England, Teil 20: Freilichtmuseum und Kupfermine Morwellham Quay

england2013-morwellham01-4368Westlich vom Dartmoor, an der Grenze zwischen Devon und Cornwall (und von unserer Unterkunft in Plymouth gut zu erreichen) liegt Morwellham Quay, ein historischer Ort mit Binnenhafen und Kupfermine, der heute als Freilichtmuseum betrieben wird und als UNESCO-Weltkulturerbe ausgezeichnet ist. Hier verbrachten wir fast den ganzen 8. Tag unserer Reise. In diesem und dem folgenden Artikel werde ich einen ausführlichen fotografischen Überblick geben.

Morwellham Quay erlebte seine Blüte in viktorianischer Zeit. Neben dem Abbau von Kupfererz – es war damals die größte Kupfermine in Queen Victorias Empire – wurde auch Mangan verarbeitet, das aus Minen weiter nördlich stammte und flußabwärts nach Morwellham Quay geschafft wurde.

Einen guten Überblick bietet auch die Karte auf der offiziellen Website von Morwellham Quay. Ich beginne mit einigen allgemeinen Fotos und Texttafeln, bevor ich dann einen fotografischen „Rundgang“ zu den einzelnen Highlights des Museumsdorfes zeige.

Die Nähe zum Wasser des Tamar River bringt von Zeit zu Zeit Überflutungen mit sich. Auf dem Foto der Hauswand sieht man – von oben nach unten – die Hochwassermarken der Jahre 1979, 1999, 1900, 1950 und 2012.

Das Mühlrad

Das Mühlrad der Manganmühle ist quasi das Wahrzeichen von Morwellham Quay. Jedenfalls sieht man es fast von überall, denn es ist wirklich riesig.

In der ersten Fotostrecke (oben) habe ich ja bereits die Infotafel über die „Mangenese Mill“ gezeigt. Da es ziemlich schlecht zu lesen ist, versuche ich mal eine Übersetzung:

Mangan, ein 1774 entdecktes neues Industriemetall, wurde ungefähr ab 1815 im westlichen Devon abgebaut. Die ‚Tavistock Manganese Mines‘ waren führend in Britannien und befanden sich etwa 16km nördlich von Morwellham in den Gemeinden Milton Abbot, Marystow, Coryton und Brentor. Ein großer Teil des dort Geförderten wurde mit Pferdewagen nach Morwellham gebracht, um dort gemahlen und dann auf dem Fluß zu verschiedenen Industriekunden in Großbritannien geliefert zu werden: Glas-Hersteller (zum Färben und Entfärben), Baumwollspinnereien (zum Bleichen) und Stahlwerke (zum Härten von Eisen).

Die Kupfermine

Erstes Highlight unserer Tour durch Morwellham Quay war die Fahrt in die Kupfermine, die „George and Charlotte Mine„. Die sollte man unbedingt dazu buchen. Allerdings wurden wir für die erste erreichbare Fahrt gebucht, so dass es etwas stressig wurde, pünktlich dort zu sein; denn der Bahnhof der Grubenbahn ist etwas außerhalb. Also lieber einen Zug später reservieren, wenn die erste Fahrt zu knapp erscheint. Dann kann man sich zuvor schonmal einen kleinen Überblick über das Gelände verschaffen, anstatt im Laufschritt hindurchzueilen.

Die akkubetriebene Grubenbahn führt zunächst in die Mine, wo man ein großes Wasserrad sehen kann, mit dem – wenn ich es recht verstanden und behalten habe – eindringendes Wasser gepumpt wurde. Einige Szenen aus dem Bergmannsleben sind mit Figuren dargestellt. Der Zug legt mehrere Zwischenhalte unter Tage ein, wo der Lokführer aussteigt und den Besuchern auf englisch zusätzliche Erklärungen gibt. Dann fährt der Zug weiter und verlässt die Mine. Nach Umsetzen der Lok in einer Spitzkehre führt die Strecke entlang des Rivers Tamar zurück zum Ausgangsbahnhof.

