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Stereoskope und Lesebrillen

Eine kurze Notiz, da ich gestern beim Aufräumen einen Zettel wiedergefunden habe. Erst aber die Geschichte dazu:

Vor ein paar Monaten hatte ich meine ersten Holmes-Stereokarten als 10×15-Fotos belichten lassen, um diese mit dem London-Stereoskop („Owl“) anschauen zu können. Das klappt soweit ganz prima, aber ich hatte die Idee, mit solchen Linsen doch vielleicht ein Brillengestell ausstatten zu lassen, damit man nicht immer diesen Viewer halten muss. Natürlich muss man dann den Abstand selber treffen und die Karten schön gerade halten, aber das sollte ja zu schaffen sein – meine Experimente mit Lesebrillen stimmen mich da zuversichtlich.

Also bin ich in eine Filiale von Apollo-Optik, habe dort das Stereoskop vorgeführt und gefragt, was das für Linsen sind und wie teuer so eine Spezialbrille würde. Das Personal war sehr nett und man hat sich richtig Zeit genommen. Man hat die Owl vermessen und mir den Dioptrienwert mitgeteilt; ebenso von dem Pentax-Viewer, den ich auch dabei hatte, und der sich gut für Parallelblick-Stereos auf dem Smartphone-Display eignet. Hier die Werte:

  • London-Stereoskop: 6,25 Dioptrien
  • Pentax 3D-Betrachter: 8 Dioptrien

Zum Vergleich: Die stärksten Billig-Lesebrillen, die man bei Ramsch & Co. bekommt, haben gewöhnlich 3, 3.5 oder 4 Dioptrien.

Aber es gibt noch einen Unterschied: Wie es ausschaut, haben die Stereo-Viewer zusätzlich ein Prismen-Element in der Linse integriert, so dass die Bilder übereinander erscheinen, ohne dass man seine Augen in Parallelblickstellung zwingen muss. Dies hat es letztlich etwas zu teuer gemacht mit der Spezialbrille. Trotzdem ein Dankeschön an Apollo-Optik für die Messungen und die tolle Beratung.

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Anaglyphenbilder

Bilder für die Brille: Anaglyphen erstellen

Auf dieser Seite möchte ich zeigen, wie man ganz einfach aus den Bildern der Fujifilm Real 3D W1 oder aus beliebigen anderen – mit jeder Kamera herstellbaren – passenden Bildpaaren echte 3D-Fotos machen kann, die am PC mit einer Rot-Cyan-Brille räumlich betrachtet werden können. Solche Fotos finden sich zu Tausenden beispielsweise in der Sektion Anaglyphen der FotoCommunity. Also Brille besorgt und aufgesetzt (Rot nach links, Cyan nach rechts), und los gehts. Zum Einstieg erst einmal meine Anaglyphen, die ich als Roland 3D in der FotoCommunity zeige, als Diashow:

  • An dieser Stelle soll eigentlich die FotoCommunity-Slideshow erscheinen, aber ich habe noch nicht herausgefunden, wie sie auf WordPress.com eingebunden werden kann. Wer sie sehen möchte, findet sie aber in der Bildschirmansicht des alten Fotokurses, die sich hier in einem neuen Fenster öffnen lässt.
    Wer mir eine Lösung nennen kann, wie sich die Diashow hier einbinden lässt, kann mir dies gerne verraten.

Diese Bilder wurden allesamt mit dem Programm StereoPhoto Maker erzeugt, im Fachjargon einfach als SPM bezeichnet. Das Programm ist kostenlos und kann auf stereo.jpn.org/ger/stphmkr heruntergeladen werden. Hier beschreibe ich nun einen einfachen Anfänger-Workflow, der mit wenig Aufwand zu vorzeigbaren Ergebnissen führt. Das Programm kann noch viel mehr (Stapelverarbeitung, etc.), aber hier versuche ich, einen einfachen Einstieg in die Arbeit mit SPM zu geben. Die Beschreibung und die Screenshots beziehen sich auf Version 4.12, aber werden sicherlich auch für aktuellere Versionen brauchbar sein.

Arbeiten mit dem StereoPhoto Maker

StereoPhoto Maker, Screenshot 1
StereoPhoto Maker

Nach dem Download der beiden Zip-Dateien entpackt man diese in einem Verzeichnis. Dort befinden sich dann die Programmdatei stphmkrg.exe und die Hilfedatei stphmkr.chm. Erfreulicherweise braucht SPM keinerlei Installation; nach Doppelklick auf die Exe-Datei startet das Programm direkt. Außer einigen Icons für das Öffnen eines Stereobildes oder eines Bildpaares und der großen schwarzen Arbeitsfläche sieht man zunächst nicht viel.

Mit dem zweiten Icon, „Linkes/Rechtes Bild öffnen…“, wählt man aus dem Verzeichnis zunächst das gewünschte linke Bild. Sofern es in dem Verzeichnis eine zweite Datei gibt, die den gleichen Namen trägt, jedoch mit einem r statt einem l, fragt SPM nach, ob es diese gleichzeitig als rechtes Bild mit öffnen soll.

Noch einfacher ist es übrigens, die beiden Dateien einfach mit gehaltener Maustaste aus dem Windows-Dateifenster über die Arbeitsfläche zu ziehen und dort fallen zu lassen („Drag and drop“). Ebenso geht dies mit einer MPO-Datei statt zwei einzelnen Jpg-Dateien.

StereoPhoto Maker, Screenshot 2
Grau-Anaglyphe

Nach Öffnen des Stereobildpaares erscheinen diese zunächst nebeneinander. Ein Klick auf das Symbol „Grau Anaglyphen“ ermöglicht einen ersten Eindruck, ob das Bild als 3D-Motiv taugt. Wahlweise kann man sich das Bild natürlich auch schon als Farb-Anaglyphe oder als Halbton-Anaglyphe anschauen. Ich empfehle jedoch zunächst die Betrachtung als Grau-Anaglyphe, denn dabei treten keine Farbfehler auf („stereoskopischer Glanz“, etc.), die von der genauen Wahrnehmung der Justierung ablenken.

