HDR-Panoramen mit Hugin erstellen, Tutorial Teil 9

Im vorigen Teil dieses Tutorials wurden die drei unterschiedlich hellen equirektangularen Panoramen für die HDR-Bearbeitung erzeugt. In diesem Teil geht es darum, wie sie zusammengesetzt werden. Hugin kann dafür geschlossen werden; jetzt braucht es ein HDR-Programm.

Wer ein solches als Vollversion besitzt, kann den folgenden Abschnitt überspringen und mit seinem Programm direkt aus den drei Panoramen das gewünschte HDR erzeugen. Ich zeige hier jedoch nun einen Weg, wie man es mit der Testversion von Photomatix Pro machen kann. Diese blendet dreimal in das berechnete HDR-Bild einen großen Schriftzug „Photomatix“ ein. Was kann man tun? Als Abhilfe kann man das Programm kaufen und mit einem Lizenzschlüssel freischalten. Oder man geht wie folgt vor:

Nachtrag (25.5.2012): Den im folgenden Abschnitt beschriebenen Tintenkiller-Trick kann man sich auch dann sparen, wenn man in Photomatix Pro die Voreinstellung „Fusion – 2 Bilder“ verwendet. Zumindest in meiner Version 4.1.4 erzeugt die Verrechnung von nur 2 Bildern kein Wasserzeichen. Leider sind die Einstellungsmöglichkeiten sehr beschränkt. Aber für etliche Panoramen mag es ausreichend sein, nur 2 Bilder zu nehmen. Beispielsweise das Normale und das Dunkle, wenn es darum geht, dass Fenster nicht überstrahlen. Doch nun weiter im Tutorial mit dem Tintenkiller-Trick:

Panoramen verdoppeln

Der folgende Trick ist eine Abwandlung dessen, was ich schon vor längerer Zeit hier im Fotokurs als Tintenkiller-Trick vorgestellt habe. Im Prinzip geht es darum: Man öffnet jede der drei Belichtungsvarianten und baut sie so um, dass das Panorama darin zweimal erscheint. Dann macht man daraus ein Doppel-HDR mit dem unerwünschten Wasserzeichen. Als dritten Schritt legt man die beiden Teile als Ebenen bzw. Objekte übereinander. Die Schriftstellen – Bibelfreunde aufgepasst ;-) – kommen an unterschiedlichen Positionen zu liegen. Man muss nur auf der oberen Ebene weich radieren, dann kommt unter der Schrift das unbeschriftete Bild der unteren Ebene zum Vorschein. Im Detail:

In Gimp öffne ich zunächst das normalbelichtete Panorama. Mit dem Menüpunkt Bearbeiten – Kopieren nehme ich dessen kompletten Inhalt (also die ganzen 8000 x 4000 Pixel) in die Zwischenablage. Dann öffne ich mit Bild – Leinwandgröße… den nebenstehenden Dialog.

Zunächst steht da die ursprüngliche Größe von 8000 x 4000 Pixeln. Ich öffne das Verkettungs-Symbol zwischen den beiden Zeilen Breite und Höhe, um die Höhe unabhängig von der Breite verändern zu können. Dann trage ich die neue Höhe 8000 Pixel ein. Das Bild hat nach Bestätigung durch „Größe ändern“ eine Größe von 8000 x 8000 Pixel (also 64 Megapixel; ein ganz schöner Brocken).

Jetzt kommt es darauf an, die Bildinformation aus der Zwischenablage pixelgenau auf die untere Hälfte zu bringen. Mit Bearbeiten – Einfügen als – Neue Ebene legt Gimp diese zunächst exakt auf Position 0,0 über das Bild der Hintergrundebene. Leider habe ich noch nicht herausgefunden, wie man dies in Gimp numerisch um 4000 Pixel nach unten schieben kann. Daher behelfe ich mir, indem ich die neue Ebene mit dem Verschieben-Werkzeug ein paar Pixel zu weit rechts und zu weit unten platziere (siehe Bild).

Dann vergrößere ich die kritische Ecke zwischen den Bildern auf 800% und kann sie dann mit der Maus gefahrlos und pixelgenau an ihren exakten Platz schieben.

Jetzt wird sie durch Ebene – Nach unten vereinen mit auf die Hintergrundebene eingebunden. Die neue Datei wird unter einem anderen Dateinamen abgespeichert. Das Gleiche wird auch mit dem dunklen und dem hellen Panorama gemacht. Damit sind die Vorbereitungen für den Tintenkiller-Trick fertig.

