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Schwarzweißfotos aus Raw-Dateien

Adieu Farbe: S/W-Fotos aus Raw-Dateien erzeugen

Moderne Digitalkameras bieten oft neben dem üblichen Verfahren, Bilder als JPG-Dateien zu speichern, auch eine Speicherung als Raw-Datei an. Doch manch ein Digitalfotograf schreckt davor zurück, weil er meint, die Nachbearbeitung wäre wohl sehr kompliziert. Zu Unrecht, denn selbst bei nur geringfügiger Nachbearbeitung bieten Fotos aus Raw-Dateien bessere Qualität, viel mehr Möglichkeiten und einfachere Handhabung. An einem Beispiel möchte ich hier zeigen, wie einfach dies ist.

Raw-Dateien werden oft als „digitale Negative“ bezeichnet. Denn genauso wie ein Negativ aus einem Filmstreifen ermöglicht, Abzüge mit unterschiedlichen Einstellungen zu machen (mehr oder weniger Farbsättigung, Kontrast, Helligkeit, etc.), bieten auch Raw-Dateien diese Möglichkeiten. Und zwar (genau wie beim Negativ) ohne dass dabei das „Negativ“ verändert wird. Daher spricht man auch von der „Entwicklung“ von Raw-Dateien. So kompliziert wie in der Dunkelkammer ist es jedoch bei Weitem nicht.

Haupt-Vorteil von Raw-Dateien ist, dass die Einstellungen jederzeit verändert und wieder ohne Verluste zurückgenommen werden können. Dies ist deshalb möglich, weil in der Raw-Datei die Pixel quasi so gespeichert sind, wie der Kamera-Sensor sie sieht. Alle Einstellungen, die bei Speicherung als JPG direkt in der Kamera auf das Bild angewendet werden (Farbsättigung, Nachschärfung, Weissabgleich, etc.) können in der Raw-Datei noch nachträglich verändert werden – und zwar verlustfrei. Man muss sich also nicht mehr ärgern, wenn man z. B. den Weissabgleich in der Kamera nicht richtig eingestellt hatte oder wenn man eine andere Einstellung von Kontrast, Farbsättigung oder Schärfe hätte wählen sollen. Man kann es nachträglich kinderleicht und ohne Qualitätsverluste verändern. Dass die Bearbeitung von Raw-Dateien gar nicht schwierig ist, zeigt das folgende Beispiel:

Raw-Datei öffnen

Screenshot 1
Schritt 1: Raw-Datei öffnen

Kameras, die Raw-Dateien aufzeichnen können, liegt gewöhnlich mindestens ein Programm bei, mit dem diese Dateien auch bearbeitet werden können. Denn im Gegensatz zu allgemein üblichen Bilddatei-Formaten wie JPG oder TIF kocht bei Raw jeder Hersteller bei fast jedem Kamera-Modell sein eigenes Süppchen. Das ist auch leicht verständlich, wenn man bedenkt, dass es ja sozusagen die Roh-Daten des Kamera-Sesors sind, und auch die Bildsensoren und die interne Nachbearbeitung bei verschiedenen Kamera-Modellen meist unterschiedlich sind.

Freundlicherweise hat mir Ilonka gestattet, einen Schnappschuss von ihr als Beispiel-Foto zu verwenden. Entstanden ist das Bild mit Tele und Bildstabilisator bei einem Besuch im Wildpark bei trübem Winterwetter. Daher auch die Einstellungen von ISO 800 und Blendenautomatik mit 1/100stel Sekunde Verschlusszeit. Diese Zeit ist dank Bildstabi auch mit 300mm Tele noch ohne Verwackler aus der Hand aufzunehmen.

Als Programm für die Raw-Bearbeitung lag meiner Canon EOS 20D das Programm „EOS Viewer Utility“ bei – neuere EOS-Kameras haben das Programm DPP (Digital Photo Professional) im Lieferumfang, auf das ich mittlerweile auch umgestiegen bin, wie das Tutorial zeigt, wenn man dem Link folgt. Die Screenshots dieser Seite (die sich durch Anklicken vergrößern lassen) sind aber noch mit dem EOS Viewer Utility entstanden, was im Prinzip ganz ähnlich arbeitet. Es gibt zwar Raw-Konverter, die wesentlich umfangreichere Einstellmöglichkeiten bieten, aber Zweck dieser Seite soll ja sein, die Einfachheit der grundlegenden Raw-Bearbeitung zu zeigen.