Für Leute mit 3D-Monitoren gibt es hier natürlich noch andere Wiedergabemöglichkeiten wie Interlaced-Darstellung für Polfilterbrillen oder Pageflipping für Shutterbrillen, etc. Wer mag, kann auch mit Stereobetrachtern experimentieren, die die Einzelbilder übereinander oder nebeneinander benötigen (oder den Parallel- bzw. Kreuzblick lernen). Doch hier bleiben wir bei der Anaglyphentechnik, denn diese ist preiswert und ermöglicht eine bildschirmfüllende Darstellung in hoher Auflösung.

Jedenfalls sieht man schon ohne Brille, dass gewisse Höhen- und andere Justagefehler vorhanden sind, die nun ausgebügelt werden sollen.

StereoPhoto Maker, Screenshot 3
Automatische Justage

Am einfachsten geht dies durch Anklicken des Icons „Automatische Justage“. Nach einigen Sekunden Rechenzeit erscheint ein Fenster, das die vorgenommenen Justagewerte anzeigt. Wie man hier sehen kann, wurde das Bildpaar gedreht, vergrößert/verkleinert, vertikal und horizontal perspektivisch verzerrt und ebenfalls vertikal und horizontal um bestimmte Pixelwerte verschoben.

Die Justage ist meist nach Anklicken des „Auto“-Buttons fast perfekt. Lediglich der Nahpunkt wird manchmal nicht korrekt erkannt, weshalb eine Verschiebung des Bildpaares hinter das Scheinfenster nötig sein mag, indem man die Rechtspfeil-Taste des Computers drückt. Mit dem Linkspfeil kann man das Bild auch näher an das Scheinfenster heranholen, aber man sollte darauf achten, keine Scheinfensterkonflikte zu erzeugen.

StereoPhoto Maker, Screenshot 4
Automatische Farbjustage

Spätestens jetzt empfiehlt sich ein Klick auf den Button „Automatische Farbjustage“. Dabei wird Farbe, Helligkeit und Kontrast des rechten Bildes an das linke Bild angepasst. In unserem Beispiel waren die beiden Bilder farblich aber bereits sehr ähnlich, daher sieht man fast keinen Unterschied. Eventuell sollte man vor diesem Schritt wieder auf die Nebeneinander-Darstellung der Bilder wechseln, denn dann kann man die Farbjustage besser beurteilen als in der Anaglyphen-Darstellung.

Sollte das rechte Bild die besseren Farben haben, so klickt man zunächst auf das Icon „Vertausche Links/Rechts“, denn die automatische Farbjustage überträgt immer die Farben des linken Bildes auf das rechte. Nach der Farbjustage aber nicht vergessen, zurück zu tauschen, denn sonst ist der schöne Stereoeindruck dahin.

StereoPhoto Maker, Screenshot 5
Farb-Anaglyphe

Nun sollte langsam die Entscheidung fallen, ob man die Anaglyphe als Schwarzweißfoto speichern möchte oder als Farb-Ana. Bei Motiven mit kräftigen Farben führt die farbige Darstellung oft zu Bereichen, die durch die Brille betrachtet unangenehm aussehen (insbesondere rote Motivteile). Daher bietet es sich an, dann auf Halbton-Anaglyphe oder Dubois-Anaglyphe auszuweichen. Mit dem kleinen Abwärtspfeil neben dem Button für Farb-Anaglyphen kann man die verschiedenen Darstellungen ausprobieren.

Unsere Anaglyphe der Kreuzblume vom Kölner Dom hat jedoch nur schwache Farben, weshalb man sie problemlos als Vollfarb-Anaglyphe betrachten kann, wenn man die SW-Version nicht bevorzugt.

Wie man an der Statuszeile des Programms sehen kann, habe ich die Kreuzblume noch etwas weiter hinter das Scheinfenster geschoben (um 8 Pixel), damit der „Stängel“ des Blümchens nicht zu nahe am Scheinfenster klebt.

StereoPhoto Maker, Screenshot 6
Freier Zuschnitt

Nun stören mich nur noch die freien weißen Ecken rechts und links der Domtürme. Mit dem Werkzeug „Freier Zuschnitt“ lässt sich eine beliebige Form aus dem Bild schneiden. Dazu zieht man mit gehaltener Maustaste einen Auswahlrahmen über das Bild. Diesen kann man dann noch verschieben, oder man klickt erneut in ihn hinein, um ihn zu bestätigen.

Nun ist das 3D-Foto in hoher Auflösung fertig. Wenn man sie in Anaglyphen-Darstellung mit Klick auf das Diskettensymbol speichert, dann wird sie als Anaglyphe gespeichert. Stellt man das Bild jedoch zuvor auf „Nebeneinander“-Darstellung um, so wird es als universell verwendbares Stero-Jpg (mit beiden Ansichten in einer Bilddatei) gespeichert, so dass man es später nicht nur als Ana, sondern auch auf einem 3D-Monitor etc. ausgeben kann. Man sollte also unbedingt nicht nur als Anaglyphe speichern, sondern zusätzlich auch als hochauflösendes Stereo-Jpg.

Wichtig: Bei Speicherung als Anaglyphe sollte unbedingt die Option „3D kompatible Kompression“ ausgewählt sein, da so die Qualität höher wird. Als Bildqualität wähle ich gewöhnlich 95%, denn Anaglyphen reagieren empfindlicher auf Jpg-Kompressionsartefakte als normale Jpg-Farbfotos.

Was bleibt, ist die Weiterverarbeitung, um es beispielsweise in der FotoCommunity zu zeigen. Dafür nimmt man das Werkzeug „Vergrößern/Verkleinern“, mit dem sich das Bild auf die maximal erlaubten 1000 Pixel Kantenlänge verkleinern lässt. Auch für das Nachschärfen nach dem Verkleinern und für das Hinzufügen eines Logos oder Copyright-Textes hat SPM Werkzeuge an Bord. Auch bietet das Programm beim Speichern die Einhaltung einer Zielgröße an, denn Bilder für die FotoCommunity dürfen maximal 400 Kilobyte groß sein. Es würde zu weit führen, diese Funktionen hier alle ausführlich vorzustellen, aber mit ein wenig Experimentierfreude dürfte es nach der obigen Einführung nicht schwierig sein, auch in die Feinheiten dieses sehr leistungsfähigen Programms StereoPhoto Maker einzusteigen. Ich wünsche Euch daher viel Spaß mit den selbst erstellten 3D-Fotos.