HDR und Tonemapping

Die drei unterschiedlichen Doppelpanoramen werden nun in die Testversion des HDR-Programms Photomatix Pro gezogen.

Die Testversion ist übrigens unbegrenzt lange lauffähig, aber solange das Programm unregistriert ist, erzeugt sie halt die Wasserzeichen, die wir gleich sehen werden.

Hugin benötigt noch den Blendenstufen-Abstand der 3 Bilder. Da sie mit +/- 3 Blendenstufen entstanden sind, wird hier einfach die 3 eingestellt und mit OK bestätigt.

Dann möchte Photomatix noch wissen, was es sonst zu beachten hat. „Ausgangsbilder ausrichten“ würde ich eher nicht empfehlen. Ich habe es nicht getestet, aber ich könnte mir vorstellen, dass sich die Bildgröße geringfügig ändert und linker und rechter Rand des Panoramas danach nicht mehr nahtlos aneinanderfügen lassen. Und die Bilder sind ja nahezu perfekt ausgerichtet.

„Geisterbilder entfernen“ habe ich ausgewählt. Hier geht es nicht um die Geisterbilder aus Teil 6, die durch ungünstige Überblendungen innerhalb des Panoramas entstehen. Sondern hier geht es um Geisterbilder, die durch Bewegungen bei der Aufnahme des Panoramas entstanden sind. Die automatische Erkennung von Hugin leistet hier ganz gute Arbeit. Dennoch sollte man darauf achten, die drei zusammengehörenden Fotos jeweils dann zu machen, wenn sich gerade möglichst wenig bewegt.

Die Photomatix-Rauschreduzierung habe ich bisher nicht für nötig befunden und daher noch nicht getestet. Und die Reduktion der chromatischen Aberrationen (Farbsäume an kontrastreichen Kanten) lässt sich am fertigen Panorama vermutlich auch nicht mehr gescheit rückrechnen; dies wäre eher eine sinnvolle Option bei der Raw-Entwicklung gewesen.

Nach Bestätigung der Dialogbox vergehen einige Sekunden. Dann erscheint das Vorschaufenster für das Tonemapping:

Ich habe das Panorama zunächst mit „Fusion – Standard“ verarbeiten lassen. Wenn man mag, kann man am linken Bildrand noch etwas Feinjustage vornehmen.

Nachtrag (noch am Veröfffentlichungstag): Wenn man sich die Einstellmöglichkeiten im Screenshot genau anschaut, dann sieht man einen Scrollbalken, mit dem sich weitere Optionen sichtbar machen lassen. Da sollte man unbedingt runterscrollen und die Option „360°“ anklicken, damit Photomatix Pro das HDR so berechnet, dass linker und rechter Rand auch nachher noch nahtlos aneinander passen. Gut versteckt, aber doch noch gefunden…

Das fertige Tonemapping-HDR-Bild zeigt nun das ‚gefürchtete‘ Wasserzeichen. Ich speichere das Ergebnis als 6thb03-2equirect-hdr.jpg und wähle im Bearbeiten-Menü „Tone Mapping widerrufen“, um gleich noch einmal die Vorschauseite zu sehen. Als zweite Variante lasse ich die Vorgabe „Enhancer – Malerisch“ zum Zuge kommen, ebenfalls mit ein paar Möglichkeiten des Finetunings mit den Knöppen und Schiebern am linken Bildrand. Diese zweite Version speichere ich als 6thb03-2equirect-malerisch.jpg. Damit hat das HDR-Programm Photomatix Pro seinen Job als Testversion erledigt und kann geschlossen werden.

Wasserzeichen entfernen

Nun öffne ich das erste Doppel-HDR in Gimp und erfreue mich der schönen Qualität von Photomatix Fusion. Nur die Buchstaben stören irgendwie. Nicht mehr lange…

Mit dem Werkzeug „Rechteckige Auswahl“ ziehe ich ein Kästchen in etwa über die untere Panorama-Ansicht. Dann kann  man am linken Rand den den Optionen des Werkzeugs Position und Größe exakt numerisch festlegen: Position 0 und 4000 Pixel. Größe 8000 mal 4000 Pixel. Schon ist die untere Bildhälfte exakt ausgewählt.

Mit Bearbeiten – Ausschneiden kommt sie nun in die Zwischenablage. Mit Bild – Automatisch zuschneiden wird die nun leere untere Leinwandhälfte entfernt. Damit hat das Bild wieder 8000 x 4000 Pixel. Und mit Bearbeiten – Einfügen als – Neue Ebene kommt das untere Panorama exakt auf dem oberen Panorama zu liegen.