Mit dem EOS Viewer Utility lassen sich die Dateien auch über USB-Kabel von der Kamera abholen – sowohl Jpgs als auch Raw-Dateien. Wie man sieht, tragen Raw-Dateien der 20D die Datei-Endung „.CR2“. Man bekommt die Bilder übersichtlich als Miniaturen angezeigt und kann (wie hier zu sehen) auch ein Bild größer darstellen lassen und mit STRG-T ein Extra-Fenster für die „RAW-Einstellung“ öffnen.

Digitale Belichtungskorrektur

Screenshot 2
Schritt 2: Belichtungskorrektur

Der Schnappschuss erscheint auf dem ersten Bild etwas zu dunkel. Deshalb schieben wir den Schieberegler „Digitale Belichtungskorrektur“, den man oben links in dem Einstellungs-Fenster sieht, ein Stück nach rechts. Bei 0,7 Blendenstufen hellerer Belichtung sieht das Bild doch schon ein Stück freundlicher aus, oder?

Histogramm

Bei der digitalen Belichtungskorrektur sollte man das „Histogramm“ im Auge behalten, das im Programm oben rechts angezeigt wird. Es zeigt die Verteilung der Helligkeitswerte im Bild. Ganz links sieht man die Menge der sehr dunklen Pixel; ganz rechts die der hellen. Da dieses Foto aber keine wirklich weissen Flächen hat, ist es ganz okay, wenn die Histogramm-Kurve auch nach der digitalen Belichtungskorrektur nicht bis ganz nach rechts reicht.

Gut ist es bei den meisten Fotos, wenn im Histogramm weder ganz links (bei schwarz) noch ganz rechts (bei weiss) eine große Pixelzahl angezeigt wird. Denn dies würde bedeuten, dass ganz dunkle bzw. ganz helle Partien im Bild ohne Zeichnung sind. Aber das kennen die meisten sicherlich schon von ihrer Digitalkamera bzw. aus dem Bildbearbeitungs-Programm. Näheres zu Histogrammen und Tonwertkorrekturen gibt es in Lektion 5 des Aufbaukurses.

Will man das Foto als Farbbild verwenden, kann man es an dieser Stelle schon konvertieren und als Jpg- oder Tif-Datei speichern. Doch auf dieser Seite geht es ja um Schwarz-Weiß-Fotos, und daher kommen zunächst noch zwei weitere Schritte:

Umstellen auf Schwarz/Weiß

Screenshot 3
Schritt 3: Umstellen auf S/W

Mit einem einzigen Klick kann man das Foto auf „S/W“ umstellen lassen. Und bei Nichtgefallen natürlich auch gleich wieder zurück auf „Standard“, denn die Farb-Informationen werden bei Raw-Dateien ja nicht gelöscht, sondern bleiben erhalten.

Natürlich hätte man auch gleich in der Kamera den S/W-Modus aktivieren können und schwarz-weiße Jpg-Dateien abspeichern lassen können. Aber dann hätte man die Farb-Informationen für immer verloren und könnte nicht zuhause in aller Ruhe probieren, für welches Motiv sich S/W lohnt und welches besser in Farbe bleibt.

Übrigens, um weiterem „Gemecker“ in den Kommentaren vorzubeugen (siehe z.B. hier): Ich verwende hier den Begriff „Schwarzweiß“ so, wie er landläufig eingesetzt wird, auch wenn es natürlich korrekterweise „Graustufen“ sind und nicht bloß Schwarz und Weiß. Aber wenn jemand von Schwarzweißfoto oder Schwarzweißfilm spricht, dann ist ja auch klar, was gemeint ist.