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Stereofotos anfertigen

Stereofotos selbst erzeugen

Auch ohne spezielle 3D-Kamera kann man recht einfach Raumbilder erstellen. Es geht mit jeder Foto-Kamera. Was an Grundlagen zu beachten ist, schildere ich hier in diesem Kapitel.

Zunächst ein paar grundsätzliche Erklärungen: Unser Gehirn erzeugt aus der Wahrnehmung unserer beiden Augen ein räumliches Bild, indem es auf Unterschiede in den beiden Einzelbildern reagiert. Dadurch, dass unsere Augen etwa 7cm Abstand haben, sehen sie Gegenstände im Vordergrund aus leicht anderem Blickwinkel. Sie haben vor dem Hintergrund der Szene auch eine etwas andere Position.

Stellen wir uns eine Szene vor: Vor uns ein parkendes Auto, dahinter ein Haus, in dessen Hintergrund sich die Berge erheben. Geht man in dieser Szene einen Schritt nach rechts, so wird sich der Hintergrund kaum verändern – im Verhältnis zur Entfernung der Berge hat unser kleiner Schritt keine sichtbaren Auswirkungen. Auch das Haus auf der anderen Straßenseite hat sich nur geringfügig verändert – es nimmt im Vergleich zu seinem Hintergrund eine leicht verschobene Position ein. Am deutlichsten wirkt sich die veränderte Perspektive auf das Auto im Vordergrund aus. Es erscheint deutlich vor einem anderen Teil des Hauses; auch blickt man jetzt in einem erkennbar anderen Winkel auf das Kennzeichen, etc.

Aus solchen Unterschieden zwischen zwei Bildern erzeugt das Gehirn den Raumeindruck. Je weiter vorne ein Objekt liegt, desto größer seine Verschiebung auf den beiden Einzelbildern der Augen.

Geht man nun in der Straße 20 Meter weiter nach rechts, so sind Auto und Haus aus dem Blick auf die Berge verschwunden. Die Berge präsentieren sich durch ihre große Entfernung jedoch fast genau aus der gleichen Perspektive.

Durch den festen Abstand unserer Augen ist der Bereich, in dem eine gute räumliche Wahrnehmung funktioniert, festgelegt. Halten wir einen Gegenstand direkt vor unsere Nase, funktioniert das räumliche Sehen nicht – wir sehen nur ein mehr oder weniger unscharfes Doppelbild.

Schauen wir hingegen auf eine Szene in mehr als 100 Meter Entfernung, dann können wir allein aufgrund des Raumeindrucks nicht mehr unterscheiden, welcher Baum beispielsweise weiter vorne und welcher weiter hinten ist. Hier hilft uns natürlich unser antrainiertes perspektivisches Empfinden, so dass wir dennoch wissen, welcher Baum näher ist. Mit stereoskopischem Sehen hat dies aber nichts mehr zu tun.

Stereobasis

Was lernen wir nun aus diesen Beispielen über die Einzelbilder für ein gutes Stereofoto? Die wichtigste Lektion sollte sein, dass es keinen einzigen festen Ideal-Abstand gibt. Je nach Szene können gute 3D-Fotos mit völlig unterschiedlichem Einzelbild-Abstand (Stereobasis genannt) aufgenommen sein. Wer Stereo-Makros von Ameisen machen möchte, kommt ggf. mit 1-2mm Stereobasis aus, während ich schon stereoskopische Luftaufnahmen der Alpen gesehen habe, die aus großer Höhe mit knapp 1km Stereobasis aufgenommen wurden (errechnet aus der Fluggeschwindigkeit und dem Sekundenabstand der Einzelbilder).

Es gibt eine Faustformel, mit der man sich als Anfänger in etwa behelfen kann, solange es sich um „normale“ Stereofotos mit einem üblichen Weitwinkel-Objektiv handelt: Die Stereobasis sollte etwa 1/30 des Motivabstands betragen. Da meine Stereokamera (Fuji Real 3D W1) eine feste Basis von knapp 8cm hat, sollte der Mindestabstand zum Motiv also möglichst nicht unter ca. 240cm liegen.

Wenn ich nun eine Szene in 6m Entfernung fotografiere, so kann meine Stereobasis durchaus ein Stück größer gewählt werden, wenn ich einen starken Raumeffekt haben möchte. Gemäß der Faustformel wären es demnach etwa 20cm.

Statt nun ständig Abstände zu messen und zu berechnen, sei an dieser Stelle gesagt: Man bekommt mit der Zeit ein Gefühl dafür, und außerdem kostet es ja nichts, 3 oder 4 Aufnahmen in einer weiter nach rechts führenden Reihe zu machen und später zu schauen, welches Bildpaar einen möglichst guten Stereo-Effekt gibt, ohne schon zu weit auseinander zu sein (was zu Kopfschmerzen oder gar zu „stereoskopischem Zerfall“ führt, wenn sich die Bilder nicht mehr beim Betrachten zu einem Stereobild zusammenfügen).

Richtige „Stereo-Freaks“ verweden übrigens gerne ein Gespann von 2 identischen Kameras, die auf einer Schiene fest verbunden sind. Wenn diese Schiene so konstruiert ist, dass man die Kameras auseinanderschieben kann, dann hat man sogar eine (in Grenzen) variable Stereobasis. Die beiden Digitalkameras werden über eine modifizierte Firmware synchron per Fernauslöser ausgelöst. Dadurch kann man auch sich bewegende Motive stereoskopisch aufnehmen – so wie ich dies auch mit meiner Fuji W1 mache, die mir als Immerdabei-Lösung wesentlich sympathischer ist als so ein sperriges Gespann. Auf www.stereoforum.org findet man jedenfalls viele Tipps zum Thema Stereo-Gespanne.

Doch nun geht es um eine Methode, wie man auch mit einer gewöhnlichen „Mono“-Kamera Stereofotos machen kann. Und zwar mit JEDER Fotokamera, von der Handyknipse bis zur teuren Profikamera. Einzige Einschränkung: Die Motive müssen still halten, denn die Bilder werden nacheinander erzeugt, also nicht gleichzeitig.