Nun liegen beide Bilder als separate Ebenen übereinander. Bis auf die Wasserzeichen sind sie nahezu exakt gleich.

Jetzt kommt der Moment für den digitalen Tintenkiller. Das Radierer-Werkzeug wird möglichst groß und mit möglichst weicher Kante eingestellt. Damit kann man die Schrift Photomatix nun unsichtbar machen. Der Screenshot zeigt es: Von Photomatix ist nur noch oma übrig. Aber auch Oma muss dem Fortschritt weichen.

Glücklicherweise steht das Wasserzeichen auf der oberen Ebene nur einmal. Die beiden anderen Schriftzeilen sind auf der unteren Ebene und werden ohnehin abgedeckt. So ist man schnell fertig mit dem Tintenkiller-Trick.

Wenn man nicht sicher ist, ob man alle Buchstabenteile erwischt hat, kann man probeweise den Ebenen-Modus mal auf „Abziehen“ umschalten. So sieht man sehr gut, wo man schon radiert hat, und ob dieser Bereich noch „schwarze Flecken“ hat.

Übrigens kann man auch erkennen, dass die angrenzenden dunklen Bereiche nicht völlig schwarz sind, was sie eigentlich sein müssten, wenn obere und untere Bildhälfte keine Helligkeitsunterschiede (bis auf die Stellen mit Schrift) hätten. Es sind aber dunkle Konturen erkennbar. Offenbar sind die beiden Panoramen innerhalb des Bildes nicht exakt gleich. Das ist auch der Grund, weshalb wir mit weicher Radierer-Kante arbeiten. So entstehen keine Kanten, sondern das Radieren bleibt unsichtbar.

Wenn fertig radiert ist, kann die Ebene wieder auf den Modus „Normal“ umgeschaltet werden und mit der darunter liegenden Ebene vereint werden. Schon haben wir das Fusion-HDR ohne Wasserzeichen. „Speichern unter“ wäre jetzt ne gute Idee. Da das Bild jetzt nicht mehr 2 equirektangulare Panoramen enthält, nenne ich es jetzt nicht mehr 6thb03-2equirect-hdr.jpg, sondern 6thb03-equirect-hdr.jpg – das erste HDR-Panorama ist nun fertig.

Feinabstimmung des HDR-Panoramas

Die gleiche Radiererei mache ich dann auch mit der „Malerisch“-Version. Der Ausschnitt aus dem Bild zeigt allerdings, dass es hässliche Fleckenbildung im Bereich der Glasdächer hat. Dort gibt es seltsame Kontrast-Sprünge. So kann das nicht bleiben.

Falls jemand ne Ahnung hat, ob das bei dem Enhancer-Malerisch so gehört bzw. was man dagegen tun kann, bin ich für Tipps (in den Kommentaren zu dieser Seite) sehr dankbar.

Für das fertige Panorama habe ich jedoch einen weiteren Trick angewandt, um einerseits den etwas surrealeren bzw. „malerischen“ Eindruck in das Bild zu bekommen, andererseits aber die seltsamen Hallendach-Fehler nicht zu behalten. Ich habe die Malerisch-Version als Ebene über die Standard-HDR-Version (Fusion) gelegt und eine mittlere Transparenz eingestellt. Dann habe ich ein wenig mit den verschiedenen Ebenen-Modi experimentiert. Der Modus „Faser mischen“ bei 50% Deckkraft (entspricht ‚zufällig‘ auch 50% Transparenz) hat mir am besten gefallen. Dies ist dann auch die finale Version, die ich bei 360cities hochgeladen habe.

Hier zum Vergleich alle 4 Versionen in der Windows-Vorschau:

Von hinten nach vorne (bzw. von oben nach unten) – auch wenn die Dateinamen es eigentlich schon verraten: Die Normal-Version ohne HDR, dann die HDR-Version „Fusion“, dann die HDR-Version „malerisch“, und als schönstes Exemplar (oder etwa nicht?) der HDR-Mix mit dem Ebenenmodus „Faser mischen“.

Nun bleibt nur noch die Frage offen, wie man daraus denn den „Kleinen Planeten“ in HDR herstellen kann, den ich im ersten Teil und in der Tutorial-Übersicht gezeigt hatte. Dies ist Thema im zehnten und letzten Teil dieses umfangreichen Tutorials über HDR-Panoramen mit Hugin.

Hugin-Tutorial: [Übersicht] [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9] [10]

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