Filtereffekte anwenden

Screenshot 4
Schritt 4: Filtereffekt Rot

Professionelle S/W-Fotografen haben schon vor vielen Jahrzehnten erkannt, dass sich die Wirkung von Schwarz-Weiß-Fotos durch Vorsetzen von Farbfiltern vor das Objektiv stark beeinflussen lässt. Natürlich sieht man die Farbtönung bei Schwarzweiß-Film nachher im Foto nicht, aber wenn man beispielsweise einen Orangefilter für die Aufnahme eines blauen Himmels mit weißen Wolken verwendet, wird das Himmelsblau durch das Filter-Orange stark abgedunkelt, während das Weiß der Wolken kaum beeinflusst wird. Die Folge sind Landschaftsaufnahmen mit ganz tollen Wolken-Kontrasten. Ein S/W-Fotograf hat daher häufig eine ganze Reihe knallbunter Farbfilter in seiner Fototasche.

An Digitalkameras wie z.B. Canons 20D oder 350D (und Folgemodelle) gibt es die Möglichkeit, die Wirkung solcher S/W-Farbfilter elektronisch zu simulieren, so dass man sich Kauf und Mitschleppen dieser S/W-Filter getrost sparen kann. In den Tiefen des Kameramenüs finden sich die Einstellungen für S/W-Fotos und dort auch die entsprechende Auswahl der Filter Gelb, Orange, Rot und Grün. Man kann so den entsprechenden Filter schon bei Aufnahme auswählen und sieht dann das Ergebnis auf dem Monitor in Schwarz/Weiß mit dem entsprechenden Filter-Effekt. Hat man die Aufnahme in Raw gemacht, kann man dies aber auch nachträglich in der Software erledigen. Daher fotografiere ich generell in Farbe und Raw, so dass ich die unterschiedliche Wirkung der Farbfilter nachträglich am PC beurteilen kann. Auf der Woodstuff-Homepage und auf der Seite Wallis BirdNovember 2007 in Köln finden sich zahlreiche S/W-Fotos von mir, die nachträglich im EOS Viewer Utility gefiltert wurden.

Für das Beispielfoto dieser Seite habe ich die Filterung in Rot ausgesucht, da das Rotfilter den schönen Effekt hat, Hauttöne zu glätten und eventuell vorhandene leichte Hautunreinheiten zu kaschieren. Heraus kommt ein gelungenes S/W-Foto, das ganz einfach in 4 Schritten erzeugt wurde.

Nach Auswahl des gewünschten Filters sollte man noch einmal einen Blick auf Histogramm und Helligkeits-Eindruck werfen, denn je nach Filter ändert sich die Wirkung des Fotos unter Umständen deutlich. In unserem Beispiel kann man es aber so lassen, finde ich.

Screenshot 5
Schritt 5: Konvertieren / speichern

Nun fehlt nur noch ein Rechts-Klick auf das Foto, so dass sich das Kontextmenü öffnet (oder Drücken von STRG-S). Dort lässt sich der Menüpunkt „Konvertieren und in Datei speichern“ auswählen. Dann öffnet sich ein weiteres Fenster, in dem die Möglichkeit besteht, die Raw-Datei entweder als JPEG oder als TIFF abzuspeichern. Diese Dateien kann man dann gut zur weiteren Verwendung des Fotos in der Bildbearbeitung (PhotoShop, PhotoImpact, GIMP, TOP-Tool, etc.) nutzen. Bei Bildern für meine Homepages werden die Fotos dort noch verkleinert, nachgeschärft, mit dem Website-Schriftzug versehen und als Jpg in meinem Homepage-Verzeichnis gespeichert. Aber dies ist eine andere Geschichte.

Wie man sieht, ist die „Entwicklung“ von RAW-Dateien („digitalen Negativen“) gar nicht so schwer. Selbst die Erstellung hochwertiger Schwarz-Weiß-Fotos ist so deutlich einfacher als in der Bildbearbeitung. Daher kann ich jedem, dessen Kamera RAW unterstützt, die Verwendung nur sehr empfehlen. Nur wenn der Platz auf der Speicherkarte mal knapp wird oder wenn eine längere Sequenz von schnellen Serienaufnahmen benötigt wird, wechsele ich in der Kamera zum Jpg-Format, denn aufgrund der Größe der Raw-Dateien brauchen diese mehr Platz und länger zum Speichern.