Simplicissimus

3 geringfügig verschiedene Perspektiven
Grimmelshausen

Als Beispiel für das Erstellen von passenden Einzelbildern habe ich den ehrenwerten Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen für eine Portraitsitzung gewinnen können. Da er in seinem Roman „Der abenteuerliche Simplicissimus“ auch die Gier der barocken Gesellschaft nach Marzipan beschreibt, hat er als Marzipanfigur einen Ehrenplatz im Niederegger-Marzipansalon in Lübeck bekommen.

Wegen des gedämpften Lichts kam die Spiegelreflexkamera zum Einsatz und ich habe – wie oben beschrieben – eine Serie von 3 Fotos gemacht. Wenn man die Bilder (nach Großklicken) vergleicht, so sieht man die perspektivischen Unterschiede. Deutlich wird dies z.B. am Schatten der Hutfeder oder an der Beuge des rechten Ellenbogens, die im linken Bild noch gut zu sehen ist, während sie im rechten Bild von dem flammenden Herzen verdeckt wird.

Wichtig ist beim Fotografieren für Stereobilder, dass möglichst kein Höhenfehler auftritt. Die Bilder sollten also möglichst alle aus der gleichen Kamerahöhe aufgenommen sein. Idealerweise kann man dies natürlich mit einem Schiebeschlitten auf dem Stativ erreichen, aber auch Freihand-Aufnahmen führen bei der späteren Bearbeitung mit StereoPhoto Maker zu schönen Ergebnissen, wenn die Höhe möglichst gut beibehalten wurde. Eine Verschiebung des Bildausschnittes durch Kippen oder Drehen der Objektivachse lässt sich mit dem Programm beheben (wobei dann natürlich ein kleinerer Bildausschnitt in Stereo übrigbleibt), aber gegen Höhenfehler hilft keine Software wirklich gut.

Um Höhenfehler auch bei Freihand-Stereos zu vermeiden, haben sich viele Raumbildfotografen als Aufnahmetechnik den sogenannten Cha-Cha angewöhnt: Stehend verlagert man sein Gewicht auf das linke Bein und hält die Kamera in einer Position, die man möglichst stabil beibehalten kann (Ellenbogen an Körper andrücken, etc.). So macht man das erste Foto und merkt sich die Display-Anzeige bzw. den Sucher-Ausschnitt. Man behält nun genau diese Kamerahaltung bei und wechselt nun auf das rechte Bein als Standbein. Schon ist die Kamera ein paar Zentimeter weiter rechts bei ansonsten fast unveränderter Lage.

Stereobild (Parallelblick)
Stereofoto

Bei meinen 3 Grimmelshausen-Aufnahmen sieht man schon mit bloßem Auge, dass die rechte leider etwas verschoben ist, was sie in Bezug auf Höhenfehler verdächtig macht. Auch ein Ausprobieren aller drei Kombinationen (1+2, 1+3, 2+3) mit der Autojustage von StereoPhoto Maker bestätigt, dass sich die Bilder Links und Mitte am besten kombinieren lassen.

Die Bearbeitung des Bildpaares erfolgt wie schon in dem Kapitel über die Erstellung von Anaglyphenbildern beschrieben. Nach der Auto-Justage wählt man die Lage des Motivs in Bezug auf die Scheinfensterebene mit Hilfe der Tasten Pfeil rechts/links. Bei diesem Motiv bietet es sich an, Herrn Grimmelshausen so zu stellen, dass sein Körper zwar hinter dem Scheinfenster steht (um einen Scheinfensterkonflikt an der unteren Fensterkante zu vermeiden), dass er jedoch dem Betrachter seine Linke mit dem flammenden Herzen durch das „offene Fenster“ entgegenstreckt.

Wer sich das hier gezeigte Stereofoto abspeichert und in SPM lädt, kann es mit der Betrachtungsweise seiner Wahl anzeigen lassen. Ich zeige Euch aber gerne auch die Version als Halbton-Anaglype für die Rot-Cyan-Brille am Ende des Artikels.

Generell empfehle ich übrigens die Speicherung in SPM nicht nur als Anaglyphe, sondern auch als Stereofoto (im Prinzip wie hier gezeigt, aber natürlich nicht verkleinert, sondern in voller Auflösung). Denn in der Anaglyphe sind die Farben ja verfälscht, und das Bild lässt sich auch nicht mehr sauber trennen. Mit einem solchen Stereobild, das einfach beide Ansichten nebeneinander trägt, kann man aber auch später noch die Darstellungsart problemlos wechseln (beispielsweise für Shutterbrille oder als Stereokarte statt Halbton-Ana), etc.

Advanced 3D

Bei Fotos mit großer Stereobasis versagt die Cha-Cha-Methode natürlich. Da muss man halt ein paar Schritte gehen. Man sollte sich den Bildausschnitt der ersten Aufnahme gut einprägen, bevor man zum Livebild der zweiten Aufnahme wechselt und versucht, einen möglichst ähnlichen Ausschnitt auf gleicher Höhe anzuvisieren.

Kölner Dom, 2 Aufnahmen überlagert
Doppelbild

Hilfreich ist dabei der Modus Advanced 3D meiner Fuji W1, den ich mir auch an allen anderen Digitalkameras wünschen würde. Da er nur ein Objektiv benötigt, wäre es auch kein Problem, andere Live-View-Kameras damit auszustatten. Es ist eine reine Software-Frage. Im Advanced-3D-Modus wird bei der Aufnahme des zweiten Fotos das Bild des ersten halbtransparent mit eingeblendet. So sieht man beim Suchen des Ausschnittes zwar ein „verschwommenes“ Bild, aber man erkennt anhand der größeren Konturen, ob man in die richtige Richtung zielt.Es geht natürlich auch ohne diesen speziellen Modus. Zum Glück kann man ja direkt nach der zweiten Aufnahme zwischen beiden Einzelbildern hin- und herschalten. Mit ein wenig Erfahrung sieht man dann schon recht gut, ob sich die Bilder zur späteren Stereo-Bearbeitung eignen, oder ob man sicherheitshalber noch einen zweiten Aufnahmeversuch starten sollte.

Rot-Cyan-Anaglyphe
Blick vom KölnTriangle

Schön sieht er aus, der 3D-Blick vom Triangle-Turm in Köln. Die Basis war ca. 3-5m, schätze ich jetzt jedenfalls. Daher bekommt das Stadtpanorama eine Räumlichkeit, wie man es sonst eher auf Modellbahnanlagen wahrnimmt. Manche empfinden das als künstlich und modellhaft, aber mir gefällts.

