empfindlichkeit, wie sie bei Digitalkameras meist genannt wird. Damit werden wir uns in Lektion 7 und Lektion 8 ausführlich beschäftigen.

Bevor wir nun zu den entscheidenenden Fragen kommen, wann man denn am besten mit welchen Verschlusszeiten oder mit welchen Blenden arbeitet, und wie man überhaupt die ‚richtige‘ Belichtung herausfindet, müssen wir uns noch ein wenig mit Objektiven beschäftigen. Denn die Art des Objektivs beeinflusst entscheidend mit, ob beispielsweise eine 60stel Sekunde noch ohne Verwacklung aus freier Hand aufgenommen werden kann. Darum geht es in Lektion 2 dieses Kurses.

Langzeitbelichtungen