Wieder einmal bestätigte sich, dass langhaarige Triebfahrzeugführer besonders nette Menschen sind Q;-) – und so hielten wir am Ende der Tour noch ein kleines Schwätzchen mit unserem Grubenbahnlenker und Führer durch die Unterwelt. Unter Anderem über Bockwurst mit Senf, wie Ihr in Ilos Blogartikel nachlesen könnt.

Viktorianisches Kostüm-Museum

Nachdem wir wieder über Tage angelangt und von der Mine zurück ins Dorf gewandert waren, begaben wir uns in das Costume Try-On, also in das „viktorianische Kostümmuseum“, einer Kleiderkammer zum Stöbern und Ausprobieren. Ich habe mir nur mal einen der Hüte aufgesetzt, um zu testen, ob mir der Jörg-Uwe-Look steht. Leider vor einem Spiegel, der seit viktorianischer Zeit nicht mehr geputzt worden war. Naja, ich zeig’s trotzdem. :-)

Ilonka war da etwas versessener auf Kostümierung. Also gabs ein kleines Portraitfotoshooting:

Café und Laden

england2013-morwellham01-4428Das „Ship Inn“ und der Kolonialwarenladen sind recht nett gestaltet. Vor einem Regenschauer hatten wir uns in den Gastraum geflüchtet, der anfangs der folgenden Fotostrecke gezeigt wird. Offenbar ist man auch für größeren Andrang oder für geschlossene Gesellschaften gerüstet.

Die Dorfschule

Hier haben die Kinder gute Handschrift gelernt; allerdings nicht sehr lange, denn schon recht jung mussten sie auf der Farm oder in der Mine mithelfen.

Leider ist mir das Bild von der Tafel verwackelt. Aber zum Abschreiben genügt’s; also malt Euch ein Neues. :-)

Die Schultoilette ist doch sehr eindrucksvoll. Graffitifreie Wände, zweckmäßige Einrichtung, was will man mehr?

Herstellung von Seilen

Eine richtige Seilerei ist es zwar nicht, was gleich neben der Schule zu finden ist, aber in Vorführungen wird das Rope Making sehr gut erklärt und demonstriert.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Das Tauziehen am Ende der Vorführung dient übrigens nicht (nur) der Belustigung der Zuschauer, sondern das Seil wird durch das Strecken geschmeidiger. Am Ende bekamen die fleißigen Helfer jeweils ein kleines Stück ihres selbstgemachten Seiles geschenkt.

Kalkofen

In Morwellham wurde auch Kalk gebrannt. Reste der Kalköfen kann man besichtigen; man wird aber vor Ort nicht recht schlau daraus, wenn man das Wort „Limekilns“ nicht versteht und kein Wörterbuch zur Hand hat.

Farm und Cottage

In Morwellham Quay hat die BBC die Serie Edwardian Farm gedreht (hier ein Link zu den 12 Episoden auf Youtube). Auch in der Ausstellung findet man an geeigneten Stellen Bezüge zu dieser bekannten Serie, beispielsweise in „Ruth’s Cottage“.

In der Serie erwacht Morwellham Quay auf ganz besondere Weise zu neuem Leben. Aber auch im ’normalen‘ Museumsbetrieb wird es ein Stück lebendig durch seine tierischen Bewohner:

Eingemachtes von 1860 würde ich nicht mehr essen; mein früherer Vermieter in Köln war da allerdings anderer Meinung. Also ist es gut, dass sie’s für schlechtere Zeiten aufheben. ;-)

Wasserkraftwerk und Museum

Etwas außerhalb des Museumsdorfs kann man sich das Besucherzentrum des Wasserkraftwerks Morwellham anschauen. Außerdem bietet das Museum im Dorf interessante Hintergrundinfos und Exponate über das Leben in Morwellham:

Damit sind wir am Ende des ersten Teils meines Rundgangs durch Morwellham Quay angelangt. Im nächsten Teil werde ich zeigen, was Morwellham (mal wieder… ;-)) mit der Musik von Seth Lakeman zu tun hat. Außerdem gibt es (hoffentlich, wenn sie was werden…) Panoramen aus der Schmiede und aus der Fassbinderei.

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