Schaut man sich die mit SPM justierte Anaglyphe genauer an, so sieht man auch einige Schwachpunkte des Verfahrens: Da zwischen den Aufnahmen einige Sekunden vergangen sind, hat das Schiff unter der Brücke inzwischen seine Position gewechselt, und auch der Zug, der sich beim linken Bild noch unter den Bögen der Hohenzollernbrücke versteckte, ist auf dem rechten Bild in den Bahnhof eingefahren und stört so die stereoskopische Wahrnehmung. Solche inhaltlichen Unterschiede zwischen den beiden Einzelfotos nimmt unser Gehirn schnell als Fehler wahr. „Da stimmt doch was nicht!“, und schon schaut man genauer hin. Wenn man dann abwechselnd die Augen zukniept, sieht man recht einfach, wo das Stereobild inhaltliche Fehler aufweist.

Dies ist übrigens kein neues Problem: Schon vor gut 150 Jahren hatten Stereo-Fotografen damit zu kämpfen. In dem Buch, das ich im April-2010-Editorial empfehle, findet sich beispielsweise die Wiedergabe einer Stereokarte, auf der die Kirchturmuhr verschiedene Zeiten auf den Einzelbildern anzeigt. Heutzutage hat man jedoch die Möglichkeit, solche Fehler mit dem Klonstempel von SPM schon bei der Stereo-Bearbeitung zu korrigieren.

Soviel erst einmal zur Erstellung von Stereobildpaaren. Bestimmt lässt sich noch viel mehr dazu sagen, aber ich will ja auch nicht mit riesigen Textwüsten verwirren und langweilen. Wenn aber noch wichtige Aspekte unerwähnt geblieben sind, könnt Ihr mir gerne hierzu schreiben.

Rot-Cyan-Anaglyphe Rot-Cyan-Anaglyphe Rot-Cyan-Anaglyphe

Niederegger Marzipansalon Lübeck

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Fujifilm Real 3D W1

Meine 3D-Kamera: Fujifilm Real 3D W1

Auf der Suche nach einer neuen Immerdabei-Knipse begegnete mir im Oktober 2009 die Fujifilm Real 3D W1. Sie ist zwar nicht so handlich wie z. B. eine Ixus oder meine bisherige Ricoh Caplio, aber immerhin so kompakt, dass sie ebenfalls bequem in einer Gürteltasche getragen werden kann. Und sie ist für meine Zwecke ausreichend schnappschusstauglich. Außerdem hat sie einen gigantischen Vorteil: Sie macht synchrone 3D-Fotos. Sie war für mich der Auslöser, endlich mit dem faszinierenden Thema 3D-Fotografie anzufangen. Auf einmal war es nun möglich, ganz einfach selbst stereoskopische Schnappschüsse zu erzeugen. Daher möchte ich die Fuji W1 nun etwas ausführlicher vorstellen.

Fujifilm Real 3D W1, Vorderansicht
Fujifilm Real 3D W1

Nach Herunterschieben der großflächigen Linsenabdeckung schaltet sich die W1 ein und ist nach wenigen Sekunden aufnahmebereit. Nach einiger Zeit hat man sich auch als Fotograf eine Kamerahaltung angewöhnt, bei der man nicht versehentlich eines der beiden Objektive mit den Fingern verdeckt. Es empfiehlt sich die Verwendung der Handschaufe, damit sie einem nicht versehentlich herunterfällt.

Die Abbildung zeigt, dass die Kamera einen Objektiv-Abstand („Stereobasis“) von 77mm aufweist. Das ist etwas mehr als der durchschnittliche Abstand der menschlichen Augen, der gewöhnlich mit ca. 65-70mm angegeben wird. Mit der leicht vergrößerten Stereobasis will man vermutlich den 3D-Effekt etwas verstärken. Oder man brauchte den Platz zwischen den Linsen einfach konstruktionsbedingt für Akku, Speicherkarte und Elektronik.

Natürlich gibt es einige erfahrene Stereo-Fotografen, die die feste und auch noch „zu große“ Stereobasis der W1 ungünstig finden und am liebsten eine Kamera mit verstellbarem Objektivabstand hätten, aber im Alltag komme ich mit den 77mm gut zurecht, und sie passen auch ganz gut zu dem Zoombereich der Kamera. Außerdem hat die W1 einen „Advanced 3D“-Modus, in dem es möglich ist, durch Nacheinander-Aufnehmen von 2 Einzelbildern mit nur einer Linse ein 3D-Foto zu erzeugen. Zwar kann dies jede Kamera, aber bei der W1 wird man dabei optisch unterstützt, indem das erste Bild halbtransparent im Sucher eingeblendet wird, während man den passenden Bildausschnitt für das zweite Bild festlegt.

In den ersten Wochen der Stereofotografie erwischte ich mich immer wieder dabei, dass ich Objekte zu nah im Vordergrund zeigen wollte. Irgendwo las ich mal, dass man am besten eine Nahpunktweite des etwa 30fachen der Stereobasis nicht unterschreiten sollte. Bei 70mm Objektivabstand wären das also etwa 2,10 Meter und bei 80mm 2,40 Meter. Seit ich mich bemühe, meine 3D-Motive möglichst nicht näher als gut 2 Meter an die Kamera heranzulassen, habe ich wenig Probleme bei der späteren Nachbearbeitung der Stereobilder.

3D-Monitor der Fujifilm Real 3D W1
Rückseite der W1

Eine nette Besonderheit der Fujifilm Real 3D W1 ist das autostereoskopische Display auf der Kamera-Rückseite. Es ist in der Lage, die Aufnahmen räumlich anzuzeigen, und zwar ohne irgendwelche 3D-Brillen oder sonstige Hilfsmittel. Zwar muss man den Betrachtungwinkel einigermaßen genau einhalten, aber die Darstellung ist durchaus praxisgerecht. So kann man z. B. auf Partys etc. den Besuchern zeigen, warum man in 3D aufnimmt. Und somit die Vorfreude auf die Fotos steigern. Und ihnen vielleicht schonmal eine Anaglyphen-Brille überreichen, damit sie sich die Bilder später auch im Internet in 3D anschauen können.