Und selbstverständlich muss man nicht jedes Bild einzeln öffnen und konvertieren. Nach einer Foto-Tour übertrage ich die Raw-Dateien auf den Rechner und betrachte diese dann der Reihe nach mit dem Raw-Programm. Dort kann ich gleich die Belichtung optimieren und misslungene Bilder löschen. Wenn alle Bilder gesichtet sind, markiere ich sie alle gleichzeitig und wähle dann für alle noch vorhandenen Bilder „Konvertieren und in Datei speichern“. Bei vollem Chip dauert das dann zwar etliche Minuten, aber in der Zeit kann man ja auch mal was anderes machen. Daher kann man bestimmt nicht sagen, die Raw-Bearbeitung sei zu  zeitaufwändig. Selbst wenn ich gar nicht optimiere und gleich alle Dateien konvertiere, habe ich immer noch die gleiche Qualität wie bei Jpg-Fotografie. Aber selbst mit wenigen Sekunden digitaler Belichtungskorrektur der Raw-Dateien holt man jedoch schon eine ganze Menge mehr Qualität heraus. Näheres hierzu findet sich in dem Workflow-Artikel Raw-Bearbeitung.

Wirkung von SW-Filtern

Apfelkiste, farbig
Farbfoto

Wie kommt es eigentlich, dass ein Orangefilter die Kontraste weißer Wolken am blauen Himmel verstärkt, während ein Rotfilter die Haut glatter erscheinen lässt? Kann man die Wirkung von Filtereffekten in der S/W-Fotografie im Voraus abschätzen? Um dieser Frage nachzugehen, lohnt sich ein genauerer Blick auf die rechts abgebildeten 4 Versionen des gleichen Raw-Fotos. Für das Foto habe ich die Kamera zum Einkauf mitgenommen und gehofft, dass ich kein Hausverbot kriege, weil ich die heilige Ordnung in der Obst-Theke durcheinanderbringe. ;-)

Apfelkiste, SW
S/W ohne Filter

Zunächst einmal sieht man das Farbfoto und die einfache S/W-Konvertierung ohne Filter. Der rote Apfel, der sich in Farbe sehr kräftig von den grünen Äpfeln abhebt, ist in der S/W-Version ohne Filter nur bei genauerem Hinsehen von seinen Kollegen zu unterscheiden. Die beabsichtigte Bildaussage geht verloren, denn offenbar wollte der Fotograf ja einen Einzelgänger zeigen – einen, der sich durch Andersartigkeit von der Masse abhebt.

Apfelkiste, Rotfilter
S/W mit Rotfilter

Völlig verloren geht dieser Effekt bei der S/W-Konvertierung mit Rotfilter. Das Rot des Außenseiter-Apfels wird durch das Rotfilter aufgehellt. Wer einen solchen Filter zur Hand hat (oder ein rotes Glas, 3D-Brille, etc.) kann dies testen: Rote Farbtöne erscheinen im Rotfilter heller, während die Komplementärfarbe Grün stark abgedunkelt wird.

Der Abdunklungs-Effekt fällt jedoch bei dem Apfelkisten-Foto nicht auf, denn genauso wie die Kamera beim Fotografieren durch einen Filter die Belichtung entsprechend gegenkorrigiert, gleicht auch der Filtereffekt der Software die Helligkeit des Gesamtfotos entsprechend an.

Apfelkiste, Grünfilter
S/W mit Grünfilter

Fotografiert man jedoch durch einen Grünfilter (bzw. lässt die Software dies simulieren), hebt sich der rote Apfel ganz deutlich von den grünen Äpfeln ab. Auch im Schwarz-Weiß-Foto wird so der beabsichtigte Effekt des originalen Farbfotos gut wiedergegeben. Der Grünfilter wirkt aufhellend auf die grünen Äpfel, während er die Komplementärfarbe Rot des Außenseiter-Apfels abdunkelt.

Fassen wir also zusammen: Farbfilter in der Schwarz-Weiß-Fotografie bewirken, dass der Filterfarbe ähnliche Farbtöne aufgehellt werden, während entgegengesetzte Farben abgedunkelt werden.

Würde man den Wolkenhimmel beispielsweise durch ein Blaufilter fotografieren, so würden sich die Wolken-Kontraste vermindern, was nur in den seltensten Fällen gewünscht sein dürfte. Himmel mit wenig Zeichnung gibt es ja oft genug. Daher nimmt man für Wolkenbilder lieber ein Gelb-, Orange- oder Rotfilter, was die Kontraste anhebt.