Das Bild, das in obiger Abbildung auf dem Kamera-Monitor zu sehen ist, kann übrigens in der FotoCommunity in 3D als Anaglyphe betrachtet werden.

Wie man sieht, macht die W1 bei schönem Wetter und ausreichend Licht durchaus ansprechende Fotos. Anders sieht es bei trübem Wetter oder in der Dämmerung aus: Leider ist die Qualität der Optiken und Sensoren nicht wirklich überzeugend. Meiner Meinung nach hat Fujifilm hier am falschen Ende gespart. Statt zu starkem Rauschen neigender 2 mal 10 Megapixel hätten rauschärmere 2 mal 6 Megapixel bestimmt eine bessere Qualität ermöglicht (siehe auch den Abschnitt „Mini-Megapixel“ in Lektion 2 des Aufbaukurses).

Hinzu kommt, dass die Kamera auf mechanische Bildstabilisierung verzichtet und daher ganz gerne den ISO-Wert nach oben schraubt. Motivprogramme mit schnellen Verschlusszeiten („Sport“, etc.) sind daher kaum zu gebrauchen.

Außerdem verwendet die W1 im 3D-Modus nur einen Ausschnitt aus dem 10-Megapixel-Bild des jeweiligen Sensors (vermutlich wegen Überlappung der Einzelbilder). Dieser Crop wird dann wieder auf die 10 Megapixel vergrößert, was natürlich die Auflösung nicht steigert, aber das Rauschen noch deutlicher sichtbar macht. Den vollen Weitwinkel hat man daher nur im 2D-Modus.

In optischer Hinsicht ist die W1 ein deutlicher Kompromiss; da hatte ich mir in der Preisklasse von knapp 500 Euro etwas mehr versprochen (inzwischen, Anfang 2011, bekommt man die W1 bei Amazon etc. für etwa 200 Euro, weil es ja das Nachfolgemodell W3 gibt). Aber die W1 macht diesen Kompromiss bezüglich Bildqualität wett durch ihre schnappschusstaugliche 3D-Funktionalität, die einen erheblichen Spassfaktor mit sich bringt.

Funktion und Bedienung

Das Bedienkonzept ist größtenteils schlüssig. In normalen Aufnahmesituationen kommt man gut mit der W1 klar. Manchmal ist es ein wenig verwirrend, dass zwischen Hauptmenü, Mode-Menü, Wiedergabe-Menü, Aufnahme-Menü und F-Menü unterschieden wird, aber nach ein paar Tagen entwickelt man ein Gespür dafür, was wo stecken könnte.

Einzelne selten benötigte Funktionen sucht man jedoch (einige Wochen nach Lesen des Handbuches) recht lange. Beispielsweise konnte ich mich nicht mehr daran erinnern, wie man im „Advanced 3D“-Modus festlegt, ob zunächst das linke oder das rechte Bild aufgenommen wird. In der konkreten Aufnahmesituation habe ich es nicht gefunden; erst zuhause beim Suchen ohne Zeitdruck. Es wäre praktischer, wenn direkt beide Möglichkeiten im Untermenü der „Advanced 3D“-Funktion angezeigt würden. So aber muss man, nachdem die Funktion aufgerufen wurde (und man schon das Livebild für die Aufnahme sieht), die Menü-Taste drücken, und auf einmal ist die Rechts-Links-Umschaltung auffindbar (allerdings unter dem irreführenden Menünamen „Drehen“).

Zwischen 2D und 3D kann man in den meisten Modi einfach mit den beiden Tasten unten links umschalten. Allerdings nervt es, dass diese Umschaltung blockiert ist, wenn man gerade in „Advanced 2D“ oder „Advanced 3D“ war (bzw. die Kamera in diesen Modi ausgeschaltet hatte). Für einen schnellen Wechsel wäre es deutlich angenehmer, wenn die Kamera dann in den zuletzt aktiven Modus mit beiden Betriebsarten wechseln würde (beispielsweise Programmautomatik).

Damit sind wir bei den unterstützten Modi, die über das Menü der „Mode“-Taste umgeschaltet werden können:

  • AUTO – Die Kamera legt alle Einstellungen selbst fest.
  • SP – Verschiedene Szenenprogramme. Erläuterungen unten.
  • M – Manueller Modus, Blende und Verschlusszeit werden von Hand eingestellt (nach Druck auf die F-Menü-Taste und Öffnen des Menüpunkts „Blende & Zeit einstellen“ kann mit den Rechts/Links-Pfeiltasten die Verschlusszeit verändert werden und mit Oben/Unten die Blende).
  • A – Zeitautomatik, Blende wird von Hand eingestellt (nach Druck auf die F-Menü-Taste und Öffnen des Menüpunkts „Blende wählen“ kann die Blende mit den Rechts/Links-Tasten verändert werden, während die Oben/Unten-Tasten eine Belichtungskorrektur ermöglichen).
  • P – Programmautomatik mit möglicher Belichtungskorrektur, wählt Zeit und Blende passend zum eingestellten ISO-Wert.
  • ADV.2D – Spezielle Programme für 2D-Aufnahmen, die beide Objektive sinnvoll nutzen. Erläuterungen unten.
  • ADV.3D – Spezielle Programme zur Erzeugung von 3D-Bildern mit nur einem Objektiv. Erläuterungen unten.

Wer sich fragt, warum es denn wohl keine Blendenautomatik (Tv) gibt: Wegen Beugungsunschärfen aufgrund des kleinen Sensorformates (bzw. der daraus resultierenden kleinen Brennweite) lassen sich an digitalen Kompaktkameras die sonst üblichen hohen Blendenzahlen nicht erreichen. Bei etwa Blende 8 ist Schluss; alle noch kleineren Blenden hätten zu hohe Beugungsunschärfen zur Folge (sofern die Kompaktkameras überhaupt über variable Blendenöffnungen verfügen und nicht z.B. mit einschwenkbaren Graufiltern „abblenden“). Daher bietet die W1 (wie viele andere Kompaktknipsen ebenfalls) nur Blenden bis minimal F8 in Weitwinkelstellung bzw. F9 in Telestellung an. Hier die im Modus M bzw. A einstellbaren Blendenwerte:

  • Weitwinkel: F3,7 / F5 / F8
  • Tele: F4,2 / F5,6 / F9

Natürlich ist mit nur 3 Blendenwerten kein sinnvoller Automatikbetrieb bei fest voreingestellter Verschlusszeit möglich. Daher wurde die Blendenautomatik weggelassen.