Bei S/W-Portraits nimmt man ebenfalls gerne ein Rotfilter, weil die (meist etwas rötlichen) Hautunreinheiten dadurch abgemildert werden und die Haut damit einen glatteren Teint bekommt. Für Fotos der Exfrau oder Exfreundin empfehle ich hingegen einen Grünfilter, wenn man diese Bilder schon veröffentlichen muss… ;-)

Soviel erst einmal zur S/W-Bearbeitung von Raw-Dateien. Einiges mehr über Raw-Konvertierung steht unter dem Thema „Mein Arbeitsablauf“ in dem schon oben verlinkten Tutorial zu DPP. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich mit Raw-Nachbearbeitung vertraut zu machen, wenn die eigene Digitalkamera schon diese Möglichkeit bietet.

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Mein Arbeitsablauf 4: Sicherungskopie

4. Sicherungskopie (Backup)

„Daten ohne Backup sind als gelöscht zu betrachten“, ist ein viel zitierter und dennoch zutreffender Spruch aus der EDV. Abgesehen von Katastrophen wie abbrennenden, einstürzenden oder überschwemmten Häusern gibt es auch viele alltägliche Datenkiller. Einbruch, Notebook-Diebstahl, Festplatten-Defekte, Gewitterschäden, Benutzerfehler, etc. Wäre doch schade, wenn die jahrelang gesammelten Fotos wegen sowas im Daten-Nirwana verschwinden, oder?

TrayBackup
TrayBackup

Mein aktuelles Backup mache ich auf einer externen USB-Festplatte, die ich nur während des Sicherungs-Vorgangs eingeschaltet an meinem Rechner angeschlossen habe. Auch hierbei habe ich mich nach einer „zukunftssicheren“ Lösung umgeschaut: Ich wollte nicht auf einen bestimmten Anbieter festgelegt sein, dessen Backup-Software vielleicht schneller oder platzsparender ist, der aber vielleicht irgendwann die Entwicklung einstellt, etc. Und bei Windows 7, 8 oder 9 sind meine Backups dann nicht mehr lesbar, weil die Software nicht läuft. Somit kam für mich nur eine Backup-Lösung infrage, die die Dateien als echte einzelne Dateien und Verzeichnisse kopiert, die sich auf jedem zeitgemäßen Rechner ohne Spezialsoftware wieder öffnen lassen. Im Prinzip könnte ich meine Backups daher mit den Windows-Kopierfunktionen machen.

Damit nicht immer alle Dateien überspielt werden müssen, sondern nur die neuen bzw. geänderten, habe ich mir ein praktisches kostenloses Programm gesucht: TrayBackup, das auf www.traybackup.de heruntergeladen werden kann und das auch vom BSI empfohlen wird (wurde). Unter Windows Vista sollte man das Programm als Administrator ausführen, um keine Konflikte mit den Schreibrechten zu bekommen.

Als Standardziel trägt man das externe Laufwerk ein (bzw. ein Verzeichnis darauf), hier im Screenshot ist es Laufwerk J:

Mit dem Plus-Symbol lassen sich in einer Liste die verschiedenen Quellen anlegen. Im Beispiel mein Daten-Verzeichnis auf Festplatte D: und mein Verzeichnis auf H: mit den fertigen Jpg- und Cr2-Dateien. Wichtig ist, dass man bei Auswahl des Quelverzeichnisses anklickt, dass Unterverzeichnisse mitgesichert werden sollen. In der Liste wird dies in der Spalte „Uv“ angezeigt.

Wenn Quell- und Zielverzeichnisse richtig ausgewählt wurden, dann kann man den eigentlichen Backup-Vorgang mit Strg-D oder dem Symbol „Datensicherung starten“ (im Screenshot leicht hervorgehoben) beginnen. Ein Statusfenster zeigt dann genau an, wie viele Dateien bereits überprüft wurden und wie viele gesichert wurden.

Gegen Satellitenabstürze oder U-Bahn-Kollateralschäden hilft ein solches Backup auf USB-Festplatte natürlich nicht, sofern diese im gleichen Gebäude aufbewahrt wird. Daher empfiehlt es sich, von Zeit zu Zeit auch „fertige Jahrgänge“ von Fotos und sonstige wichtige Daten extern außerhalb des Hauses zu lagern, beispielsweise auf DVD gebrannt bei vertrauenswürdig erscheinenden Freunden/Verwandten, etc. Wer denen nicht traut, kann ja zu einer passwortgeschützten Lösung greifen. Das Passwort liegt dann vermutlich in dem 20 Meter tiefen Krater, wo eben noch das Arbeitszimmer war…

Man sollte auch bedenken, dass CDs und DVDs nicht ewig halten – das Gleiche gilt für die USB-Festplatte. Daher ist es sinnvoll, von Zeit zu Zeit mal neue Backup-Medien anzulegen.

Zunehmend im Kommen sind Online-Backuplösungen. Mir dauert aber der Upload dabei noch deutlich zu lange. Auch sollte man darüber nachdenken, ob der Anbieter wohl vertrauenswürdig mit den ihm anvertrauten Daten umgeht.

So, das war in wenigen Worten ;-) die Folterstrecke, die alle Raw-Fotos bei mir durchlaufen müssen, bevor sie dann mit dem dazugehörigen Jpg ins selige Backup aufgenommen werden. Erst wenn die Daten mindestens auf zwei unterschiedlichen Datenträgern existieren (Arbeitskopie und Backup) formatiere ich die Speicherkarte in der Kamera, um sie für den nächsten Einsatz vorzubereiten. Jedenfalls versuche ich, mich an diese Regel zu halten. Bisher hat mich dies vor größeren Datenverlusten bewahrt – außer einmal, ausgerechnet während meiner bisher einzigen Ballonfahrt, als sich eine Speicherkarte (vermutlich wegen Höhenkrankheit?) noch in den Lüften entschloss, möglichst nicht mehr herzugeben, was sie bereits gespeichert hatte. Aber damals waren Speicherkarten noch biegsam, teuer und von geringer Kapazität.

Süßes Mädel: Seute Deern


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Mein Arbeitsablauf 1: Raw-Import

1. Import der Raw-Dateien

An der Spiegelreflexkamera habe ich das Raw-Format fest eingestellt, und in fast allen Situationen verwende ich nur noch dieses, weil es mehr Spielraum für Nachbearbeitung und für Korrekturen in hoher Qualität lässt als das einfache Jpg-Format. Dies wurde ja bereits in der Lektion über Farbtiefe deutlich gemacht.

Auf der Speicherkarte meiner EOS 20D liegen daher keine Jpg-Dateien, sondern Cr2-Dateien. Dies ist das Canon-Raw-Format. Auch wenn die Raw-Dateien von Canon alle .CR2 am Ende heißen, sind die Raw-Dateien der 50D, 60D oder 500D natürlich anders als die meiner ‚uralten‘ 20D mit ihren ’nur‘ 8 Megapixeln. Wir brauchen also Software, die die Raw-Dateien der jeweiligen Kamera lesen kann – sowas ist bei den meisten Spiegelreflexkameras dabei – mehr dazu später.

Zunächst einmal geht es um die Frage, wie die Cr2-Dateien von der Speicherkarte auf den Computer kommen. Hier bieten sich zwei unterschiedliche Wege an:

Kabel oder Kartenleser?

Entweder werden die Dateien über ein USB-Kabel aus der Kamera in den Rechner übertragen, oder man entnimmt die Speicherkarte aus der Kamera und steckt sie in einen Kartenleser, der mit dem Computer verbunden ist. In vielen Rechnern sind Cardreader für die verschiedenen Speicherkartenformate bereits eingebaut. Wenn nicht, kann man externe Kartenlesegeräte für den USB-Anschluss für unter 10 Euro erhalten.

Jahrelang war ich Verfechter der Dateiübertragung per Kabel. Meine ersten Digitalkameras aus den Jahren 1999 und 2001 hatten noch das empfindliche SmartMedia-Kartenformat, weshalb ich sie lieber nicht zu oft aus der Kamera herausgeholt habe. Inzwischen sind die aktuellen Karten (CompactFlash, SD-Karte, etc.) aber mechanisch nicht mehr so empfindlich, so dass dieses Argument nicht mehr so stichhaltig ist.