Die Szenenprogramme im Modus SP bieten dem Fotografen folgende Möglichkeiten:

  • UMGEB&Blitz – Es werden 2 Aufnahmen nacheinander gemacht: Eine ohne und eine mit Blitz. Sinnvolles Programm.
  • UMGEB LICHT – Aufnahmen ohne Blitz. Die Lichtstimmung bleibt erhalten. (Hier kann man genauso gut Modus P oder A wählen und den Blitz abschalten).
  • PORTRAIT – Im Modus für Portrait-Aufnahmen wird vermutlich die größte Blende genommen. Wirklich geringe Schärfentiefe erreicht man damit aber auch nicht. Vielleicht wird auch die Farbwiedergabe an Portraits angepasst; das habe ich noch nicht ausprobiert.
  • LANDSCHAFT – In diesem Modus wird vermutlich die kleinste Blende (F8 bzw. F9) verwendet, da man als Landschaftsfotograf ja möglichst eine große Schärfentiefe haben möchte.
  • SPORT – Kurze Verschlusszeiten sind hier das Ziel. Bei meinen Versuchen, in diesem Modus fahrende Bahnen abzulichten, hat mich das starke Rauschen aufgrund des hohen ISO-Wertes abgeschreckt.
  • NACHT – Auch hier wird auf hohe ISO-Werte gesetzt, um Verwacklungen zu reduzieren.
  • NACHT (STAT.) – Für Nachtaufnahmen vom Stativ. Niedriger ISO-Wert und lange Belichtungszeiten.
  • SONN. UNTERG – Modus für Aufnahmen von Sonnenuntergängen. Farbtemperatur wird vermutlich darauf angepasst, damit die warmen Farben nicht von der Automatik gegenkorrigiert werden.
  • SCHNEE – Vermeidet vermutlich Unterbelichtungen bei Schneefotos.
  • STRAND – Macht wohl das Gleiche, nur in Badehose statt Ski-Anzug. :-)
  • TAUCHEN – Modus für Unterwasserfotos mit Tauchgehäuse.
  • PARTY – Modus für Innenaufnahmen.
  • MOTIVSCHÄRFE – Kurze Verschlusszeit, um Verwacklungsunschärfe zu vermeiden.

Im Modus ADVANCED 2D gibt es drei interessante Programme, die das Vorhandensein von zwei Optiken auch bei 2D-Aufnahmen nutzen: Im Programm TELE/WEIT wird mit dem einen Objektiv in Tele-Stellung gezoomt, während das zweite Objektiv die Gesamtszene als Weitwinkelaufnahme speichert. Das Programm DUAL COLOR macht die beiden Aufnahmen mit verschiedenen Farbeinstellungen. Dafür bräuchte es eigentlich keine zwei Optiken. Das dritte 2D-Programm heißt DUAL ISO und macht bei Aufnahmen mit geringem Licht z.B. eine Aufnahme mit ISO 400 und die zweite mit ISO 1600. Dann kann man später aussuchen, ob man starkes Rauschen oder Verwacklungen erträglicher findet.

Bleibt noch der Modus ADV.3D, in dem sich zwei Programme verstecken, um 3D-Aufnahmen mit variabler Stereobasis zu machen. Im Programm INTERVALL 3D gibt es die Möglichkeit, mit einer voreingestellten Intervallzeit die beiden Aufnahmen zu machen. Die Zeit kann über das Menü in diesem Modus gewählt werden: Kürzeste / 1,0 / 1,5 / 2,0 / 3,0 / 5,0 oder 10 Sekunden. Ob innerhalb der Intervallzeit die Kamera nach rechts oder links verschoben wird, lässt sich – wie oben schon bemeckert – über den falsch beschrifteten Menüpunkt „Drehen“ einstellen. Dies geht ebenso im zweiten Programm, das den schönen Namen EINZELVERS. 3D trägt und bei dem die beiden Aufnahmen jeweils einzeln ausgelöst werden. Diese Art von 3D-Fotografie geht natürlich auch mit jeder anderen Kamera. Die W1 hilft in beiden Advanced-3D-Modi jedoch durch Einblenden des ersten Bildes, den passenden Bildausschnitt für das zweite Bild zu finden. Bei kurzen Intervallen ist diese Hilfe allerdings ziemlich eingeschränkt, da das Sucher-Monitorbild nach der ersten Aufnahme erst einmal kurz dunkel wird.

Ausgabe und Bearbeitung der 3D-Fotos

Die Kamera speichert die 3D-Fotos in einem neuen Dateiformat mit der Endung .MPO, in dem die beiden Jpg-Dateien eingebettet sind. Bleibt die Frage, was man eigentlich mit den 3D-Bildern machen kann, wenn man keinen 3D-fähigen Monitor besitzt. Neben der Ausgabe der Bilder als Anaglyphen für die Stereobrille, die ich auf einer anderen Seite beschreibe, bieten sich folgende zwei Möglichkeiten an, die Fujifilm bereitstellt:

Anzeige auf einem digitalen 3D-Bilderrahmen. Gleichzeitig mit der W1 hat Fujifilm den Bilderrahmen Real 3D V1 vorgestellt, mit dem die stereoskopischen Bilder (und Videos) ohne 3D-Brille betrachtet werden können. Für über 300 Euro kann man sich aber auch einen 3D-Monitor für den PC kaufen und ist ggf. flexibler. Ein Hingucker im Wohnzimmer ist der V1 aber bestimmt. Da ich den V1 nicht besitze, verweise ich an dieser Stelle nur auf einen Kurztest; alles weitere lässt sich bestimmt per Websuche herausfinden.

Ausdruck als Lenticularbild. In den 1970ern galten sie als spitze oder dufte, später als stark, cool oder geil: Die 3D- bzw. Wackelbild-Postkarten mit Riffelfolienüberzug, die entweder ein räumliches Bild zeigten, oder beim seitlichen Kippen zwischen zwei oder mehreren Bildern wechselten. Diese „Wackelbilder“ werden z. B. als Glückwunschkarten noch immer verkauft. Im Real-3D-System von Fujifilm kann man diese Lentikularbilder nun selbst bestellen. Ganz billig ist das nicht, um es mal vorsichtig auszudrücken. Aber für besondere Anlässe mag es ganz interessant sein. Selbst getestet habe ich es noch nicht, und die Beispielbilder auf der Photokina fand ich eher enttäuschend. Weitere Infos auf www.fujifilmreal3d.com. Wer experimentierfreudig ist, kann Lentikularbilder übrigens auch selbst herstellen. Siehe www.perspektrum.de.

Man kann die schönsten 3D-Fotos im MPO-Format natürlich auch auf der Speicherkarte belassen (bzw. eine zweite Karte für das Best-Of bereithalten) und sie auf dem Kamera-Display seinen Freunden vorführen. Zwar erscheinen die Bilder dann nur etwa 56 mal 42 Millimeter groß, aber eindrucksvoll ist die Wiedergabe in 3D trotzdem (wenngleich das Display der W3 dies noch deutlich schöner kann). Diese Methode ist eindeutig die preiswerteste und einfachste.

Um die MPO-Dateien in normale Jpg-Dateien umzuwandeln, legt Fujifilm der Kamera das Programm FinePixViewer bei. Allerdings wirken die 3D-Funktionen noch ein wenig „mit heißer Nadel gestrickt“. Teilweise sind die neuen Menüpunkte noch nicht von englisch auf deutsch übersetzt. Auch friert das Programm nach dem Splitten der MPO-Dateien in Jpgs auf meinem Vista-Notebook für ca. 1 Minute ein, bevor die Jpg-Dateien in dem Programmfenster als Vorschaubildchen angezeigt werden.

Deutlich reibungsloser geht die Umwandlung mit dem kostenlosen Programm StereoPhoto Maker (SPM) das außerdem die genauere Justage und sonstige Bearbeitung z. B. für die Herstellung von Anaglyphenbildern ermöglicht. Im Datei-Menü findet man hierfür den entsprechenden Menüpunkt zum Erstellen oder Trennen von MPO-Dateien.

Leider „merkt“ Fujifilm zum gegenwärtigen Zeitpunkt, wenn man dem Lentikulardruckservice extern erzeugte MPO-Dateien unterschieben will. Es werden nur MPO-Bilder aus der Kamera angenommen, obwohl eine gewisse Nachbearbeitung mit SPM den Dateien sicherlich gut tun würde. Aber ich hebe die MPO-Dateien ohnehin unverändert auf und bearbeite nur die daraus erzeugten beiden Jpg-Dateien.

Falls das Motiv nicht für 3D taugt, lösche ich die MPO-Datei und hebe nur das jeweils bessere Jpg auf. Meist ist dies bei meiner W1 das Bild des linken Objektivs, aber in Einzelfällen (Finger vor der linken Linse, ungünstige Reflexe im linken Bild, etc.) entscheide ich mich doch für das rechte Bild. Man hat also auch bei 2D-Fotografie Vorteile durch die Wahlmöglichkeit, wenn man das Bild zunächst in 3D aufgenommen hat. Schade nur, dass einem in 3D nicht der volle Weitwinkel zur Verfügung steht.

Mein (vorläufiges) Fazit

Rückseite der Fuji W1
Fujifilm FinePix Real 3D W1

Die Fujifilm FinePix Real 3D W1 ist eine Kamera, die wirklich Spaß macht. Sie ist ein unkomplizierter Einstieg in das Thema Stereofotografie. Sie ist handlich genug, um sie immer dabei zu haben, was man von diversen Stereo-Gespannen mit zwei Kameras auf einer Schiene nicht sagen kann. Man muss sich um wenig Technik kümmern und hat eine 3D-Kamera, die schnappschusstauglich synchron auslöst. Dies alles erhält man zu einem Preis von derzeit etwa 200-250 Euro (Anfang 2011). Damit ist die W1 zur Zeit konkurrenzlos.

Allerdings erkauft man sich mit der W1 auch einige Kompromisse im Vergleich zu Digitalkameras der 250-Euro-Klasse (nur damit sollte man sie vergleichen, denn sie bietet ja 2 Kameras in 1 Gehäuse und ist konstruiert für einen Verkaufspreis von knapp 500 Euro). Die Bildqualität könnte besser sein. Fujifilm hat schon deutlich rauschärmere Sensoren entwickelt und sollte lieber in der 6-Megapixel-Schublade kramen. Die Optiken (in Periskop-Bauweise schön praktisch im Gehäuse liegend) sind auch nicht die allerbesten. Bestimmt ginge da noch mehr; und dann würde man auch langjährige Stereofotofreunde eher von der W1 überzeugen. In vielen Fällen reicht die Bildqualität leider nicht mal an frühere Aufnahmen der 3-Megapixel-Ära heran.

Dass sie nur Dreifachzoom ohne Bildstabilisierung bietet, ist auch nicht gerade Stand der Technik bei High-End-Kompaktkameras (wo Fujifilm die W1 gemäß Aussage auf der Homepage einsortiert). Aber diesen Kompromiss kann ich akzeptieren angesichts kleinerer Stückzahlen und höherer Entwicklungskosten. Für „ernsthafte“ Foto-Einsätze mit höheren Ansprüchen an die Technik habe ich ja meine Spiegelreflexkamera. Und die W1 soll diese nicht ersetzen, sondern ergänzen. Und das tut sie durchaus.

Die Nachfolgekamera W3 hat leider nur wenige Verbesserungen gebracht – ob dies den deutlichen Aufpreis wert ist, muss jeder selbst entscheiden. Die grundsätzliche Qualität von Sensoren und Optiken wurde leider nicht verbessert. Das Display ist deutlich besser geworden, die Bedienphilosophie orientiert sich eher an üblichen Standards als am „Spielekonsolen“-Design der W1. Die Videoauflösung ist gestiegen, aber die Qualität noch immer nicht wirklich befriedigend. Für mich keine ausreichenden Gründe für einen teuren Umstieg von der W1 zur W3. Aber vielleicht kommt ja mal eine W4 oder W5 mit weitergehenden Verbesserungen.

Bis dahin geb ich meine W1 aber nicht her.