Hinzu kommt, dass man für die Übertragung per Kabel gewöhnlich die Software des Herstellers braucht, da nur die wenigsten Kameras als USB-Laufwerk im Betriebssystem angemeldet werden. Das von mir früher verwendete Canon-Programm EOS Viewer Utility war in dieser Hinsicht recht praktisch. Seit meinem Umstieg auf Vista verwende ich das (leistungsfähigere) Digital Photo Professional; allerdings ist dort die Raw-Übertragung nach meinem Eindruck ziemlich unübersichtlich und schlecht zu handhaben, so dass ich dann doch auf die Cardreader-Methode umgestiegen bin, die sich problemlos mit Windows-Bordmitteln durchführen lässt.

Auch geht die Übertragung per Cardreader gewöhnlich schneller als die Kabel-Übertragung. Wenn man bei dem Einstecken und Herausziehen der Karten ein wenig Sorgfalt walten lässt, dann geht dies auch ohne verbogene Anschluss-Beinchen oder sonstige Schäden ab.

Welches Ordnersystem?

Nun stellt sich die Frage, wie man die Dateien am besten auf der Festplatte organisieren sollte. Inhaltliche oder zeitliche Sortierung, was ist praktischer?

Links: inhaltliche Sortierung. Rechts: zeitliche SortierungManche Fotografen schwören auf eine inhaltliche Ordnerstruktur, also beispielsweise ein Verzeichnis „Digitalfotos“, in dem sich dann Verzeichnisse „Familie“, „Bahn-Hobby“, „Urlaub“, „Konzertfotos“, etc. befinden.

In diesen groben Kategorien dann wieder Unterverzeichnisse, also im Familie-Ordner z.B. „Tante Amalies 90. Geburtstag“, „Schwiegereltern“, „Kinder“, etc.
Und im Bahn-Verzeichnis „Dampfloks“, „Straßenbahnen“, etc.

Was aber, wenn nun die Kinder auf der Dampflok zu sehen sind? Verzeichnis „Kinder“ oder Verzeichnis „Dampfloks“? Oder was ist mit Schwiegermutter kreischend und ausrastend beim Volksmusik-Konzert? „Familie“ oder „Konzertfotos“? An solchen Stellen versagt so ein inhaltliches Ordnersystem schnell – weshalb ich die Fotos lieber in ihrer zeitlichen Reihenfolge ablege und sie später mit Stichwörtern versehe, um sie wiederfinden zu können.

Daher lege ich in einem Gesamtverzeichnis „Fotos Roland“ für jede Kamera und jedes Jahr ein eigenes Verzeichnis an: „2009 EOS 20D“ enthält Verzeichnisse von Ereignissen, zu denen ich die „dicke“ Kamera mitgeschleppt habe, während „2009 Caplio R5“ die Schnappschüsse meiner Immerdabei-Kompaktknipse enthält.

Wie das Beispiel zeigt, stelle ich das Datum der Aufnahmen an den Anfang des Verzeichnisnamens. Und zwar in der Rückwärts-Reihenfolge Jahr-Monat-Tag, also beispielsweise 08-12-24 für den 24. Dezember 2008. Der Vorteil ist, dass die Verzeichnisse bei der üblichen alphanumerischen Sortierung in der richtigen (zeitlichen) Reihenfolge angezeigt werden.

Auch im Hinblick auf die nachher behandelte Backup-Strategie hat das Anlegen von zeitlich sortierten Foto-Ordnern einen großen Vorteil: Wenn 2008 vorbei ist, wird sich im besagten Verzeichnis nicht mehr viel ändern (höchstens mal Korrekturen an den Stichwörtern). Wenn ich es z.B. auf DVDs brenne, dann enthält diese auch in 10 Jahren noch alle Fotos, die darauf gehören. Bei einer inhaltlichen Ordnerstruktur können sich hingegen ständig fast alle Verzeichnisse ändern, je nach Langlebigkeit der Erbtante oder weiteren Dampflok-Fotos.

Nachdem die Raw-Dateien nun erfolgreich auf dem Computer importiert wurden, folgt nun als Schritt 2 die Raw-Bearbeitung: Sortieren, Bearbeiten, Konvertieren.

Süßes Mädel: Seute Deern